Klement | Spurlos | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Klement Spurlos


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-99128-033-0
Verlag: Obelisk Verlag ein Imprint der Verlagsanstalt Tyrolia Gesellschaft m. b. H.
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

ISBN: 978-3-99128-033-0
Verlag: Obelisk Verlag ein Imprint der Verlagsanstalt Tyrolia Gesellschaft m. b. H.
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Unwetter in den schottischen Highlands, im düsteren Glen Coe, zwingt Tim und Julian, in einem abgelegenen Haus um Unterstand zu bitten. Vor Regen und Sturm sind sie zwar geschützt - doch birgt das unheimliche Mädchen in diesem einsamen Haus nicht noch größere Gefahren? Welches düstere Geheimnis umgibt Aileen? Trachtet sie ihnen womöglich nach dem Leben? Die Atmosphäre wird immer bedrohlicher und es gibt kein Entrinnen ... Robert Klement, Meister der Spannung, hat einen faszinierenden Thriller mit realem Hintegrund verfasst, der letztlich soziale Probleme rund um die jugendliche Gewaltszene der Britischen Inseln aufgreift.

Robert Klement wurde 1949 in St. Pölten geboren. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Hauptschullehrer begann er Reportagen für Zeitungen und Magazine ('Profil') zu schreiben. Seit 1986 veröffentlichte er über 26 Bücher. Seine an Tatsachen anknüpfenden Romane beruhen auf genauen Recherchen. Gleich in seinem ersten Buch ('Durch den Fluss') prangert er Menschenrechtsverletzungen in der damaligen CSSR an. Nach einer Flugblattaktion für den Charter-Gründer und späteren Staatspräsidenten Vaclav Havel wird er 1989 in Prag inhaftiert. In Brasilien mischt er sich unter Straßenkinder, die von Todesschwadronen bedroht werden. Nach dem schweren Erdbeben in Armenien versucht er, die Schicksale der Opfer und Helfer aufzuzeichnen. Im Himalaya recherchiert er die verschlungenen Wege der Pelztier-Mafia, die den Schneeleoparden jagt. Seine Studienreisen führen ihn von Alaska bis Neuseeland, von Kuba bis zu den Philippinen.
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DAS MÄDCHEN


„He, ihr dort!“

Sie konnten nicht gleich feststellen, woher dieser Ruf gekommen war, und blickten sich suchend um.

„Ja, euch beide mein ich.“

Der alte Mann stand zwischen zwei Felstürmen oberhalb des Hanges. Sein langes Haar leuchtete schneeweiß. Einzelne Strähnen hingen ihm wirr ins Gesicht und wehten im Wind.

„Ihr solltet nicht durch dieses Tal gehen!“ Seine Stimme klang seltsam gepresst. Er stieß die Worte hervor, es schien ihm große Anstrengung zu bereiten.

„Wieso denn?“, rief Tim. Doch da war der Mann plötzlich hinter den Felsen verschwunden.

Die beiden Wanderer hatten kurz zuvor beschlossen, eine Abkürzung zu nehmen, um schneller nach Fort William zu kommen. Tim hatte seine Wetter-App gecheckt, weil plötzlich dunkle Wolken aufgezogen waren.

„Was will der Opa von uns?“, fragte Julian.

Vielleicht war es ein Wildhüter oder der Besitzer des Grundstücks. Es gab in Schottland einige Farmer, die etwas dagegen hatten, dass immer mehr Wandergruppen über ihre Weideflächen trampelten. Es war jedoch weit und breit kein Hinweis zu sehen, der den Durchgang durch dieses Tal untersagt hätte.

Nach etwa einer halben Stunde verdüsterte sich der Himmel völlig. Das Licht über der Heide hatte nun etwas Schauerliches und das welke Gras leuchtete goldbraun.

Sie erreichten einen Fluss, aus dem Dunstschwaden stiegen und das Tal wie unter einer Decke verhüllten. Dort flatterte ein Moorhuhn auf. Plötzlich ertönte ein Brausen. Am Horizont zuckten Blitze zwischen dahinstürmenden schwarzen Wolken und es begann zu regnen.

Tim und Julian hörten ein Grollen, das unheilvoll herankroch und sich zu einem rhythmischen Donnern ganz in ihrer Nähe auswuchs.

