Kinkel | Die Schatten von La Rochelle | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 422 Seiten

Kinkel Die Schatten von La Rochelle

Roman | Ein großes Historienepos im Frankreich von Alexandre Dumas' »Die drei Musketiere«
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95520-764-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Ein großes Historienepos im Frankreich von Alexandre Dumas' »Die drei Musketiere«

E-Book, Deutsch, 422 Seiten

ISBN: 978-3-95520-764-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Leidenschaft, Rache und ein düsteres Geheimnis in der Vergangenheit Welchen Preis muss man zahlen für Liebe, Loyalität und das eigene Glück? Frankreich im Jahre 1640. Die schöne und gebildete Herzogin Marie hat gelernt, ihre Gefühle hinter einer Maske aus Disziplin und kühler Gelassenheit zu verbergen. Dann aber lernt sie den mysteriösen Paul D'Irsdmasens kennen. Zum ersten Mal in ihrem Leben möchte sie sich fallen lassen, einem Mann ohne Wenn und Aber vertrauen. Doch sind Pauls Gefühle echt oder sucht er nur Maries Nähe, um an ihren Onkel heranzukommen? Armand de Richelieu, Kardinal und Erster Minister Ludwigs XIII., ist ein Mann, den viele hassen - und der nur eine einzige Schwäche hat: Marie. »Mit 19 der erste Roman und heute Millionenauflagen. Sie schreibt solide historische Romane. So solide, dass sogar ein Kritiker der Neuen Zürcher Zeitung sich begeisterte: ?Ein flott geschriebenes, achtbares Stück seiner Gattung.? Die Leser nehmen's einfach: Sie kaufen und genießen.« Die ZEITTanja Kinkels Bestseller »Die Schatten von La Rochelle« über die berühmt gewordene Belagerung von La Rochelle - inklusive ergänztem Nachwort und exklusivem Interview; für alle Fans der Bestseller von Rebecca Gablé.

Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, studierte und promovierte in Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft. Sie erhielt acht Kultur- und Literaturpreise, Stipendien in Rom, Los Angeles und an der Drehbuchwerkstatt der HFF München, wurde Gastdozentin an Hochschulen und Universitäten im In- und Ausland sowie Präsidentin der Internationalen Feuchtwanger Gesellschaft. 1992 gründete sie die Kinderhilfsorganisation Brot und Bücher e. V, um sich so aktiv für eine humanere Welt einzusetzen (mehr Informationen finden Sie auf der Website brotundbuecher.de). Tanja Kinkels Romane, die allein in Deutschland eine Gesamtauflage von über sieben Millionen erzielten, wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt und spannen den Bogen von der Gründung Roms bis zum Amerika des 21. Jahrhunderts. Bei dotbooks veröffentlichte Tanja Kinkel ihre großen Romane »Die Puppenspieler«, »Die Löwin von Aquitanien«, »Wahnsinn, der das Herz zerfrisst«, »Mondlaub«, »Die Söhne der Wölfin« - der Roman ist auch im Sammelband »Die Frauen der Ewigen Stadt« erhältlich -, »Die Schatten von La Rochelle« und »Unter dem Zwillingsstern«, die Novelle »Ein freier Mann« sowie ihre Erzählungen »Der Meister aus Caravaggio«, »Reise für Zwei« und »Feueratem«, die auch in gesammelter Form vorliegen in »Gestern, heute, morgen«. Die Kurzgeschichte »Ein unverhofftes Weihnachtswunder« ist außerdem in der Anthologie »Kerzenschein und Schneegestöber« erhältlich. Die Autorin im Internet: tanja-kinkel.de
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Kapitel 1


Charlotte Dieudonnée hatte lange in der Rue Saint Honoré gewartet, ehe sie das Palais Cardinal betrat. Sie war viel zu früh gekommen, aber sie hatte nicht gewagt, vor dem Zeitpunkt vorzusprechen, der ihr genannt worden war.

Es überraschte sie ohnehin, daß die Herzogin von Aiguillon sie persönlich zu sehen wünschte. Gewöhnlich überließen vornehme Damen die Einstellung ihres Personals dem Haushofmeister; die Herzogin von Elbeuf hatte es gewiß so gehalten. Unwillkürlich straffte sie die Schultern; die Stäupung lag nun lange genug zurück, aber sie spürte immer noch die Schläge auf ihren Schultern, als sei es gestern gewesen.

Während sie Le Val, dem Lakai, dem sie es verdankte, daß man sie heute hier empfing, durch die Gänge des Palais Cardinal folgte, nagte der Hunger an ihr. Sie wußte nicht, wann sie zum letzten Mal gegessen hatte; was ihr an Geld verblieben war, hatte dazu gedient, ihr Kleid zu waschen und aufzubessern, damit sie auf die Herzogin einen guten Eindruck machte. Um das hohle Gefühl im Magen zu vergessen, hob sie den Blick von Le Vals eilig klackenden Schuhen, die vor ihr herschritten, und schaute sich um.

