E-Book, Deutsch, Band 3, 424 Seiten
Reihe: Someone
Kneidl Someone to Stay
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7363-1453-5
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 424 Seiten
Reihe: Someone
ISBN: 978-3-7363-1453-5
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kann ich es wagen, mein Herz über meinen Verstand zu stellen?
Aliza weiß nicht, wo ihr der Kopf steht. Nicht nur versucht sie, ihr Jurastudium durchzuziehen, sie hat auch mit ihrem erfolgreichen Instagram-Account alle Hände voll zu tun, und ihr erstes Kochbuch steht kurz vor der Veröffentlichung. Da kann sie sich keine Ablenkung erlauben - selbst dann nicht, wenn sie so attraktiv und faszinierend ist wie Lucien. Doch obwohl Aliza fest entschlossen ist, das heftige Prickeln zwischen ihnen zu ignorieren, fällt es ihr immer schwerer, sich von Lucien fernzuhalten. Dabei hat dieser seine ganz eigenen Gründe, warum die Liebe für ihn zurzeit an letzter Stelle steht ...
'Ab der ersten Seite habe ich mich in die Geschichte verliebt. Laura Kneidl schafft es immer wieder Themen anzusprechen, die man nur sehr selten in Büchern liest.' Lenisworldofbooks über Someone Else
Die SOMEONE-Reihe von Platz-1-SPIEGEL-Bestseller-Autorin Laura Kneidl:
1. Someone New
2. Someone Else
3. Someone to Stay
Laura Kneidl schreibt Romane über alltägliche Herausforderungen, phantastische Welten und die Liebe. Sie wurde 1990 in Erlangen geboren und studierte Bibliotheks- und Informationsmanagement in Stuttgart. Inspiriert von ihren Lieblingsbüchern begann sie 2009 an ihrem ersten eigenen Roman zu arbeiten. Nach einem längeren Aufenthalt in Schottland lebt die Autorin heute in Leipzig, wo ihre Wohnung einer Bibliothek ähnelt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
Mein Leben fiel auseinander. Wie das Regal, das ich soeben versucht hatte aufzubauen. Ich war kurz davor gewesen, den letzten Nagel einzuschlagen, als es vor meinen Augen in sich zusammengebrochen war. Es hatte geknarzt und geknackt, und dann war es krachend eingestürzt.
Resigniert starrte ich auf den Trümmerhaufen zu meinen Füßen. Das konnte nicht wahr sein. Eine Stunde Arbeit für nichts. Schlimmer konnte dieser Dienstag nicht mehr werden.
Ein Gefühl der Enge breitete sich in meiner Brust aus, am liebsten wäre ich einfach zurück ins Bett gekrochen. Aber ich weigerte mich, mich ausgerechnet von einem Regal in die Knie zwingen zu lassen. Das hatte noch nicht einmal die Absage für mein Wunschpraktikum bei Irresistible Future geschafft, die ich am Tag zuvor erhalten hatte.
Ich bückte mich nach den Brettern, doch meine Entschlossenheit, es erneut zu versuchen, löste sich schlagartig in Luft auf, als ich die Kratzer entdeckte, welche der Einsturz in der Beschichtung hinterlassen hatte.
»Scheiße«, fluchte ich und ließ das Brett zurück auf den Boden knallen. Ich wohnte hier noch keine zwei Wochen, und schon waren meine neuen Regale im Arsch.
Zitternd würgte ich die Tränen der Frustration hinunter, die mir die Kehle hochstiegen. Meine Finger krampften sich um den Hammer in meiner Hand. Es kostete mich all meine Selbstbeherrschung, dieses Drecksteil nicht einfach kurz und klein zu schlagen. Aber das würde ich bereuen, spätestens dann, wenn ich losziehen musste, um mir ein neues Regal zu besorgen. Dennoch verpasste ich dem Haufen aus Brettern und Stangen einen Tritt. Sie verrutschten und polterten über den Boden. Vermutlich hatte damit auch mein Laminat Kratzer abbekommen, aber daran wollte ich überhaupt nicht denken.
Ein dumpfes Klopfen unter meinen Füßen erinnerte mich daran, dass ich nicht allein im Haus wohnte. Entschuldigend verzog ich die Lippen, auch wenn meine Nachbarn es nicht sehen konnten. Vermutlich hassten sie mich schon jetzt für meine frühmorgendlichen Aufbauaktionen, aber es war die einzige Zeit des Tages, die mir zwischen meinem Studium, meinem Blog und der baldigen Veröffentlichung meines ersten Buchs blieb.
