E-Book, Deutsch, Band 9, 160 Seiten
Reihe: Verbotene Liebe
Klessinger Verbotene Liebe - Folge 09
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1704-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Entscheidung auf Mallorca
E-Book, Deutsch, Band 9, 160 Seiten
Reihe: Verbotene Liebe
ISBN: 978-3-8387-1704-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit zwölf Jahren führen Julia und Ricardo eine glückliche Ehe. Aber als die hübsche Patientin Celine in Ricardos Praxis auftaucht, fragt Julia sich erneut, ob sie Ricardo vertrauen kann. Dabei übersieht sie die wirkliche Gefahr, die von Celine ausgeht...
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»Hey, wo willst du hin?« Julia kam gerade mit einer Vase voll Rosen aus der Küche. Erstaunt sah sie ihren Sohn Timo an. Er war frisch geduscht, sein kurzes blondes Haar hatte er mit viel Haargel gestylt. Julia rümpfte die Nase, als sie die herbe Duftwolke roch, die ihn umgab, ein Gemisch aus Deo, Duschgel und Aftershave.
Es gefiel ihr nicht, dass er sich in letzter Zeit so herausputzte und oft unterwegs war. Mit seinen siebzehn Jahren benahm er sich sehr erwachsen. Zu erwachsen, wie Julia fand.
»Ich muss noch mal weg«, rief Timo seiner Mutter zu und hatte schon fast die Veranda erreicht.
»Moment! Wir haben doch gestern ausgemacht, dass wir heute zusammen essen.«
»Tut mir leid, Mama. Ich treff mich noch mit meinen Freunden. Ist total wichtig, wir wollen noch für Französisch lernen.«
»Heute Abend? Das hättest du doch den ganzen Tag tun können.«
Er sah sie mit seinen großen blauen Augen vorwurfsvoll an. »Aber Mama! Da hatte ich keine Zeit. Ich musste dir doch im Garten helfen.«
»Das hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert. Danach warst du mit deinen Freunden unterwegs und jetzt willst du schon wieder los.« Julia stellte die Vase auf den kleinen schmiedeeisernen Tisch in der Diele. Timo bewegte sich langsam zur Veranda.
»Nein, Timo, du gehst nicht noch einmal raus«, sagte Julia entschieden, während sie ruhig die Blumen ordnete.
»Aber Mama, wir lernen wirklich!«
»Dann frage ich mich, warum du in Französisch so schlecht bist«, mischte sich Ricardo ein. Sie hatten ihn nicht kommen hören, weil die Haustür offenstand. Er sah müde aus, ein langer Tag in der Praxis lag hinter ihm.
»Wie bitte?« Julia sah verwundert von Ricardo zu Timo. »Du hast doch erzählt, dass es in Französisch gut läuft?«
Verlegen trat der hochgewachsene Junge von einem Fuß auf den anderen. »Na ja, nicht ganz so gut«, murmelte er.
»Deine Französischlehrerin war heute in der Praxis.« Ricardo stellte seinen Arztkoffer neben dem Dielentisch ab. »Wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, ob sie wegen ihres Rückens oder deinetwegen gekommen ist.«
Über Timos Wangen zogen sich rote Flecken, er hatte die Hände in den Taschen vergraben und schaute seinen Stiefvater trotzig an.
»Wenn die nächste Arbeit auch so schlecht wird wie die anderen, dann ist deine Versetzung gefährdet.« Ricardo stand nun vor Timo und sah ihn verärgert an.
Beide waren gleich groß, doch das war auch die einzige Gemeinsamkeit in ihrem Aussehen. Timo war dünn und schlaksig, er hatte die blonden Haare und die helle Haut seiner Mutter geerbt und war ihr wie aus dem Gesicht geschnitten.
Ricardo hatte ein südländisches Aussehen, seine Haut war das ganze Jahr über gebräunt, das dunkle Haar kurz geschnitten, der Vollbart sorgfältig gestutzt.
