Klasky | Das Geheimnis des Moguls | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

Klasky Das Geheimnis des Moguls


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-545-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

ISBN: 978-3-95446-545-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der fünfte Januar: Wie ein Damoklesschwert hängt dieses Datum über Ethan Hartwell. Bis dahin muss er verheiratet sein, sonst will seine Großmutter, die Matriarchin, ihre Firmenanteile verschenken. Dabei will Ethan nie heiraten! Eine Erbkrankheit in seiner Familie verbietet ihm, sich zu verlieben und Kinder zu bekommen. Was nicht heißt, dass er nicht gelegentlich schwach wird. Vor zwei Monaten zum Beispiel bei der schönen Sloane Davenport - was für eine Nacht ... Und plötzlich steht sie wieder vor ihm! Mit einer schockierenden Nachricht: Sloane erwartet ein Baby - Ethans Baby!

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2. KAPITEL

Das hatte er gründlich versaut.

In der Sekunde, als Ethan sich in seinen Wagen setzte, wusste er, dass er einen schrecklichen Fehler gemacht hatte.

Aber etwas an Sloane brachte ihn aus der Fassung. Heirate mich! Wo war das nur hergekommen? Kaum gesagt, wusste er, wie abrupt es für Sloane klingen musste. Er hatte nur daran gedacht, dass Sloane ein Kind von ihm erwartete. Und er konnte die fixe Idee nicht loswerden, dass es Schicksal war.

Gleich nachdem er von seiner Großmutter weggegangen war, hatte Ethan die AFAA angerufen, nur um zu erfahren, dass Sloane nicht mehr dort arbeitete. Danach schaltete er einen Privatdetektiv ein. In weniger als vierundzwanzig Stunden wusste Ethan, dass Sloane gefeuert worden war. Immerhin hatte er nun ihre Adresse. Und eine Kreditkartenrechnung. Nur von einer Sache hatte er überhaupt keinen Wind bekommen: von der Schwangerschaft …

In der Theorie war alles so logisch gewesen. Er kam dem Wunsch seiner Großmutter nach und fand zugleich heraus, ob wirklich etwas zwischen Sloane und ihm war.

Aber alle Absichten waren wie weggeblasen, als er vor Sloane stand. Als er die Überraschung in ihren meerblauen Augen sah. Und die Unsicherheit. Wie sie leicht errötete, während sie ihn hineinließ und die Arme vor der Brust verschränkte, um die offensichtliche Reaktion ihres Körpers zu verbergen. Und erst seine eigenen Gefühle!

Und in diesem Moment hatte er noch nicht einmal erkannt, dass sie schwanger war.

Heirate mich! Einfach so hatte er die Worte gesprochen. Ohne Einleitung, ohne Erklärung. Er hatte nicht einmal beteuert, dass sie nicht nur einer seiner Flirts gewesen war. Dass da eine Verbindung zwischen ihnen war. Nächtliche Gespräche wie ihre hatte er bis dahin für Erfindungen von Kitschromanen gehalten. So etwas konnte nicht wirklich passieren.

War es aber.

Sogar jetzt noch konnte er sich an jedes einzelne Wort erinnern. Er hatte ihr von Hartwell Genetics erzählt und dass er die Welt verändern wollte. Er wollte Millionen Menschen mit seinen Medikamenten helfen. Und wie sie auch mochte er die Herausforderung, die Kämpfe und den harten Wettbewerb in der Geschäftswelt.

Sie hatte ihm von ihren Träumen erzählt. Wie nannte sie es? Das Projekt der Hoffnung – eine Internetseite, die sie entwickeln wollte. Es ging um die kunsttherapeutische Arbeit mit Pflegekindern. Ihre unerschütterliche Entschlossenheit und ihre Überzeugung, dass sie etwas Gutes bewirken konnte, hatten ihn sehr berührt.