Ich beschloss, meinen neuen Nachbarn später einfach eine kleine Aufmerksamkeit als Entschuldigung vorbeizubringen. Zuneigung ging ja bekanntlich durch den Magen, und vielleicht würde sie etwas Gebäck zumindest so weit besänftigen, dass sie noch ein paar Morgen durchhielten, ohne den Vermieter oder, schlimmer, die Polizei zu informieren. Um sie vorerst nicht weiter zu verärgern, beschloss ich jedoch, das Projekt »Möbelaufbau« für heute einzustellen.
Ich warf einen Blick auf mein Handy. 5:34 Uhr. Damit blieben mir zwei Möglichkeiten. Entweder legte ich mich noch mal schlafen, oder ich machte mich auf den Weg zum Campus, um dort für meine Kurse zu lernen. Das Semester hatte gerade erst angefangen, und ich hatte bereits das Gefühl hinterherzuhinken, was mir die Entscheidung leicht machte, wenn ich nicht noch weiter zurückfallen wollte. Manchmal wusste ich wirklich nicht, wieso ich mir dieses Studium antat. Hätte ich mir nicht etwas weniger Lernintensives aussuchen können?
Ich schnappte mir mein Handy, schaltete die pakistanische Nachrichtensendung ab, die ich mir angehört hatte, und rief Micah an, die ich vor einem Jahr im ersten Semester kennengelernt hatte. Vielleicht hatte sie Lust, sich mit mir im Café am Campus zu treffen. Es war zwar noch verdammt früh, aber sie hatte mit ihrem Kunststudium und dem Vorhaben, gemeinsam mit Cassie eine Graphic Novel zu veröffentlichen, auch ziemlich viel um die Ohren. Ein frühmorgendliches Arbeits-Date kam ihr deswegen womöglich sogar ganz gelegen.
Es klingelte und klingelte und klingelte, ehe ein Klicken zu hören war und ich aufgefordert wurde, eine Sprachnachricht zu hinterlassen.
»Hey Micah, ich bin’s, Aliza«, sagte ich, bereits auf dem Weg ins Badezimmer. »Ich wollte dir nur sagen, dass ich gleich ins Café am Campus gehe, um ein bisschen zu arbeiten. Vielleicht magst du ja auch kommen. Ich würde mich freuen. Bis dann!«
Ich legte das Handy auf die Ablage und betrachtete mich im Spiegel über dem Waschbecken. Mein Bad hatte kein Fenster, und das künstliche Licht betonte unvorteilhaft die dunklen Ringe unter meinen Augen. Ich spritzte mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht in der Hoffnung, dadurch wacher auszusehen, aber es half nichts. Was nicht verwunderlich war, denn ich hatte keine Ahnung, wann ich das letzte Mal länger als fünf Stunden geschlafen hatte. Im Moment war einfach zu viel zu tun.
Ich sprang unter die Dusche, allerdings ohne meine Haare zu waschen. Sie waren ziemlich dick, weshalb es immer eine Ewigkeit dauerte, sie zu trocknen. Und da für heute keine Fotoaufnahmen geplant waren, erlaubte ich es mir, sie ungewaschen zu lassen. Anschließend zupfte ich mir ein paar dunkle Härchen aus dem Gesicht und schminkte mich, um zumindest den Anschein zu erwecken, mein Leben unter Kontrolle zu haben. Ich schlüpfte in eine dunkle Jeans und den Stranger-Things-Pullover, den mir Micah von der SciFaCon aus Seattle mitgebracht hatte. Der war vielleicht etwas zu warm für Ende August, aber die Klimaanlagen in den Vorlesungssälen brachten mich immer zum Frösteln.
