E-Book, Deutsch, 416 Seiten
Reihe: World of Warcraft
Knaak World of Warcraft: Wolfsherz
Neuauflage 2016
ISBN: 978-3-8332-3412-5
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman zum Game
E-Book, Deutsch, 416 Seiten
Reihe: World of Warcraft
ISBN: 978-3-8332-3412-5
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
DAS HERZ EINES WOLFS. Während die Welt Azeroth mit den Auswirkungen des Weltenbebens zu kämpfen hat, rüsten sich die Orcs unter der Führung des neuen Kriegshäuptlings Garrosh Höllschrei für einen neuen Feldzug gegen die Allianz. Deren schwer dezimierte Reihen könnten durch die Krieger der Worgen aufgefüllt werden, doch König Varian Wrynn sträubt sich gegen einen Einsatz der werwolfartigen Wesen. Aber wie wählerisch kann ein Monarch in Zeiten des Umbruchs sein? Basierend auf Blizzards Tophit 'World of Warcraft'!
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PROLOG
NORDEND
In Doppelreihen mühten sich die grünhäutigen Krieger und zerrten an den dicken, straff gespannten Seilen, um einen riesigen Käfig auf Rädern langsam über die lange Rampe in das letzte der Schiffe zu befördern. Trotz Nordends ewigem Winter schwitzten die muskulösen Orcs. Ihre breitknochigen Gesichter verzerrten sich bei jedem Zug am Seil.
Wachen standen an der Rampe. In der einen Hand hielten sie Fackeln, in der anderen ihre Waffen. Der Blick ihrer braunen Augen war nicht auf die Arbeiter gerichtet, sondern auf einen großen verhüllten Käfig. Das würfelförmige Gebilde überragte sie deutlich. Seine äußere Hülle bestand aus einer großen Plane, die aus Ziegenhaut gefertigt worden war. Sie wies nicht das kleinste Loch auf, und es gab keinerlei Hinweis darauf, was sie verbarg.
Jedoch ließ sich einiges an der Tatsache ablesen, dass die Orcs die Ladung selbst transportierten. Auch wenn dieser Hafen abgelegen war, waren doch mehr als ausreichend Arbeitstiere vorhanden, wie die gehörnten, reptilienartigen Kodos, die problemlos die Arbeit der Orcs hätten übernehmen können. Sogar drei Mammuts gab es, die für gewöhnlich dazu benutzt wurden, mehrere Ladungen auf einmal zu transportieren. Doch diese Tiere waren von der Arbeit ausgeschlossen worden, und man hatte sie weit entfernt von den Kais untergebracht. Dort regten sie sich nun ängstlich. Die Nüstern der Kodos waren gebläht, und die Mammuts schwenkten aufgeregt die Rüssel, während die Tiere in Richtung der Schiffe starrten.
Mit einem gewaltigen Heulen schwoll der Wind plötzlich auf Sturmstärke an. Das Wetter in Nordend hatte nur eine Konstante, nämlich dass es schlecht war. Die Kais wurden erschüttert, als das Wasser der kalten See plötzlich in großen Wellen heranrollte. Die Schiffsrümpfe knarrten, und die Schiffe wurden hin und her geworfen.
Aus der Tiefe einiger Schiffe erklang ein schreckliches Brüllen und donnernde Geräusche. Die Besatzungsmitglieder dieser Schiffe rannten zu den Luken, die in die Laderäume hinunterführten. Ernste, erfahrene Seeleute und Krieger schauten sich ängstlich an.
Das letzte Schiff schaukelte nun ebenfalls wild hin und her, und der Landungssteg geriet zusehends in Bewegung, bis er schließlich zur Seite wegkippte. Mehrere Wachen und Arbeiter taumelten erschreckt ineinander.
Der Käfig bewegte sich. Im letzten Moment konnten die Orcs, die auf der wackeligen Rampe standen, verhindern, dass er in die See stürzte. Doch kaum hatten sie das geschafft, wurde er von innen her erschüttert. Ein Brüllen, das dem gleich war, das aus den Schiffen erklungen war, wenn auch um einiges tiefer, dröhnte durch den Hafen. Etwas machte sich daran, von innen an der Plane zu ziehen.
