Kirchhoff | Friedrich W.J. Schelling | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 224 Seiten

Reihe: Philosophische Monographien

Kirchhoff Friedrich W.J. Schelling

Leben, Werk und Selbstzeugnisse
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-4548-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Leben, Werk und Selbstzeugnisse

E-Book, Deutsch, Band 2, 224 Seiten

Reihe: Philosophische Monographien

ISBN: 978-3-7693-4548-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Friedrich W. J. Schelling Monografie Autor: Jochen Kirchhoff Der ausgewiesene Schelling-Kenner, Naturwissenschaftskritiker und Philosoph Jochen Kirchhoff unternimmt in dieser Monografie den Versuch, dem Leser den großen deutschen Philosophen der romantischen Naturphilosophie Friedrich Wilhelm Schelling vielfältig näherzubringen. Dabei werden die wichtigsten philosophischen Leistungen Schellings herausgehoben und im Lichte der Bewusstseinskrise der Neuzeit diskutiert. Schelling ist und bleibt aktuell und hat mit seinem Bestehen auf einem organischen Weltzusammenhang, seiner Diskussion der Freiheitsfrage und seinem naturgeschichtsphilosophischen Denken einer möglichen Erlösung der Natur durch den Menschen und im Menschen neben vielen anderen Impulsen Anregungen zu einer Lösung des Rätsels des Menschseins eingebracht.

Jochen Kirchhoff (geb. 1944) lebt und arbeitet in Berlin. Als Philosoph, Autor und Vortragsredner bearbeitet er seit nunmehr 60 Jahren naturphilosophische Themen, wirkt als herausragender Kritiker der modernen Naturwissenschaften und setzt sich für eine Neubegründung dieser mit einer eigenen alternativen Sichtweise ein. Sein Wirken für die Bewahrung der geistig-kosmischen Würde des Menschen und für eine lebendige Kosmologie hat sich in zahlreichen Veröffentlichungen niedergeschlagen: Was die Erde will, Die Anderswelt, Räume, Dimensionen,Weltmodelle, Die Erlösung der Natur, Das kosmische Band, Klang und Verwandlung und zahlreiche Texte für Zeitschriften und Anthologien. In seiner über 10 Jahre währenden Lehrtätigkeit an der Humboldt- Universität zu Berlin hat er eine einzigartige Vorlesungsreihe zu naturphilosophischen Themen gehalten, die zum Teil auf seinem YouTube-Kanal dokumentiert ist. Im Werk Kirchhoffs finden sich zahlreiche Bezugnahmen zu Aussagen und Gesamtwerk Schellings, die von der starken Resonanz beider Philosophen zeugen.
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Zur Bestimmung
der Aufgabe:


Schelling
und
die Krise
der Philosophie


Mit der Philosophie, so scheint es, steht es nicht zum besten. In dem letzten großen Werk Schellings, der Philosophie der Offenbarung, heißt es in der Einleitung: ...Stoff genug zu melancholischen Betrachtungen über die Philosophie gibt nun schon ein Blick in ihre bisherige Geschichte, und liegt schon in dem Umstande, daß bis jetzt noch keine Art zu philosophieren, oder wie man sonst sagt, keines der verschiedenen philosophischen Systeme sich in die Länge behaupten konnte. Ich sage, es ist die Pflicht des Lehrers, auch diese Seite der Philosophie hervorzukehren, die vielmehr abschreckt als anzieht.1 Einige Jahrzehnte vorher hatte Kant geschrieben, im Lande der Metaphysik sei «in der Tat noch kein sicheres Maß und Gewicht vorhanden ... um Gründlichkeit von seichtem Geschwätze zu unterscheiden»2. Die Bemerkung bezieht sich auf die dogmatische Metaphysik der Vorgänger Kants.

