E-Book, Deutsch, Band 5, 160 Seiten
Reihe: Verbotene Liebe
Klessinger Verbotene Liebe - Folge 05
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1700-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zurück in die Vergangenheit
E-Book, Deutsch, Band 5, 160 Seiten
Reihe: Verbotene Liebe
ISBN: 978-3-8387-1700-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Ricardo Julia auf Mallorca einen romantischen Heiratsantrag macht, kommen Julia Zweifel. Sie hat weder Ricardos Betrug noch ihre Gefühle für Jan vergessen können. Eine Reise nach Düsseldorf soll Klarheit bringen und so macht Julia sich auf den Weg in ihre Vergangenheit, zu Henning, Marie - und Clarissa -
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Julia drehte sich zu Ricardo um und hielt ein blaues Jeanskleid vor sich. »Kann ich das zu dem Weinfest anziehen?«
Er ging auf sie zu und gab ihr einen Kuss. »Du siehst in allem bezaubernd aus.«
»Kann ich das nun anziehen oder nicht?«
Ricardo suchte sich ein Hemd aus. »Zieh das an, worin du dich wohl fühlst.«
»Dann zieh ich eine Jogginghose an.«
»Bitte?« Ricardo schnellte herum und deutete auf das Kleid. »Nimm das. Das steht dir gut.«
Julia sah ihn misstrauisch an, dann hängte sie das Jeanskleid wieder in den Schrank und holte ein geblümtes Sommerkleid hervor. »Wenn ich schon Mallorcas berühmtes Weinfest besuche, will ich wenigstens gut aussehen.« Sie schlüpfte in das eng anliegende Kleid, das ihre schlanke Figur betonte. Die langen blonden Haare band sie zu einem Zopf zusammen.
Ricardo lächelte und wechselte das Thema. »Was sagst du eigentlich zu unserer neuen Haushälterin? Ich finde es beeindruckend, wie sie sich um Timo kümmert. Außerdem hat sie ausgezeichnete Referenzen, man kann ihr absolut vertrauen.«
»Sie macht sich sehr gut, aber ich warte noch ab«, meinte Julia, die passende Schuhe aussuchte. »Nach der Entführung von Timo bin ich vorsichtiger geworden. Der Schrecken steckt mir immer noch in den Knochen.«
Sie nahm die Schuhe und setzte sich aufs Bett. Ricardo war zum Fenster gegangen und blickte hinaus.
Julia ließ die Schuhe sinken und sah ihm aufmerksam an. »Und du willst mir immer noch nicht verraten, wer hinter der Entführung steckt?«
»Es ist besser …«
»… wenn ich nicht zu viel weiß«, beendete Julia seinen Satz. »Das sagst du mir jedes Mal, wenn ich dich danach frage.«
»Und du wirst immer wieder die gleiche Antwort bekommen«, sagte Ricardo und drehte sich zu ihr um. »Ich habe meinem Vater mein Wort gegeben, und das werde ich auch halten.«
»Auch wenn du damit üble Machenschaften deckst?« Julia sah ihn empört an.
»Alle haben ihre Strafe erhalten, soviel kann ich dir versichern. Und Timo hat davon nichts mitbekommen, das ist das Wichtigste.« Ricardo wandte sich wieder zum Fenster.
Julia sah ihn an und es durchfuhr sie, wie gut er aussah mit seinen breiten Schultern, der sportlichen Figur, den dichten dunklen Haaren.
