E-Book, Deutsch, Band 3, 114 Seiten
Reihe: Eine Geschichte
Klein Eine weitere Geschichte
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-7125-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 114 Seiten
Reihe: Eine Geschichte
ISBN: 978-3-7597-7125-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach ihren mehrfachen Erfolgen beim Überführen von Kroko-Dealern werden Cyrille und ihre Freunde nach Dingenskirchen eingeladen, um ein Interview zu geben. Doch ist es wirklich so schlau, sich im Fernsehen zu zeigen, wenn man einer internationalen Drogenbande auf die Füße getreten ist?
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Dingenskirchen
Cyrille träumte von einer Kuh, die gerade gemolken worden war, jedoch schon wieder ein volles Euter hatte. Cyrille wollte sich selbst um das Melken kümmern, doch da setzte sich die Kuh auf ihr Gesicht.
„Tom!“, rief die nun wache Cyrille gegen den Bauch des Hundes. Er hatte sich während sie geschlafen hatte auf sie gelegt, woraufhin ihr Traum dieses Erlebnis auf seine eigene Weise umgesetzt hatte.
Was der Rest des Traumes bedeuten sollte, war ihr nicht klar. Und sie würde Tom auch nicht als Kuh bezeichnen, selbst wenn er sie manchmal nervte.
Sie versuchte wieder einzuschlafen, doch die Polizeisirenen, die an ihrem Wohnblock vorbeifuhren, störten sie dabei.
Weshalb sollte die Polizei bei ihnen vorbeifahren? Die wohlhabenderen Menschen, bei denen jemand einbrechen würde, wohnten weiter unten am Berg. Auf der anderen Seite gab es nur noch eine alte Bar. Vermutlich eine betrunkene Schlägerei oder so etwas.
Für Cyrille würde es wahrscheinlich nicht wichtig sein, also konnte sie getrost weiterschlafen.
Herr Dressel war in Höchstform – dachte er. Er hatte endlich verstanden, dass er selbst etwas gegen die Dealer der Stadt und ihres Umkreises unternehmen musste, wenn er es Cyrille untersagt hatte.
Er hatte mit Herrn Kopp bereits den Stadtpark und den alten Standort der Drogenbande Kroko-Deal, die stillgelegte Whiskeyfabrik, observiert.
Für einen Nachmittag - danach wurde es ihm zu viel. Er glaubte, die Dealer würden sich dort nicht mehr blicken lassen nachdem sie die Polizei einmal gesehen hatten. Auch wenn Staatsanwalt Tasman bereits das Gegenteil bewiesen hatte.
Nach Herrn Dressels Erfolg in einer Kneipe, in welcher er drei Jugendliche mit weißem Pulver erwischt hatte, war er etwas übermütig geworden: Er hatte den Dealer der lokalen Pokerrunde festnehmen wollen inklusive der Pokerspieler, welche ihn verteidigt hatten.
Herr Kopp schüttelte den Kopf: „Ohne Cyrille schaffen wir das nie.“ „Sie soll das nicht machen, es ist zu gefährlich für sie! Denken Sie doch nur einmal an die Entführung ihrer Deutschlehrerin und ihrer Klassenkameradin!“, rief Herr Dressel wütend, nachdem man sie aus der Kneipe geworfen hatte.
„Nun fährt sie erst einmal für eine Woche nach Dingenskirchen“, erwiderte Herr Kopp beiläufig. „Wozu das denn?“ „Für ein Interview. Sie ist jetzt berühmt.“
Tatsächlich war Cyrille seit der letzten Gerichtsverhandlung so etwas wie eine lokale Heldin. Sie hatte mit ihren Freunden Jette, Sabrina, Cassandra und Sabrinas Zwillingsbruder Florian bereits vier Dealer geschnappt: Frau Goschn, die Mutter einer ehemaligen Klassenkameradin, Sloth, Klaue und den Unterboss von Brammingen-Herzogheim Jock Daniels, die Entführer von Frau Felsenstein und Sri.
Doch trotz ihres Ruhmes musste Cyrille wohl oder übel die Schulbank drücken.
Frau Wilhelm-Ludwig hatte die Deutschstunden, welche aufgrund des Klinikaufenthalts von Frau Felsenstein nicht stattfinden konnten, mit der Vorbereitung der Gruppenreferate für Geschichte belegt.
Da sie nach dieser Schulwoche mit der Klasse in die Hauptstadt von Nord-Südland, Dingenskirchen, fuhr, wollte sie vorher ihre Noten haben.
Gerade hatte sie Ando aufgerufen, der seiner Klasse nun über die Ureinwohner von Amerika erzählte: „Hallo, liebe Klasse, heute halte ich ein Referat über die Ureinwohner von Amerika. Amerika wurde wahrscheinlich von Kolumbus entdeckt, vielleicht waren es auch die Wikinger. Wobei die Wikinger nicht darauf aus waren, die Indianer zu vertreiben...“
Sein Referat war sogar für die Lehrerin gut gewesen, weswegen er eine zwei bekam. Für die Gruppenarbeit erhielten alle drei eine eins. Nun hatte Ando zwar eine Note mehr als Valentina und Kurt, doch es schien in Frau Wilhelm-Ludwigs Notenplanung zu passen.
Danach war Vladimir an der Reihe. Cyrille war erleichtert, dass nicht sie ausgesucht worden war. Sie und Lola bekamen auf ihre Gruppenarbeit eine eins, und Vladimir für sich selbst zwei davon.
In dieser erweiterten Stunde (Frau Leid hatte ihre eigene gerne abgegeben) war genug Zeit, dass jede Gruppe ihr Referat halten konnte, worüber Frau Wilhelm-Ludwig sehr erfreut war.
