Klavan | Todeszahl - Was tief begraben liegt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 488 Seiten

Klavan Todeszahl - Was tief begraben liegt

Thriller | Nur ihre Erinnerung kann seine Tochter vor dem Tod bewahren
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-279-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller | Nur ihre Erinnerung kann seine Tochter vor dem Tod bewahren

E-Book, Deutsch, 488 Seiten

ISBN: 978-3-98952-279-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Welches schreckliche Geheimnis nistet in ihrem Kopf? Der packende Psychothriller »Todeszahl - Was tief begraben liegt« von Andrew Klavan jetzt als eBook bei dotbooks. Ein Fall wie dieser lässt selbst den erfahrenen Psychologen Dr. Nathan Conrad nicht kalt: Die psychisch labile Elizabeth soll einen Mann angefallen und schrecklich verstümmelt haben. Nach einem kurzen Gespräch ist Nathan klar, dass die junge Patientin schizophren und nicht schuldfähig ist. Damit ist seine Arbeit eigentlich getan - doch kurz darauf verschwindet seine Tochter Jess plötzlich spurlos und ein Mann droht ihm am Telefon: »Wenn Sie ihr Kind wiedersehen wollen, fragen sie Elizabeth: Wie lautet die Zahl?« Für Nathan beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und während er alles daran setzt, Jess zu finden, wird ihm klar, dass der Schlüssel zur Rettung seiner Tochter nur an einem Ort zu finden ist: Im Gedächtnis der verstörten jungen Frau ... »Durch ein ausgeklügeltes Spiel mit der Zeit und eine raffinierte Vorliebe fürs Detail steigert dieser Superthriller den Nervenkitzel ins schier Unermessliche.« Brigitte Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der nervenaufreibende Thriller »Todeszahl - Was tief begraben liegt« von Bestsellerautor Andrew Klavan wird alle Fans von Michael Robotham und Alex Michaelides begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Andrew Klavan wuchs in New York City auf und studierte Englische Literatur an der University of California. Danach arbeitete er als Reporter für Zeitungen und das Radio, bevor er sich ganz dem Schreiben seiner Spannungsromane widmete. Heute gilt Klavan als einer der großen Thriller-Experten der USA. Mehrere seiner Bücher sind mit dem begehrten Edgar-Award ausgezeichnet, für weitere Preise nominiert und/oder verfilmt worden. Die Website des Autors: andrewklavan.com/ Der Autor bei Facebook: facebook.com/aklavan/ Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine Thriller »Todeszelle -Was dir niemand glauben wird«, »Angstgrab - Die Schuld wird nie vergessen sein«, »Todeszahl - Was tief begraben liegt«, »Hilfeschrei - Die Dunkelheit in uns«, »Opferjagd«, »Totenbild« und »Todesmädchen«.
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Der Mann namens Sport


Das geeignete Apartment zu finden war schwierig, darum ermordeten sie die alte Dame. Der Mann namens Sport klopfte an ihre Tür. Er war mit einem grünen Overall bekleidet, so daß er aussah wie ein Installateur. Maxwell stand ein Stück entfernt neben ihm, im toten Winkel des Türspions der alten Dame. Maxwell war ebenfalls mit einem grünen Overall bekleidet, aber er sah überhaupt nicht aus wie ein Installateur. Niemand würde für Maxwell seine Tür öffnen.

Sport hingegen konnte sich sehen lassen. Er war jung, und sein glattes braunes Haar fiel ihm in einer jungenhaften Tolle in die Stirn. Er zeigte gerne sein strahlendes, freundliches Lächeln, und er hatte intelligente braune Augen.

Die alte Dame hieß Lucia Sinclair. Als sie Sports Klopfen hörte, öffnete sie die Tür nicht.

»Wer ist da?« erkundigte sie sich. Sie hatte eine hohe, flötende Stimme. Es war die Stimme einer reichen Frau. Sport gefiel sie überhaupt nicht. Damals, in Jackson Heights, als er noch ein Kind war, hatte er samstags als Laufbursche für den A-&-P-Supermarkt gearbeitet. Lucia Sinclair hatte die gleiche Stimme wie die Frauen damals, wenn sie ihm befahlen, die Einkaufstüten in die Küche zu stellen. Manchmal sahen sie ihn nicht einmal an.

»Hier ist der Installateur«, antwortete Sport gutgelaunt.

Er hörte, wie der kleine Stahldeckel vom Türspion geschoben wurde. Er zeigte Lucia Sinclair sein gewinnendes Lächeln.

Er hörte, wie die Klappe des Türspions geschlossen wurde. Dann wurde das Kettenschloß entriegelt. Er sah zu Maxwell hoch. Maxwell lächelte erwartungsvoll. Maxwell geriet allmählich in Erregung.

