Klee | Mörderisches Phantom | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Klee Mörderisches Phantom

Ein Fall für den Undertaker
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-86305-323-9
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für den Undertaker

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

ISBN: 978-3-86305-323-9
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Frank Wilhelm, genannt der "Undertaker", ehemaliger Medizin-Student, Ex-Privatdetektiv und Schwiegersohn eines Bestattungsunternehmers, wird in einem Hotel in der mittelhessischen Metropole Gießen indirekt Zeuge eines Überfalls auf eine russische Prostituierte. Wenig später wird eine junge Frau tot aus der Lahn gefischt, die offensichtlich aus Osteuropa stammt und auf bestialische Art und Weise umgebracht wurde, kurz darauf gibt es ein weiteres Mordopfer. Die Polizei versucht fieberhaft, diesen furchtbaren Mörder zu finden und dingfest zu machen, und auch Frank Wilhelm beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Das ist schwieriger als gedacht - und mörderisch dazu, denn der oder die Täter agieren als Mörderisches Phantom ...

Falk-Ingo Klee wurde 1946 in Bochum geboren und lebt schon seit vielen Jahren in Gießen. Bis zum Eintritt in den Ruhestand arbeitete der Kaufmann im Groß- und Außenhandel in dem großen Autohaus, in dem er seinen Beruf auch erlernt hatte. Von Science-Fiction fasziniert, begann er in den 1970er Jahren, selbst SF-Romane zu schreiben. 1978 wurde sein erster TERRA ASTRA-Band "Das neue Leben" veröffentlicht, 15 weitere Storys innerhalb dieser Reihe folgten. Von 1981 bis 1987 schrieb Falk-Ingo Klee 31 Romane innerhalb der ATLAN-Serie, dazu kamen zwei PERRY RHODAN-Planetenromane und mehrere Kurzgeschichten für SF-Anthologien. Danach verfasste er noch zwei Bücher über Kinderkrebs. Beruflich stark eingespannt, ruhte die schriftstellerische Tätigkeit dann etliche Jahre, bis es Falk-Ingo Klee erneut in den Fingern juckte. Diesmal publizierte er einige Krimis und Gartenbücher, die auch mehrfach ausgezeichnet wurden. Die Verbindung zur Science Fiction und zum PERRY RHODAN-Umfeld ist aber nie ganz abgerissen und im letzten Jahrzehnt wieder enger geworden, denn Falk-Ingo Klee verfasst seit einigen Jahren Beiträge und Kolumnen für die Internetseite PERRY RHODAN-News.