Die Klasse hatte insgesamt sehr gut abgeschnitten, was unter anderem daran lag, dass sie dasselbe Thema in Geo gehabt hatten.
„Warum lernt man in mehreren Fächern dasselbe?“, fragte Cyrille. „Ja, weißt du, wenn der Lehrer zu schlecht war, dann bringt es dir ein anderer nochmal bei“, erwiderte Frau Wilhelm-Ludwig, wobei Cyrille nicht völlig erkennen konnte, ob es ernst gemeint war.
„Übrigens habe ich euren Deutschtest mitgebracht. Frau Felsenstein hatte ihn einem Kollegen zur Korrektur gegeben und da ich eure Klassenleiterin bin, muss ich ihn euch aushändigen.“ Sie wirkte nicht sonderlich begeistert von dieser Aufgabe.
Beim Austeilen bemühte sie sich, nicht auf die Noten am Rand zu luken. Cyrille wagte es kaum, auf ihr Blatt zu sehen. Der Test war ihrer Meinung nach sehr merkwürdig gewesen.
Jette hatte eine zwei und war äußerst zufrieden mit sich. Cassandra hatte selbstverständlich eine eins, die Zwillinge jeweils eine vier und Vladimir ebenfalls eine eins.
Nun wollte Cyrille es doch wissen. Sie drehte das Blatt um und erblickte eine große rote drei. Sie atmete erleichtert aus, da sich ihr Schnitt nicht verschlechtert hatte und steckte den Test in ihre Mappe.
Nach diesem Schultag ging Cyrille aufgeregt nach Hause. Sie musste ihre Tasche für den Aufenthalt in Dingenskirchen packen.
Es erinnerte sie an die Situation vor dem Schullandheim in welchem Sri entführt worden war.
Drei der vier Männer, welche dafür verantwortlich waren, saßen zwar bereits hinter Gitter, doch der Big-Boss Johnny Talker war noch immer auf freiem Fuß.
Bei dem Drogenring Kroko-Deal war es üblich, dass jeder Dealer einen Tiernamen als Tarnung bekam. Wenn er dann aufstieg, wurde er nach einem Alkohol benannt. Keiner der vier Dealer, die bisher gefasst worden waren, hatte etwas über Johnny Talker ausgeplaudert.
Frau Goschn hatte ihnen eine Art Hinweis gegeben, doch dies war auch schon alles.
Cyrille war noch so sehr in ihre Gedanken vertieft, dass sie das Telefon gar nicht hörte. „Cyrille!“, rief ihre Mutter erneut. Es erinnerte die gerufene abermals an den Aufbruch zum Schullandheim, was sie nicht gerade fröhlich stimmte. Auch damals war sie angerufen worden.
Doch diesmal war es nicht Herr Kopp, sondern Jette, ihre Banknachbarin und gute Freundin. „Hi!“, rief sie in Hörer, woraufhin Cyrille grinste. Jette war ein sehr fröhlicher Mensch und hatte immer Hunger. Immer.
„Hast Du zufällig mein Mathebuch eingepackt?“, fragte Jette. „Nein.“ „Dann war es Sabrina. Dann will ich dich gar nicht weiter stören.“ „Aber ich!“, rief eine Stimme aus dem Hintergrund. Cyrille schmunzelte. Es war Ester, Jettes Nichte, welche bei ihnen zuhause wohnte.
Jette reichte ihr den Hörer, und Ester rief hinein. „Hallo, Cyrille!“ „Hallo, Ester.“ „Ich wollte mit dir reden“, begann Ester. Sie war zwar erst fünf, doch sie war äußerst wissbegierig und neugierig.
Ester erzählte Cyrille alles Mögliche aus dem Kindergarten, und dass ihre Eltern am Montag ihre letzte Semesterarbeit geschrieben hatten. „Wenn sie nicht zu faul waren, dann müssten sie eigentlich bestehen. Hoffentlich verloben sie sich dann, es wird langsam mal Zeit!“ Ehrlich war sie auch.
Doch Cyrille konnte sich nicht ewig mit ihr unterhalten, so leid es ihr tat. Sie musste sich auf die Fragen des Reporters vorbereiten, die ihr bereits gestern zugeschickt worden waren.
Ester war zwar traurig, doch sie wollte auch nicht, dass Cyrille sich im Fernsehen blamierte, also ließ sie sie ihre Arbeit tun.
Ihre Mutter störte sie jedoch des Öfteren, weil sie der Ansicht war, sie müsse Cyrille ihren überspitzten Rat geben. Sie schärfte Cyrille ein, dass sie sich auf keinen Fall neben Florian setzen sollte, da die Zuschauer sonst denken könnten, sie wären ein Paar.
Und selbst wenn diese es nicht täten, befürchtete Frau Bergschmidt, dass Cyrille sich in einen Jungen, dem sie zu nahe kommen würde, verlieben könnte.
„Wieso macht dir das eigentlich so viel aus, wenn ich oder Carola einen Freund hätten?“, fragte Cyrille nach Jahren voller inneren Monologs darüber.
„Na ja, erstens lenkt es dich ab. Sowohl von der Schule als auch von deinen anderen Freundinnen. Und man hört ja immer wieder von sehr jungen Müttern und bei Teenagern kann man nie wissen, ob sie nicht doch… na ja, du weißt schon, sich vielleicht näher kommen wollen.“
Cyrille wusste nicht genau, was sie dazu sagen sollte. „Ich muss ja nicht unbedingt mit einem Jungen eine Beziehung führen. Aber männliche Freunde kann ich doch trotzdem haben. Und außerdem hat Florian schon eine Freundin.“
„Und wie nahe kommt er ihr?“ „Das habe ich ihn nicht gefragt.“
Ihre Mutter winkte...