Die Tür öffnete sich, und da stand Lucia Sinclair. Gar nicht schlecht für eine alte Krähe, dachte Sport. Sie war klein und schlank. Sie hatte ein herzförmiges Gesicht; die Wangen waren schmal, aber nicht schlaff und faltig. Ihr kurzes silbergraues Haar trug sie in einer altmodischen Frisur. Bekleidet war sie mit einer weitgeschnittenen Flanellbluse und hellblauen Jordache Jeans. Teure Jeans, wie bei den Frauen, denen er früher immer die Einkaufstüten nach Hause brachte. Sie beugten sich immer über ihre Portemonnaies und zeigten ihre Hintern her. »Stell die Tüten in die Küche«, sagten sie. Dabei würdigten sie ihn keines Blickes.

Prima, dachte Sport. Mit der müßte Maxwell eigentlich seinen Spaß haben.

Lucia Sinclair trat zurück, um Sport hereinzulassen. Sie lächelte und ordnete ihre Frisur.

»Ich fürchte, ich sehe etwas unordentlich aus«, sagte sie. »Ich hab’ ein wenig im Garten gearbeitet.« Sie vollführte eine anmutige Geste. Am anderen Ende des langen Salons standen gläserne Schiebetüren offen. Sie führten auf einen kleinen Balkon hinaus. Auf dem Balkon standen mehrere Topfpflanzen und Blumenkästen. »Es ist zwar nur ein winziger Garten, muß ich zugeben«, zwitscherte Lucia Sinclair weiter. »Aber man macht sich genauso schmutzig wie ...«

Sie verstummte. Es belustigte Sport, wie ihr die Worte geradezu auf den Lippen einfroren. Sie stand da, und ihr Mund klappte auf. Ihr Blick wurde starr, und Sport sah in ihren Augen graue Flecken der Angst. Sie blickte Maxwell an.

Maxwell kam herein und schloß die Tür hinter sich. Sport konnte sich noch gut daran erinnern, wie er Maxwell zum ersten Mal gesehen hatte. Es war in der Strafanstalt für Männer auf Rikers Island gewesen. Sport hatte dort als Angestellter des Strafvollzugs gearbeitet; er war Gefängniswärter. Es war früher Nachmittag, und er ruhte seine Füße aus. Er saß in einem Holzsessel, den er in der Nähe von Schlafsaal C gegen die unverputzte Wand des Wärterreviers gelehnt hatte. Als sie Maxwell hereinführten, klappte Sports Mund halb auf. Sports Sessel kippte nach vorne, bis die Vorderfüße auf den Betonfußboden knallten.

»Ach du Scheiße«, flüsterte er.

Und er dachte: Das ist ein Mann, den du zum Freund haben willst.

Maxwell war über eins achtzig groß. Seine Schultern fielen nach vorne, und seine muskulösen Arme hingen an den Seiten herab. Er hatte die Figur eines Grizzlybären: eine massige, unförmige Gestalt; dazu der schlurfende Gang, vor Kraft strotzend. Den Kopf hatte er vorgeschoben wie ein Bär oder ein Höhlenmensch. Seine mächtige Brust spannte seinen Gefängnisdrillich. Er erweckte den Eindruck, als würde er jeden Moment aus seinen Sachen herausplatzen.

Und sein Gesicht ... Das war es, was Sports Aufmerksamkeit auf Anhieb fesselte. Seine Miene. Das Gesicht war klein, quadratisch, mit dünnem blondem Haar, das in die Stirn hing. Eine große, breite Nase wie bei einem Neger und auch die entsprechenden wulstigen Lippen und dazu tiefliegende Augen – braune Augen, so weit eingesunken, daß sie einen aus den schattigen Höhlen irgendwie traurig anblickten, als wären sie darin gefangen.

Mein Gott, dachte Sport, das ist überhaupt kein männliches Gesicht. Nicht das Gesicht eines Menschen und auch nicht das eines Tiers. Es war wie ein Säuglingsgesicht, das jemand auf diesen massigen Bärenkörper gesetzt hatte. Ein Berg vernichtender Kraft.

Denn in diesem Moment, als er den Saal betrat, hatte Maxwell Angst. Sport erkannte es. Er hatte Angst, weil er im Gefängnis war. Die Mundwinkel waren herabgezogen, als würde er gleich weinen.

Seine Blicke wanderten hin und her über die Reihen von Betten und Spinden – und über die Männer, vorwiegend Farbige, die sich zu ihm umwandten und ihn mit bösen, argwöhnischen Augen anstarrten.

Er war, wie sich nachher herausstellte, das erste Mal im Gefängnis. Er hatte sich gerade sechs Monate dafür eingehandelt, daß er sich auf einem Kinderspielplatz unsittlich entblößt hatte. Sein Anwalt hatte es geschafft, den Vorwurf der Unzucht zu entkräften.

Und Sport erkannte auf den ersten Blick, daß in diesem Mann sehr viel mehr steckte als nur das.

