Klassen | Die Tochter des Hauslehrers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 480 Seiten

Reihe: Regency-Liebesromane

Klassen Die Tochter des Hauslehrers


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7751-7170-0
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 6, 480 Seiten

Reihe: Regency-Liebesromane

ISBN: 978-3-7751-7170-0
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Emma Smallwood ist fest entschlossen, ihrem Vater zu helfen, als dessen Privatschule schließen muss. Sie begleitet ihn zum Herrenhaus eines Barons und seiner vier Söhne, hoch oben über der Steilküste Cornwalls. Doch kurz nach ihrer Ankunft geschehen merkwürdige Dinge. Wer spielt Klavier mitten in der Nacht? Wer schleicht sich in Emmas Schlafzimnmer und hinterlässt geheimnisvolle Hinweise? Die beiden älteren Söhne des Barons haben ihre eigenen Geheimnisse. Sie kennen Emma noch aus ihrer eigenen Schulzeit. Jetzt aber fühlt sich einer von ihnen unwiderstehlich zu ihr hingezogen. Als sich die Merkwürdigkeiten häufen, muss sich Emma entscheiden, welchem Bruder sie trauen kann.

Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com
Klassen Die Tochter des Hauslehrers jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

2


Edward Ferrars erhielt Privatunterricht im Haus von Pastor Mr Pratt in Longstaple in der Nähe von Plymouth …

Deirdre Le Faye, Jane Austen: The World of Her Novels

Emma schrieb an Sir Giles und nahm die Einladung, seine beiden jüngeren Söhne ein Jahr lang zu dem angebotenen Gehalt auf Ebbington Manor zu unterrichten, an.

Die Aussicht auf ihr neues Leben machte sie noch immer nervös, vor allem der Gedanke daran, wie Phillip und Henry Weston wohl reagierten, wenn sie erfuhren, dass sie, Emma, bei ihnen wohnen würde. Sie hoffte inständig, dass keiner von beiden sie für aufdringlich halten oder ein anderes Motiv dahinter vermuten könnte, als sie es tatsächlich hatte: Es war eine Gelegenheit für ihren Vater, seine Depressionen zu überwinden.

Zumindest hoffte sie, dass ihm der Wechsel guttun würde, ja, sie betete darum. Genau genommen allerdings betete Emma in letzter Zeit kaum noch. Sie war überzeugt, dass Gott aufgehört hatte, ihre Gebete zu erhören, deshalb hatte sie auch aufgehört, um etwas zu bitten. Sie hatte gelernt, vor allem seit dem Tod ihrer Mutter, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Wenn etwas zu tun war, musste sie es selbst tun. Hatte ihre jüngste Tat – die Anfrage an Sir Giles – das nicht erneut schlagend bewiesen?

Aus diesem Grund würde sie – so sehr sie innerlich davor zurückscheute – einfach, um ihre Finanzen in Ordnung zu bringen und vielleicht ihrem Vater neuen Lebensmut zu schenken, ihr ruhiges, geordnetes Leben aufgeben und zusammen mit ihrem Vater nach Cornwall gehen, um dort zwei Schüler zu unterrichten. Im Haus von Phillip und Henry Weston.

Schon beim bloßen Gedanken daran bekam Emma feuchte Hände.

Wie Tante Jane vorausgesagt hatte, war es nicht schwer gewesen, Mieter für das Haus zu finden. Jane war eingefallen, dass der Pfarrer nach einer nahe gelegenen Unterkunft für seine verheiratete Schwester suchte, deren Mann auf See war. Sie hätte zwar bei ihm wohnen können, doch das kleine Pfarrhaus hatte nur ein einziges Gästezimmer und die Schwester des Pfarrers hatte viele Kinder.

Emmas Vater sprach mit Pastor Mr Lewis und man wurde sich schnell einig, schneller sogar, als Emma es sich wünschte. Sie kannte den Pfarrer, das schon, aber nicht seine Schwester und deren Kinder. Was, wenn sie nicht auf die Möbel und die anderen Dinge achtgaben, die sie und ihr Vater zurücklassen mussten? Doch dann besann sie sich. In Wirklichkeit sorgte sie sich nicht um die Möbel, sondern einzig und allein um die Teetasse ihrer Mutter und um ihre Bücher. Sie überlegte, wie viele Bücher sie wohl mitnehmen konnte.