Er konnte nicht behaupten, dass all das nichts war. Und er konnte nicht zugeben, dass seine Großmutter ihm befohlen hatte zu heiraten. Und er konnte ihr ganz sicher nicht den Grund für den Vaterschaftstest nennen. Er hatte noch nie jemandem von dem Fluch erzählt, der auf seiner Familie lastete, von seinen Geschwistern, die beide vor ihrem dritten Geburtstag gestorben waren.

Er hatte ihr einen Antrag gemacht und dann die Geldscheine einfach liegen gelassen. Als ob er sie kaufen könnte!

Er fluchte und fragte sich, wie jemand, der in der Geschäftswelt so erfolgreich war, sein Privatleben zugleich so verpfuschen konnte. Es musste einen Weg geben, Sloane alles zu erklären. Alles Gesagte zurückzunehmen und neu anzufangen.

Er schloss die Augen und versuchte, seinen Atem zu beruhigen. Ginge es um eine Geschäftsverhandlung, würde er einen Weg finden. Er rief seine Assistentin an.

Ein Plan entwickelte sich …

Sloane kehrte aus der Bibliothek zurück, wohin sie zum Nachdenken gegangen war.

Sosehr sie Ethan auch sagen wollte, was sie dachte und fühlte, sie musste alles in Ruhe bedenken. Schließlich entschied sie nicht mehr nur für sich selbst. Da war auch das Baby. Das neue Leben war ein guter Grund, nicht impulsiv zu reagieren.

Sie musste sichergehen, dass in Ethan wirklich mehr steckte als nur der Playboy, über den sie so vieles gelesen hatte. Sie musste wissen, dass er mit ihr mehr geteilt hatte als mit den vielen anderen Frauen. Sie musste außerdem über ihre eigene Verliebtheit – ja, das war es! – hinwegsehen.

Bei ihrer Rückkehr sah sie den Umschlag sofort und erkannte das Logo von Hartwell Genetics auf dem Adressaufkleber. Ihr Herz begann schneller zu klopfen, aber sie zwang sich, erst einmal in Ruhe die Tür aufzuschließen, sich ein Glas Wasser einzuschenken und sich an den Küchentisch zu setzen. Eine Weile zog sie in Betracht, den Umschlag ungeöffnet zurückzusenden. Sie konnte doch zurück an den Absender daraufschreiben und ihn dann einwerfen, oder?

Bloß hatte Ethan den Umschlag gar nicht mit der Post geschickt. Es klebte nämlich keine Marke darauf. Er hatte den Brief liefern lassen.

Sie holte tief Luft und öffnete den Brief.

„Sloane“, stand da, „gibst du mir eine zweite Chance? E.“ Und da steckte auch noch ein Ticket im Kuvert.

Für Schwanensee. Für die Premiere des Bolschoi-Balletts zur Eröffnung der Tanzsaison im Kennedy Center. Freitagabend.

Sie lehnte sich zurück. Worauf ließ sie sich da ein?

Aber das war die falsche Frage, oder? Die richtige war: Worauf hatte sie sich eingelassen? Vor zweieinhalb Monaten, als sie der geradezu magnetischen Anziehungskraft eines Mannes nachgegeben hatte. Als sie sich der übermächtigen Anziehungskraft zwischen ihnen beiden hingegeben hatte.

Sie legte die Hand auf ihren Bauch, über das Kind, das in ihr heranwuchs.

Sicher, sie konnte Ethan mitteilen, sie habe schon Pläne für Freitagabend. Sie würde schon alleine zurechtkommen, denn sie war glücklich und gesund und liebte ihr Baby jetzt bereits über alles.

Aber was würde sie auf lange Sicht tun? Wie würde sie dieses Kind alleine großziehen?

Heirate mich!

Ihre Unabhängigkeit war ihr wichtig. Seit ihrer turbulenten Kindheit und ihrer verwirrenden Jugendzeit. Sloane hatte sich ihr Leben selbst aufgebaut. Eigenständigkeit hatte sie zu der Frau gemacht, die sie heute war.

Heirate mich!

