E-Book, Deutsch, 333 Seiten
Reihe: Lübbe
Kirchner Love On Repeat
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-7475-8
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Du und andere unvorhergesehene Ereignisse. Roman | Romantisch, witzig, klug: für alle Fans von Ali Hazelwood und Emily Henry
E-Book, Deutsch, 333 Seiten
Reihe: Lübbe
ISBN: 978-3-7517-7475-8
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn das Schicksal auf die Replay-Taste drückt ...
Lara freut sich auf das langersehnte Sabbatical nach dem Bionik-Studium. Endlich kann sie das tun, was ihr Spaß macht: einen Thriller schreiben. Blöd nur, dass ihr die Zeit davonläuft, die Twists immer absurder werden und ihr in der Bibliothek auch noch das wichtige Forensikbuch vor der Nase weggeschnappt wird. Von einem Typen, der nicht nur verdammt gut aussieht, sondern auch verdammt unfreundlich ist. Wenige Tage später landet sie wieder in der Bibliothek - direkt vor Grumpys Füßen - und die Woche darauf abermals. Irgendetwas will das Schicksal Lara mitteilen. Und Grumpy spielt dabei offenbar eine entscheidende Rolle ...
Eine RomCom mit Time-Loop für alle Fans von Ali Hazelwood und Emily Henry
»Humorvoll, warmherzig und absolut einzigartig - eine RomCom, die alles mitbringt, was ich mir wünsche, und trotzdem so unvorhersehbar ist wie die Liebe selbst.« LILLY LUCAS
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Montag
Ich bin zu spät. Selbst wenn ich diesen einen Tag dazuzähle, an dem eine Herde Schafe sich dazu entschied, eine Pause auf den Gleisen einzulegen und damit meinen Zug zum Stillstand brachte, kann ich meine bisherigen Verspätungen an einer Hand abzählen. Genauer gesagt an einem einzigen Finger.
Ab heute brauche ich zwei.
Grund dafür ist eine Verkettung von Ereignissen, die bereits jedes für sich genommen einen Nervenzusammenbruch auslösen könnten. Zu meinem Unglück sind sie allerdings eine teuflische Verbindung eingegangen, um mich noch ein bisschen schneller in den Wahnsinn zu treiben. Alles begann mit einem kaputten Kaffeevollautomaten. Am Display klebte heute Morgen ein Zettel in der Handschrift meiner Mitbewohnerin Nalini: Hinüber. Sorry, Süße, ich kümmere mich später darum! xxx, N. (Ach, und Kaffeefilter und Pulver für die andere Maschine sind auch aus …) Dann folgte die Sache mit der Straßenbahn, die einfach nicht kam, weil die komplette Linie den ganzen Tag ausfällt. Und zu guter Letzt war da noch dieses Kind, das mir gefühlt einen Liter Multivitaminsaft über die Schuhe geschüttet hat, als ich gerade zum Bus rennen wollte.
Was für ein Start in den viertletzten Montag meines einjährigen Sabbaticals.
Sabbatical – wie das klingt. Groß und bedeutend, nach Erholung, Abenteuer, Selbstfindung und so. Nach weit entfernten Ländern, spontanen Entscheidungen und Freiheit. Danach, das Leben zu feiern. Kurz gesagt: Es klingt nach all dem, was ich in den letzten achtundvierzig Wochen nicht getan habe. Ich habe mich weder lasziv an einem Strand gerekelt und dabei Mandalas ausgemalt noch habe ich fremde Kulturen für mich entdeckt oder Schildkröten beim Schlüpfen zugesehen. Und am allerwenigsten habe ich neue Pfade in dichtes Dschungelunterholz getreten. Das einzige Unterholz, dem ich in all der Zeit nahe gekommen bin, war die Lorbeerhecke am Rande des Gartens, den meine Eltern ihr Eigen nennen. Und Erleuchtung habe ich dort keine gefunden.