Sie hatte noch nie so viele Bilder hintereinander gesehen; auch kleine weiße Statuen gab es, aber im Vorbeigehen konnte sie keine erkennen, die wie ein Heiliger oder ein Engel aussah. Das bestätigte, was Annette d'Elbeuf ihr von der Gottlosigkeit des Mannes erzählt hatte, dem das Palais gehörte und den Madame d'Elbeuf nur als »diesen furchtbaren Priester« bezeichnete. Aber so vieles, was Annette und Madame behauptet hatten, waren Lügen gewesen, daß es sie nicht wundern würde, wenn sich seine Eminenz, der Kardinal Richelieu, als frommer Einsiedler erwies. Außerdem war sie inzwischen fast bereit, im Haus des Antichristen selbst zu dienen.

Le Val blieb vor einer Tür stehen und drehte sich um. »Du bist dünner geworden«, sagte er. »Und noch kleiner.« Charlotte schoß das Blut in die Wangen. Sie wußte genau, worauf er jetzt anspielte, und sah sich, wie er sie gesehen hatte: mit entblößtem Oberkörper und kurzgeschorenen Haaren, während sie ihre Strafe empfing. Irgendwie fand sie den Mut, ihm zu antworten. »Wenn dir dein Angebot leid tut, dann laß es doch.«

»Nein, nein, ich bleibe dabei«, gab er spöttisch zurück. »Schließlich seid ihr Mulattinnen selten, und es täte mir leid, wenn ich dich in ein paar Monaten auf dem Pont-Neuf wiederfände, nachdem jeder dich schon gehabt hat.«

Früher, in der unbekümmerten Selbstsicherheit ihrer Stellung als Annettes Ziehschwester und Freundin, hätte sie ihn dafür ins Gesicht geschlagen, oder vielleicht hätte sie auch nur darüber gelacht und wäre fortgegangen, wie sie es einmal getan hatte, als er zum ersten Mal andeutete, was er von ihr wollte. Jetzt wußte sie, daß er recht hatte. Noch ein paar Monate, und sie würde sich verkaufen und Glück haben, wenn es Männer gab, die für eine freie Mulattin wegen ihres exotischen Reizes mehr zahlten als für jedes andere Straßenmädchen.

»Nun komm«, sagte Le Val, während er beobachtete, wie sie ihren Zorn hinunterschluckte, »Madame wartet.«

Er klopfte, öffnete die Tür und sagte mit einer Stimme, der völlig der Poiteviner Akzent fehlte, mit dem er sonst redete: »Madame, das Mädchen, von dem ich sprach, ist hier.«

Charlotte machte einen Schritt nach vorne, versank sofort in einen Knicks und starrte auf den Boden, bis eine kühle, gleichmäßige Stimme sie aufforderte: »Komm näher.«

Erst dann gestattete sie sich, während sie sich langsam erhob, einen ersten Blick auf die Nichte des Kardinals.

Marie de Vignerot, Herzogin von Aiguillon, stand hinter einem breiten, ausladenden Tisch mit geschwungenen Beinen, und als erstes fiel Charlotte auf, daß sie beide etwa die gleiche Größe haben mußten, denn sie konnte ihr direkt in die Augen sehen, während sie sich näherte. Dann bemerkte sie mit dem geübten Auge einer Zofe, die an Annettes prächtige Roben gewöhnt war, daß die Herzogin offensichtlich weniger Wert auf Prunk denn auf Haltbarkeit legte, denn an ihr Kleid waren keine Juwelen genäht, die ihm Glanz verliehen hätten, die Reinigung aber ungeheuer erschwerten. Gleichwohl, der schwarzglänzende Stoff war gutes Material, Satin wahrscheinlich. Für ihr Haar brauchte sie wirklich eine Zofe, stellte Charlotte fest. Es war glatt und dunkel wie ihre Augen, ganz gegen die Mode ohne auch nur die kleinste eingebrannte Locke, und statt in der Mitte gescheitelt, trug sie es nach hinten gekämmt, so daß es fast wie der Schleier einer Nonne wirkte. Der Haarreif allerdings bestand aus sehr wertvoll aussehenden Perlen, und Charlotte mußte eingestehen, daß diese altmodische Frisur, die das Gesicht völlig frei ließ, seine Schönheit betonte: die hohen Wangenknochen, die gerade, lange Nase und die kräftigen, geschwungenen Augenbrauen.

Sie hatte Zeit für all diese Beobachtungen, weil die Herzogin sie ebenfalls sehr ausführlich und schweigend mit ihren seltsamen schwarzen Augen musterte. Charlottes eigene schimmerten in einem warmen Braun, und sie hatte bisher noch nie jemanden mit wirklich schwarzen Augen gesehen. Es war beunruhigend, von ihnen derartig fixiert zu werden, weswegen sie ihre Betrachtungen über die Erscheinung der Herzogin fortsetzte. Sie wollte jetzt nicht darüber nachdenken, ob dieser lange starre Blick bedeutete, daß die Herzogin sie nicht mochte.

