Klier | Blütenmord. Ostfrieslandkrimi | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Klier Blütenmord. Ostfrieslandkrimi


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95573-070-3
Verlag: Klarant
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

ISBN: 978-3-95573-070-3
Verlag: Klarant
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hauptkommissar Ehrhart bittet seine Patentochter Helena heimlich für ihn zu recherchieren, damit ein Fälscherring aufgedeckt wird. Dieser scheint seinen Sitz in einem Nobel-Hotel an der Nordsee zu haben. Mit viel Elan geht Helena an die Sache und gerät in gefährliche und lebensbedrohliche Situationen. Zur gleichen Zeit recherchiert dort auch der Neffe des erkrankten Hoteliers, weil Gelder verschwinden und Diebstähle gemeldet wurden. Bei ihren Ermittlungen werden beide aufeinander aufmerksam, ihre Wege kreuzen sich ständig, die Ermittlungen nehmen eine überraschende und packende Wende! Spannender Roman mit Lokalkolorit für Nordseefans!

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Kapitel 3


Norddeich in Ostfriesland

Der Wind blies kalt in ihr Gesicht. Es war noch früh am Morgen, der Strand lag einsam und verlassen vor ihr. Das Meer glitzerte rötlich violett in der aufgehenden Sonne.

„Wunderschön“, murmelte Helena und atmete die kühle Morgenluft tief in sich ein. Eine Weile blieb sie am Deich stehen und nahm die Umgebung in sich auf. Schließlich drehte sie sich um und betrachtete das Hotel aus der Ferne. Es war ein imposanter altmodischer Bau von schlichter Schönheit.

Helena ließ ihren Blick über die Balkone und Fenster schweifen. Kaum zu glauben, dass inmitten dieses Ferienortes Falschgeld in größeren Mengen hergestellt werden sollte. Aber auch eine hübsche Fassade und die wundervollste Idylle konnten täuschen.

Vielleicht irrt sich Rudolf in diesem Punkt, dachte sie. Um Blüten zu produzieren, war ihrer Meinung ein Hotel ein denkbar schlechter Ort. Ständig Leute, Trubel und Unruhe. Aber vielleicht war gerade das der alles entscheidende Faktor. Inmitten der Höhle des Löwens, beziehungsweise inmitten der Herberge zahlreicher unternehmungslustiger Touristen.

Da es noch zu früh war, um einzuchecken, beschloss Helena, sich zuerst die Beine zu vertreten. Bei dieser Gelegenheit konnte sie sich gleich Norddeich ansehen. Sie spazierte am Deich entlang und ließ sich erst einmal den Wind um die Nase wehen. Dabei beobachtete sie die Schafe und schwarz-weißen Kühe auf den Wiesen, deren Gras satt und leuchtend grün war.

Eine Stunde lang gönnte sie sich diesen Genuss, dann riss sie sich von der Umgebung los und dachte fieberhaft darüber nach, wie sie ihren Auftrag am besten anpacken sollte.

Helena schlug ihr Notizbuch auf. Darin notierte sie alles Wichtige in ihrer speziellen Schrift, die kein Fremder, außer Rudolf, lesen konnte.

Helena ließ sich mit dem Notizbuch auf einer Bank nieder und wandte sich ihren Eintragungen zu.

Christopher Walter Henning, las sie. Besitzer des Hotels.

Florian Schöne, Hotelmanager. Sie betrachtete die Kopie seines Fotos, das sie sich von der Homepage des Hotels heruntergeladen und ausgedruckt hatte. Der Mann war attraktiv, für ihren Geschmack sah er nur einen Tatsch zu sehr nach Gigolo aus. Auf ihn musste sie besonders achten, denn er hielt die meisten Fäden in der Hand. Laut Rudolfs Recherche war der Besitzer schwer krank und kaum mehr im Hotel anzutreffen.

Die anderen Personen, die sie überprüfen sollte, waren langjährige Mitarbeiter, darunter der Portier und der Hausmeister, also das Übliche.

Helena verstaute das Notizbuch in ihrer geräumigen Tasche. Und nach einem Mann, der Jan hieß, musste sie ebenfalls suchen. Vielleicht war das ein Einheimischer oder auch ein regelmäßiger Gast. Wie dem auch sei, Helena war sich jetzt schon sicher, dass ihr jede Menge Jans über den Weg laufen würden. So war das immer, wenn man nur einen Einzigen davon brauchte.

Helena griff nach ihrer Land- und Städtekarte und studierte die Umgebung. „Mir stehen einige Touren bevor“, stellte sie fest und stand auf. Es war Zeit, dass sie ins Hotel kam, um endlich mit ihren Nachforschungen zu beginnen.

Als Helena die Eingangshalle des Hotels betrat, empfing sie eine freundliche Gemütlichkeit. Dezentes Gelb und Orange zierte die Wände, verschiedene Sitzgelegenheiten in dunklem Rot und Tische mit Blumen luden zum Verweilen ein. Eine breite und dunkle Holztreppe mit geschnitztem Geländer und einem roten Teppich in der Mitte der Stufen, führte in einem Bogen in die obere Etage. Mehrere Wandlampen sorgten für gedämpftes Licht.

Helena steuerte zielstrebig auf den Portier zu. Er war ein älterer Herr in Livree, sah vertrauenserweckend aus, und begrüßte sie höflich. Helena wartete, da er mit einem Gast beschäftigt war. Offensichtlich war dieser Mann, genau wie sie, eben erst angekommen.

Helena, schon ganz in ihrem Element, jeden im Hotel gründlich zu beobachten, ließ unauffällig ihren Blick über den Fremden schweifen. Er war schlank und sportlich elegant gekleidet.