»Du kannst dir sicherlich vorstellen, wie peinlich mir das war. Ich wusste von nichts!«, schnauzte Ricardo Timo an.
»Warum informiert die Schule uns denn nicht?«, fragte Julia aufgebracht. »Wir zahlen viel Geld für diese Privatschule und dann erfahren wir nicht einmal, wenn es Probleme gibt.«
Ricardo verschränkte die Arme und sah den Jungen mit bohrendem Blick an. »Timo, hast du dazu etwas zu sagen?«
Er schluckte. »Äh, also, es gab schon einen Brief.«
»Und wo ist der?«, wollte Julia wissen.
Timo schwieg und starrte zu Boden.
»Timo?«
»Der ist noch in meiner Tasche.«
»Das glaube ich nicht!«, entfuhr es Julia. »Du bist kurz davor sitzenzubleiben, die Schule schlägt Alarm und du erzählst mir, alles wär bestens!«
Timo fixierte eine Fliese am Boden.
»Deine Lehrerin war nämlich erstaunt, dass wir uns nicht bei ihr gemeldet haben«, fuhr Ricardo fort, »deshalb hat sie mich aufgesucht. Du kannst froh sein, dass sie überhaupt gekommen ist, sonst wäre dein Schicksal an dieser Schule besiegelt.«
»Auf die Schule hab ich sowieso keinen Bock mehr«, begehrte Timo auf. »Schule ist Zeitverschwendung. Das braucht kein Mensch.«
»Timo, wie redest du?«, fuhr Julia ihn an.
»Ich mach die Schule nicht weiter. Ich will Pilot werden!« Nun war es raus. Vorsichtig schielte er zu seinen Eltern. Seine Mutter schüttelte den Kopf und sein Vater starrte ihn an, als hätte er gesagt, er wolle zum Mond fliegen.
»Mach erst dein Abitur, dann reden wir weiter. Du bleibst jedenfalls die nächsten Tage zu Hause und lernst Vokabeln.«
»Papa! Du kannst mir nicht verbieten rauszugehen!«, rief Timo empört.
»Und ob ich das kann! Noch haben wir die Verantwortung für dich.«
»Timo, es ist wichtig, dass du die Schule beendest. Wie willst du ohne Abschluss einen guten Job finden?«, wandte Julia ein.
»Heute kann man auch ohne Abschluss was werden! Bill Gates ist sogar Milliardär geworden.«
»Der hat allerdings sein Studium abgebrochen und nicht die Schule«, entgegnete Ricardo trocken. »Manchmal glaube ich, dir geht’s zu gut. Du könntest irgendwann die Praxis übernehmen und dich in ein gemachtes Nest setzen. Stattdessen willst du die Schule schmeißen.«
»Papa, fang nicht wieder damit an! Nur, weil du gern im weißen Kittel rumläufst, muss ich das nicht auch toll finden.«
»Timo, sprich nicht so mit deinem Vater«, ermahnte Julia ihn.
»Ach, ist doch wahr. Ich will nun mal kein Arzt werden«, brummte er.
»Arzt ist ein schöner Beruf, es ist sogar eine Berufung«, dozierte Ricardo. »Du kannst anderen Menschen helfen, lernst ständig etwas dazu, außerdem bist du dein eigener Herr.«
»Aber ich will nicht jeden Tag in eine Praxis gehen, sondern die Welt sehen.«
»Das sagst du nur, weil dich die Schule nervt. Die Diskussion ist beendet. Du bleibst zu Hause und lernst. Basta.«
Timo wollte etwas entgegnen, doch in dem Augenblick klingelte Ricardos Handy. Er sah auf das Display, nickte Timo zu und ging dann ins Arbeitszimmer, um zu telefonieren.
»Wie kommst du denn darauf, Pilot zu werden?«, fragte Julia ihren Sohn. »Du hast dich doch nie für die Fliegerei interessiert.«
»Ich weiß auch nicht«, meinte Timo, der langsam wieder an Selbstbewusstsein gewann. »Es gefällt mir eben. Die ganze Technik, die vielen Reisen – und dann natürlich die Flugbegleiterinnen.« Er grinste.
