E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
Kirkman Geliebter Sklave
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6927-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7337-6927-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Getrieben von ihrer brennenden Leidenschaft für den schönen Sklaven Wulf, ist Rowena blind für die Gefahr! Sie will nicht hören, dass der Mann, der ihre Sinne so erregt, des Mordes bezichtigt wird! Seine Furchtlosigkeit soll ihr dienen, einen betrügerischen Steuereintreiber zu überführen - sein männlicher Körper ihr die Freuden der Lust schenken! An nichts Anderes kann Rowena mehr denken. Und als sie Wulf in ihrem Gemach die Fesseln löst, wagt sie sogar ihr Leben, um in seinen starken Armen ihr Verlangen zu stillen ...
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1. KAPITEL
Man wird ihn töten.“
„Was?“ Ein kalter Schock riss Rowena aus ihren Gedanken.
„Warum auch nicht?“, fragte des Königs Steuereintreiber. „Ist er doch nur ein Sklave und unbezähmbar dazu, wie es heißt. Können sie ihn nicht verkaufen – wozu sollten sie sich die Mühe machen, ihn weiter durchzufüttern?“
„Aber …“ Sie durfte sich ihre Betroffenheit nicht anmerken lassen. Anteilnahme am Schicksal irgendeines niederen Unfreien wäre ihr als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden, und das hätte Eadward sich sogleich zunutze gemacht.
Von der wohlgefälligen Eleganz ihres Begleiters schweifte Rowenas Blick hinüber zu der Reihe Sklaven, die in dieser Ecke des Marktes feilgeboten wurden, an den Hälsen zusammengekettet, damit sie nicht fliehen konnten – Verarmte, Kriegsgefangene, Schuldner, Verbrecher, in die Leibeigenschaft Geborene. Dennoch, es konnte nicht rechtens sein, dass … Es darf dich nicht bekümmern!
„Du meinst den ganz außen, oder?“ Sonnenlicht schimmerte auf glatter, eingeölter Haut über todbringenden Muskeln. Dies ließ nichts Gutes erahnen. Genauso sah Unheil aus!
Und man würde ihn umbringen.
Des Gefangenen Haar war ungebührlich lang und hatte die Farbe von … sie wusste es nicht genau. Von Mondlicht. Von Träumen.
„Bei Berins Gebeinen, Rowena! Könntet Ihr nur Euer Gesicht sehen! Weichherzig wie ein Kind seid Ihr! Recht einnehmend anzuschauen, fürwahr!“
In unbändigem Zorn, der in seiner unterschwelligen Kraft geradezu beängstigend war, spannte sich jede Faser ihres Körpers. Du bist niemandes Kind! Jedenfalls jetzt nicht mehr, denn ein Herz lässt sich kein zweites Mal brechen. Sie war nicht mehr die gutgläubige Närrin, die man nach Gutdünken gängeln durfte. Eigentlich hätte Eadward, des Königs Reeve und Steuereintreiber, dies wissen müssen.
„Ihr irrt“, entgegnete ihm Rowena, nunmehr ganz Lady und Herrin. „Was einem Sklaven widerfährt, ficht mich nicht an. Wir werden schon jemanden für Euch erstehen, einen Geeigneteren.“ Den Blick von dem breitschultrigen Todgeweihten abgewandt, schaute sie an sich herab und raffte ihr edles dunkelblaues Gewand, damit der bestickte Saum nicht den staubigen Boden berühre.
Doch dabei wurde sie hinterrücks angestoßen, da offenbar jemand versuchte, sich an ihr vorbei zum Honigstand durchzudrängen. Irgendein Bauerntölpel wohl …
Aus dem Gleichgewicht geraten, taumelte sie nach vorn, den wehenden Schleier vor dem Gesicht. Wie blind griff sie nach Eadwards Arm. Klammerte sich daran fest. Vermied den Sturz mit knapper Not. Der Saum ihres Kleides wurde mit Schmutz besudelt.
„Ihr könntet mir helfen!“ Offenbar war er verstimmt über ihren kühlen Tonfall. Und – er trug keine Tunika mehr!
