Kipling | Das Dschungelbuch | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Kipling Das Dschungelbuch

Fischer Klassik PLUS
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-10-400050-3
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fischer Klassik PLUS

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-400050-3
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Wer kennt nicht den Wolfsjungen Mogli und seine Freunde, den klugen Panther Baghira und Balu, den schläfrigen braunen Bären, oder die Pythonschlange Kaa und Moglis größten Feind, den Tiger Schir Khan? Spätestens seit Walt Disneys wunderbarem Zeichentrickfilm ist Kiplings Abenteuergeschichte eines der populärsten Jugendbücher der Welt. Gerade diese scheinbare Bekanntheit aber lenkt den Blick von dem literarischen Meisterwerk ab, das wie kein zweites die Exotik des Dschungels und die Faszination Indiens beschwört.

Rudyard Kipling wurde 1865 in Bombay geboren. Die Internatszeit in England erlebte er als Gefängnis, nur in Indien konnte er damals glücklich sein. 1907 wurde er als bis heute jüngster Autor mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. 1936 starb er nach vielen Reisen und Büchern in London.
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Die Jagd mit Kaa


Die Flecken sind die Freude des Leoparden: seine Hörner des Büffels ganzer Stolz.

Putz dich gut, denn die Stärke des Jägers erkennt man am glänzenden Pelz.

Wenn du feststellst, der Ochs wirft dich um, oder der buschige Sambhur sticht zu;

Das brauchst du uns nicht erzählen: wir wussten das früher als du.

Unterdrück nicht die Jungen des andern, sondern grüß nach Geschwister Art,

Kann sein, ihre Mutter ist Bärin, wo sie doch so klein sind und zart.

»Keiner gleicht mir!«, sagt das Junge voll Stolz nach der ersten erlegten Beute;

Aber der Dschungel ist groß, und das Junge ist klein.

Sei still, denk nicht nur an heute.

Balus Maximen

Das Folgende geschah einige Zeit, bevor Mogli aus dem Seoni-Wolfsrudel gejagt worden war und bevor er Rache an Schir Khan, dem Tiger, nehmen konnte. Es war in den Tagen, als Balu ihm die Schutzgesetze des Dschungels beibrachte. Der große, ernste, alte braune Bär hatte viel Freude daran, einen so gelehrigen Schüler zu haben. Denn die jungen Wölfe lernen nur so viel vom Gesetz des Dschungels, wie es für ihr eigenes Rudel und ihre Sippe nötig ist, und kaum können sie das Jagdlied auswendig:

»Pfoten, die geräuschlos geh’n,

Augen, die im Dunkeln seh’n;

Ohren hör’n den Windhauch leis’,

Zähne, messerscharf und weiß:

So, die Brüder, erkennen wir.

Doch wir hassen jenes Tier:

Pfui, Schakal, du, Tabaqui,

und die Hyänen, pfui auf sie«,

rennen sie davon. Aber Mogli, das Menschenjunge, hatte viel mehr als nur das zu lernen. Manchmal kam Baghira, der Schwarze Panther, durch den Dschungel geschlichen, um nachzusehen, wie sein Liebling vorankam; er rieb seinen Kopf an einem Baum und schnurrte, während Mogli die tägliche Lektion vor Balu aufsagte. Der Junge konnte fast so gut klettern, wie er schwimmen konnte, und schwimmen fast so gut wie rennen; also brachte ihm Balu, der Lehrer des Gesetzes, auch die Waldund Wassergesetze bei: Wie man einen morschen Ast von einem guten unterscheidet; wie man freundlich zu den wilden Bienen spricht, wenn man hoch über dem Boden auf einen Bienenstock stößt; was man zu Mang, der Fledermaus, sagen muss, wenn man sie mitten am Tag aufschreckt; und wie man die Wasserschlangen im Teich warnt, bevor man hineinspringt. Kein Dschungelbewohner lässt sich gern aufscheuchen und ist allzu schnell bereit, sich auf einen Eindringling zu stürzen. Mogli lernte auch den Jagdruf des Revierfremden, der laut wiederholt werden muss, bis jemand darauf antwortet, wenn ein Dschungelbewohner außerhalb seines Reviers jagt. Übersetzt lautet er: »Erlaubt mir, hier zu jagen, denn ich bin hungrig«; und die Antwort darauf ist: »Dann jage nach Nahrung, aber nicht zum Vergnügen.«

All dies zeigt, wie viele Merksätze Mogli auswendig zu lernen hatte, und er wurde sehr müde davon, über hundert Mal dasselbe zu wiederholen; aber wie Balu eines Tages zu Baghira sagte, als Mogli einen Klaps bekommen hatte und wütend davongerannt war: »Ein Menschenjunges ist ein Menschenjunges, und es muss alle Merksätze, die dem Schutz im Dschungel dienen, auswendig kennen.«

