Klessinger | Notärztin Andrea Bergen 1258 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1258, 64 Seiten

Reihe: Notärztin Andrea Bergen

Klessinger Notärztin Andrea Bergen 1258

Mariellas Brüderchen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7325-0198-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mariellas Brüderchen

E-Book, Deutsch, Band 1258, 64 Seiten

Reihe: Notärztin Andrea Bergen

ISBN: 978-3-7325-0198-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Beim ersten leisen Wimmern ihres kleinen Sohnes ist Natascha auf den Beinen. Nein, nicht schon wieder! Marlons schmale Stirn fühlt sich heiß an, und sein Babykörper glüht! Seit Wochen schon kommen und gehen die rätselhaften Fieberschübe, für die kein Kinderarzt bisher eine Erklärung hat. Als das Thermometer kurz darauf über vierzig Fieber anzeigt, zögert Natascha keine Sekunde länger und wählt mit zitternden Fingern die 110...

Noch in derselben Nacht überstürzen sich auf der Baby-Intensivstation des Elisabeth-Krankenhauses die Ereignisse, als sich Marlons Zustand rapide verschlechtert! In den frühen Morgenstunden kommt eine schreckliche Wahrheit ans Licht, an der Marlons Mutter zu zerbrechen droht: Der Säugling leidet an einer aplastischen Anämie, und nur eine Knochenmarktransplantation könnte ihn noch retten...

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Natascha Hain hievte vorsichtig die Babyschale aus dem Wagen. Marlon war endlich eingeschlafen, und sie wollte ihn nicht wecken. Er hatte letzte Nacht viel geweint, und deshalb hatte auch sie kein Auge zugetan. Marlon war ein halbes Jahr alt, vielleicht zahnte er und war deshalb so unleidlich.

Ein Cappuccino bei Marco im Laden würde ihr guttun. Natascha freute sich auf ihn, er war am Wochenende in London auf einer Möbelmesse gewesen und erst heute Vormittag zurückgekehrt.

Sie trat in das Einrichtungsgeschäft. Wie so oft war kein Kunde im Laden. Auch Marco war nicht zu sehen. Seit vier Jahren verkaufte ihr Lebenspartner Marco Kießling erlesene Accessoires für den gehobenen Wohnbedarf. Oder versuchte es zumindest, denn leider waren nur wenige Kunden an seiner ausgefallenen und teuren Deko interessiert.

Natascha stellte die Babyschale hinter dem Verkaufstresen ab und ging nach hinten ins Lager. Der Raum war dunkel. Plötzlich hörte Natascha ein Geräusch. Es kam aus dem Büro. Die Tür war nur angelehnt. Deutlich war heftiges Atmen zu hören, dem ein Stöhnen folgte.

Natascha erstarrte. Sie dachte kurz an Einbrecher. Wieder stöhnte jemand. Es kam von einer Frau. Nataschas Herz pochte, ihre Knie zitterten plötzlich. Sie nahm all ihren Mut zusammen, schlich zum Büro und blickte durch den Türspalt.

Ihr stockte der Atem.

Vor ihr stand ein Paar, eng umschlungen. Eine Frauenhand steckte in der Hose des Mannes, er knetete die Brüste unter ihrer Bluse. Ihre Köpfe bewegten sich heftig, sie schienen sich beim Küssen förmlich verschlingen zu wollen.

Natascha registrierte, dass es Marco war, der Trixi, seine Aushilfe, küsste. Die Frau, die stundenweise im Laden aushalf, die auf die Kinder aufpasste, während Natascha im Laden arbeitete, und die mit ihm zu den Möbelmessen flog.

Es war, als beobachtete Natascha eine Fernsehszene. Erst als Marco laut stöhnte, explodierte die Erkenntnis in Nataschas Kopf.

Im gleichen Augenblick gaben ihre Knie nach. Sie musste sich am Türrahmen festhalten. Natascha beobachtete, wie Marco Trixis Hand aus seiner Hose zerrte und die Tür aufstieß.