Die Wachen rannten herbei. Wer auf der Planke stand, versuchte verzweifelt das Gleichgewicht zu halten. Einem der Orcs gelang das nicht, und er fiel zwischen dem Kai und dem Schiff in das eiskalte Wasser.
Der Flottenkapitän, ein einäugiger, erfahrener Seemann namens Briln, hastete auf den Landungssteg zu und rief: „Sichert den Käfig! Lasst ihn nicht ins Wasser fallen! Haltet die Waffen bereit! Wo ist das Pulver? Wenn der Käfig beschädigt wird …“ Briln war mit zahlreichen kunstvollen Tätowierungen geschmückt, die von seinen vielen Reisen zeugten.
Der Käfig unter der fest verzurrten Plane wurde heftig erschüttert. Das schwache Licht der im Wind flackernden Fackeln reichte nicht aus, um sehen zu können, was geschah, doch das nervenaufreibende Kreischen von Metall war Briln Warnung genug.
„Die Speerträger nach vorn! Beeilt euch, ihr Abschaum! Zur rechten Seite des Käfigs!“
Zwei Wachen, die entweder ungestümer oder dümmer als die anderen waren, liefen näher an den Käfig heran. Von seiner Position aus konnte Briln nicht genau erkennen, was als Nächstes geschah, doch was er sah, reichte ihm vollkommen.
Der vorderste Orc stach mit dem Speer durch die Plane in den Käfig hinein. In der nächsten Sekunde schnappte sich etwas die Waffe und zog sowohl den Speer als auch den Orc durch einen immer größer werdenden Riss in der Plane.
Als das geschah, eilte der zweite Orc instinktiv hinzu, um seinem Kameraden zu helfen.
Etwas Dickes schoss durch den Riss.
Der Orc erkannte die Gefahr zu spät und wurde von der Landebrücke gepflückt, als wöge er nichts. Bevor seine Kameraden ihm zur Seite springen konnten, wurde er von einer riesigen Hand zerquetscht. Sein Blut spritzte auf die weiter hinten Stehenden.
Die Hand schleuderte den schlaffen, zerstörten Körper beiseite und zog sich hinter die Plane zurück. Aus dem Käfig ertönte ein Schrei des ersten Kriegers, der offensichtlich noch lebte.
Orcs mit langen, dicken Speeren eilten herbei, während Briln noch unterwegs war. Der Kapitän wusste, dass es bereits zu spät war.
Die Schreie, die ihn einen Augenblick entsetzt verharren ließen, hallten durch den Hafen von Nordend. Die Angst, die in ihnen zum Ausdruck kam, konnte man ebenso spüren wie hören. Es gab nur wenig, was einen Orc erschüttern konnte, und Furcht war ihnen fremd. Doch die Bestie, die bereits bei ihrer Gefangennahme einen hohen Blutzoll unter seinen Leuten gefordert hatte, schaffte es mit Leichtigkeit, ihnen Angst einzujagen.
Ein schreckliches krachendes Geräusch übertönte die Schreie. Die Orcs in der Nähe wichen einige Schritte zurück, als eine Flüssigkeit sie benetzte. Ein grässlicher Gestank folgte nur eine Sekunde später. Angewidert rümpften sie ihre Nasen.
„Speere! Speere!“, brüllte Briln immer wieder, während er näher kam. Der Kapitän blickte auf. Der Lichtschein der Fackeln erlaubte es ihm, durch den Riss in der Plane und zwischen den verbogenen Käfigstangen hindurch etwas zu erkennen. Die Stangen waren aus solidem Eisen geschmiedet worden. Selbst mit seiner gewaltigen Kraft hatte das riesige Tier es lediglich geschafft, das Gitter ein wenig auseinanderzudrücken. Für die beiden Wachen hatte das jedoch völlig ausgereicht.
„Wo ist das Pulver?“, rief Briln.