Sie hatte jeden Tag, seit sie die Stiftung verlassen hatte, Jobbörsen durchforstet, aber es gab nicht viele bezahlte Stellen für Psychologen, die auf Kunsttherapie für Pflegekinder spezialisiert waren. Darum war sie ja überhaupt erst als Projektleiterin zur AFAA gekommen. Wie lange würde sie noch nach einem Job suchen müssen? Wie lange würden ihre mageren Ersparnisse ausreichen?

Selbst wenn sie seine fünfhundert Dollar verwenden würde. Selbst wenn sie das Geld annehmen und nicht als Beleidigung auffassen würde.

Heirate mich!

Er konnte es nicht ernst meinen. Wahrscheinlich hatten die Überraschung und der Schock aus ihm gesprochen. Aber warum hatte Sloane ihm davor auch nichts erzählt? Was hatte sie sich beweisen wollen? Und ihm? Dass sie ihn nicht brauchte? Dass sie niemanden brauchte? Wieder sah sie seinen ernsten Blick vor sich, als er um ihre Hand anhielt. Er hatte keine Sekunde gezögert. Er war mit all seiner Sicherheit auf sie zugegangen, die er schon in jener Nacht im Eastern Hotel ausgestrahlt hatte. Sie könnte doch lernen, sich darauf zu verlassen.

Heirate mich!

Aber sie war verrückt, wenn sie ein Ja in Betracht zog. Verrückter als er. Hatte sie allerdings eine bessere Alternative für ihr Baby? Wie sonst konnte sie ihrem Kind die Stabilität und Sicherheit geben, die es verdiente?

Sie starrte auf die Eintrittskarte. Was war schon dabei? Was hatte sie denn zu verlieren?

Ihr Magen knurrte, während sie Ethans Zettel noch einmal las. Zum ersten Mal seit Tagen hatte sie tatsächlich Hunger. Ein Burger mit Käse und Speck klang jetzt verlockend. Und dieses Mal musste sie nicht rechnen, ob sie sich eine Extraportion Pommes leisten konnte.

Ethan verbot sich selbst, noch einmal auf die Uhr zu sehen. Entweder tauchte sie auf oder eben nicht.

Die Musiker begannen, ihre Instrumente einzuspielen. Ethan klopfte mit dem Programmheft gegen seine Armlehne und wünschte, dass er in der Loge auf und ab gehen könnte.

Er stand auf – besser als nichts. Er schob eine Manschette hoch, bevor er sich daran erinnerte, dass er ja gar nicht auf die Uhr sehen wollte.

Da öffnete sich die Tür. Einen Moment lang sah er nur Umrisse. Dann streckte sich zögerlich eine Hand nach ihm aus – helle Haut mit perfekt lackierten roten Nägeln. Bei dem Anblick lief ihm ein wohliger Schauer über seinen Rücken. Sloane glitt herein, ein schwindelerregender Gegensatz aus Erwachsensein und Unschuld, eingehüllt in eine bescheidene kobaltblaue Robe.

Er murmelte ihren Namen, unfähig zu mehr.

Sie warf einen Blick auf die vielen Stühle in der Loge und fragte mit gerunzelter Stirn: „Wer kommt denn noch?“

„Niemand“, antwortete er. „Die Loge gehört uns heute Abend alleine.“

Sie errötete und sah nervös zur Seite. Das überraschte ihn. Sie hatte sich entschieden zu kommen, und sie wusste doch, wozu er fähig war, wozu sie beide fähig waren.

Es gab so viel zu entdecken mit dieser Frau. An dieser Frau. An sich selbst – mit ihr. Diese Vorstellung fand er seltsam erregend. In der Hoffnung, etwas von ihrer Anspannung zu nehmen, sagte er: „Schön, dass du hier bist.“

Und er fand es wirklich schön.

Ihre Haare waren hochgesteckt, der Hals wirkte lang und verletzlich. Es juckte ihn in den Fingern, den V-Ausschnitt ihres Kleides nachzufahren. Stattdessen wies er nur auf den besten Platz der Loge.

Als sie nach vorne trat, sah er, dass die...



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