»Natascha«, stammelte er, sichtlich entsetzt. »Was machst du denn hier?«

Sie brachte kein Wort heraus. Tränen schossen ihr in die Augen. Trixi schob hastig ihren Rock herunter und zog ihre dünne, weiße Bluse glatt. Ohne ein Wort schob sie sich an Natascha vorbei, den Blick auf den Boden geheftet. Ihre spitzen Absätze klackerten über den Marmorboden, als sie zur Tür ging.

Verlegen biss Marco sich auf die Lippen und starrte vor sich hin.

Natascha holte Luft. »Hast du mir nichts zu sagen?« Ihre Stimme war brüchig.

Aufgebracht ging Marco zum Schreibtisch, ein teures Designermodell mit Lackkratzern, und schob ein paar Prospekte ineinander.

»Was willst du hören?«, sagte er aufgebracht. »Dass ich mit Trixi ein Verhältnis habe? Du glaubst mir ja doch nicht, dass es nur Spaß war. Sie ist nicht wichtig. Genauso wenig wie die anderen Frauen.« Er stemmte die Hände in die Seiten. »Du bist mir wichtig, aber mit dir kann ich keinen Spaß haben. Du bist entweder müde, krank oder hast keine Zeit. Hast du dir eigentlich mal Gedanken darüber gemacht, wie es mir damit geht, wenn du mich immer abweist?«

Natascha konnte seinen Worten kaum folgen.

»Was willst du damit sagen?«, fragte sie verwirrt. »Dass ich schuld bin, wenn du eine andere Frau küsst?«

Er wich ihrem Blick aus. »Wenn zwischen uns alles in Ordnung wäre, würde so etwas nicht passieren. Das ist doch logisch.«

»Marco, du hast mir versprochen, dass so etwas nie wieder vorkommt«, sagte sie mühsam beherrscht zu ihm. »Nur deshalb habe ich mich wieder auf dich eingelassen. Jetzt hast du erneut ein Verhältnis mit einer Aushilfe. Damals habe ich dir gesagt, dass ich Schluss mache, wenn das noch einmal vorkommt.«

»Das meinst du doch nicht ernst.« Er grinste schief.

»Wie soll ich dir denn noch vertrauen?« Ihre Stimme überschlug sich fast. »Du betrügst mich doch immer wieder!«

Marco ging auf sie zu und wollte sie in den Arm nehmen. Natascha wich zurück.

»Fass mich nicht an!«, schluchzte sie. »Das ertrag ich nicht.«

Marco zog sich zurück. »Ist vielleicht auch besser so.« Er klang wie ein bockiges Kind. »Zwischen uns hat’s sowieso nicht mehr gestimmt.«

»Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?« Natascha flüsterte fast. Sie spürte, wie sie resignierte.

Schweigend starrte Marco sie an.

Traurig schüttelte Natascha den Kopf. Sie wusste plötzlich, dass es keinen Sinn mehr hatte, mit Marco zu reden. Er würde sich nie ändern. Schweigend ging sie in den Laden, nahm die Babyschale mit dem schlafenden Marlon und ging.

***

»Geht’s dir besser?« Besorgt sah Claudia Brandt ihre Freundin an.

Natascha nickte. Sie war nach dem schrecklichen Erlebnis sofort zu ihrer Freundin gefahren und hatte sich bei ihr ausgeweint.

»Danke, dass du Mariella aus dem Kindergarten geholt hast«, sagte Natascha.

»Das hab ich gern gemacht. Außerdem hättest du mit deinem verheulten Gesicht dort schlecht auftauchen können.« Claudia schenkte ihrer Freundin noch eine Tasse Tee ein und lehnte sich dann wieder an die Küchenplatte.

Natascha saß am Küchentisch. Sie lächelte müde.

»Ich hätte die Beziehung nicht wieder anfangen sollen«, sagte sie leise. »Aber er hat mir damals Stein und Bein geschworen, dass er mich nie mehr betrügen wird.«

»Dafür hast du jetzt noch ein Kind und trotzdem einen untreuen Mann«, sagte Claudia grimmig.

