Klessinger | Notärztin Andrea Bergen 1451 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1451, 64 Seiten

Reihe: Notärztin Andrea Bergen

Klessinger Notärztin Andrea Bergen 1451

Unfall oder Glücksfall?
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3145-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Unfall oder Glücksfall?

E-Book, Deutsch, Band 1451, 64 Seiten

Reihe: Notärztin Andrea Bergen

ISBN: 978-3-7517-3145-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Dr. Andrea Bergen die Verletzte nach einem Fahrradunfall ins Elisabeth-Krankenhaus bringt, ist sie zunächst erleichtert: Zum Glück scheint der hübschen jungen Frau nicht viel passiert zu sein. Doch diese Freude dauert nicht lange an, denn schnell stellt sich heraus, dass Petra Urban an Multipler Sklerose leidet. Wenigstens scheint die Krankheit bei der Patientin keine allzu starken Symptome zu verursachen - zumindest keine körperlichen. Dennoch schränkt die MS das Leben der leidenschaftlichen Kunstpädagogin stark ein. Petra hat sich geschworen, nie wieder einen Mann zu lieben - aus Angst, er könnte sie wegen ihrer Krankheit verlassen.
Das ist dumm, findet die Notärztin, denn schnell merkt sie, dass es zwischen ihrer Patientin und dem Unfallverursacher Markus von Garmisson ganz schön knistert. Und der sympathische Fabrikbesitzer scheint ihr alles andere als ein Luftikus zu sein ... Mal sehen, ob sie dem jungen Glück ein wenig auf die Sprünge helfen kann.

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Unfall oder Glücksfall?

Gott sei Dank! Zum Glück scheint der jungen Frau bei dem Unfall nicht viel passiert zu sein, denke ich noch, doch meine Freude dauert nicht lange an. Schnell stellt sich heraus, dass die Patientin an Multipler Sklerose leidet. Wenigstens scheint die Krankheit bei Petra keine allzu starken Symptome zu verursachen – zumindest keine körperlichen. Dennoch schränkt die MS das Leben der leidenschaftlichen Kunstpädagogin stark ein. Petra hat sich geschworen, nie wieder einen Mann zu lieben – aus Angst, er könnte sie wegen ihrer Krankheit verlassen.

Das ist dumm, finde ich, denn zwischen meiner Patientin und dem Unfallverursacher Markus von Garmisson knistert es ganz schön. Und der Fabrikbesitzer scheint mir alles andere als ein Luftikus zu sein ...

Mal sehen, ob ich dem jungen Glück ein wenig auf die Sprünge helfen kann.

»Hilde, hast du meinen Autoschlüssel gesehen? Ich finde ihn nicht«, rief Andrea Bergen ihrer Schwiegermutter zu, die in der Küche den Frühstückstisch abräumte. »Er hängt sonst immer am Brett, aber da ist er nicht.«

»Wann hast du ihn denn zuletzt gehabt?«, fragte Hilde ruhig.

»Am Freitag bin ich aus der Klinik gekommen und habe den Wagen in die Garage gestellt. Danach hatte ich den Schlüssel nicht mehr in der Hand«, antwortete Andrea und nahm eine Handtasche von der Garderobe, um sie zu durchsuchen.

»Dann kann er ja nur hier im Haus sein.« Hilde Bergen trat zu ihrer Schwiegertochter. »Vielleicht hast du ihn in der Jackentasche gelassen?«

Sie klopfte die Taschen von Andreas Sommerjacke ab, die an der Garderobe hing.

»Nein. Am Freitag war es sehr warm, da hatte ich gar keine Jacke an. Himmel! Wo ist bloß dieser Schlüssel! Ich bin viel zu spät dran, und das ausgerechnet an einem Montag«, fluchte die Notärztin.

»Omi Hilde«, rief Franziska und stürmte die Treppe hinunter, »hast du meinen Turnbeutel gesehen?«

Hilde Bergen stemmte entrüstet die Hände in die Hüften.