„Christopher Kobler“, hörte sie ihn sagen. „Ich habe für vier Wochen bestellt.“

„Zimmer zwölf, Herr Kobler“, sagte der Portier. „Bitte, Ihr Schlüssel. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“

„Danke“, erwiderte Herr Kobler und drehte sich um. Dabei streifte sein Blick Helena. Er blickte ihr für einen Moment in die Augen, nickte ihr zu, und griff sich seinen Koffer.

Sehr sympathisch, war Helenas erste Einschätzung. Aber das hatte nichts zu bedeuten, auch Geldfälscher konnten sympathisch, charmant, höflich und was sonst noch alles sein. Christopher Kobler, sie prägte sich den Namen ein und wandte sich dem Portier zu.

Helena bewohnte ein freundliches und helles Zimmer im dritten Stock. Sie freute sich, dass ihr Balkon zum Strand hinausging, und noch einmal ließ sie ihren Blick über die Landschaft schweifen. Das Meer zog sich langsam zurück, und die Sonne zauberte goldene Lichtreflexe auf den nassen Schlick. Um die Mittagszeit war schon Ebbe und eine Wanderung durch das Watt möglich. Ganz weit hinten konnte sie eine Fähre sehen. Schneeweiße Wolken segelten am Himmel, und es schien fast so, als müsse sie nur die Hand danach ausstrecken, um sie zu erreichen.

Beeindruckend, dachte Helena, und streckte die Arme nach oben.

Helena beschloss, sich zuerst mit der näheren Umgebung vertraut zu machen. Um schneller voranzukommen, mietete sie sich ein Fahrrad. Sie radelte den Deich entlang, besichtigte mehrere Dörfer, und entdeckte auf ihrer Tour Windmühlen und, was sie besonders interessierte, auch abgelegene Häuser und Höfe. Einige waren unbewohnt und vernachlässigt, die meisten jedoch schmuck und heimelig. Da in manchen von ihnen niemand zu sehen war, dienten die Häuser mit den reetgedeckten Dächern den Besitzern offensichtlich als Wochenendhaus.

Helena sah sich in den verfallenen und unbewohnten Häusern und Scheunen um, einen brauchbaren Hinweis fand sie nicht.

Auch am nächsten Tag erwies sich das unbemerkte Umherstreifen im Hotel als Herausforderung. Das Personal war aufmerksam. Ständig tauchte jemand in den Gängen auf und fragte, ob sie etwas suchte, und ob er helfen könne.

Ja gern, hätte Helena am liebsten geantwortet, ich suche die Hotel eigene Gelddruckerei. Stattdessen bedankte sie sich höflich, und lobte die Einrichtung und das Ambiente.

In den Kellerraum vorzudringen, gelang ihr schon mal gar nicht, denn dort war die Hotelwäscherei untergebracht. Am Tag wimmelte es nur so von Personal, und es war unmöglich, ungesehen an den Mitarbeitern vorbeizuschlüpfen. Diesen Bereich musste sie sich nachts vorknöpfen.

Trotz dieser Hürden, ließ sie sich nicht beirren. Da ihr der untere Bereich noch versperrt blieb, beschloss sie, ihr Glück auf dem Dachboden zu versuchen.

„Falschgeld muss nicht unbedingt in einer Kellerwerkstatt hergestellt werden“, murmelte sie. „Ein stilles verborgenes Plätzchen unter dem Dach, ist dafür ebenfalls geeignet.“

Helena kramte den Bauplan des Hotels hervor, den ihr Rudolf noch beschafft hatte. Im oberen Bereich befand sich ein Raum, der als Atelier dienen könnte. Sie faltete den Bauplan wieder zusammen, und machte sich auf den Weg. Das Personal war um die Mittagszeit beschäftigt, die meisten Gäste hielten sich entweder im Restaurant und der Terrasse auf, oder waren unterwegs.

Helena nahm die Treppe und erreichte unbehindert die obere Etage. Mit ihrem Dietrich öffnete sie die Tür und betrat eine geräumige und helle Diele. Neugierig sah sie sich darin um. Das Dachgeschoss schien unbewohnt. Die Türen standen offen, und in den ersten beiden Zimmern befanden sich nur Kisten und alte Möbel.

„Fünfte Tür links müsste das Atelier sein“, murmelte sie und ging weiter. Die Tür dort war nur angelehnt. Helena stieß sie auf und zuckte im nächsten Augenblick zusammen.

Ein Mann stand unter der großen Fensterfront und drehte sich erschrocken um.

„Entschuldigung“, stammelte Helena und blickte in Christopher Koblers Gesicht. „Ich wusste nicht, dass jemand hier oben ist.“

Christopher strich sich über die Stirn. „Und ich hätte es nie für möglich gehalten, dass außer mir noch jemand auf Entdeckungstour geht.“ Er kam einen Schritt näher. „Was tun Sie hier? Und wie sind Sie hereingekommen? Ich habe die Wohnungstür doch hinter mir zu gemacht, um ungestört zu sein.“

„Nein, sie war nur angelehnt“, log Helena und lächelte ihm betont harmlos zu. Sie hatte sich auf einen Zwischenfall vorbereitet und deutete auf ihre Kamera. „Ich bin Fotografin und auf der Suche nach einem Fenster, von dem aus ich den Deich und das Watt festhalten kann. Ebbe sieht bei diesem Sonnenlicht mit all seinen Spiegelungen wundervoll aus. Mein dritter Stock hat zwar eine tolle Aussicht, aber höher ist einfach besser. Wenn die Flut kommt, muss ich auch wieder hier rauf.“

Er atmete erleichtert auf. „Verstehe, der Überblick.“

Helena lächelte. „Richtig. Und was treiben Sie hier?“

Er zuckte die Schulter und...



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