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3.
Es hatte schon immer einen besonderen Nimbus, dieses Sibirien, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Schon zur Zarenzeit hatte man angefangen, die Bodenschätze abzubauen, und als dann die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, kurz UdSSR genannt, quasi die Nachfolge des russischen Reiches antrat, gehörte Sibirien mit seinen Rohstoffvorkommen natürlich zum Kernland der Sowjetunion. Sibirien – das ist ein riesiges Gebiet von über sechs Millionen Quadratkilometern und damit fast so groß wie der Erdteil Australien. Es erstreckt sich vom Ural im Westen bis zum Pazifischen Ozean im Osten über 7.200 Kilometer, grenzt im Süden an China und die Mongolei an und misst bis zum Nordpolarmeer im Norden immerhin rund 3.200 Kilometer. Weniger als fünfzig Millionen Menschen bevölkern dieses riesige Gebiet, doch noch nicht einmal zwei Prozent davon gehören zu den alten Sibiriern, die auf den Spuren der Kosaken ins Land gekommen waren und zu Zeiten Iwan des Schrecklichen mit der Kolonialisierung begonnen hatten. Russische Pioniere dominieren, die seit 1950 dem Ruf der Kommunistischen Partei gefolgt waren, das Land und die Industrie aufzubauen oder ganz einfach der Verlockung erlegen waren, dort mehr Geld zu verdienen als im gesamten Rest der Sowjetunion. Swetlana gehörte zur dritten Generation der russischen Pioniere. Schon ihre Großeltern waren zu neuen Sibiriern geworden, und sie selbst hatte nie etwas anderes kennengelernt. Winter war die Jahreszeit, wenn das Wasser gefror, und das waren oft neun Monate im Jahr. Wochenlang blieb die Sonne unsichtbar, und wenn sich schwarze, an den Rändern hell schimmernde Wolken zeigten, wurde es nicht nur noch dunkler, sondern es war auch ein Anzeichen für aufkommende Schneestürme, die tagelang ohne Unterbrechung andauern konnten. Die furchtbare Purga regierte dann das Land. In besonders strengen Wintern konnten die Temperaturen unter minus 50 Grad Celsius fallen. Das Vieh musste in den Ställen bleiben, lediglich Enten und Gänse trotzten der Kälte. Wie Wissenschaftler in Versuchen herausgefunden hatten, hielt das Federvieh mehr Frost aus als Eisbären, die bei minus 80 Grad Celsius verendeten, während die Gänse selbst minus 100 Grad Celsius fröhlich schnatternd überstanden. Der Atem von Mensch und Tier blieb bewegungslos in der Luft stehen, Dunst waberte zwischen den Häusern, und die Atmosphäre trug nicht einmal mehr die Vögel. Wie Federbälle fielen die Spatzen vom Himmel, Eis grub tiefe Rinnen in die Straßen, und die hölzernen Behausungen, vom Sturm gebeutelt und ächzend unter der Last der weißen Pracht, wurden zunehmend windschiefer, Risse zeigten sich in Brettern und Balken, Farbe blätterte ab. Spezielle Lastwagen mit riesigen, von Ketten ummantelten Ballonreifen mühten sich in Konvois während der wenigen Stunden mit Tageslicht durch den Schnee, um die Siedlungen mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen, und wo auch das versagte, wurden Raupenschlepper eingesetzt, um die Vorposten der menschlichen Zivilisation am Leben zu erhalten. Zuverlässig kamen sie nie, denn das Wetter war unberechenbar, und was sie mitbrachten, war nicht einmal zu erahnen, denn die Planwirtschaft hatte ihre eigenen Gesetze. Es kam vor, dass man in einem Monat kein Speiseöl bekam, das es dafür in den nächsten vier Wochen aber reichlich gab, dafür aber kein Salz. Brot und Mehl konnten knapp werden, weil in einem Getreidesilo Feuer ausgebrochen war und nicht gelöscht werden konnte, weil der Brunnen zugefroren war. Ein Auto besaß nur der örtliche Parteisekretär der KPdSU, der kommunistischen Partei der Sowjetunion, doch seine Karosse hatte längst den Geist aufgegeben. Die tiefen Temperaturen ließen Motoren einfrieren, Reifen platzen und Batterien den Geist aufgeben, Schmiermittel wie Öle und Fette wurden zu einer geleeartigen Masse. Metallteile wurden spröde und rissig, brachen oder platzten auf. Fahrzeuge hatten in Sibirien eine Lebensdauer von zwei Jahren, aber das war im Plan nicht vorgesehen. So war also auch der Funktionär im Winter mit Skiern oder dem Pferdeschlitten unterwegs. An stillen Tagen hörte man das Knirschen des Schnees unter den Kufen drei Kilometer weit, und die weiße Landschaft war in ein gleißendes, fast überirdisch glänzendes Licht gehüllt. Trotz aller Widrigkeiten fühlte man sich eins mit der Natur, und es waren solche Stunden, die die Sibirier mit der Welt versöhnten. Eher mürrisch wurden sie, wenn der Frühling kam. Nicht, dass