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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 344 Seiten
Kiraly / Fuhrmann Hot kisses and a gun
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96089-473-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 344 Seiten
ISBN: 978-3-96089-473-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hollywood - Marcus Lovett hofft auf seinen Durchbruch als Schauspieler. Eine Independent-Produktion scheint seine große Chance. Doch einen schwulen Cowboy spielen? Dank seines homosexuellen Co-Stars gestaltet sich der Dreh heißer als erwartet. Charlie Walker kämpft mit seinen eigenen Dämonen. Seine dunkle Vergangenheit hoffte er, hinter sich gebracht zu haben. Marcus ist eine willkommende Abwechslung und die Spannung zwischen ihnen wird bald fast unerträglich. Doch hat ihre Beziehung eine Chance, wenn beide Geheimnisse verbergen?
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Kapitel 2
Charlie betrat den Eingangsbereich des Kinos erst, nachdem er sich mit einem schnellen Blick in alle Richtungen versichert hatte, sich allein auf der dunklen Straße zu befinden. Nach dem Bezahlen der Karte nickte er dem Angestellten zu. Er marschierte zum richtigen Saal und nahm in der hintersten Reihe Platz.
Es hatten nicht viele Gäste hergefunden, aber das störte Charlie nicht weiter. Er mochte es, sich in dem abgelegenen Kino Filme anzusehen, die es nicht in die großen Ketten geschafft hatten. Sie erinnerten ihn daran, dass jeder Streifen seine Zuschauer fand.
Auf dem Bildschirm verliebten sich zwei arme, aber herzensgute Menschen, während das Schicksal ihnen immer wieder Steine in den Weg legte. Die Schauspieler waren nicht sonderlich talentiert. Die Low-Budget-Produktion hatte sich professionelle Darsteller nicht leisten können. Die langgezogene Handlung, in denen sich die beiden Helden gegen alle Widerstände zur Wehr setzten, würde das breite Publikum niemals überzeugen. Dennoch war es spannend für Charlie, die beiden zu beobachten. Als die Frau in die Drogenszene abrutschte und der Mann versuchte, ihr zu helfen, wirkte der Schmerz in den Augen der beiden Menschen so überzeugend, dass sich ihm der Hals zuzog.
Gut, das schauspielerische Talent trug vermutlich gar keine Schuld daran. Frustriert beobachtete er, wie sich die Schauspieler hölzern durch die Szene kämpften. Sobald sie den Mund öffneten, verschwand die Magie, die sie mit ihren Mienen erzeugen konnten. Nein, die beiden schafften es nicht durch ihre Begabung, ihn in den Bann zu ziehen. Vielleicht reichten seine Erinnerungen an seine eigene Unfähigkeit, einem geliebten Menschen aus dem Drogensumpf zu helfen, aus, um seine Augen brennen zu lassen. Diese dunklen Tage lagen so weit zurück und lebten doch in ihm fort. Ob es ihm jemals gelänge, diese Zeit völlig hinter sich zu lassen?
Es war an der Zeit, dass er seiner Schwester wieder einmal einen Besuch abstattete. Er musste sich davon überzeugen, dass es ihr gut ging. Das würde den Schmerz in seiner Brust hoffentlich wieder verschwinden lassen.
Ein Besucher des Kinos auf der anderen Saalseite erhob sich und erregte damit Charlies Aufmerksamkeit. Abgelenkt von dem schlechten Drama auf der Leinwand sah Charlie in seine Richtung und bemerkte, dass der Mann ihn mit einem Lächeln beobachtete, während er sich durch die Reihe schob und auf ihn zukam.
Irritiert versuchte Charlie mehr von seinem Gesicht zu erkennen, das halb im Schatten lag. Der attraktive Mann mit den braunen, kurzen Haaren war ihm allerdings völlig fremd. Vielleicht dachte er, einen Bekannten entdeckt zu haben, und würde gleich peinlich berührt umdrehen. Also wandte Charlie den Blick wieder zur Leinwand.