»Es ist gut«, sagte die Herzogin schließlich und nickte Le Val zu. »Du kannst gehen.«

Als Le Val die Tür vorsichtig hinter sich geschlossen hatte, schaute sie wieder zu Charlotte. »Le Val hat mir erzählt, daß du die Zofe von Annette d'Elbeuf warst.«

»Ja, Madame«, erwiderte Charlotte, die annahm, daß eine Bestätigung von ihr erwartet wurde. Die Herzogin wartete, doch Charlotte sprach nicht weiter. Das Mädchen zuckte allerdings zusammen, als ein gelbbraun getigertes Etwas auf den Tisch sprang. Seine Herrin setzte sich, nahm es auf den Schoß und begann, es zu streicheln, worüber Charlotte unwillkürlich fasziniert war. Sie hatte noch nie eine zahme Katze aus nächster Nähe gesehen; die Damen, die sie kannte, hielten, der Mode entsprechend, Schoßhunde.

»Ich habe Annette d'Elbeuf in den letzten Jahren gelegentlich zu Gesicht bekommen«, sagte Marie de Vignerot mit gleichbleibend kühler Stimme. »Ihre äußere Erscheinung ließ nichts zu wünschen übrig. Weswegen bist du also entlassen worden?«

Charlotte biß die Zähne zusammen. »Wegen Schamlosigkeit und Unzucht«, entgegnete sie tonlos. Wenn die Herzogin überrascht oder empört war, so ließ sie es sich nicht anmerken. »Hast du noch etwas hinzuzufügen?« erkundigte sie sich sachlich.

Es würgte sie in der Kehle, aber Charlotte schüttelte den Kopf und brachte schließlich ein »Nein, Madame«, heraus. Sie hatte nicht die Absicht, sich zu verteidigen, obwohl sie es hätte tun können. Aber die Erinnerung an das, was ihre letzte Verteidigung ihr eingebracht hatte, brannte noch auf ihren Schultern. Schlimmer jedoch war Annettes aufgebrachte, schrille Stimme, die in ihrem Kopf widerhallte.

»Du Hure, du wagst es, zu behaupten, er hätte dich vergewaltigt? Du hast ihn in dein Bett gelockt, meinen Verlobten, du undankbare kleine Schlampe ...«

Bis zu diesem Moment hatte sie wirklich geglaubt, was Annette ihr während ihrer beider Kindheit immer wieder versichert hatte: Du bist nicht meine Dienerin, Charlotte, du bist meine Freundin. Wir sind fast wie Schwestern. Sie hatte wirklich angenommen, Annette würde ihre Partei ergreifen und sie vor dem jungen Enghien beschützen. Etwas in ihr hatte sich sogar dann noch daran geklammert, als sie gestäupt wurde, bis sie endgültig begriff, daß sie für die Familie d'Elbeuf, einschließlich Annette, nur eine Dienerin von vielen war, weniger als ein Nichts, ein Spielzeug höchstens, das man besser los wird, wenn es anfängt, lästig zu werden.

Schließlich hatte die Herzogin von Elbeuf sie einst als kleines, heimatloses Kind aus den Pariser Straßen nur deshalb aufgelesen, weil die kleine Annette sie gesehen hatte und als Spielgefährtin haben wollte. Das braune Mädchen, Mama, ich will das braune Mädchen haben!

»Charlotte Dieudonnée Ich nehme an, du bist Waise?« unterbrach Marie de Vignerot ihre Gedanken.

»Ja, Madame«, erwiderte Charlotte einsilbig und dachte erbittert, daß sie vermutlich von Glück sagen konnte, wenn man sie nicht als Sklavin, sondern als Bedienstete einstufte. Wahrscheinlich hatte sie das ihrem Namen zu verdanken; »Dieudonnée«, gottgegeben, nannte man bei der Taufe all die Kinder, die auf kirchlichen Schwellen ausgesetzt wurden, und Charlotte mußte getauft worden sein und in einem Spital ihre ersten Lebensjahre verbracht haben, auch wenn sie kaum noch etwas davon wußte. Sonst hätte sie sich nicht an diesen Namen erinnern können, als Annette sie damals danach fragte. Und Sklavenkinder taufte man nicht.

Das Schweigen zwischen ihr und der Herzogin von Aiguillon dehnte sich aus, bis es beinahe in der Luft zu spüren war. Charlotte gab die Hoffnung auf, hier eingestellt zu werden – oder bei irgendeiner anderen Dame. Sie hatte es in den letzten Monaten bei allen versucht, die sie durch Annette d'Elbeuf kannte, und bei einigen, von denen sie nur den Namen wußte, und hatte ähnliche Gespräche mit vielen Haushofmeistern geführt, bis sie schließlich verzweifelt genug war, um auf Le Vals Angebot einzugehen.

Was wißt Ihr schon davon, dachte sie, und erwiderte den Blick der Herzogin zum erstenmal mit gleicher Intensität, was wißt Ihr schon davon, wie es ist, auf einmal auf der Straße zu stehen und alles verloren zu haben, alles. So etwas geschieht Damen Eures Standes nicht. Wenn Annette von demselben Mann schwanger...



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