Sturm und Regen wurden rasch stärker. Die beiden kamen nur quälend langsam voran. Oft sanken sie bis zu den Knöcheln in Morast und traten auf Steine, die schmatzend im Boden verschwanden.

„Wir sollten umkehren!“, schrie Julian mühsam gegen das Heulen des Sturmes an, doch Tim drängte weiter vorwärts. „Das geht vorbei. Es wird nicht lange dauern.“

Durch den peitschenden Regen waren sie im Nu völlig durchnässt. Die Blitze zuckten jetzt in immer schnellerer Folge über den Himmel. Sie kamen zu einer schmalen Straße. Vielleicht gelang es, ein Auto anzuhalten. Doch es ließ sich keines blicken.

Im Schein eines ungewöhnlich hellen Blitzes erkannten sie ein einsames Haus. Beim Näherkommen hörten sie das heftige Bellen eines Hundes.

Die Fensterläden waren geschlossen. Die drei Stufen, die zur Tür führten, waren so verrottet, dass man Angst haben musste, durchzubrechen. Wo einst die Klingel war, hingen Drähte aus der Mauer, daher trommelten sie mit den Fäusten gegen die Tür. Sofort hörten sie eine forsche helle Mädchenstimme:

„Wer ist da?“

„Wir sind zwei Schüler, wir haben uns verirrt.“

„Ich bin allein und darf niemanden einlassen.“ Der Hund bellte, als wollte er die Tür aus den Angeln heben.

„Wir bleiben nur so lange, bis der Regen nachlässt. Lass uns bitte rein!“ Julian glaubte, man müsse sein Zähneklappern sogar durch die geschlossene Tür hören.

„Ich kann euch nicht helfen. Tut mir leid. Ich …“ Der Rest ging im Tosen des Sturmes unter. Vielleicht half eine kleine Unwahrheit: „Mein Freund hat sich am Fuß verletzt, er kann nicht mehr weiter.“

„Das ist ein mieser Trick. Geht bitte weg von da, ihr macht meinen Hund verrückt!“

„Wie heißt du?“

„Ist doch egal, wie ich heiße. Ihr kommt hier nicht rein.“

Tim wusste instinktiv, dass er sie im Gespräch halten musste. Solange sie antwortete, bestand Hoffnung. „Wir sind hier auf Sprachferien. Ich bin Tim, mein Freund heißt Julian. Wir kommen aus Österreich.“

Es würde vielleicht Vertrauen schaffen, wenn sie wusste, mit wem sie es zu tun hatte. Keine Antwort.

„Sie ist weg“, sagte Tim.

„Scheiße, was machen wir jetzt?“, fragte Julian. Ein weiterer Blitz zeigte, dass weit und breit kein anderes Haus in der Nähe war.

Plötzlich … das Geräusch eines zurückgeschobenen Riegels. Ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Die schwere, mit Eisen beschlagene Tür ging auf. Das Mädchen hatte größte Mühe, den Hund am Halsband zurückzuhalten.

„Ruhig, Winston, ruhig!“, kreischte es.

Julian nahm zunächst nur ihre Umrisse wahr, da seine Brille angelaufen war. Die beiden bedankten und entschuldigten sich; nach jedem Schritt hinterließen sie Rinnsale, die sich rasch zu Pfützen ausweiteten. Das Mädchen führte sie in ein Zimmer. Im hohen Kamin prasselte ein Feuer.

„Wir bringen die Pizza“, scherzte Julian.

„Hab aber nichts bestellt“, antwortete das Mädchen und zwang sich ein Lächeln ab.

Sie breitete ein Plastiktischtuch über das Sofa und schaltete den Computer aus. Dann ließ sie sich in einen wuchtigen braunen Ledersessel fallen. Sie musterte ihre beiden Gäste mit einer Mischung aus Ungläubigkeit, Belustigung und Wissbegierde. Fast so, wie man ein seltenes Tier betrachtet. Dann hauchte sie mit einem Lächeln:

„Ich bin Aileen.“

In Tims Ohren klang der Name wie eine einschmeichelnde Melodie. Sie hatte große Augen, die sich einem ins Herz bohrten. Das lange, rotblonde Haar umrahmte ihr Gesicht mit den hohen Wangenknochen und dem Kinngrübchen, das ihr einen Hauch von Verwegenheit verlieh. Ihre Handgelenke wirkten zart und zerbrechlich. Sie trug ein silbernes Piercing über der linken Braue, ein schwarzes Sweatshirt und modisch verschlissene schwarze Jeans.

