Klavan | Hilfeschrei - Die Dunkelheit in uns | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Klavan Hilfeschrei - Die Dunkelheit in uns

Thriller | Nur sie kennt die düstersten Geheimnisse seiner Seele - aber kann sie ihn auch aufhalten?
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-281-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller | Nur sie kennt die düstersten Geheimnisse seiner Seele - aber kann sie ihn auch aufhalten?

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-98952-281-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wenn die Dämonen im Inneren zur größten Gefahr werden: Der Psychothriller »Hilfeschrei - Die Dunkelheit in uns« von Andrew Klavan jetzt als eBook bei dotbooks. Nach außen scheint Samantha ein glückliches Leben zu führen - doch in Wahrheit fristet die junge Dichterin eine Schatten-Existenz zwischen Selbsthass, Einsamkeit und Selbstmord-Gedanken. Auf den Rat ihres Psychologen hin beginnt sie einen Job bei einer Seelsorge-Hotline, der ihrem Leben einen neuen Sinn geben soll. Als sie dort ein Mann anruft, der sich selbst »Gott« nennt und den ähnlich düstere Gedanken zu verfolgen scheinen wie Samantha, glaubt sie, einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Für einige Zeit kann sie eine Verbindung zu »Gott« aufbauen, doch als dieser ihr offenbart, welche schrecklichen Pläne er schmiedet, weiß Samantha, dass sie die Einzige ist, die ihn noch stoppen kann ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der nervenaufreibende Thriller »Hilfeschrei - Die Dunkelheit in uns« von Bestsellerautor Andrew Klavan wird alle Fans von Steven King und Paula Hawkins begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Andrew Klavan wuchs in New York City auf und studierte Englische Literatur an der University of California. Danach arbeitete er als Reporter für Zeitungen und das Radio, bevor er sich ganz dem Schreiben seiner Spannungsromane widmete. Heute gilt Klavan als einer der großen Thriller-Experten der USA. Mehrere seiner Bücher sind mit dem begehrten Edgar-Award ausgezeichnet, für weitere Preise nominiert und/oder verfilmt worden. Die Website des Autors: andrewklavan.com/ Der Autor bei Facebook: facebook.com/aklavan/ Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine Thriller »Todeszelle -Was dir niemand glauben wird«, »Angstgrab - Die Schuld wird nie vergessen sein«, »Todeszahl - Was tief begraben liegt«, »Hilfeschrei - Die Dunkelheit in uns«, »Opferjagd«, »Totenbild« und »Todesmädchen«.
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KAPITEL 1


Meine Möse ist, um es gleich zu sagen, eine Orchidee. Eine riesige Orchidee in einem Miniaturwald. Manchmal. Dann wieder ist sie eine Schlucht, ein Abgrund, eine klaffende Wunde, noch immer blutend von damals, als die Rabbis mich festhielten und mir den Schwanz und die Eier absäbelten und lachten, weil sie mich in ein Mädchen verwandelt hatten und ich in hilfloser Wut schrie. Dann hasse ich alle Männer, besonders meinen Vater, und träume, dass ich meinen Schwanz wieder dran habe und sie alle vor mir in einer Reihe gefesselt über Stühlen liegen und ich die Reihe ganz ruhig entlang gehe, während sie alle um Gnade winseln, und einen nach dem andern in den Arsch ficke, sodass der nächste zusehen muss und noch lauter um Gnade fleht. Manchmal aber erblüht mein ganzer Körper aus meiner Möse, und ich bin nur noch eine Orchidee, empfänglich, aber auch kompliziert, und die ganze Welt strömt leidenschaftlich und süß in mich hinein und fließt über meine hundert verschiedenen Blütenblätter und Rundungen und Höhlungen und nimmt die Form all meiner Kurven an. Dann sind die Männer wie die Träger der Welt, und ich liebe sie, liebe sie in einer schmerzlichen, ehrfürchtigen und doch hochmütigen Weise, wie das Jesuskind die Weisen aus dem Morgenland geliebt haben muss, als sie mit Gold, Weihrauch und Myrrhe – allen Geschenken der Welt – zu ihm kamen und es von all den großen Erwachsenen ganz verwirrt war und dennoch wusste, dass er es war, der kindliche Gott, zu dem sie kamen. Oh, ich liebe sie so sehr und auch die Welt, die sie auf den Spitzen ihrer Schwänze tragen und in mich hineinbringen, sodass sie von meinen hundert Blütenblättern abfließen und meine Gestalt annehmen kann.