Ein weiterer Orc eilte mit einem Leinensack herbei, der so groß war wie eine Faust. Er trug einen rauen Stoff über dem Mund und der Nase und gab Briln etwas Ähnliches, der zwei dünne Schnüre dazu benutzte, den Schutz sicher auf seinem Gesicht zu befestigen. Die Maske war eine reine Sicherheitsmaßnahme. Nichts aus dem Sack sollte in Brilns Nase oder Mund gelangen, und es gab keinen Grund, unnötige Risiken einzugehen.
Der Kapitän war geneigt, den Orc seine Aufgabe erfüllen zu lassen, doch schließlich nahm er den Sack ungeduldig an sich. Aus dem Käfig drangen noch immer reißende Geräusche.
„Gebt mir Deckung!“ Der Kapitän brachte sich in Position und konzentrierte sich auf den Riss. Obwohl er schon vor Jahren ein Auge verloren hatte – im Verlauf einer Schlacht auf Kalimdor gegen die Allianzstreitkräfte, die unter dem Kommando des Menschenadmirals Prachtmeer gestanden hatten –, war Briln noch immer stolz auf seine Treffsicherheit.
Er atmete tief ein, und nun warf der verängstigte Orc den Beutel in Richtung des Risses.
Plötzlich kam ein kurzer, aber heftiger Windstoß auf, und Briln fürchtete schon, der Beutel würde sein Ziel verfehlen. Doch gerade so fiel er durch den Riss und in den Käfig.
Einen Augenblick später hörte der Kapitän ein leises plumpsendes Geräusch. Das Tier im Käfig stieß ein misstrauisches Knacken aus. Seine Kaugeräusche waren unverkennbar. Ein schwacher Pulvernebel drang durch den Riss nach außen, doch war er so schwach, dass sich die Orcs nicht sorgen mussten. Der Wind trug das wenige hinfort.
In dem Käfig fiel etwas Schweres, offenbar Feuchtes um. Briln wusste, dass es sich wahrscheinlich um die Überreste der Wache handelte. Aber dennoch hoffte der Kapitän, dass sein Plan gelang.
Das Tier stieß ein verwirrtes Grunzen aus. Plötzlich wackelte der Käfig heftig. Eine große Gestalt schlug von innen gegen die verbogenen Stäbe. Lautes Atmen war durch den Riss in der Plane zu hören, doch es war nichts zu erkennen.
Das Atmen wurde noch schwerer. Das Herz des Orcs pochte.
Einen Augenblick später gab es einen heftigen Schlag. Der Käfig erbebte und geriet beinahe wieder ins Rutschen. Nur die vereinte Kraft von beinahe zwei Dutzend Orcs verhinderte das.
Briln und die anderen warteten gespannt, doch es gab keinerlei Bewegung oder Geräusch mehr. Vorsichtig näherte sich der Kapitän dem abgedeckten Käfig. Wagemutig durchstach er die Plane.
Nichts geschah. Briln atmete erleichtert aus und wandte sich an die anderen. „Ladet das Ding an Bord. Dann biegt die Stäbe zurecht und bedeckt das Loch! Stellt sicher, dass immer ein Sack mit diesem Kräutergemisch zur Hand ist, das uns der Schamane gegeben hat. Bestäubt die Nahrung des Tieres damit! So etwas darf uns auf See nicht passieren!“
Die Orcs befolgten seine Befehle umgehend. Der Kapitän beobachte die Silhouetten der anderen Schiffe. Auf jedem einzelnen befand sich ebenfalls ein solcher Käfig. Der neue Kriegshäuptling Garrosh hatte befohlen, diesen Auftrag um jeden Preis auszuführen. Briln und die anderen hatten die Kosten dafür nicht infrage gestellt, da sie alle freiwillig für den legendären Oberanführer der Kriegshymnenoffensive gestorben wären. Garroshs Taten waren legendär und wurden in der Horde immer wieder erzählt. Zudem war er der Sohn von Grom Höllschrei und ein Berater Thralls, des Anführers der Orcs, der sein Volk aus der Gefangenschaft befreit hatte.
Egal, wie viele Leben es bereits gekostet hatte und wahrscheinlich noch kosten würde, Briln und den anderen war es jedes Opfer...