Ihre Hand traf auf nackter Haut. Ihr Magen krampfte sich zusammen, und als die Falten des Schleiers die Sicht freigaben, starrte sie auf einen fremden, unbekleideten Körper, umfangen von ihren Fingern.
„Welch Auge die Lady besitzt! Das ist das Beste, was ich zu bieten habe!“ Eine einladende Stimme mit einem Akzent. Schmeichlerisch. Und doch angespannt und schneidend.
Der Sklavenhändler!
Das Beste im Angebot … Sie riskierte einen verstohlenen Blick. Ein nackter Arm im gleißenden Sonnenlicht, kräftig, fest, führte zu einer ölglänzenden Schulter. Ein atemberaubend breiter Rücken. Ein Hals, umschlossen von einem flachen Eisenreif, daran schwere Ketten. Grausam.
Jäh bemerkte sie, an wen sie sich klammerte: an den Sklaven in der Reihe ganz außen. Den Unbezähmbaren, den man töten wollte.
„Ach, sie kann gar nicht davon lassen! Ich sehe die schöne Dame … und den Lord“, fuhr der Sklavenhändler fort und musterte über ihren Kopf hinweg abschätzend die wohlgekleidete Gestalt, die müßig neben Rowena stand. „Beide wissen wohl zu feilschen!“
„Des sei gewiss! Falls ich denn kaufe!“, erwiderte Eadward, der Thane, der Lehnsmann des Königs, verächtlich und übel gelaunt dem Händler. Rowena bemerkte, wie sich dessen Züge verhärteten. Mit kaltem, verschlagenem Blick bewachte er seine menschliche Ware, als handele es sich um seelenloses Gut. Obgleich hochgewachsen und kräftig wie die meisten Friesen, wirkte er doch nicht so hünenhaft wie der unbeugsame Sklave.
Mit einem Male ward sie sich der Wärme des menschlichen Körpers unter ihrer Hand bewusst. So warm dürfte er sich nicht anfühlen! Es ist ein toter Körper! Zumindest wird er’s bald sein! Bei dem Gedanken überlief sie ein Frösteln. Sie biss die Zähne zusammen. Bloß keine Schwäche angesichts solcher Dinge! Das schert dich nicht mehr!
„Sieh nur die Muskeln von diesem dort!“, begann der Händler, den Blick argwöhnisch auf den kriegerisch wirkenden Thane gerichtet. „Mit dem kann man an einem Tage zwei Tagwerke Land umpflügen. Ach was, drei! Das bringt die Steuer auf Grund und Boden im Handumdrehen zusammen!“ Der Händler taxierte Eadward offenbar nach jeder Unze Silber, jedem Quäntchen Gold, die seine imposante Gestalt schmückten. Auch Rowena, so ihr Eindruck, wurde taxiert, von ihren Armreifen über die verschlungene Goldfibel, die ihren Schleier hielt, bis hin zu den Seidenstickereien am nunmehr verschmutzten Saum ihres weichen blauen Gewandes.
„Mit dem tut man keinen Fehlgriff. Das Beste, was dieses Jahr aufzutreiben ist. Zehn Silbermancusi.“
„Zehn Silberdinare?“, knurrte Eadward verächtlich. „Nicht mal ein Pfund ist der wert! Ich würde dir sechs bieten …“
Sie feilschten. In Geldangelegenheiten bewies Eadward außergewöhnliches Geschick. Kein Wunder: Als Reeve, als Vogt für Steuerwesen von König Ine, zählte es zu seinen Pflichten, den Tribut einzutreiben.
Rowena gab sich alle Mühe, nicht daran zu denken, wie unwiderstehlich Eadward von Reichtümern angezogen wurde, auch nicht an den dunklen Pfad, auf welchen ihn seine Gier geführt hatte. Wenn die Albträume, die sie in so manchen Nächten heimsuchten, der Wahrheit entsprachen, war Eadward ein Mörder.
Sie nahm sich vor, dies herauszufinden.