»Aber bedenke doch, wie klein er ist«, sagte der Schwarze Panther, der Mogli viel mehr hätte durchgehen lassen, wenn es nach ihm gegangen wäre. »Wie kann er denn all deine vielen Sprüche in seinem kleinen Kopf behalten?«

»Gibt es irgendetwas im Dschungel, das zu klein ist, um nicht getötet werden zu können? Nein. Darum bringe ich ihm all diese Merksätze bei, und darum schlage ich ihn ganz sanft, wenn er etwas vergisst.«

»Sanft! Was weißt du denn schon von Sanftheit, du alter Eisenfuß?«, fauchte Baghira. »Sein Gesicht ist heute schon ganz grün und blau von deiner Art von Sanftheit. Der Arme!«

»Lieber schlage ich, der ich ihn liebe, ihn von oben bis unten grün und blau, als dass er aus Dummheit zu Schaden kommt«, erwiderte Balu sehr ernst. »Ich bringe ihm gerade die Merksätze des Dschungellebens bei, die ihm Schutz durch die Vögel und das Schlangenvolk und all diejenigen verleihen, die, außer seinem Rudel, noch auf vier Beinen jagen. Er kann nun von allen im Dschungel Schutz einfordern, wenn er sich nur an die Worte erinnert. Ist das nicht ein paar Klapse wert?«

»Aber gib acht, dass du das Menschenjunge nicht umbringst. Es ist doch kein Baumstamm, an dem du dir deine groben Krallen schärfen kannst. Aber was sind denn das für Merksätze? Eigentlich bin ich ja eher dazu da, anderen Hilfe zu gewähren, als selbst Hilfe nötig zu haben« – Baghira streckte eine Tatze aus und bewunderte seine stahlblauen Reißkrallen –, »aber ich würde doch ganz gerne deine schützenden Formeln kennenlernen.«

»Ich werde Mogli rufen, und er wird sie aufsagen, wenn er will. Komm, Kleiner Bruder!«

»Mein Kopf summt wie ein Bienenstock«, sagte jemand mit mürrischer Stimme direkt über den beiden. Mogli rutschte an einem Baumstamm herunter, er war wütend und zornig, und als er unten angekommen war, fügte er hinzu: »Ich komme Baghira zuliebe, nicht deinetwegen, fetter alter Balu!«

»Das ist mir gleich«, sagte Balu, aber er war ein wenig beleidigt und betrübt. »Dann sag doch Baghira mal die Sätze auf, die ich dir heute beigebracht habe.«

»Für welches Volk?«, fragte Mogli, der nur zu gern prahlte. »Es gibt viele Sprachen im Dschungel. Ich kenne sie alle.«

»Du weißt ein bisschen was, aber noch nicht viel. Da siehst du, Baghira, für ihren Lehrer haben sie keinen Dank übrig. Noch nie ist einer der kleinen Wölflinge zurückgekommen, um dem alten Balu für die Unterweisung zu danken. Na, dann sag mal den Satz für alles jagende Volk auf, du großer Gelehrter.«

»Wir sind von einem Blut, du und ich.« Mogli gab den Worten den Bärenakzent, den das ganze jagende Volk verwendet.

»Gut. Und nun den für die Vögel.«

Mogli wiederholte sie und pfiff am Ende des Satzes wie ein Brahminenweih.

»Und nun den für das Schlangenvolk«, sagte Baghira.

Die Antwort war ein völlig unbeschreibliches Zischen, und Mogli strampelte vor Übermut, klatschte sich selbst Beifall und sprang Baghira auf den Rücken; er saß seitlich auf ihm, trommelte mit den Hacken gegen dessen glänzendes Fell und schnitt Balu die fürchterlichsten Grimassen, die ihm einfielen.

»Na also! Das war doch einen blauen Fleck wert«, sagte der braune Bär zärtlich. »Eines Tages wirst du mir dafür dankbar sein.« Dann wandte er sich an Baghira und erzählte ihm, wie er Hathi, den Wilden Elefanten, der all diese Dinge weiß, um die Merksätze gebeten hatte, wie Hathi Mogli an einen Teich geführt hatte, um den Schlangensatz von einer Wasserschlange zu erfahren, weil Balu ihn nicht aussprechen konnte, und dass Mogli jetzt einigermaßen sicher war vor all den Gefahren im Dschungel, weil weder Schlange noch Vogel oder wilde Tiere ihm schaden konnten.

»Er braucht also vor niemandem Angst zu haben«, kam Balu zum Schluss und tätschelte voller Stolz seinen dicken pelzigen Bauch.

