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E-Book

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Kirsch ComeOn

Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-9608-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

ISBN: 978-3-7562-9608-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Stadt oder Land? Die Frage, wo die Menschen der Zukunft leben werden, tritt in der heutigen Zeit immer mehr in den Hintergrund. Wir versprechen Ihnen nicht nur eine Wohnung oder ein Haus. Nein, wir laden Sie ein, an einem Zukunftsprojekt teilzunehmen. Gut wohnen kann schließlich jeder. Aber sind die Wohnungen für jedermann nachhaltig gebaut? Und vor allem, sind sie auch sicher? Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen und genau hier setzt ComeOn an. Erleben Sie hier und jetzt, was die meisten Menschen dieser Welt vermissen: Gemeinschaft! Ihnen sind die Utopien verloren gegangen? Kein Problem, mit uns werden Ihre Träume Wirklichkeit!* *Werbung der ComeOn Wohngemeinschaften AG

Jens Kirsch, geboren 1958, Ausbildung als Diplomphysiker an der Universität in Greifswald. Tätigkeiten im einzigen ehemaligen Atomkraftwerk der DDR, an der Uni Greifswald, bei den Stadtwerken Greifswald, 14 Jahre Gemeindevertreter in der Gemeinde Wackerow Malerei seit 1978, Website: www.kirsch-immenhorst.de
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Vater, Mutter, Kinder


Franka und Gode hatten richtig Glück. Weil Godes Vater Offizier war, und die Stadtoberen den Mitarbeitern der Militärmedizinischen Sektion der Universität gehörige Privilegien einräumten, bekamen sie eine Wohnung in der Straße des Friedens zugewiesen.

Zwei Zimmer in der vierten Etage waren es, mit einem kleinen Keller, in welchem die Briketts lagerten und einem Balkon, von dem aus zu sehen war, ob die Kaufhalle gegenüber gerade eine Fleischlieferung bekam. Diese Lieferung stand immer an den Montagen auf Frankas Terminplan, und sie stand bewaffnet mit einem Fernglas auf dem Balkon, um ganz genau sehen zu können, ob es die begehrten frischen Kochwürste gab, oder wieder bloß die einfachen Mettwürste, in denen mehr Fett als Fleisch verarbeitet war.

Frankas Schwangerschaft war fortgeschritten und Ende des Monats stand die Geburt ihres Kindes bevor. Die schweren Kohleeimer sollte Franka nun nicht mehr tragen. Godes Vater schleppte ihr gelegentlich mehrere Eimer hinauf, in die kleine Wohnung unter dem Dach, um sie im Bad abzustellen. Dort störten sie am wenigsten. Ihr Schwiegervater schleppte die Kohlen? Der Offizier?

Ja, Gode hatte sich das nicht ausgesucht, denn er leistete seinen Dienst ab, war eingezogen und ein Wehrdienstverweigerer war er nicht. Also stand er jeden Morgen auf, hampelte auf dem Kasernenplatz im Süden der Republik beim Sport umher, wenn er sich nicht drücken konnte.

Oft schwenkte sein Blick über die Mauern der Kaserne in Richtung Norden, denn hinter dem Hügel mit dem Holländer, so hieß der kleine Turm darauf, wusste er die einzelnen Bahnhöfe mit dem Namen zu nennen, die ihn von seiner Liebe trennten.

Gode hatte sich ein Motorrad mit Seitenwagen gekauft. Das Ding fuhr nicht schnell, aber zuverlässig, und wenn man das Verdeck über die Frontscheibe zog, hätten wenigstens die Kinder ein trockenes Unterkommen. So dachte er sich das, wenn er sich seine künftig vergrößerte Familie vorstellte.

Ihr Sohn Maik war schon etwas über ein Jahr alt und der kleine Kerl und sein Geschwisterchen sollten es schließlich trocken haben, wenn sie beim Papa in das Gefährt stiegen!

Im Frühjahr des Jahres 1978 würde Gode heimkehren.