In dieser Stimmung war ich, als ich Arthur heiratete. Versteht mich nicht falsch. Ich bin keine von diesen modernen Frauen, über die man in Büchern liest. Sie sind so gleichgültig und zynisch und mitleiderregend. Ich habe nie eine kennen gelernt – nur in Büchern über sie gelesen, und ich bin nicht wie sie und ich glaube auch nicht, dass irgendjemand so ist. Ich liebe Arthur. Wir sind seit einer Woche verheiratet, und es ist, als würdest du jeden Morgen aufwachen und wissen, dass es etwas Wunderbares und Neues in deinem Leben gibt, und das ist Arthur. Er ist wie ein neues Spielzeug, und ich möchte mit ihm wie mit einer Puppe spielen und ihn wie eine Puppe nackt auf meinen Schoß setzen, ihn füttern und ausschimpfen und ihn übers Knie legen und ihm den Hintern versohlen, bis seine weißen Po- backen rosa anlaufen, und ihm dann meinen Finger in den Arsch stecken, bis er sich aufbäumt und schreit und stöhnt und auf meine Schenkel kommt. Dann will ich, dass er ungehalten wird und mir eine scheuert und sagt: »Jetzt bist du dran, Samantha« und mich grob auf den Bauch wirft und mit einer ausladenden, fließenden Bewegung seinen Gürtel aus der Hose zieht (warum er zu diesem Zeitpunkt der Geschehnisse einen Gürtel trägt, ist mir einigermaßen schleierhaft, aber so ist es nun mal) und seinen Schwanz wie einen Fahnenmast in mich hineinrammt, während er wieder und wieder seinen Gürtel auf mein Hinterteil klatschen lässt.

Arthur ist Anwalt, und deshalb gibt es vielleicht ein paar Schwierigkeiten, dies alles zu bewerkstelligen. Bisher, in der Woche seit unserer Hochzeit und in dem Monat, den wir vorher zusammen gelebt haben, war alles bestens – sehr süß, sehr sanft, sogar gekonnt, und ich komme gigantisch und er ist mit Sicherheit ganz hin und weg, aber dennoch: Wenn es dein Ehrgeiz ist, pansexuell zu sein und nicht nur bei Männern und Frauen zu kommen, sondern auch bei der Berührung eines Regentropfens auf deinem Arm, bei einem Song, einer Tasse Kaffee, dann ist die Ehe nur die zweitbeste Lösung – ein Eingeständnis der Niederlage, pansexuell unzulänglich zu sein, aber doch auch eine Möglichkeit, die Flamme deiner Freiheit dadurch anzufachen, dass wir uns eine Intimität erschaffen, die wir von Natur aus hätten, wenn unsere Eltern, wenn das Leben uns nicht unseres ursprünglichen freien Ichs beraubt hätte und die Schlachtabfälle benutzte, um darauf seine Städte zu errichten. Ich liebe die Ehe – bisher zumindest – und ich liebe Arthur. Ich vertraue meinen Instinkten und etwas, das in ihm schwelt, das ihn überhaupt veranlasst hat, eine Dichterin zu heiraten. Oh, wir werden sehen. Arthur hat mehr zu bieten, glaube ich, als nur das Augenfällige.

Manchmal denke ich, dass Hitler in gewisser Hinsicht irgendwie doch einen Sinn hatte – ich meine Adolf, nicht Mark, der die tolle Bäckerei in der MacDougal Street hat, in der ich immer meine Brötchen gekauft habe, und der sehr aufbrausend sein kann (»Soll er es doch tun!«), wenn ihn jemand darauf anspricht, warum er seinen Namen nicht ändert. Aber was ich meine, ist Folgendes: Die Welt ist so im Arsch mit ihren Mördern und Banken und Kirchen und Abgasen und Zeitungsartikeln und so fort, dass vielleicht etwas nötig wäre, irgendetwas – sogar Böses –, das vollkommen und ganz ist, innerlich und äußerlich entschlossen, um sie von einer offenbar tödlichen Krankheit zu retten. Es würde mich wesentlich mehr beruhigen, wenn Hitler den Krieg verloren hätte, weil er von etwas besiegt worden wäre, das ebenso ganz und vollkommen war wie er. Aber es war nur ein Übertrumpfen des Althergebrachten, ein quantitativer Unterschied, sonst nichts: mehr Soldaten, mehr Generäle, die sie, über Landkarten brütend, hierhin und dorthin schickten, mehr Patrioten, mehr Staaten und am Ende die große nukleare Trumpfkarte, und all das nur, um einen kleinen Mann aufzuhalten, der ganz war und ganz und gar entschlossen. Wenn nur die Guten mit etwas Neuem hätten aufwarten können – etwas, das so wirklich und echt war wie er. Wenn sie es zum Beispiel fertiggebracht hätten, Hitler achtundvierzig Stunden lang mit Walt Whitman in einen Raum einzusperren. Wahrscheinlich hätte sich Walt, wenn die Zeit um gewesen wäre, mit fliegenden Rockschößen aus dem Staub gemacht, um die Fähre ins Nirwana zu kriegen, und Augenblicke später wäre Hitler herausgetaumelt, mit tropfendem Arschloch und einem seligen Grinsen auf dem Gesicht, um nach Wien zurückzukehren und fortan Landschaften zu malen.