Der Mann kam unbeirrt näher und schob sich sogar neben Charlie. »Hallo, Fremder.«
»Hallo«, gab Charlie knapp zurück.
»Auch allein hier?«
Charlie zuckte nur mit den Schultern. Natürlich wusste er, worauf dieses Gespräch hinauslaufen würde. Hoffentlich reichte es, wenn er sein Desinteresse deutlich mit einem abweisenden Gesichtsausdruck zeigte.
»Hast du Lust auf ein wenig Gesellschaft und Ablenkung von dem mittelmäßigen Film?«, fragte der Mann mit einem verführerischen Lächeln.
»Danke, aber ich will mir nur den Film ansehen.«
»Ein spannender Streifen, wenn man die schrecklichen Schauspieler ignoriert. Ich bin mir sicher, du kannst den Film auch genießen, während ich mich ein wenig um dich kümmere.«
Die Beharrlichkeit des anderen schmeichelte Charlie. An diesem Abend war ihm nicht nach einem kleinen, unbedeutenden Abenteuer gewesen. Auch wenn er sich längere Zeit nicht amüsiert hatte, konnte er sich nicht auf etwas einlassen, wofür sich die Presse interessieren könnte.
»Tut mir leid«, murmelte er. »Du hast bestimmt kein Problem, jemanden zu finden, der auf dein nettes Angebot eingeht.«
»Ich will aber dich«, schnurrte der Fremde und legte eine Hand auf Charlies Knie. Langsam strich er höher.
Charlie suchte den Blick des Mannes. Wusste der andere, wer er war?
Die Hand rutschte auf die Innenseite von Charlies Schenkel. Der Mann benutzte seine Nägel, um über den Hosenstoff zu streichen und damit einen Schauer in Charlies Nacken zu verursachen. Er hatte dieses Spiel wirklich gut drauf.
Entgegen seiner Absicht, sich nicht auf den anderen einzulassen, reagierte Charlies Schwanz, der sich sofort aufrichtete.
»Du machst es mir schwer, dir zu widerstehen«, gestand Charlie. »Aber ich mach sowas nicht in der Öffentlichkeit.«
»Kann ich in deinem Fall verstehen. Ich würde mir auch Gedanken über Paparazzi machen. Treffen wir uns in der Toilettenanlage? In fünf Minuten?«
Charlie sog scharf die Luft ein, als der Druck der Finger zunahm. Sein neuer Freund hatte ihn also erkannt. Möglicherweise war das der Grund, weshalb er sich mit ihm vergnügen wollte. Zumindest schien es sich um keinen liebestollen Fan zu handeln, der ihn um ein Autogramm anbetteln wollte. Aus einem Impuls heraus wollte Charlie dem Mann eine Chance geben. Wenn er bereit wäre, sich an ein paar Regeln zu halten, würde Charlie vielleicht darauf einsteigen.
»In fünf Minuten. Nur oral. Kein Gequatsche. Keine Verpflichtungen. Keine Bitte um einen Gefallen. Sonst wird das nichts mit uns.«
Der Fremde nickte. Er beugte sich näher, drückte Charlie mit seinen warmen Lippen einen schnellen Kuss auf die Wange und stand dann auf. Bevor er seine Hände von Charlie nahm, streifte er dabei wie unabsichtlich seinen Schritt. Dann verließ er den Kinosaal.
Tief durchatmend lehnte Charlie sich zurück. Wollte er das wirklich durchziehen? Nein, auch wenn es noch so verlockend war. Er würde einfach gehen und den attraktiven Mann vergessen. Er wollte sich auf seine Karriere konzentrieren und keinen Skandal riskieren. Zu lange wartete er jetzt bereits auf die Rückmeldung seines Agenten. Heimlich hoffte er auf eine Rolle in einem Blockbuster, was wieder einmal zum Greifen nah erschien. Die Besorgnis, dass es nicht klappen könnte, setzte ihn gehörig unter Druck. Den könnte er mit einem Ausflug in die Toilettenanlage gut abbauen. Dennoch würde er nicht darauf eingehen.