Als der Geburtstermin näher rückte, stellte der künftige Vater einen Urlaubsantrag. Er war nicht gerade beliebt bei der oberen Heeresleitung, wie sie scherzhaft den Kompaniechef nannten.

Oberleutnant Stark freute sich über die Sehnsucht des Soldaten Gode und schickte ihn, als der Geburtstermin - es war ein Freitag - heran war, auf einen 24stündigen Wachdienst.

So konnte er dem verwöhnten, renitenten und dazu noch von oben geschützten Kerl endlich mal einreiben, wo der Frosch die Locken hatte.

Gode stand also in der Nacht, in welcher Eva geboren wurde, unter den Sternen und heulte. In den Siebzigerjahren war es absolut unüblich, dass Väter an der Geburt ihrer Kinder teilnahmen. Und so hatte er bereits die Geburt ihres Sohnes Maik verpasst. Aber dies nun, das war besonders doof! Selbst ein Anruf stellte ein Problem dar, denn die Telefonverbindungen im Arbeiter- und Bauernstaat waren ein Graus.

Die nächste Reise in den Norden konnte jedoch selbst der rachsüchtige Oberleutnant zwar verzögern, nicht aber verhindern.

Und so machte sich Gode auf den Weg, im Herzen ein Lied und den Rucksack voller Bier. Bis Berlin Lichtenberg ging alles glatt, dann war die flüssige Bahnfahrt zu Ende. Der nächste Zug würde erst am nächsten Morgen fahren. Geduld war in dieser Situation nicht Godes Stärke und er nahm den nächstbesten Zug in Richtung Norden. Dummerweise hielt der Zug nicht dort, wo er hin wollte, sondern am Bahnhof Rügendamm.

Kein Problem, dachte er sich und stieg in der Nacht, so gegen ein Uhr, in ein Taxi, welches ihn bis vor die Tür ihres Heims in der Straße des Friedens fuhr.

„Das macht einen Fuffi!“, sagte der Fahrer. Die Preise waren damals noch echt moderat! Gode grabbelte im Portemonnaie. Mehr als ein Zehner war nicht mehr drin.

„Ich klingel mal kurz, dann gebe ich Ihnen das Geld!“

Der Taxifahrer packte Gode am Arm.

„Nee, mein Freundchen, so geht das nicht! Dann gib mir mal den Ausweis als Pfand, verstehste?“

Gode rollte mit den Augen.

„Spinnst du? Ich gehe nur bis da rüber, siehst du da das Klingelbrett?“

Der Fahrer ließ nicht los, sein Griff wurde noch etwas härter.

„Weißt du, solche Arschlöcher in grau wie dich, fahre ich laufend vom Bahnhof weg. Und eins weiß ich: Ihr könnt unwahrscheinlich gut rennen… Also, her mit dem Ausweis, anders wird das nichts. Ich bin nicht so gut zu Fuß!“

Gode gab ihm also den Ausweis. Dann drückte er die Klingel; im Treppenhaus ging das Licht an.

Gode trat zurück und sah, wie Franka Etage um Etage herabstieg. Als er sie in den Arm nahm, ging das Licht wieder aus. Das machten Zeitschaltuhren, die schalteten sonst immer im falschen Moment. Aber diesmal passte es ganz gut.

Das Licht ging also aus und Gode schluchzte in Frankas Haare.

„Ihr habt mir so gefehlt… hast du mal einen Fuffi für mich?“

Sie mussten erst nach oben, dann rannte Gode wie der Wind mit dem Friedrich Engels Porträt wieder nach unten, riss dem Taxifahrer den Ausweis aus der Hand und verschwand mit einem freundlichen ‚Leck mich am Arsch!‘ wieder in der Dunkelheit.

Dann standen die beiden am Bettchen Evas, welches neben dem Sofa stand, das sie nun Nacht für Nacht aufklappen würden, damit es zu einer breiteren Schlafstatt würde. Schließlich sollte Maik nicht gestört werden.

„Kannst sie ruhig in den Arm nehmen!“

Gode hob das Mädchen vorsichtig an.