»Kinder! Ich bin doch hier nicht der Suchdienst«, stöhnte sie und wandte sich an das Mädchen. »Mit elf ist man alt genug, um selbst auf seine Sachen aufzupassen.«

»Das ist unfair«, maulte Franzi, »wenn Andrea ihre Sachen verliert, schimpft keiner mit ihr.«

»Stimmt, das ist wirklich unfair«, stimmte Andrea Bergen ihrer Adoptivtochter zu.

»Wer suchet, der findet!«, triumphierte Hilde Bergen und zog einen roten Turnbeutel hinter einer Regenjacke hervor.

»Du bist ein Schatz, Omi Hilde.«

Strahlend drückte das Mädchen ihr einen Kuss auf die Wange, dann nahm sie ihren Schulranzen und den Turnbeutel und ging zur Haustür.

»Moment mal! Du hast dein Schulbrot noch nicht eingepackt.«

Hilde ging in die Küche, nahm eine Brotdose und eine Trinkflasche vom Küchentresen und stopfte beides in den Ranzen des Mädchens.

Franziska verzog das Gesicht.

»Die anderen kaufen sich in der Pause immer was Süßes, nur ich muss gesunde Brote essen«, maulte sie.

»Nichts da«, sagte Hilde Bergen energisch, »das Süßzeug pappt dir den Magen zusammen. Außerdem macht es dick und kostet Geld.«

»Salami und Käse kosten auch Geld«, erinnerte Franziska ihre Oma.

Statt einer Antwort verdrehte Hilde Bergen die Augen. Dann nahm sie das Gesicht des Mädchens in die Hände und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

»So, und jetzt ab mit dir, sonst kommst du noch zu spät«, trieb sie ihre Enkelin zur Eile.

»Viel Spaß in der Schule«, rief Andrea Bergen, während sie in einer weiteren Tasche nach ihrem Autoschlüssel suchte.

Franziska winkte den beiden Frauen zu, dann fiel hinter ihr die Tür ins Schloss.

Nur wenige Sekunden später kam Werner Bergen grinsend die Treppe hinunter, in der Hand schwenkte er den Autoschlüssel seiner Frau.

»Suchst du den hier?«, fragte er.

Andrea Bergen atmete erleichtert auf.

»Wo hast du ihn gefunden?«, wollte sie wissen.

»Hier oben auf dem Treppenpfosten«, erklärte ihr Mann. »Du musst ihn am Freitag dort abgelegt haben. Naja, und mindestens zehnmal dran vorbeigelaufen sein.«

»Kind, wo hast du nur deine Gedanken?«, fragte Hilde Bergen und schüttelte den Kopf.

»Bei der Arbeit«, antwortete Andrea Bergen lachend und nahm ihrem Mann den Schlüssel ab.

»Tschüss, ihr beiden! Und danke, dass du mir beim Suchen geholfen hast.«

Andrea Bergen gab erst Werner und dann ihrer Schwiegermutter einen Kuss auf die Wange und verließ dann eilig das Haus.

***

Wenigstens geriet die Notärztin nicht in einen Stau, sodass sie doch noch pünktlich zum Dienst kam.

Schnell holte sie ein paar Unterlagen aus dem Dienstzimmer und ging dann in den Bereitschaftsraum, in dem schon der Fahrer des Rettungswagens, Jupp Diederichs, und der Sanitäter Ewald Miehlke warteten. Die beiden Männer waren bereits umgezogen und hatten den Rettungswagen überprüft. Jetzt gönnten sie sich einen Schluck Kaffee.

»Morgen, Frau Doktor«, rief Miehlke der Notärztin fröhlich zu, als sie eintrat.

»Guten Morgen«, sagte Andrea Bergen und setzte sich an den Tisch, um die Unterlagen durchzusehen.

»Na, wie war das Wochenende?«, fragte Ewald Miehlke betont munter, während er den Notfallkoffer überprüfte.

»Viel zu schön«, seufzte sie und sah kurz auf. »Und viel zu kurz.«

»Waren Sie wieder im Westerwald?«, wollte Jupp Diederichs wissen.

Andrea Bergen nickte.

»Aber diesmal sind nur mein Mann und ich gefahren. Wir hatten traumhaftes Wetter und viel Ruhe.«

Diederichs reichte ihr einen großen Becher Kaffee.

