E-Book, Deutsch, Band 4, 140 Seiten
Reihe: Single Bells
Kinsley Single Bells: Ein Professor zum Verlieben
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7554-2390-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 4, 140 Seiten
Reihe: Single Bells
ISBN: 978-3-7554-2390-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
'Tag 518 meiner Gefangenschaft. Ich saß noch immer in der elften Reihe. Ganz außen, Fensterplatz. Auch an diesem Tag fielen die Schneeflocken. Dick und schwer, als wollten sie ganz New York unter sich begraben, mich in dieser Uni gefangen nehmen, bis ich unter der dicken, schweren, weißen Schneeschicht erstickte. Okay, maybe war ich heute mal wieder ein wenig melodramatisch und ich saß einfach nur im dritten Jahr in meiner Physikvorlesung, die mich leider so gar nicht die Bohne interessierte.' Für Lea ist jedes Traumland besser als der Physiksaal, in dem sie tagtäglich ihre Stunden absitzen muss. Nicht einmal Dr. Hot Clay Davis schafft es, ihr Interesse für Physik zu wecken. Ihre träumerische Art treibt ihn in den Wahnsinn und zieht ihn gleichzeitig magisch an. Als dann noch eine Portion Eifersucht ins Spiel kommt, fliegen die Fetzen, und sie kommen sich näher, obwohl das nur Probleme für beide Seiten bedeuten kann. Dies ist der 4. Teil der 'Single Bells'-Reihe. Die vier Bände der »Single Bells«-Reihe spielen zeitgleich in New York während der Weihnachtszeit. In jedem Band geht es um ein anderes Pärchen, sie können also unabhängig voneinander gelesen werden, es gibt aber wiederkehrende Figuren.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Lea „Wenn du dich nicht bald konzentrierst, wird er dir den Kopf abreißen“, flüsterte meine Freundin Pixie und holte mich damit zurück aus meinem eigenen kleinen Traumland. Dort befand ich mich oft. Umgeben von all den Fantasiegebilden, Werwölfen, Vampiren, Mädchen, die durch Raum und Zeit reisen können. Sie alle wollten mir ihre eigene kleine Geschichte erzählen, wollten, dass ich sie niederschreibe, damit der Rest der Menschheit sie lesen konnte. Doch leider war das alles eben nichts als meine Fantasie. Denn in der Wirklichkeit saß ich in einer Physikvorlesung. Ja, wirklich. Physik. Wann immer ich hier saß und die Formeln für Kreisbewegungen oder noch komplizierteres Zeug sah, drehte sich mir der Magen um. In diesen Momenten ärgerte ich mich darüber, dass ich so schlecht im Neinsagen war. Ansonsten hätte ich meinen Eltern einfach sagen können, dass ich wirklich nicht der Typ für ein Physikstudium war. Doch es war unsinnig, darüber nachzudenken. Ich wollte sie nicht enttäuschen, würde es niemals wollen, also blieb mir nichts anderes übrig, als in ihre Fußstapfen zu treten und ebenfalls eine steile Karriere in der Physikbranche hinzulegen. Na ja … meine würde wohl eher sehr flach werden, sofern ich nicht irgendwann meine Leidenschaft für all dieses mathematische Gebrabbel entwickeln würde. Für mich klang Physik immer eher nach: Wenn drei Pudel im Kreis rennen, wiegt das passende Quadrat dazu drei Lichtjahre. „Lea!