Klagen dieser Art sind in der Geschichte der Philosophie häufig zu vernehmen, insbesondere seit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, also seit dem sich abzeichnenden Siegeszug der «exakten Naturwissenschaften». Viele fühlten sich bemüßigt, die Philosophie gleichsam zu Grabe zu tragen, das Ende des philosophischen Denkens überhaupt zu konstatieren, ähnlich wie dies Nietzsche mit seiner Formel «Gott ist tot» im Hinblick auf die christlich-moralische Gottesvorstellung tat. – Die Schellingsche Spätphilosophie, die als Konsequenz und Überwindung des Rationalismus ausgegeben wurde, hat diesen Zerfallsprozess nicht aufzuhalten vermocht. Eher trifft das Gegenteil zu: Ihr hoher Schwierigkeitsgrad im Gedanklichen und Sprachlichen sowie die hier zum Ausdruck kommende Ausrichtung auf die Religion haben ihre lebendige Wirksamkeit verhindert, ja ungewollt das seit Kant vorherrschende Misstrauen gegen jedwede Form von Metaphysik verstärkt. Metaphysik, als Wissenschaft von «Dingen» jenseits der Erfahrung (worunter im Sinne Kants stets sinnliche Erfahrung gemeint war), geriet zunehmend in die Region des Dubiosen, ja Anrüchigen. So gehört heute weder Originalität noch Mut dazu, sich materialistisch oder positivistisch zu geben, weil der «Zeitgeist» dies allenthalben begünstigt. Dagegen steht jeder philosophische Versuch, Welt-und Seinsfragen metaphysisch zu lösen, unter dem Zwang der Rechtfertigung, als sei man im Begriff, etwas intellektuell Fragwürdiges zu tun. Die herrschende Bewertung der Metaphysik als Anachronismus bedeutet keinen Verzicht auf Philosophie schlechthin, vielmehr erfährt diese eine bemerkenswerte Einengung und Verarmung. Das trifft für Philosophie als Sozialwissenschaft genauso zu wie für die im Zusammenhang mit der modernen Physik entwickelten dogmatischen Verallgemeinerungen wissenschaftlicher Teilergebnisse. Dies wird durch vielfältige Popularisierungen noch verstärkt; man denke an die Fiktionen und Hypothesen von Relativitätstheorie und Quantenmechanik.

Vor allen anderen Wissenschaften hat die mathematische Physik seit Galilei der Philosophie Zug um Zug die einstige Domäne streitig gemacht: den Kosmos, das Weltall, das Erkenntnisbemühen um die Grundgesetze der Welt als Ganzes. Am Ende dieser Entwicklung steht die Vorstellung von der Erde als einer Oase inmitten einer lebensfeindlichen kosmischen Wüste.

Die Krise der Philosophie ist nur als Symptom einer globalen Kulturkrise zu begreifen, die durch das von Nietzsche in die höhere Philosophie eingebrachte Wort «Nihilismus» vielleicht am sinnvollsten gekennzeichnet wird. Im Nachlass von 1887 heißt es: «Nihilismus: Es fehlt das Ziel; es fehlt die Antwort auf das

Weizsäcker selbst fasst Philosophie im sokratischen Sinne als «Weiterfragen» auf, womit eine Fähigkeit umschrieben ist, die er an Heidegger bewundert. Zu den methodischen Grundsätzen der Wissenschaft gehört es nach Weizsäcker, «gewisse fundamentale Fragen» nicht zu stellen; die Physik fragt nicht wirklich, was Materie ist; Ähnliches gilt für die Biologie hinsichtlich des Lebens.6 Über Weizsäcker hinausgehend wäre zu sagen, dass der theoretische Physiker die kosmische Gültigkeit der von ihm als mathematische Hypothesen formulierten Naturgesetze nicht in Frage stellen darf, weil auf dieser Annahme seit Galilei und Kepler die Möglichkeit einer Wissenschaft der Natur überhaupt beruht. Und der Philosoph Weizsäcker versagt sich hier in gewisser Weise das Weiterfragen, weil er als theoretischer Physiker davon überzeugt ist, dass die neuzeitliche Physik prinzipiell vollendbar sei und in einer einfachen Theorie ihren Abschluss finden müsse. Dieser Gedanke geht auf Kant zurück.

An anderer Stelle betont Weizsäcker, dass das methodische Verfahren der Wissenschaft, «wenn es sich über seine eigene Fragwürdigkeit nicht mehr klar ist, etwas Mörderisches an sich hat»7. Dieses «Mörderische» spiegelt sich nirgends deutlicher wider als in der modernen Physik und Biochemie. Mit Recht spricht der Technikhistoriker Lewis Mumford im Zusammenhang mit der Entstehung des modernen Wissenschaftsbegriffs (der mathematisch-experimentellen Abstraktion) vom «Verbrechen Galileis». – Was die «Aufgabe» der Philosophie sei, darüber wird man in unseren Tagen kaum einen allgemeinen Konsensus erreichen können. Allein das ist ein Zeichen für faktischen Nihilismus und Orientierungslosigkeit, für jenes geistige Vakuum, das die Kirchen sowie Sektierer aller Spielart auszunutzen suchen. – Philosophie im ursprünglichen Wortsinn als «Liebe zur Weisheit», und das hängt mit der Entstehung dieses Begriffs zusammen, ist an eine Voraussetzung geknüpft, die Schelling einmal wie folgt umschreibt: Verlangt der Mensch eine Erkenntnis, die Weisheit ist, so muss er voraussetzen, dass auch im Gegenstand dieser Erkenntnis Weisheit sei. Es ist ein Axiom, das sich schon aus den ältesten Zeiten der griechischen Philosophie herschreibt:



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