„Die ist aber leicht!“

Ja, gegen Maik war Eva ein rechtes Fliegengewicht. Mit 2500 Gramm Geburtsgewicht befand sie sich hart an der Grenze zur Untergewichtigkeit. Maik war dagegen als Siebenpfünder ein echter Brocken gewesen!

In dieser Nacht schlief das Mädchen zwischen den Eltern und am nächsten Morgen klapperte Maik im Nachbarzimmer umher. Franka drehte sich zu Gode und flüsterte:

„Der Mikki, der hat vorige Woche am Sonntag gaaanz lange geschlafen. Ich bin hier umhergegangen, wie ein Geist. Dabei hatte er sich die Kohlen mit ins Bett genommen und damit gespielt.“

Nun musste sie doch lachen und Eva spitzte die Lippen und rollte mit den Augen. Maik war also zu Mikki geworden. Während Franka die Brust aus dem Nachthemd holte und das Mädchen anlegte, streckte Gode die Hand aus und fühlte am Windelpaket.

„Das sieht irgendwie sehr zierlich aus … und nass ist es auch!“

Später wickelte Gode seine Tochter das erste Mal.

„Verdammt, die hat keinen Hintern!“

Die kleinen Beinchen schienen direkt aus dem Leib zu kommen.

„Ooch, so eine kleine Süße!“

Gode gab der Kleinen einen Schmatz auf den Bauch.

Als Gode schließlich seinen unfreiwilligen Dienst absolviert hatte, war er zwanzig Jahre alt. Franka hatte ein halbes Jahr Vorsprung. Und sie hatte eine abgeschlossene Berufsausbildung als Agrotechnikerin. Die Studienvermittler wollten Gode nach dem Abitur zum Berufsoffizier machen oder wenigstens eine Verpflichtung zu drei Jahren Wehrdienst erzwingen. Da schaltete Gode auf stur und meinte, dass er dann eben gleich überhaupt nicht studieren würde. Auf solche Art von Zwang reagierte er allergisch. Nach dem Wehrdienst war er ganz froh, dass er sich so entschieden hatte, denn die Armee war ihm von Herzen verhasst. Und so machte er sich voller Hoffnungen auf in den Norden, um mit Franka und den beiden Kindern ein selbstbestimmtes Leben zu beginnen. Zunächst musste er Geld verdienen. Gemeinsam mit Franka wurden die beiden jungen Eheleute in einer Genossenschaft vor den Toren der Stadt vorstellig. Der Vorsitzende zeigte sich hell begeistert, eine so qualifizierte Kraft wie Franka einstellen zu können. Den Abiturienten ohne Ausbildung nahm er wohl nur als notwendige Begleiterscheinung in Kauf.

Das Gute an den beiden Arbeitsverträgen war die gleichzeitige Zuweisung von Kindergarten und Krippenplätzen im Nachbardorf und bald schon arbeiteten Franka und Gode in der landwirtschaftlichen Produktion: Franka brachte im ersten Sommer die Ernte mit ein, während Gode noch vor der Ernte mit der Frauenbrigade Steine von den Äckern sammelte. Oftmals ließen ihn die derben Späße der Frauen erröten. Es ging recht drastisch zu, dort auf dem Lande.

Als er eines Tages eingeteilt wurde, um Mist mit dem Trecker auf einem Acker in der Nähe des Meeres auszubringen, sprang er aus seinem MTS 52, löste die Verriegelung der Klappe auf der Seite, auf welcher der Dung herunterrutschen sollte, und betätigte die Hydraulik. Was Gode nicht bedacht hatte war, dass bereits auf der anderen Seite die Kippvorrichtung ebenfalls gelöst worden war.

Er war schon ein rechter Stümper, was die Landwirtschaft anging. Jedenfalls rutschte ihm der Mist samt Hängeraufsatz vom Fahrgestell. Es dauerte mehrere Stunden, bis er ein Stahlseil geholt hatte und den Aufsatz wieder so auf das Untergestell gezerrt hatte, bis er die Verriegelung wieder einklinken...



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