“, zischte Pixie. Blinzelnd wandte ich mich ihr zu, bewunderte ein weiteres Mal ihre kurzen lila Haare und ihre feinen Gesichtszüge. Pixie könnte die Heldin in meinem nächsten Roman sein. Genau so, wie sie war, mit ihrer frechen Art und dem vorlauten Mundwerk. Pixie war so anders als ich. Wo ich mich in meiner Fantasie verlor, war sie in der Physik zu Hause. Ich war eher der stille Typ, während sie sich kein Blatt vor den Mund nahm. Eigentlich passten wir so gar nicht zusammen. Genauso wie der Rest unserer kleinen Truppe. Auch Bailey und Jamie waren nicht auf den Mund gefallen, immer geradeheraus und standen mit beiden Beinen im Leben. Und ich … Nun, ich wusste gar nicht so genau, warum ich in die Truppe tougher Mädels gerutscht war. Ich war ruhig, introvertiert, verträumt und … „LEA!“, zischte Pixie erneut. „Was?“ Blinzelnd drehte ich mich zu ihr und sah sie fragend an. Immer wieder nickte sie unauffällig auffällig nach vorn, und es dauerte einen Moment, bis ich verstand, was sie mir sagen wollte. Widerwillig wandte ich mich ebenfalls der Tafel zu. Von dort aus fixierte mich ein äußerst angepisst wirkender Professor Dr. Clay Davis. Er hatte die muskulösen Arme vor der breiten Brust verschränkt. Für einen Professor und Physik-Nerd war er eindeutig zu gut trainiert, und ich würde ziemlich viel dafür geben, zu erfahren, woran das wohl liegen mochte. Vielleicht war er ein Schwimmer wie der heiße Wassermann aus meinem neuesten Hirngespinst. Dieser hatte zwar noch keine grauen Strähnen wie Professor Hot, aber selbst das sah an Dr. Davis einfach nur heiß aus, auch wenn ich es nicht gern zugeben wollte. „Miss Brown, vielleicht schaffen Sie es ja nach der Vorlesung, mir einige Minuten Ihrer Aufmerksamkeit zu schenken.“ Meine Wangen wurden schlagartig rot, was bei meinem blassen Teint leider immer sofort auffiel. In solchen Momenten verfluchte ich meine roten Haare und die weiße Haut mit den vereinzelten Sommersprossen. Verlegen nickte ich und schielte dann aus dem Augenwinkel zu Pixie, als ich diese verhalten kichern hörte. „Lass das“, murmelte ich und schämte mich dafür, dass ich wieder einmal nicht mitbekommen hatte, dass Professor Davis mich angesprochen hatte. Verdammte Traumwelten. Verdammter Schnee, der in so dicken Flocken am Fenster vorbeirieselte, dass man davon fast schon hypnotisiert wurde. Okay, nicht „man“, sondern ich, aber das brachte mich dann auch nicht weiter. Endlich kündigte das Klingeln der Glocke aus den Lautsprechern das Ende der Vorlesung an. „Du hast leicht lachen, du Physikass“, knurrte ich meine Freundin an. Das veranlasste sie leider nur dazu, noch mehr zu lachen. „Vielleicht würde dir Physik auch leichter fallen, wenn du nicht dauernd aus dem Fenster starren würdest“, antwortete Pixie und packte ihre Unterlagen in die Umhängetasche, die sie immer bei sich trug. „Wie soll ich nicht, wenn sich da draußen das reinste Winterwonderland bildet, während wir uns hier drin über seltsame theoretische Überlegungen die Köpfe zerbrechen.“ „Vielleicht würden Sie herausfinden, warum sich ein Winterwonderland aus Schnee bildet, wenn Sie die physikalischen Grundlagen verstehen würden. Das würde Ihnen vielleicht auch helfen, Ihre unangebrachte Faszination in den Griff zu bekommen“, warf Dr. Hot ein, der sich mit seinem Knackarsch an das Rednerpult gelehnt hatte. Wieder wurde ich rot und widmete mich dann eilig dem Einpacken meiner Sachen. „Wir treffen uns zu Hause“, sagte Pixie grinsend und schob sich an mir vorbei. Allerdings nicht ohne mir noch ein „Ich schwöre dir, er steht auf dich“ ins Ohr zu flüstern. Was völliger Blödsinn war, denn Dr. Davis wollte mir täglich den Kopf abreißen dafür, dass ich seine physikalischen Gesetze einfach nicht verstehen konnte. Das einzige Gesetz, das