»Na, dann sind Sie ja wieder fit für den Dienst«, lachte er.

Andrea Bergen nahm einen Schluck Kaffee und verzog das Gesicht.

»Er war's.« Diederichs deutete auf seinen Kollegen Miehlke, der gerade den Notfallkoffer zuklappte. »Ein Pfund Kaffee auf acht Tassen, seine Spezialmischung.«

»Nun übertreib mal nicht«, wehrte sich Miehlke. »Das ist nur meine Montagmorgen-Mischung.«

»Damit könnten Sie Tote aufwecken«, befand Andrea Bergen und sah den Sanitäter mit gespieltem Entsetzen an.

Bevor Ewald Miehlke dazu etwas sagen konnte, ging der Piepser los. Also schnappte er sich den Notfallkoffer und lief schnellen Schritts mit Jupp Diederichs zum Rettungswagen.

Dr. Bergen griff nach ihrer orangefarbenen Notarztjacke und eilte den beiden Kollegen hinterher.

Mit Blaulicht fuhr der Rettungswagen aus der Einfahrt des Elisabeth-Krankenhauses. Die Notärztin telefonierte mit der Leitstelle.

»Müllerstraße 36, Fahrradunfall, eine junge Frau mit Kopfverletzung, sie ist bei Bewusstsein«, informierte sie dann die beiden Sanitäter knapp.

Mit hoher Geschwindigkeit fuhr Jupp Diederichs die Goethestraße hinunter, dann erst schaltete er das Martinshorn ein und fuhr mit gedrosseltem Tempo auf eine Kreuzung zu. Die Autos wichen an den Straßenrand aus, und Jupp bog nach links in die Hauptstraße ein. Plötzlich bremste er abrupt ab, um einer Radfahrerin Platz zu machen, die – ohne sich umzusehen – über die Straße schoss und mit sturem Blick weiterfuhr.

»Diese Radfahrer werden auch immer schlimmer.« Miehlke, der auf dem Beifahrersitz saß, schüttelte den Kopf. »Gestern haben sie im Radio gesagt, dass es allein in Köln dieses Jahr schon sieben Tote bei Fahrradunfällen gegeben hat.«

Diederichs wechselte oft die Fahrspur und nutzte jede Lücke, trotzdem kamen sie im morgendlichen Berufsverkehr viel zu langsam voran.

Andrea Bergen saß hinten, sie hatte sich bereits sterile Handschuhe angezogen und den Notarztkoffer griffbereit hingestellt. Inzwischen arbeitete sie schon seit Jahren als Notärztin, dennoch schwang bei jedem Einsatz ein wenig Aufregung mit.

Sie wusste selten, was vor Ort auf sie zukam. Wenn sie ausstieg, sahen alle sie voller Erwartung an, und dann musste sie in kürzester Zeit eine Diagnose stellen und entscheiden, was mit dem Patienten passieren sollte. Sie trug eine hohe Verantwortung.

Trotzdem liebte Andrea Bergen ihren Beruf. Er war aufregend, weil sie sich immer wieder auf neue Situationen einstellen und schnelle Entscheidungen treffen musste. Zudem konnte sie den Menschen wirklich helfen, innerhalb weniger Minuten Schmerzen lindern, Wunden verarzten oder ein Herz wieder zum Schlagen bringen und damit Leben retten. Ständig lernte sie dazu, denn Fortbildungen waren das Wichtigste in ihrem Beruf.

Sie konnte sich nicht vorstellen, wie ihr Mann Werner in einer Praxis zu arbeiten. Sicher war es für den Kinderarzt bequemer, immerhin befand sich die Praxis in ihrem gemeinsamen Haus, er hatte einen festen Patientenstamm und geregelte Sprechzeiten. Dennoch hätte Andrea nicht mit ihm tauschen mögen.

Als der Rettungswagen in die Müllerstraße einbog, sah Miehlke im Seitenspiegel, wie ein Radfahrer quer über die Kreuzung jagte.

Doch niemand sagte mehr etwas dazu. Sie hatten jetzt Wichtigeres zu...



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