Klassen | Die Magd von Fairbourne Hall | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 396 Seiten

Reihe: Regency-Liebesromane

Klassen Die Magd von Fairbourne Hall


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7751-7154-0
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 5, 396 Seiten

Reihe: Regency-Liebesromane

ISBN: 978-3-7751-7154-0
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Um der Heirat mit dem skrupellosen Neffen ihres Stiefvaters zu entgehen, taucht Margaret Macy im herrschaftlichen Gut Fairbourne Hall als Dienstmädchen unter. Wenn sie bis zu ihrem Geburtstag durchhält, kann sie sich durch ein großes Erbe ein eigenständiges Leben aufbauen. Allerdings hat Margaret nicht damit gerechnet, dass die Arbeit so hart sein würde. Und dann entpuppt sich der Hausherr ausgerechnet als früherer Verehrer, dem sie einen Korb gegeben hat. Auch ihre Verfolger geben so schnell nicht auf.

Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com
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2


Eine verheiratete Frau durfte kein Eigentum besitzen, keine Dokumente unterzeichnen, keine Verträge schließen und kein eigenes Einkommen haben.

Aus den Vorschriften der »Coverture«, einer Sonderregelung innerhalb der englischen Gesetzgebung, die für verheiratete Frauen galt

Auf der kurzen Fahrt zum Berkeley Square schwieg Margaret, während Emily ihren Eltern den Streit schilderte. In Gedanken ging sie die aufwühlenden Bilder und die unangenehmen Erinnerungen, die sie in ihr geweckt hatten, noch einmal durch. Sie musste sich eingestehen, dass ihr Vorhaben kläglich gescheitert war.

Die vornehme Kutsche hielt vor Sterling Bentons großzügigem Reihenhaus. Margaret dankte den Lathrops und verabschiedete sich von ihnen. Der Stallbursche half ihr beim Aussteigen. Sie ging die wenigen Schritte zur Vordertür. Als der livrierte Lakai ihr öffnete, entging ihr nicht, wie er die Augenbrauen hochzog, als er sah, dass sie allein zurückgekehrt war. Vielleicht befürchtete er, dass Sterling ihm Vorwürfe machen würde, weil er als Wachhund versagt hatte.

Margaret schritt an dem Bediensteten vorbei, ohne ihn auch nur eines Kopfnickens zu würdigen. Sie durchquerte die Diele. Als sie die Treppe hinaufging, hob sie ihren Rock, um nicht zu stolpern.

Im dritten Stock angekommen, ging sie auf Zehenspitzen zu Gilberts Schlafzimmer. Sie spähte durch die halb offene Tür und hatte plötzlich einen Kloß im Hals, als sie ihren Bruder im Bett liegen sah, die Hand unter der Wange, mit verwuscheltem Haar. Er sah aus wie der kleine Junge, der er für sie noch immer war. Sie schlich ins Zimmer, zog seine Bettdecke hoch und deckte ihn liebevoll zu. Margaret betete, dass Sterling Gilbert nicht, wie er angedroht hatte, aus Eton nehmen würde. Gil brauchte die Ausbildung, wenn er nach Oxford gehen und später in den kirchlichen Dienst eintreten wollte, wie sein Vater es sich immer gewünscht hatte.

Dann blieb sie vor dem Zimmer ihrer Schwester stehen. Caroline, die zurückhaltender war als ihr Bruder, hatte ihre Tür geschlossen. Margaret drückte sie vorsichtig auf und spähte hinein. Auch ihre Schwester lag in tiefem Schlaf. Caroline war sechzehn und würde nun auch bald auf Bälle gehen. Margaret beugte sich über das Bett und strich ihrer Schwester das karamellfarbene Haar aus der Stirn. Wie unschuldig sie aussah! Wie süß! Sie liebte ihre jüngere Schwester beinah so wie eine Mutter. So sehr, dass es wehtat.

Caroline schlug kurz die Augen auf, schloss sie aber gleich wieder. Schlaftrunken fragte sie: »Wie war der Ball?«

»Schön«, flüsterte Margaret. Sie wollte sie auf keinen Fall beunruhigen. »Träum schön, Herzblatt.« Herzblatt – so hatte ihr Vater sie immer genannt. Wie lange war es her, dass Margaret diesen Kosenamen gehört hatte?