Am selben Tag, an dem ihr Vater den Mietvertrag unterschrieb, erhielten sie einen Antwortbrief von Sir Giles, der schrieb, er sei überrascht, aber erfreut, dass die Smallwoods sein Angebot annahmen, und er heiße sie gerne in seinem Haus willkommen.

Gleich am nächsten Morgen gingen Emma und ihr Vater zu dem Fahrkartenverkäufer der nächstgelegenen Poststation, der ihnen half, anhand seiner Fahrpläne die beste Reiseroute auszuwählen. Dann schrieb Emma noch einmal an Sir Giles und teilte ihm Tag und Zeit ihrer Ankunft mit.

Daraufhin machten sie sich ans Packen.

Als sie von den Kosten für den Gepäcktransport erfuhr, wurde Emma klar, dass sie und ihr Vater nur je einen kleinen Koffer mitnehmen konnten und auf gar keinen Fall alle ihre Bücher. Sie würde ein paar Lieblingsbücher auswählen müssen. Mit schwerem Herzen machte sie sich ans Durchsehen und Aussortieren.

Sie packte eine Kiste mit Büchern, die sie nicht mitnehmen würde, die sie aber auch nicht im Haus lassen wollte, wo sie dem ein oder anderen in die schmutzigen Hände geraten konnten. Die Kiste brachte sie zu Tante Jane hinüber und fragte, ob sie diese für sie aufbewahren würde.

Jane sah die Bücher in der Kiste durch. Robinson Crusoe, Die Geschichte Peters des Großen, Gullivers Reisen und andere.

»So viele Kinderbücher, Emma«, meinte Jane. »Die wirst du doch bestimmt nie mehr lesen. Warum gibst du sie nicht der Kirche, für die Armen?«

Emmas Herz zog sich zusammen. »Aber ich liebe diese alten Bücher. Ich könnte sie nie hergeben. Niemals.«

Jane nahm einen abgegriffenen Band von Äsops Fabeln in die Hand. »Die kennst du doch inzwischen auswendig.«

Emma schüttelte den Kopf, nahm ihrer Tante das Buch weg und legte es wieder in die Kiste. »Versprich, dass du gut auf sie aufpasst.«

An diesem Nachmittag stand plötzlich Emmas Vater in der Tür ihres Schlafzimmers. Er blickte von ihr zu dem Koffer und auf die Kleider, die auf dem Bett ausgebreitet waren.

»Wie kommst du mit dem Packen voran, meine Liebe?«

»Ich kriege bei bestem Willen nicht alles, was ich mitnehmen will, in den Koffer.« Sie biss sich auf die Lippen, nahm eine schon eingepackte Hutschachtel wieder heraus und füllte den frei gewordenen Platz mit Büchern. Ein Hut und eine Haube mussten genügen. Dann betrachtete sie sinnend die beiden Abendkleider.

Ihr Vater sah ihr eine Weile zu, dann sagte er: »Vergiss nicht, es ist nicht für immer, Liebes. Deine Bücher warten hier auf dich, bis du wiederkommst.«

Emma legte ein Abendkleid beiseite. Wie viele würde sie schon brauchen? Es war sehr unwahrscheinlich, dass sie gebeten wurden, an einer formellen Abendeinladung oder einem Fest teilzunehmen. Ihre Stellung auf Ebbington Manor würde letztlich kaum höher als die der Diener sein.

Und an einem kalten Abend in Cornwall würden ihre Bücher ihr sehr viel mehr Trost spenden als ein Kleid aus kühler, raschelnder Seide oder hauchdünnem Musselin.

Was brauchte sie sonst noch? Ihre Teetasse natürlich. Ein kleines Schachspiel, das ihr und ihrem Vater an den langen Abenden die Zeit vertreiben konnte. Ein Paar Schuhe für drinnen und ein Paar Halbstiefel für die Spaziergänge am Meer, zu denen ihr Vater fest entschlossen schien. Eine warme Jacke, einen Umhang und natürlich Schal und Handschuhe. Schließlich stand sie da und versuchte, sich zwischen dem Roman von Ann Radcliffe in ihrer einen Hand und dem Schmuckkästchen in der anderen zu entscheiden. Bestimmt war es sicherer, ihren wenigen Schmuck ebenfalls in der Obhut von Tante Jane zu lassen.