Der Mann hatte ihn erkannt. Möglicherweise war er bloß scharf darauf, mit einer kleinen Berühmtheit rumzumachen. Unter Umständen ging es ihm allerdings darum, an Informationen zu gelangen, die er irgendeinem Klatschmagazin verkaufen konnte. So etwas war Charlie bereits einmal passiert und hatte für ziemlichen Ärger gesorgt. Das Risiko würde er also nicht eingehen.
Er stand auf und verließ das Kino, bevor dem Kerl klar wurde, dass Charlie nicht kommen würde.
Als Alondra ihm am nächsten Tag die Tür öffnete, wirkte sie über seinen Besuch nicht sonderlich erfreut. »Was machst du hier?«, fragte sie mehr als direkt. Ihre Augen, ebenso braun wie seine, funkelten misstrauisch. »Ich wüsste, wenn wir verabredet wären.«
»Ich bringe dir bloß ein paar Brötchen und dachte, ich nutze diesen wunderschönen Sonntagmorgen für ein Frühstück mit meiner großen Schwester. Willst du hier essen oder darf ich dich einladen?«
»Weder noch. Ich habe eigentlich in einer Stunde etwas vor.«
»Ach, dann reicht das für ein schnelles Frühstück. Ein paar Minuten Verspätung bin ich dir bestimmt wert.« Er schob sich an ihr vorbei in die Wohnung und sah sich dabei möglichst unauffällig um.
Der kleine Raum, der als Wohn- und Esszimmer mit integrierter Kochzeile fungierte, wirkte sauber und aufgeräumt. Alondra besaß nur wenige Möbel. Er hatte ihr mehrmals angeboten, ihr eine größere Wohnung zu finanzieren oder zumindest mit ein paar Sachen auszuhelfen. Seine sture Schwester wollte allerdings nichts von ihm annehmen, was über eine kleine Zuwendung hinausging. Weil sie es allein schaffen wollte. Als müsste sie sich das Leben unnötig schwer machen.
Er blieb stehen und drehte sich zu ihr um. »Soll ich mit den Brötchen in die Küche?«
»Wenn es sein muss.« Sie schloss die Eingangstür und folgte ihm dann zur Küchenecke.
»Hast du Butter und Marmelade? Die Bäckerei die Straße runter hatte nichts im Angebot.«
»Im Kühlschrank steht alles, was du brauchst, aber eigentlich habe ich bereits gefrühstückt.«
So wie er. Schließlich war es bereits kurz vor zehn. »Einen Kaffee trinkst du doch trotzdem mit mir?«
Sie nahm ihm die Tüte mit den Brötchen ab und verstaute sie in einer Brotdose. »Haben wir nicht vor gut einem Jahr besprochen, dass diese Überraschungsbesuche meine Pläne durcheinanderbringen? Struktur ist mir wichtig, wie du weißt. Du sollst anrufen, bevor du bei mir auftauchst.«
Damit sie ihre Wohnung für seinen Besuch vorbereitete?
Diesen Verdacht hatte sie nicht verdient. Dennoch meldete sich sofort wieder seine Besorgnis zu Wort.
»Ich wollte dich sehen«, sagte er und bemühte sich um einen harmlosen Tonfall. »Zuerst war es zu früh, um durchzuklingeln, und dann hat es keinen Unterschied mehr gemacht.«
»Warum bist du wirklich hier, Ramón?« Sie stemmte die Hände in die Hüften und kniff die Augen zusammen.
»Muss ich das wirklich aussprechen?«
»Habe ich dir in den letzten Jahren Anlass zu Misstrauen gegeben?«, fragte sie mit nörgelndem Tonfall. »Hattest du in den vergangenen Monaten den Eindruck, deine Sorge wäre angebracht? Denkst du wirklich, du müsstest mich wieder rund um die Uhr kontrollieren?«
Auf so eine Diskussion ließ sich Charlie gar nicht erst ein. »Ich bin für dich verantwortlich. Egal, wie viel Zeit vergangen ist, ich werde mir immer Sorgen um dich machen.«
»Ich habe vor kurzem fünf Jahre Drogenfreiheit...