»Also Timo, das kann doch nicht dein Ernst sein«, rügte Julia ihn. »Dein Vater hat recht, du brauchst einen Abschluss und dafür musst du Französisch lernen.« Sie sah ihren Sohn aufmunternd an. »Dann isst du heute Abend also doch mit uns?«
»Nee, mir ist echt der Appetit vergangen, ich geh lieber Vokabeln lernen«, verkündete er übertrieben und stapfte die Treppe hoch in sein Zimmer.
Kopfschüttelnd sah Julia ihm hinterher. Dann nahm sie die Vase mit den Rosen vom schmiedeeisernen Tisch und ging auf die Veranda, um den Esstisch zu dekorieren.
Lustlos hockte Timo sich an seinen Schreibtisch, suchte das Französischbuch unter dem Haufen von Schulbüchern hervor, die auf dem Fußboden lagen, und schlug es auf. Er musste lange blättern, bis er die richtige Seite fand. Langsam begann er den Text zu lesen.
Die meisten Vokabeln waren Timo fremd, er verstand nicht einmal den Sinn des Textes. Gähnend quälte er sich Wort für Wort vorwärts, seine Augen fielen immer wieder zu. Schulbücher hatten eine seltsame Wirkung auf ihn: Sobald er eins aufschlug, überkam ihn eine bleierne Müdigkeit. Nur eine kleine Pause, dachte er und gähnte.
Julia hatte den Esstisch auf der Veranda mit frischen Blumen geschmückt und das gute Porzellan gedeckt. Hier war der Lieblingsplatz der Familie.
Die Veranda war mit ockerfarbenen Steinmauern umgeben, ein großer Torbogen gab den Blick in den parkähnlichen Garten und auf den Pool frei. An der Wand standen große Tontöpfe mit Palmen, auf dem Boden gusseiserne Laternen mit Kerzen darin, die abends für romantisches Licht sorgten.
Die gemütlichen Korbsessel, die sie von Ricardos Eltern übernommen hatten, hatte Julia mit weichen Kissen aufpolstern lassen, und auch der große Tisch mit den eingemauerten Fliesen war schon lange im Besitz der Familie Mendes.
Das Menü hatte sie schon gestern mit Lucia, ihrer langjährigen Haushälterin, durchgesprochen, sie waren sich schnell einig geworden, einen Lammschmorbraten mit Gemüse und Rosmarin zuzubereiten, einen Rostit d’anyell, das Leibgericht von Ricardo und Timo.
Julia pustete vorsichtig gelben Blütenstaub von ihrem Kleid. Es war aus Seide, weit und fließend, hatte dünne geflochtene Träger. Oberhalb des Saumes waren große Blumen aufgedruckt. Ihr langes blondes Haar trug sie hochgesteckt. Sie hatte sogar Schmuck angelegt, den sie im Hochsommer selten trug.
Sie freute sich sehr auf den Abend mit ihrer Familie und hatte sich deshalb ihr Lieblingskleid angezogen.
Als sie jedoch Timos Gedeck sah, seufzte sie. Der Junge hatte bestimmt Hunger. Kurzentschlossen ging Julia zu seinem Zimmer, um ihn zu überreden, doch mit ihnen zu essen. Als sie die Tür öffnete, hörte sie ihn leise schnarchen. Timo lag über seinen Schreibtisch gebeugt, den Kopf auf die Arme gelegt, die auf dem Französischbuch ruhten. Sein Schlaf war tief und fest.
Julia musste lächeln, als sie ihren Sohn sah. Leise schloss sie die Tür und ging wieder hinunter zur Veranda.
»Soll ich nun servieren?«, fragte Lucia, die schon auf sie gewartet hatte.
»Ja, bitte, sonst zerkocht uns noch das Fleisch. Ich werde Ricardo Bescheid sagen.«
Als hätte er es gehört, erschien nun auch Ricardo. Erstaunt sah er auf den...