Sie schlüpfte aus dem Zimmer ihrer Schwester und schlich in die gleich danebenliegenden Schlafzimmer von Sterling und ihrer Mutter. In Mamas Ankleidezimmer bemerkte sie überrascht, dass das Porträt von Stephen Macy nirgends zu sehen war. Bis vor Kurzem hatte es noch auf der Frisierkommode gestanden, da war sie ganz sicher. Margaret konnte verstehen, dass sie es nicht im Schlafzimmer aufstellte, wo Sterling es sehen konnte. Aber hier in Mamas privatem Ankleidezimmer? Sie öffnete die oberste Schublade der Kommode und da lag es, mit der Vorderseite nach unten. Was für eine Treulosigkeit, dachte sie. Sie drehte das Bild um und betrachtete es. Dabei schüttelte sie verwundert den Kopf. Gil wurde ihrem Vater immer ähnlicher. »Wir haben dich nicht vergessen«, flüsterte sie dem gut aussehenden, jugendlichen Abbild zu. »Ich zumindest nicht.«

Sie legte das Porträt auf seinen Platz zurück und ging hinüber in Sterlings Ankleidezimmer. Es war untadelig aufgeräumt, alles lag an seinem Platz. Sie hoffte nur, dass sein pingeliger Kammerdiener sie nicht hier erwischte.

Auf Sterlings Frisiertisch sah sie eine Handvoll Münzen – Guineen, Crowns und Schillinge.

Sollte sie es wagen?

Sie hatte nicht einmal Geld für die Kutsche und erst recht nicht für die Unterkunft, die sie brauchen würde, falls die Situation eskalierte und so unerträglich wurde, dass sie fliehen musste. Sie hätte rechtzeitig etwas beiseitelegen sollen. Sie durfte nicht zulassen, dass sie Sterling auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war, bis sie in den Genuss ihres Erbes kam.

Aber Margaret war die Tochter eines Vikars. Sie wusste, dass es falsch war zu stehlen. Aber konnte man das wirklich Stehlen nennen, fragte sie sich, wenn er ihr doch ihren Schmuck weggenommen hatte?

Sie beschloss, es als Leihgabe zu betrachten. Sie würde es ihm zurückzahlen, sobald sie eigenes Geld hatte. Dann würden die paar Münzen eine Lappalie sein – aber jetzt? Jetzt gaben sie ihr vielleicht die Möglichkeit, zu fliehen und dem Schicksal zu entrinnen, das sie erwartete, wenn sie in der Falle saß. Sie nahm sich ein paar Münzen – nicht alle, das wäre zu offensichtlich gewesen. Wie kalt sie sich anfühlten, dachte sie, als sie sie in die Tasche ihrer Milchmädchenschürze steckte. Sie konnte ihr Gewicht den ganzen Weg bis in ihr Zimmer spüren.

Als sie dort angekommen war, steckte sie die Münzen in ihren Pompadour. Kurz darauf kam Joan herein und half ihr, sich auszukleiden und das Nachthemd anzulegen. Als Margaret im Bett lag, hörte sie überrascht, wie unten die Vordertür geschlossen wurde.

Sie waren früh nach Hause gekommen.

Sie blies rasch die Kerze auf ihrem Nachttischchen aus. Joan sammelte noch ihre Kleider ein, ging aus dem Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

Einen Augenblick später hörte sie ein leises Klopfen an ihrer Schlafzimmertür. Ihr Magen verkrampfte sich. War das ihre Mutter oder Sterling?

»Margaret?«, flüsterte eine Stimme.

Marcus! Vor ihrer Schlafzimmertür, mitten in der Nacht? Margarets Herz pochte heftig. Ganz bestimmt würde er nicht wagen hereinzukommen!

Unter dem Türrahmen drang Kerzenlicht herein. Auf dem Flur hörte sie leise Stimmen – die von Marcus und die einer Frau.

Mit bebenden Nerven stand Margaret auf und schlich zur Tür.

»Ja, Sir. Miss Macy ist zu Hause«, sagte Joan. »Sie ist schon schlafen gegangen.«

Margaret kniete sich hin und spähte durchs Schlüsselloch.