Lucia Sinclair stand da und sah Maxwell jetzt an und brachte keinen Ton hervor. Sport las in ihren Augen die dämmernde Erkenntnis, daß sie einen Fehler gemacht hatte. Er konnte ihre Gedanken geradezu hören: Wenn ich doch nur nicht die Tür geöffnet hätte, hätte ich es doch niemals getan.

Zu spät, Fotze, dachte Sport.

Er lächelte wieder freundlich. »Wenn Sie uns jetzt mal Ihr Badezimmer zeigen würden, Ma’am.«

Lucia Sinclair zögerte, während sie krampfhaft nach einem Ausweg suchte. Die Haut um ihre Lippen zitterte. »Ja, natürlich«, sagte sie schließlich. »Ich will nur eben ...«

Sie drehte sich zur Wohnungstür um, machte einen Schritt. Versuchte, sich an Maxwell vorbeizudrängen, streckte die Hand nach dem Türknauf aus.

Maxwell packte ihr Handgelenk. Hielt es fest.

»Nehmen Sie Ihre Hände -« begann sie den Satz.

Dann riß sie vor Schmerz den Mund auf. Tränen füllten ihre Augen. Maxwell umklammerte ihr dünnes Handgelenk. Er drehte ihren Arm langsam von der Tür weg. Ein knappes, seltsames, verträumtes Lächeln spielte um seine Lippen.

Lucia Sinclair brachte kaum ein Hauchen zustande. »Bitte ...«

Maxwell ließ sie los. Sie stolperte rückwärts und stürzte. Auf dem Boden rutschte sie von ihnen weg bis zur Wand. Sie stand nicht auf. Sie blieb auf den Knien. Sport gefiel das. Jetzt war sie kein eingebildetes Luder mehr. Sie kauerte dort und massierte die gerötete Haut an ihrem Handgelenk. Sie starrte zu Maxwell hoch. Maxwell beugte sich über sie. Er atmete schwer; seine mächtigen Schultern hoben und senkten sich.

Sports Stimme klang ganz ruhig. »Vielleicht könnten Sie ihm jetzt das Badezimmer zeigen, Ma’am.«

Die alte Frau drehte sich zu Sport um. Ihre Augen waren weit aufgerissen. »Bitte«, sagte sie. Der flötende Ton war verschwunden. Jetzt war es nur noch die gebrochene, zittrige Stimme einer alten Frau. »Bitte, Sie können mitnehmen, was Sie wollen.«

»Max«, sagte Sport.

Lucia Sinclair stieß einen Schmerzensschrei aus, als Max sich bückte und sie ergriff. Er packte sie mit einer einzigen riesigen Hand unter der Achselhöhle. Die alte Frau mußte sich mühsam auf die Füße kämpfen, um zu vermeiden, daß Max ihr den Arm auskugelte. Sie schaute zu Sport, flehte ihn an. Sie mußte begriffen haben, daß Bitten bei Maxwell nichts ausrichteten.

»Bitte«, sagte sie wieder. »Tun Sie mir nichts. Er soll mir nicht weh tun.«

Sport hob eine Hand. Er sprach mit einem leisen, beruhigenden Murmeln. »Er tut Ihnen nicht weh, Ma’am. Gehen Sie nur mit ihm ins Badezimmer.«

»Bitte«, sagte Lucia Sinclair. Sie weinte jetzt. Tränen glänzten auf ihren Wangen. Ihre Lippen bebten. Ihr ganzes Gesicht schien eingesunken zu sein und hatte sich grau verfärbt.

Max zog sie hinter sich her durch die kurze Diele zur Badezimmertür. Sie redete noch immer mit Sport.

»Bitte. Ich kann Ihnen doch nichts tun. Ich rufe nicht einmal die Polizei.«

Max erreichte die Badezimmertür. Er stieß sie grob durch die Öffnung. Er folgte ihr hinein.

Sport hörte sie noch einmal wimmern. »Bitte.« Und dann drang ein heiserer Schrei tief aus ihrer Kehle: »O Gott!«

Und die Badezimmertür fiel langsam ins Schloß.

Natürlich gab es nichts mehr, was Maxwell jetzt noch hätte aufhalten können. Nicht wenn er diesen Ausdruck im Gesicht hatte, dieses verträumte Lächeln. Das war das besondere an Max: Er tat es gerne; es machte ihn richtig scharf. Genauso wie damals, als sie den Freak erledigten. Max hatte einen Ständer gehabt, eine richtige Erektion, nur weil er dem Burschen die Kehle durchschnitt. Der Freak wand sich auf dem Fußboden, zuckte umher und gab gurgelnde Laute von sich. Er faßte sich an den Hals, und das Blut spritzte zwischen seinen Fingern hervor. Und da war Maxwell; er beugte sich über ihn, die Augen funkelnd, die Lippen halb geöffnet, während ihm der...



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