„Ohne wetterfeste Kleider und mit Turnschuhen durch die Highlands. Einfach verrückt!“, sagte Aileen. „Noch nie was von Outdoor-Bekleidung gehört?“

„Ein Regenschirm hätte es auch getan“, sagte Julian und lachte selber am meisten über diesen Scherz.

„Tja, die Wanderung hat sich zufällig so ergeben“, meinte Tim. „Als es zu regnen begann, haben wir gehofft, dass uns ein Auto mitnimmt. Aber wir haben keines gesehen. Es kam bloß ein Motorrad.“

Das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht und machte einem Ausdruck von Verwunderung Platz, ein leichtes Zittern durchlief ihren Körper.

„Ein Motorrad? Bist du sicher?“

„Klar. Warum?“

Sie starrte einen Moment mit weit aufgerissenen Augen ins Leere, schüttelte den Kopf und bewegte stumm die Lippen.

Die beiden Freunde blickten sich um. Die Einrichtung war karg, doch der Raum strahlte Behaglichkeit aus. An einer Wand reihte sich Buch an Buch in hellen Regalen. An der anderen hingen Landschaftsbilder – von Aileen gemalt, wie sie später erfahren sollten. Die Situation war an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Sie saßen da wie zwei begossene Pudel.

Wie gerne hätte sich Julian gerade diesem Mädchen mit seiner fein zurechtgemachten Strähnchenfrisur gezeigt.

„Ich mache gerade Tee. Wollt ihr auch …?“, fragte Aileen.

Die beiden waren sich einig, dass heißer Tee im Moment genau das Richtige wäre.

Sie hörten, wie Aileen in der Küche Tassen auf ein Tablett stellte und mit den Löffeln klapperte. Winston näherte sich Tim und hechelte.

„Ein Dobermann-Mischling“, sagte Julian mit Kennerblick. „Die sind nicht so wild, wie sie aussehen.“

Das konnte Tim nicht beruhigen. Das Tier mit dem schwarz-braunen Kurzhaarfell wirkte kraftvoll und war beachtlich groß. Aileen kehrte mit dem Tee zurück und nahm wieder Platz.

„Zieht euch aus!“, sagte sie unvermittelt. Als sie das Entsetzen in den Gesichtern ihrer Gäste sah, fügte sie rasch hinzu: „Das nasse Zeug macht euch noch krank.“

„Nein, nein, nicht notwendig“, stammelte Tim und errötete zart.

„Das trocknet auch so“, sagte Julian.

„Ihr braucht euch nicht zu genieren. Ihr seid nicht die Ersten, die es in diesem Tal böse erwischt hat.“

Um Julians Socken hatte sich eine kleine Pfütze auf dem Parkettboden gebildet. Es sah ja wirklich so aus, als wären sie nicht durch dieses Tal gewandert, sondern in ihren Kleidern zu diesem Haus hergeschwommen.

„Ich bringe euch Decken. Zieht euch aus! Ihr holt euch noch eine...


Robert Klement wurde 1949 in St. Pölten geboren. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Hauptschullehrer begann er Reportagen für Zeitungen und Magazine ("Profil") zu schreiben. Seit 1986 veröffentlichte er über 26 Bücher. Seine an Tatsachen anknüpfenden Romane beruhen auf genauen Recherchen. Gleich in seinem ersten Buch ("Durch den Fluss") prangert er Menschenrechtsverletzungen in der damaligen CSSR an. Nach einer Flugblattaktion für den Charter-Gründer und späteren Staatspräsidenten Vaclav Havel wird er 1989 in Prag inhaftiert. In Brasilien mischt er sich unter Straßenkinder, die von Todesschwadronen bedroht werden. Nach dem schweren Erdbeben in Armenien versucht er, die Schicksale der Opfer und Helfer aufzuzeichnen. Im Himalaya recherchiert er die verschlungenen Wege der Pelztier-Mafia, die den Schneeleoparden jagt. Seine Studienreisen führen ihn von Alaska bis Neuseeland, von Kuba bis zu den Philippinen.



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