Aber zugegeben, ich habe auch nie vorgehabt, mein Jahr Auszeit mit Sonnencreme und Meeressand paniert irgendwo im Ausland zu verbringen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir solch einen Luxus für maximal drei Tage hätte leisten können, war der ursprüngliche Plan ein vollkommen anderer – nur leider hängt der inzwischen nicht mal mehr an einem seidenen Faden, nein, er hängt an etwas, das der Erinnerung an einen seidenen Faden gleicht. An einem Phantomfaden. Und das wiederum liegt daran, dass meine selbst gesetzte Deadline – exakt zweiundfünfzig Wochen – mit jedem Tag, jeder Stunde, jeder verdammten Sekunde näher rückt. Ich kann es hören, das unaufhaltsame Ticken der Uhr …
Tick Tack Tick Tack Tick Tack
Dieses Jahr war für den Arsch
Frustrierend. Dabei habe ich mich so gut vorbereitet!
Am ersten Tag meiner Auszeit habe ich einen akribisch genauen Stundenplan erstellt, der dafür sorgen sollte, dass ich mein Ziel auch tatsächlich erreiche: Um sieben Uhr aufstehen, eine Stunde joggen, Rad fahren oder Yoga, danach duschen, frühstücken und anschließend mindestens vier Stunden schreiben. Nach dem Mittagessen kurz frische Luft schnappen im Park um die Ecke, bevor Schreibsprint Nummer zwei eingeläutet wird. Dienstag und Donnerstag habe ich außerdem meine Schichten im Buchhandlungscafé eingeplant, und dann natürlich noch die zweiwöchentlichen Besuche bei meinen Eltern, die regelmäßigen Einkaufsgänge für unsere Vermieter Willi und Kurt, die 61er-Abende, bei denen unser gesamtes Haus zusammenkommt, die Kaffee- und Pinkelpausen dazwischen – es war perfekt! Mein Plan war – ist! – perfekt.
Und trotzdem hat er bisher nicht funktioniert. Mittlerweile frage ich mich, ob er das jemals tun wird.
Mit der Gewissheit im Hinterkopf, die zweite Verspätung auf der Haben-Seite meines vierundzwanzigjährigen Lebens verbuchen zu müssen, und dem dumpfen Gefühl in der Magengegend, achtundvierzig Wochen desselben Lebens sinnlos vergeudet zu haben, hetze ich die Stufen zur Unibibliothek hinauf, schlüpfe durch die Tür – und halte überrascht inne. Malte ist nicht da. Komisch, normalerweise ist er doch immer da, sitzt hinter dem Empfangstresen und wartet darauf, die Taschen der Besucherinnen und Besucher durchwühlen zu können. Wobei durchwühlen in meinem Fall eher für »kurz mal einen Blick reinwerfen und mich dann mit einem charmanten Grinsen weiterwinken« steht. Ich mag Malte. Aber – und das wirft mich mehr aus der Bahn, als ich je gedacht hätte – er ist tatsächlich nicht da.
»Hallo?«, sage ich an den Pförtner gewandt, der stattdessen heute seinen Platz eingenommen hat: ein gewaltiger Hüne, dessen Aussehen an das von Obelix erinnert – kugelförmig, nur mit Shirt und ohne Haare.
»Hallo«, gibt der Riese zurück, während ich ihn wie gebannt anglotze. Er sieht noch irgendjemand anderem ähnlich, aber mir will einfach nicht einfal… HOMER SIMPSON! Und bevor sich jemand wundert: Ja, mein guilty pleasure sind Cartoons.
Mit einem Räuspern holt mich der Homer-Simpson-Verschnitt aus meinen Gedanken zurück. »Der Rucksack«, brummt er und winkt mich mit zwei Fingern zu sich.
Ich deute nach hinten, dahin, wo Rucksäcke üblicherweise hängen. »Der hier?«, frage ich.
»Ja.«
»Ach, da ist nichts weiter drin. Bloß meine Jacke, Geldbeutel, ein paar Hefter und so.«
»Aha.« BAMM – BAMM – BAMM. Der Riese ist aufgestanden, und jetzt, drei Schritte später, versperrt er mir den Weg. »Ich muss den trotzdem kontrollieren.«
Ich weiß, dass er meinen Rucksack kontrollieren muss. Ich will nur nicht, dass er es tut, weil er dann das Essen finden wird, das ich auf dem Weg hierher eingekauft und ganz unten im Rucksack versteckt habe. Essen, das ich natürlich nicht mit in die Bibliothek nehmen darf.