Blieb noch ein kleines Fläschchen Eau de Cologne. Phillip Weston hatte es ihr gegeben an dem Tag, an dem er ihr Pensionat verlassen hatte, fast beiläufig, mit einem verlegenen Schulterzucken, und dabei gemurmelt: »Dachte, das willst du vielleicht haben.«

Es kam ihr undankbar vor, das Parfum nicht mitzunehmen, also stopfte sie es in ihr bereits übervolles Handtäschchen und zog die Kordel zu.

Am ersten Montag im Mai besuchten Emma und ihr Vater Rachel Smallwoods Grab auf dem Friedhof, schauten kurz beim Pfarrer herein, um sich zu verabschieden, und gingen dann zu Tante Jane, um auch von ihr Abschied zu nehmen. Emma stand auf dem kleinen Verbindungsweg zwischen den beiden Häusern, ließ sich von ihrer Tante herzen und erwiderte ihren Wangenkuss mit einem tapferen Lächeln. Während ihr Vater seine Schwester umarmte, drehte Emma sich mit einem letzten entschlossenen Aufschniefen um und folgte dem Jungen, der ihre Koffer mit einem Karren zur Poststation brachte.

Sie fuhren mit der Kutsche von Longstaple, Devonshire, nach Ebford, Cornwall. Alle zehn bis fünfzehn Meilen wurde haltgemacht, um Zölle zu bezahlen oder die Pferde zu wechseln. Dabei stiegen jedes Mal Passagiere aus oder ein, die sich entweder zu ihnen in die Kutsche zwängten oder oben auf dem Dach Platz nahmen. Wenigstens hatten Emma und ihr Vater Innenplätze auf der anstrengenden Reise, die einen ganzen Tag dauerte.

Manchmal spürte sie, wie ihr Vater sie ansah. Wenn ihre Blicke sich begegneten, hob er jedes Mal die Brauen zu der unausgesprochenen Frage: Geht es dir gut? Dann zwang Emma sich zu einem beruhigenden Lächeln. Sie teilte seine Begeisterung nicht, doch sie rief sich mit aller Strenge ins Gedächtnis, dass sie schließlich selbst dieses Unternehmen angezettelt hatte. Jetzt war es zu spät für einen Rückzieher.

Während die Kutsche voranrumpelte, versuchte Emma, die Erinnerungen an Henry Weston zu verscheuchen, doch sie ließen ihr keine Ruhe. Sie beschloss zu lesen, aber in der holpernden Kutsche wurde ihr dabei nur übel. Schließlich presste sie das Exemplar der Female Travellers an ihre Brust und befahl sich, stattdessen an Phillip Weston zu denken. Wie sie und Phillip im Klassenzimmer zusammen Menuett getanzt oder nachts zusammen in den Sternenhimmel hinaufgeblickt hatten. Wie liebevoll Phillip sie getröstet hatte, als ihre Mutter krank geworden war … Doch die Gedanken an seinen übellaunigen Bruder drängten sich immer wieder in den Vordergrund und verfolgten sie während der gesamten, nicht enden wollenden Reise.

Anfangs, als Henry Weston zu ihnen nach Longstaple gekommen war, war er mürrisch und gereizt gewesen, hatte sich die meiste Zeit auf seinem Zimmer aufgehalten, sie jedes Mal angefahren, wenn sie es gewagt hatte, ihn anzusprechen, und ihr verboten, seine Sachen auch nur zu berühren. Sie hatte rasch gelernt, seine Gesellschaft zu meiden.

In seinem zweiten Trimester war Henry früh eingetroffen, vor allen anderen Schülern. Diesmal wirkte er weniger zornig, eher resigniert. Da es ihm so ganz allein, ohne die anderen Jungen, rasch langweilig wurde, hatte er sie damals sogar hin und wieder gebeten, mit ihm zu spielen – Fußball, Kricket, Schießen, Jagen … Doch die eher unsportliche Emma hatte diese wilden Aktivitäten entschieden abgelehnt.

»Karten?«, hatte er schließlich verzweifelt gefragt.

»Ich verabscheue Karten«, hatte Emma geantwortet.

»Reiten?«

»Ich habe kein...


Klassen, Julie
Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com

Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.