festzustehen schien, war, dass ich absolut kein Talent für Mathematisches hatte. Und mein Interesse konnte noch nicht einmal durch den äußerst heißen Enddreißiger mit den wirklich anbetungswürdigen Oberarmen, den breiten Schultern und den stechend blauen Augen geweckt werden. Leider. Clay In all den Jahren, in denen ich nun schon unterrichtete, hatte ich allerhand gesehen. Nerds, Naturtalente, fleißige Bienchen, schnelle Lerner und Studenten, die sich jede Arbeit hart erkämpfen mussten. Ich hatte zu allen einen Draht gefunden, hatte mit ihnen gekämpft und ihnen zu den bestmöglichen Abschlussarbeiten verholfen. Nur an dieser jungen Frau biss ich mir die Zähne aus. Es machte mich wahnsinnig, dass jemand in meinem Kurs saß im Abschlussjahr und offenbar so überhaupt kein Interesse an meiner Arbeit oder Physik im Allgemeinen hatte. Manchmal fragte ich mich, wie sie es überhaupt so weit hatte schaffen können. Ich kam mir oftmals vor, als würde ich mit der Luft vor mir sprechen, als würden meine Worte überhaupt nicht bis zu der Schönheit vor mir durchdringen. Hör auf damit!, schalt ich mich zum gefühlt eintausendsten Mal selbst. Lea Brown war eine meiner Studentinnen. Und dennoch musste ich mir regelmäßig verbieten, darüber nachzudenken, wie fein ihre Gesichtszüge gezeichnet waren, dass ihre hellblauen Augen mich faszinierten und dass ich nicht darüber nachdenken durfte, wie weich sich die fast taillenlangen roten Haare in meinen Händen anfühlen würden. Doch nicht nur das, ich musste mir vor allem verbieten, darüber nachzudenken, wie sich ihre rosa Lippen auf meiner Haut anfühlen würden und dass ich ihre schmale Taille wohl mit meinen Händen umfassen könnte. In diesem Moment legte sie sich den Riemen ihrer Tasche auf die Schulter, zog ihre Hände in die Ärmel ihrer Jacke zurück und kam die Stufen des Hörsaals zu mir herunter. Sie war eine der letzten, die den Hörsaal verließ. Nicht, weil ich mit ihr sprechen wollte. Sie war fast immer die Letzte. Als bräuchte sie ein paar Minuten länger, um aus ihrer Traumwelt zurück zur Erde zu gelangen und sich dem Trott meiner fleißigen Studenten anzupassen. „Ich habe noch immer kein Thema für Ihre Abschlussarbeit vorliegen, Miss Brown“, sagte ich, um mich selbst von meinen völlig unpassenden Gedanken abzulenken. Mein Gott, es konnte doch nicht wahr sein, dass mir eine junge Frau so völlig den Kopf verdrehte. Noch dazu so ein verträumtes kleines Ding! Ich stand auf reife Frauen mit blitzscharfem Verstand, mit denen ich tiefgehende physikalische Gesetze diskutieren konnte. Frauen, die sich perfekt in meinen Freundeskreis aus Physiknerds einpassen würden. Lea war eher die Penny in meiner erwachsenen Version von The Big Bang Theory. Dass ich überhaupt darüber nachdachte, dass Lea nicht in meinen Freundeskreis passen würde, machte mich nur viel wütender. „Ich habe auch immer noch kein Thema für meine Abschlussarbeit“, antwortete sie und sah dabei an mir vorbei zum Fenster hinaus. Es machte mich wahnsinnig, dass sie mich so überhaupt nicht wahrnahm, mich und anscheinend auch dieses Studium nicht sonderlich ernst nahm. „Wie genau stellen Sie sich Ihr Leben denn vor, Miss Brown? Sie können doch nicht für immer Ihren Eltern auf der Tasche liegen und endlos wahllose Fächer studieren, nur um Ihnen die Zeit zu vertreiben!“ Anscheinend hatte ich tatsächlich mal einen Nerv bei dem hübschen Ding getroffen,...