„… kräftig wie ein Ochs. Ein ausgezeichnetes Geschäft …“
Sie musterte den Arm, auf den sie sich immer noch stützte.
Welch makellose Haut! Vom Sommer, der sich nunmehr dem Ende zuneigte, nahezu bronzefarben gebräunt und dennoch so hell und … Er war sogar sauber, offenbar wirklich des Händlers Prunkstück. Das Öl auf der sonnengebräunten Haut glättete die Körperbehaarung und hob die Muskeln hervor. Versuchsweise kniff Rowena in den Arm, worauf sich die Sehnen unter der wunderbaren Haut gleich Seilen spannten.
Bei des heiligen Berins Gebeinen! Damit ist mehr anzufangen, als nur drei Tagewerke Land zu beackern! Alles kann man damit tun! Alles …
Der Schatten der verwegensten, unglaublichsten Idee, die ihr jemals in den Sinn gekommen war, gewann allmählich in Rowenas Hinterkopf Gestalt, eine Vorstellung, bei der ihr Körper sich verkrampfte. Nach wie vor stützte sie sich auf den Arm des Sklaven. Hätte er sich ihr entziehen wollen, sie hätte es nicht verhindern können. Doch er tat es nicht. Dieser Gedanke ließ sie erschauern.
Sie betrachtete seinen Arm, einen Arm, so kräftig, als wäre er einzig um seiner Stärke willen erschaffen worden. Die vollkommen modellierten Muskeln waren reine Kraft, eine Kraft bar jeder Schranken. Der Körper, den Rowena mit der Hand berührte, schien ganz ruhig, dennoch wusste sie: Er war gefährlich.
Gefährlich … und faszinierend zugleich.
Unheil! Nicht zu bezwingen! Die Worte hallten in ihren Gedanken wider.
Ihre Hände wären machtlos gegen ihn gewesen. Doch er blieb ruhig, wiewohl stärker als alles andere. Stärker als Eadward? Über eines Mannes Stärke verfügte Rowena nicht. Doch sie bedurfte ihrer, und plötzlich, wie aus heiterem Himmel, spürte die junge Lady diese Kraft im Arm des Sklaven, den sie berührte: als sei jener Sagenheld in der Stunde der Not aus dem Nichts aufgetaucht, der furchtlose Retter, welcher dem Recht zum Siege verhilft und das verwüstete Land wieder aufbaut.
„Schau dir das an!“ Die dröhnende Stimme des Sklavenhändlers schreckte sie auf. „Die schöne Lady versteht sich auf Qualität. Sie wird’s dir bestätigen.“
Wie gebannt von der Idee des Möglichen, vermochte Rowena nicht einmal den Kopf zu wenden, außerstande, sich vom Anblick ihrer schlanken Finger auf diesem mächtigen Arm loszureißen.
„Einen Besseren findet du nicht. Drei Tagewerke an einem Tag! Was sagst du dazu? Reicht dir mein Wort nicht, so fass ihn an! Greif zu! Prüfe nur eigenhändig die Kraft, die in ihm steckt!“
Rowena spürte, wie sich bei den Worten des Sklavenhändlers die Muskeln des Sklaven unter ihren Fingern anspannten. Lebendig. Nein, mehr als lebendig! Ihr war, als brenne sich die Kraft, welche der Händler da pries, gleich einem Funken sprühenden Feuer durch die gespannte Haut, so mächtig, dass nichts sie zu halten vermochte. Eine unwiderstehliche Gewalt, die auch Rowena entzündete und sie erbeben ließ. Leben! Aber wie lange? Schier undenkbar, dass eine solche Kraft einfach verlöschen sollte!
Sie drückte seinen Arm fester, ihr Atem ging schneller. Vielleicht kannst du’s verhindern! Vielleicht … Ihr wurde übel. Sie lockerte ihren Griff und folgte mit der Hand den glatten Wölbungen und Mulden jenes fremden Körpers, als prüfe sie seine Kraft. Sie spürte seine Wärme, die lebendig und...