»Und deine Ex-Verlobte Valencia und ihr Vater haben damit nichts zu tun?«, fragte sie ihn zögernd. »Sie waren damals ziemlich wütend, als du meinetwegen die Verlobung gelöst hast. Auch dein Vater hätte Valencia viel lieber an deiner Seite gesehen als mich.«
Julia wartete, dass Ricardo sich zu ihr umdrehte. Doch der blickte starr aus dem Fenster. »Ricardo, du musst doch zugeben, dass an der Entführung so einiges merkwürdig war«, fuhr sie fort. »Du bist auf Dienstreise in Russland, da wird mein Sohn entführt und das Ultimatum lautet, ich soll mit meinem Sohn Mallorca verlassen und mich von dir fernhalten. Das stinkt doch zum Himmel.« Ärgerlich sah Julia zu ihm hinüber. »Außerdem hätte ich gern gewusst, welche Rolle dein Vater dabei gespielt hat.«
Langsam drehte Ricardo sich um. »Mein Vater hat immer noch sehr viel Einfluss und hat dafür gesorgt, dass die Entführung beendet wurde. Dafür habe ich ihm das Versprechen gegeben zu schweigen. Es ist vorbei, Julia, und du wühlst alles nur wieder auf, wenn du nach den Ursachen forschst.« Gequält sah er sie an. »Es ist ohnehin kompliziert genug, es geht um Familienehre und um viel Geld.«
Ricardo setzte sich neben sie aufs Bett und nahm ihre Hand. »Ich liebe dich, Julia, und auch Timo, ich liebe ihn wie meinen eigenen Sohn. Wir sind glücklich, das ist doch das Wichtigste.«
Lange sah Julia ihn an. »Ja, du hast recht«, sagte sie schließlich. »Wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen.« Sie lehnte sich an seine Schulter. »Ich bin dankbar, dass du Timo so ein guter Vater bist. Wenn ich zurückdenke, wie alles angefangen hat, hätte ich das nie erwartet.«
Ricardo legte seinen Arm um ihre Schulter. »Als ich dich damals das erste Mal gesehen habe, wusste ich sofort, du bist meine Traumfrau.«
»Obwohl ich halbtot war und furchtbar ausgesehen habe?«, neckte Julia.
»Du wärst fast ertrunken« entgegnete Ricardo, »außerdem hattest du dein Gedächtnis verloren und warst schwanger von einem anderen – und trotzdem wollte ich dich. Mehr Liebe geht nicht«, grinste er und gab ihr einen Kuss.
»Mama! Papa!«, hörten sie Timo von unten rufen. »Wann fahren wir los?«
»Schluss mit der Vergangenheitsbewältigung«, sagte Ricardo lachend und zog Julia vom Bett hoch, »unser Sohn wartet auf uns.
»Ich hab mich allein angezogen«, rief Timo seinen Eltern entgegen, als sie die Treppe hinunterkamen. Er war fast vier Jahre alt und bestand darauf, alles allein zu machen, sehr zum Leidwesen seiner Mutter und der Haushälterin. Sein Hemd war falsch zugeknöpft und zu seiner Shorts hatte er Gummistiefel angezogen.
Lucia, die Haushälterin, streichelte ihm liebevoll über den Kopf. Mit ihren lockigen grauen Haaren, der rundlichen Figur und dem freundlichen Lächeln wirkte sie eher wie eine Großmutter. »Ich habe ihm erzählt, dass die Kinder reife Weintrauben zertreten. Da hat er sich das passende Schuhwerk ausgesucht.« Sie zeigte lachend auf die Stiefel.
Auch Ricardo und Julia mussten lächeln. Sie packten noch ein Paar Sandalen für Timo ein und fuhren dann los.
In Binissalem fanden sie am Ortsrand noch einen Parkplatz. »Wir gehen zum Marktplatz, da ist am meisten los«, rief Ricardo über den Lärm der Dudelsäcke und Tamburine hinweg, mit denen Folkloregruppen lärmend durch die Straßen zogen.
Sie reihten sich in den Strom der Besucher ein. Ricardo strahlte sie an und genoss das Treiben, während Julia ängstlich seine Hand hielt. Die vielen Menschen beunruhigten sie. Timo lief ein paar Schritte voraus und Julia hatte Mühe, ihn in dem Gewühl nicht aus den Augen zu verlieren.
Mitten auf dem Marktplatz waren große hölzerne Weinbottiche aufgebaut. Dorfbewohner mit knielangen weißen Hosen und kurzärmligen Hemden kippten säckeweise reife rote Trauben in die Bottiche. Unter dem Jubel der Zuschauer kletterten dann je zwei Kinder in einen Bottich und der Spaß begann: Angefeuert von der Menge begannen sie, mit den Füßen die Trauben zu zertreten. Sie hielten sich an den Armen fest und stampften, so schnell es ihnen mit ihren kleinen Füßen möglich war.