»Jeder macht mal Fehler«, wandte Natascha ein. »Man muss auch verzeihen können. Außerdem liebe ich Marlon über alles.«

»Nur dass du Marco schon so oft verziehen hast«, sagte Claudia aufgebracht. »Er ist ein Hallodri und konnte noch nie treu sein.«

»Bis Mariella geboren wurde, war er mir aber treu.«

Claudia zog die Augenbrauen hoch. »Und das glaubst du ihm?«

»Aber er ist ein guter Vater.«

»Wenn er denn mal zu Hause ist«, konterte Claudia. Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Natascha, hör auf, dir etwas vorzumachen! Marco wird dich immer wieder betrügen. Außerdem kümmert er sich nur um die Kinder, wenn du ihn dazu zwingst. Er ist kein Familienmensch!«

Natascha schloss kurz die Augen.

»Du hast ja recht«, sagte sie dann leise.

»Marco hat sich nur noch über dich lustig gemacht«, regte sich Claudia auf. »Einrichtungsberaterin!« Sie sagte es in einem abfälligen Ton. »Genauso hat er es gesagt. Du hast es nur nie wahrhaben wollen.«

»Das waren doch keine richtigen Jobs«, wiegelte Natacha ab.

»Nur weil Marco dir erzählt, dass du Luxuswohnungen einrichten sollst, musst du doch nicht deine Erfolge madig machen! Bis jetzt waren alle begeistert von deinen Ideen.«

»Ich helfe Freunden ja gern, ihre Wohnungen einzurichten, aber das kann ich mir jetzt nicht mehr leisten. Meinen Job bin ich nämlich auch los, wenn ich mich von Marco trenne.«

»Schon vergessen?« Claudia blickte ihre Freundin an. »Dein Gehalt hat er mit dem Haushaltsgeld verrechnet. Das war so wenig, dass du jeden Cent dreimal umdrehen musstest.«

Natascha seufzte. »Du hast ja recht. Ich höre jetzt auf, mir diesen Mann schönzureden. Dann fällt mir die Trennung auch nicht so schwer.«

Claudia dachte nach.

»Du könntest meinen Putzjob haben«, sagte sie dann. »Mein Onlineshop läuft jetzt so gut, dass ich eigentlich keine Zeit mehr für einen Nebenjob habe.«

Irritiert sah Natascha sie an. »Ich soll putzen gehen?«

»Warum nicht? Das ist ein ehrbarer Job. Viele Frauen machen das, sogar Studentinnen.«

»Bevor ich putzen gehe, suche ich mir lieber einen anderen Job«, sagte Natascha trotzig.

»Und was für einen? Mariella geht bis mittags in den Kindergarten, Marlon ist erst ein halbes Jahr alt. Du hast keine Kinderfrau mehr, weil die ein Verhältnis mit deinem Mann hat.« Claudia verschränkte die Arme. »Marco wird dir nur das Nötigste zahlen, ihr wart nicht verheiratet, also bekommst du keinen Unterhalt, sondern nur die Kinder. Wenn du nicht von Sozialhilfe leben willst, wirst du arbeiten müssen, meine Liebe.«

»Meine Güte, dass du immer so schrecklich nüchtern sein musst!« Natascha seufzte wieder.

»Das würde dir ab und zu auch mal ganz guttun.« Claudia kniete sich vor ihre Freundin und nahm ihre Hände. »Der Job ist nicht schlecht, es ist leicht verdientes Geld. Die Wohnung gehört einem Finanzmakler, der kaum zu Hause ist. Außerdem kannst du Marlon mitnehmen.« Sie grinste. »Ich hab manchmal nur auf der Couch gelegen und ferngesehen. Es gibt wirklich kaum etwas zu tun.«

»Das ist doch unehrlich«, wandte Natascha ein.

Claudia verdrehte die Augen. »Warum musst du immer so schrecklich moralisch sein?«, ahmte sie ihre Freundin nach, und beide mussten lachen.

»Du kannst dann nebenher dein Geschäft aufbauen und dir Aufträge als Einrichtungsberaterin suchen. Mit meinem Onlineshop habe ich es genauso gemacht. Jetzt wollen immer mehr Menschen meinen Emailleschmuck haben.« Claudia fasste an die Kette mit dem orangeroten Emailleanhänger.

Natascha wollte etwas erwidern, dann sah sie, dass Mariella in der Tür stand.

»Mein Mäuschen«, rief sie und streckte die Arme aus, »du bist ja schon wach.«

»Ich hab fertig geschlafen«, verkündete Mariella...



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