»Nun gut, Joan, aber es gibt keinen Grund, warum du nicht …« Marcus' Stimme klang plötzlich gedämpft. Als Margarets Augen sich an das flackernde Licht gewöhnt hatten, sah sie, wie Marcus sein Gesicht an Joans Hals presste, als flüstere er ihr etwas ins Ohr … oder als küsste er sie. Margaret wurde übel. Sie konnte Joans Gesicht nicht sehen, doch sie sah, wie Marcus die Hand des Dienstmädchens ergriff und sie hinter sich herzog.

»Da sind Sie ja, Mr Benton.« Die leise Stimme von Murdoch, ihrem Butler, unterbrach die widerwärtige Szene. »Ihr Onkel lässt Sie bitten, ins Arbeitszimmer zu kommen.«

Joan entzog Marcus ihre Hand. Er murmelte einen Fluch und verschwand.

Margaret, die gar nicht gemerkt hatte, dass sie unwillkürlich die Luft angehalten hatte, atmete auf und legte sich wieder ins Bett. Doch noch lange, nachdem Marcus' Schritte verklungen waren und es wieder still im Haus war, gingen ihr beunruhigende Bilder durch den Kopf: Sterling und Marcus. Marcus und Joan. Miss Lyons und Lewis. Lewis und Nathaniel …

Das Letzte, was sie sah, bevor der Schlaf sie überwältigte, war der verächtliche Blick, den Nathaniel Upchurch ihr im Ballsaal zugeworfen hatte. Er hatte sie getroffen wie ein Peitschenhieb.

Als Margaret am nächsten Morgen das Frühstückszimmer betrat, stellte sie erschrocken fest, dass Sterling ganz allein am Tisch saß. Sie hatte ihm aus dem Weg gehen wollen. Er war ein Frühaufsteher; darum war sie absichtlich erst heruntergekommen, als sie damit rechnen konnte, dass er das Haus bereits verlassen hatte, während sein Faulpelz von Neffe um diese Zeit gewöhnlich noch in den Federn lag.

Sterling rührte in einer Tasse Kaffee, obwohl er, wie sie wusste, weder Zucker noch Milch nahm. Er hatte volles silbernes Haar, markante Gesichtszüge und strahlte ein unerschütterliches Selbstbewusstsein aus. Sie konnte verstehen, was Frauen wie Miss Lyons oder ihre Mutter in ihm sahen. Und doch war sie fassungslos, ja, fast krank vor Entsetzen gewesen, als ihre Mutter kaum ein Jahr nach Stephen Macys Tod ihre Verlobung mit diesem Mann bekanntgab.

Margaret zwang sich zu einem höflichen Ton. »Guten Morgen.«

Er blickte auf und sah sie mit seinen eisblauen Augen durchdringend an. »Ist es ein guter Morgen, Margaret? Sag du's mir.«

Margaret holte sich einen Teller von der Anrichte, aber eher als Vorwand, um ihm den Rücken zuwenden zu können, nicht, weil sie Hunger hatte. Als sie ihn allein hier angetroffen hatte, war ihr der Appetit vergangen.

»Du hast dich offenbar gestern Abend nicht besonders amüsiert«, sagte er. »Dennoch kann ich nicht billigen, dass du die Gesellschaft allein verlassen hast.«

»Ich war nicht allein. Ich bin mit Emily Lathrop und ihren Eltern gegangen.«

»Und dass du nicht ein einziges Mal getanzt hast, obwohl Marcus dich ganz bestimmt aufgefordert hat.«

Margaret wusste, dass jede Aufforderung, die von Marcus kam – ob zum Tanz oder zur Heirat – auf Geheiß seines Onkels erfolgte.

»Ich war nicht in der Stimmung zu tanzen«, sagte sie und dachte, weil Lewis Upchurch mich nicht um einen Tanz gebeten hat.

Sterling trank einen Schluck Kaffee. »Du bist gegangen, bevor es richtig interessant wurde.«

»Ach ja?«

»Nathaniel Upchurch ist von den westindischen Inseln zurückgekehrt, verwildert und verwahrlost wie ein Heide. Er hat seinen...


Klassen, Julie
Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com

Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com



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