sie etwas dagegen hatten, dass die Kälte wich, aber Straßen, Wege, Gärten und Felder verwandelten sich dann durch die Schneeschmelze in eine Sumpflandschaft, bei jedem Schritt blieb man im Morast stecken. Die als Aborte genutzten Sickergruben tauten auf und begannen zu stinken, Abfälle, die man während der kalten Jahreszeit einfach nach draußen geworfen hatte und die durch den Frost konserviert wurden, zersetzten sich unter den ansteigenden Temperaturen in übel riechende organische Zerfallsprodukte. Danach wurde es für drei Monate Sommer, und der kam mit solcher Macht, dass die Natur förmlich explodierte. Knospen an Bäumen und Sträuchern platzten über Nacht auf, unzählige Blüten entfalteten sich, es gab Blumen und Früchte im Überfluss, aber auch riesige Schwärme stechwütiger Mücken. Die Sonne ging kaum unter, und wo vor ein paar Wochen noch rotglühende Öfen in den Häusern gegen die Eiseskälte angebullert hatten, herrschte jetzt lähmende Hitze. Dreißig Grad und mehr zeigte das Thermometer an, und es gab Tage, wo sich das Quecksilber sogar der Vierzig-Grad-Marke näherte. Nichts deutete darauf hin, dass schon in wenigen Wochen wieder Väterchen Frost das Land unter seine eisige Knute zwingen würde, aber jeder stellte sich darauf ein. Die Kinder sammelten die Früchte wilder Beeren, die eingekocht wurden, man erntete das in den Gärten angebaute Gemüse wie Kohl, Rote Beete, Zwiebeln und Knoblauch, und man schlug Feuerholz, um im Winter die großen Ziegelöfen in den Holzhäusern zu heizen. All das konnte natürlich nur nach Feierabend gemacht werden, denn die Dörfler waren zwar Bauern, doch sie waren Angestellte der örtlichen Kolchose, der staatlichen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Neben Ackerbau wurde auch die Zucht und Mast von Vieh betrieben sowie eine Imkerei. Abwechslung vom Alltag gab es kaum. Ein, zwei Mal während des Sommers kam eine Art mobiles Kino nach Brasolsk, nach der Schneeschmelze im späten Frühjahr und vor Anbruch des Winters gab es Veranstaltungen der regionalen Komsomol, der kommunistischen Jugendorganisation der UdSSR, der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken. Wie nahezu alle Kinder in dem sowjetischen Riesenreich war auch Swetlana eine Komsomolzin. • • Wegen der geringen Einwohnerzahl des Ortes gab es in Brasolsk kein Dorfgemeinschaftshaus oder eine ähnliche Einrichtung. Zusammenkünfte, Parteiversammlungen und Veranstaltungen fanden in dem scheunenähnlichen Anbau des Hauses statt, in dem der örtliche Parteisekretär der KPd-SU wohnte, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Praktischerweise war er auch gleichzeitig Bürgermeister. Der Sommer hatte dieses Jahr überraschend lange gedauert. Jetzt, Anfang Oktober, war es mit knapp unter null Grad noch verhältnismäßig mild. Kein Sibirier holte bei diesen Temperaturen seine Filzstiefel und die Fellmütze aus dem Schrank, und auch Swetlana trug keine Wintersachen. Bekleidet mit einem eher dünnen Mäntelchen und einfachen Gummistiefeln, stapfte sie über die holprige Straße, die diesen Namen kaum verdiente. Eine dünne Schneedecke verhüllte den erbärmlichen Zustand des Schotterweges, und die eher spärlich vom Himmel herabfallenden Schneeflocken mühten sich vergeblich, die Schlaglöcher der Chaussee aufzufüllen und unsichtbar zu machen. Die vierzehnjährige Komsomolzin freute sich auf den Nachmittag, der vom Kreisjugendleiter der Partei organisiert worden war. Gewiss, jede Behausung im Dorf verfügte über einen Elektrizitätsanschluss und besaß meist ein Radio und manchmal sogar einen Fernseher, aber oft fiel der Strom aus, und der TV-Empfang ließ ohnehin sehr zu wünschen übrig. Öfters rauschte der Ton so stark, dass man nichts verstand, dann wieder war das Bild so griesig, dass man nur Schemen oder gar nichts sah, und an vielen Tagen zeigte die Mattscheibe nichts. Ein Manko war das eigentlich nicht, denn der staatliche Kanal tat kaum mehr, als die in den gleichgeschalteten und zensierten Presseorganen wie der ›Prawda‹ gedruckten Nachrichten in bewegten Bildern zu zeigen. Es blieb dann nur der Rundfunk, und der war wie die ›Prawda‹, was übersetzt ›Wahrheit‹ heißt, von oben gesteuert. Das bedeutete, dass die Meldungen der Zeitungen dem Medium entsprechend eben gesprochen wurden. Da ging es um Erklärungen des Obersten Sowjet, die Planerfüllung der Straßenbauer, die Ehrenerklärung der Roten Armee, das Land gegen Imperialismus und kapitalistische Ausbeuter zu verteidigen, Brigaden...



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