All das erzähle ich nur, um zu erklären, wie ich mich wegen dem, was Lansky passiert ist, fühlte, der Jude ist, was dazu führte, dass ich Arthur kennen gelernt habe, meinen Geliebten, meinen Augenstern, meinen Mann.

Nun – meine Meinung über Juden ist folgende: Sie wissen alles und sie haben immer Recht. (Ein weiterer Grund, Respekt vor Hitler zu haben: Stellt euch den schieren, nietzscheanischen Willen eines Mannes vor, der entschlossen ist, die gesamte Wahrheit auszurotten.) Es ist jedenfalls kein Wunder, dass sie sich die ganze Zeit Sorgen machen, aber das kann es für jene von uns sehr schwer machen, die sich – wie ich – auch schon damit zufrieden gäben, herauszufinden, was die Wahrheit ist. Das war auch schon für Pontius Pilatus so frustrierend.

»Was ist die Wahrheit?«, wollte er wissen.

»Frage nicht«, erwiderte Jesus.

Was mich in der Tat an viele der Gespräche erinnert, die ich mit Lansky hatte. Lansky ist Bühnenautor und ein sehr witziger dazu. Er ist groß und dünn, leidenschaftlich semitisch und hat eine mächtige Hakennase, tiefe, feurig-braune Augen und einen schwarzen Kinnbart, der ebenso spitz ist wie der Haaransatz in seiner Stirn. Er ist einer der sanftesten, angenehmsten Männer, die ich kenne, und ist deshalb immer in Sorge, dass er ein Weichei ist. Was das betrifft, habe ich nie mit Lansky geschlafen, weil ich wusste, dass ich ihn nie wirklich lieben würde, und dies wiederum erfüllte ihn mit der Sorge, er sei zu oberflächlich, aber meine Freundin Elizabeth, die seit sechs Monaten mit ihm zusammenlebt, sagt, er ist wunderbar und aufmerksam im Bett, solange sie ihm ständig versichert, dass er nicht die tolle Zeit hat, die er zu haben glaubt. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, sagen Frauen, mich eingeschlossen, Lansky oft: »Mach dir keine Sorgen, Lansky«, was Lansky ungeheuer genießt.

Wie auch immer – Lansky und ich saßen vor 38 Tagen, dreizehn Stunden und siebzehn Minuten an einem Tisch im Black Coffee Shop in der MacDougal Street, nur ein paar Türen die Straße runter von Hitler’s. Lanskys Stück, der Glasteich, war bis vor kurzem einen ganzen Monat lang in einem kleinen Kellertheater aufgeführt und sogar in der New York Times besprochen worden. Der Kritiker hatte Lansky mit George Bernhard Shaw verglichen, und Lansky machte sich Sorgen, dass das ein so großes Kompliment war, dass sich der Rezensent verpflichtet fühlen könnte, ihn dafür beim nächsten Mal in die Pfanne zu hauen, nur um der ausgleichenden Gerechtigkeit willen.

»Lansky«, sagte ich, wie ich mich erinnere, »mach dir keine Sorgen.«

»Es hängt alles davon ab, wo die nächste Aufführung stattfindet«, überlegte Lansky. »Wenn ich nach wie vor off-off-Broadway gespielt werde, ist es vielleicht in Ordnung. In der Regel stehen sie aber darauf, dich hochzujubeln, bevor sie über dich herfallen.«

Zwei Dinge beschäftigen mich während der Unterhaltung, die ich im Wesentlichen mit dem bereits erwähnten einen Satz bestreite. Zum einen ist da dieser große, blonde Scheißtyp, der mich von dem Tisch am Fenster angafft. Ich weiß, dass er ein Scheißtyp ist, wegen der Art, wie er mich lüstern anglubscht, als würde er überlegen: »Was könnte ich mit dieser Braut alles anstellen?« (Antwort: alles); weil er alleine am Tisch sitzt, obwohl der Laden voll ist und am Fenstertisch sechs Leute Platz haben, und weil er vermutlich ein Student an der NYU ist und einen NYU-Pullover anhat.

Zum anderen ist da Arthur. Mein erster Eindruck von Arthur ist, dass er sehr gern zu der Szene im Black Coffee Shop gehören würde, damit er den Jungs bei Gapejaw,...



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