»Außer vor seinem eigenen Stamm«, sagte Baghira leise; und dann laut zu Mogli: »Gib auf meine Rippen acht, Kleiner Bruder! Was soll denn dieses Herumgezappel?«

Mogli hatte versucht, sich Gehör zu verschaffen, indem er an Baghiras Schulterfell zog und ihn fest trat. Als die beiden ihm zuhörten, rief er aus vollem Hals: »Und ich werde einen eigenen Stamm gründen und sie den ganzen Tag durchs Geäst führen.«

»Was ist denn das wieder für ein neuer Unsinn, kleiner Träumer?«, fragte Baghira.

»Ja, und wir werden mit Ästen und Dreck nach dem alten Balu werfen«, fuhr Mogli fort. »Das haben sie mir versprochen. Ha!«

Balu fegte mit seiner großen Tatze Mogli von Baghiras Rücken, und als der Junge zwischen den großen Vorderpfoten lag, konnte er sehen, dass der Bär wütend war.

»Mogli«, sagte Balu, »du hast mit dem gesprochen, mit dem Affenvolk.«

Mogli sah Baghira an, um nachzuschauen, ob der Panther auch wütend war. Baghiras Augen wirkten so hart wie Jade.

»Du bist bei dem Affenvolk gewesen, den grauen Affen, dem Volk ohne Gesetz, den Allesfressern. Das ist eine große Schande.«

»Als Balu mich so fest auf den Kopf geschlagen hat«, sagte Mogli, immer noch auf dem Rücken liegend, »bin ich davongelaufen, und die grauen Affen sind von den Bäumen gekommen und hatten Mitleid mit mir. Es hat sich ja sonst keiner um mich gekümmert.« Er schniefte ein wenig.

»Das Mitleid des Affenvolkes … «, grunzte Balu » … ist wie die Stille eines Gebirgsbachs! Wie die Kühle der Sommersonne! Und dann, Menschenjunges?«

»Und dann, und dann, dann gaben sie mir Nüsse und leckere Sachen zu essen, … und sie … sie trugen mich in ihren Armen bis in die Baumwipfel hinauf und sagten, ich sei ihr Blutsbruder, nur dass ich keinen Schwanz hätte, und eines Tages würde ich ihr Anführer sein.«

»Sie keine Anführer«, sagte Baghira. »Sie lügen. Sie haben immer gelogen.«

»Sie waren sehr freundlich zu mir und haben mich gebeten wiederzukommen. Warum bin ich nie zu dem Affenvolk gebracht worden? Sie gehen auf zwei Beinen genau wie ich. Sie schlagen mich nicht mit großen Pranken. Sie spielen den ganzen Tag. Lass mich hoch! Böser Balu, lass mich hoch! Ich will wieder mit ihnen spielen.«

»Hör zu, Menschenjunges«, sagte der Bär, und seine Stimme rollte wie Donner im Gewitter einer heißen Nacht. »Ich habe dir alle Gesetze des Dschungels beigebracht, die für alle Dschungelbewohner gelten, mit Ausnahme des Affenvolks, das auf den Bäumen lebt. Sie haben kein Gesetz. Sie sind Unberührbare. Sie haben keine eigene Sprache, sondern benutzen die...


Torberg, Peter
Peter Torberg, geboren 1958 in Dortmund, studierte in Münster und in Milwaukee. Seit 1990 arbeitet er hauptberuflich als freier Übersetzer, u. a. der Werke von Paul Auster, Michael Ondaatje, Ishmael Reed, Mark Twain, Irvine Welsh und Oscar Wilde.

Kipling, Rudyard
Rudyard Kipling wurde 1865 in Bombay geboren. Die Internatszeit in England erlebte er als Gefängnis, nur in Indien konnte er damals glücklich sein. 1907 wurde er als bis heute jüngster Autor mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. 1936 starb er nach vielen Reisen und Büchern in London.

Rudyard KiplingRudyard Kipling wurde 1865 in Bombay geboren. Die Internatszeit in England erlebte er als Gefängnis, nur in Indien konnte er damals glücklich sein. 1907 wurde er als bis heute jüngster Autor mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. 1936 starb er nach vielen Reisen und Büchern in London.
Peter TorbergPeter Torberg, geboren 1958 in Dortmund, studierte in Münster und in Milwaukee. Seit 1990 arbeitet er hauptberuflich als freier Übersetzer, u. a. der Werke von Paul Auster, Michael Ondaatje, Ishmael Reed, Mark Twain, Irvine Welsh und Oscar Wilde.

Rudyard Kipling wurde 1865 in Bombay geboren. Die Internatszeit in England erlebte er als Gefängnis, nur in Indien konnte er damals glücklich sein. 1907 wurde er als bis heute jüngster Autor mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. 1936 starb er nach vielen Reisen und Büchern in London.

Peter Torberg, geboren 1958 in Dortmund, studierte in Münster und in Milwaukee. Seit 1990 arbeitet er hauptberuflich als freier Übersetzer, u. a. der Werke von Paul Auster, Michael Ondaatje, Ishmael Reed, Mark Twain, Irvine Welsh und Oscar Wilde.



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