»Ich möchte nur kurz ein Buch abholen«, entgegne ich schwach, doch der Pförtner lächelt mit dem Charme einer rostigen Käsereibe und streckt auffordernd seine Pranke aus.
Innerhalb von zehn Sekunden hat er das Gros meiner Verpflegung für den Tag und meine Wasserflasche aus dem Rucksack gefischt und auf den Tresen gestellt, direkt neben das Schild mit der Aufschrift Essen und Trinken verboten. Auch die Mitnahme von Lebensmitteln in die Bibliothek ist nicht gestattet!
»Sie dürfen das da nich mit reinnehmen«, poltert er. »Steht auf dem Schild.«
»Ich weiß, tut mir leid. Ich wollte nur schnell …«
»Nee, nee, wir fangen jetzt hier nich das Diskutieren an. Damit kommen se bei mir nich weiter, Frollein.«
Diskutieren? Frollein?!
Ich will Malte zurück. Jetzt sofort.
»Alles klaaar«, murmele ich augenrollend, und als der Hüne daraufhin die Stirn runzelt, sage ich: »Können Sie es dann wenigstens irgendwo hinstellen, wo die Sonne nicht direkt draufknallt?« Wehmütig betrachte ich meine beiden belegten Käsebrötchen und die Packung Tomaten, die unter dem Schraubstockgriff des Riesen bereits ordentlich gelitten hat. Über sieben Euro hat mich der Spaß gekostet. Sieben Euro, die ich kein zweites Mal ausgeben will.
»Nee«, brummt der Reallife-Homer bloß.
»Bitte, Sie müssen es doch nur …«
»Wissen se was, Frollein? Ich kann das Zeuch auch einfach hier in’ Müll schmeißen, da is keine Sonne. Sehen se?« Er schiebt meine Sachen ein gutes Stück Richtung Abfalleimer, woraufhin ich mir jeden weiteren Kommentar verkneife und mit einem »Schon gut« zum Aufzug hinübereile.
Exakt dreiundvierzig Sekunden später gebe ich die Warterei auf und renne – ja, renne – weiter zur Treppe.
Das Buch, das ich brauche, steht laut Online-Katalog der Bib im dritten Stock bei den medizinischen Lehrbüchern, und je schneller ich es in der Hand habe, desto früher bin ich hier wieder raus. Hoffentlich mitsamt Käsebrötchen und Tomaten.
Irgendwo zwischen dem ersten und zweiten Stock klingelt mein Handy, und weil ich bereits mächtig genervt bin vom Treppensteigen und dem ganzen Rest des verkorksten Morgens, nehme ich das Gespräch an, ohne einen Blick auf das Display zu werfen, und fauche: »WAS DENN?!«
»Oh, Entschuldigung. Ich fürchte, ich habe mich verwählt«, sagt mein Vermieter Kurt nach ein paar Sekunden Stille, und mir rutscht das Herz in die Hose.
»Hast du nicht, Kurt, alles gut! Ich bin’s, Lara.«
»Lara?«, wiederholt er, während ich weiterlaufe. »Ist alles in Ordnung?«
»Ja. Oder nein. Ich bin spät dran.«
Er lacht, weil er mich gut genug kennt, um zu wissen, dass das unmöglich ist. Doch als ich nicht in sein Lachen mit einfalle, räuspert er sich verlegen. »Tut mir leid, ich dachte, das wäre ein Witz.«
»Leider nicht. Was gibt’s?«
Schweigen. Dann: »Ich wollte dich um einen Gefallen bitten.« Seine Stimme zittert leicht bei diesen Worten, und ich kann förmlich sehen, wie bedröppelt er dabei aus der Wäsche guckt. »Es ist mir furchtbar unangenehm, dass ich dich damit belästige. Du hast so viel zu tun und …«
»Kurt, also wirklich. Schieß einfach los.«
»Na gut … Moment.« Ich höre, wie er im Hintergrund mit irgendetwas Blechernem herumwerkelt, warte geduldig darauf, dass er...