Nach einer Zeit kamen weiß gekleidete Helfer und zapften den Traubensaft aus den Bottichen ab. Nun wurde gemessen, wer den meisten Saft produziert hatte, was wiederum mit Jubel quittiert wurde.
Erstaunt sah Julia zu Ricardo. Er klatschte laut mit und feuerte die kleinen Weinstampfer an. Sie hätte nicht gedacht, dass dieses Spektakel ihm so viel Freude bereitete.
Timo stand vor ihnen und sah den Kindern begeistert zu. Dann tanzte ein Paar um die Weinbottiche herum, das aufgrund seiner farbenfrohen Verkleidung ein wenig seltsam anmutete.
Julia wollte Timo auf die beiden Gestalten hinweisen, als sie erstarrte: Der Junge war weg. Einen kurzen Moment hatte sie das Gefühl, der Boden unter ihren Füßen würde schwanken. Nicht schon wieder! Schlagartig war die Angst wieder da, die sie schon einmal um ihren entführten Sohn ausgestanden hatte.
»Ricardo!«, rief sie panisch. »Timo ist weg!«
Entsetzt sah Ricardo sie an und suchte die Menge ab. Der Junge war nirgends zu sehen.
»Ich suche ihn. Bleib du hier, falls er wieder auftaucht.« Ricardo deutete ihr an, stehen zu bleiben und kämpfte sich durch die Reihen der Zuschauer. Julias Herz raste, sie versuchte, ruhig zu atmen. Timo würde wieder auftauchen, sie hatte ihn nur einen Augenblick aus den Augen gelassen, er konnte nicht weit sein. Sie schob sich nach vorn in die erste Reihe und suchte immer wieder die Menge ab, aber nirgends war sein kleiner Blondschopf zu sehen. Auch Ricardo schien verschwunden zu sein.
Plötzlich sah sie Ricardo über den Marktplatz zu einem der Bottiche laufen. Julia trat ein Stück vor und dann sah sie ihn: Timo war in einem der Bottiche, er trug eine weiße Hose und ein weißes Hemd, hielt ein Mädchen an den Armen und gemeinsam traten sie juchzend den Saft aus den prallen Trauben.
Julia schlug vor Erleichterung die Hände vor den Mund. Erst jetzt merkte sie, dass sie am ganzen Körper zitterte. Sie wartete einen Moment ab, bis sie sich wieder beruhigt hatte, dann eilte sie zu dem Bottich, in dem Timo den Wein stampfte. So erleichtert sie war, so verärgert war sie auch: Timo musste lernen, dass er nicht weglaufen durfte. Sie nahm sich vor, später mit ihm darüber zu reden.
»Mama!«, rief Timo. »Opa Antonio ist auch da und er hat gesagt, ich darf mitmachen!« Julia schenkte ihrem Sohn ein gequältes Lächeln. Ricardos Vater hob begütigend die Hände, als er sie mit wütendem Gesicht auf sich zukommen sah. Er hatte es nur gut gemeint, als er Timo zu sich gewunken hatte.
Auch an Ricardo war die Aufregung nicht spurlos vorübergegangen. Doch als er nun erkannte, dass für Timo keine Gefahr bestand, entspannten sich auch seine Gesichtszüge. Gemeinsam feuerten sie die Kinder beim Weinstampfen an.
Später wollte Antonio sie noch zu dem großen Essen im Freien einladen. Ricardo zögerte und sah kurz zu Julia hinüber. Er wusste, dass auch sie genug von dem Fest hatte.
Julia war froh, als sie der Menge entronnen waren und im Auto saßen. Sie hatten den Ort noch nicht ganz hinter sich gelassen, als Timo hinten in seinem Kindersitz einschlief. So sehr hatte ihn sein erstes Weinfest erschöpft.
Als Ricardo am nächsten Morgen das Haus verließ,...