In meinem Arbeitszimmer, in dem noch das Equipment meiner letzten Fotosession herumstand, stopfte ich meinen Laptop und sämtliche Unterlagen für den Tag in meine Tasche, bevor ich in die Küche ging. Es war der einzige Raum in meiner Wohnung, der bereits fertig war. Nicht zuletzt dank des Geldes, das mir meine Eltern für die Ausstattung zugeschossen hatten. Ich hatte sie nicht darum gebeten, aber sie hatten darauf bestanden, mich finanziell zu unterstützen. Ihre Hilfe abzulehnen hätte sie nur gekränkt. Außerdem hatte ich mir auf die Weise einen Handwerker für den Aufbau leisten können – was sich eindeutig gelohnt hatte. Meine Küche erschien mir wie ein wahr gewordener Traum. Sie war hell eingerichtet mit Akzenten aus dunklem Holz und Glas. Es gab eine breite Arbeitsfläche, eine Kochinsel mit großem Induktionsherd, einen zweitürigen Kühlschrank und eine tiefe Spüle mit hoher Armatur, sodass ich bequem abwaschen konnte, was nicht in meine zwei Geschirrspüler passte. Die Ausstattung hatte ein kleines Vermögen gekostet. Kein anderes Zimmer war so teuer eingerichtet, aber ich bereute nichts, denn vermutlich würde ich in dieser Küche mehr Zeit verbringen als in jedem anderen Raum meiner Wohnung.
Ich schnappte mir eine Frischhaltedose aus dem Schrank und packte ein paar der Laddus ein, die ich am vorhergehenden Abend gemacht hatte, um das Rezept später auf meinem Blog teilen zu können. Ich hatte die Bällchen abwechselnd mit Pistazien, Macadamianüssen, Kokosraspeln und allerlei anderen Toppings verfeinert.
Ich schloss die Dose, die bis zum Rand gefüllt war, und schob mir eine der Kugeln direkt in den Mund. Sofort fühlte ich mich ein bisschen besser. Der süßlich-nussige Geschmack des Gebäcks erinnerte mich an meine Großmutter, auch wenn ihre Laddus um einiges besser schmeckten. Dann schnappte ich mir noch zwei der Bällchen für den Weg, bevor ich meine Tasche schulterte und eilig das Haus verließ, um den nächsten Bus zu erwischen.
Ich wohnte in einem der äußeren Bezirke der Stadt. Einerseits weil ich nicht allzu weit von meinem Elternhaus hatte wegziehen wollen. Andererseits weil ich mir in der Innenstadt oder nahe dem Campus niemals eine 3-Zimmer-Wohnung mit einer solch großen Küche hätte leisten können. Und der Wunsch danach hatte mich überhaupt erst dazu motiviert, bei meinen Eltern auszuziehen.
Ich trat hinaus ins Freie. Die Sonne ging gerade auf, der Himmel über mir hatte eine Schattierung zwischen Orange und Dunkelblau. In den meisten Häusern war es noch dunkel und auf den Straßen ruhig. Es schien, als würde ein aus Stille gewobener Mantel über der gesamten Stadt liegen.
Ich atmete tief ein in der Hoffnung, etwas von dieser Stille in mich aufzunehmen, um das andauernde Tosen in meinem Kopf zum Verstummen zu bringen. Es war, als würde ein nicht endender Sturm in mir toben, der mich seit Wochen wach hielt. Er fegte durch meinen Verstand, brachte meine Glieder zum Beben und ließ mich einfach nicht zur Ruhe kommen. Da war die ständige Angst vor dem Stillstand und die Furcht, dass alles, was ich mir aufgebaut hatte, einstürzen könnte wie mein Regal, wenn ich nur eine Sekunde innehielt.
»Guten Morgen, Tyler«, begrüßte ich den Barista im Coffeeshop am Campus.
Die Schicht vor acht Uhr übernahmen abwechselnd er, Cora und Natalia. Sie waren alle drei Studenten am MFC, und ich hatte sie in den letzten Monaten ziemlich gut kennengelernt. Natalia studierte Tiermedizin, Cora war im Bereich Marketing tätig, und Tyler befasste sich mit Menschenrecht. Wir waren uns zum ersten Mal im Frühjahr begegnet, als wir beide freiwillige Helfer in einem Flüchtlingsheim speziell für Mädchen und Frauen gewesen waren. Während Tyler hinter den Kulissen in den Büros arbeitete, hatte ich gemeinsam mit den Bewohnerinnen gekocht, gebacken und ihnen Tipps für günstige, aber dennoch nahrhafte und gesunde Rezepte mit auf den Weg gegeben.
»Morgen, Aliza«, erwiderte Tyler und versteckte ein Gähnen hinter vorgehaltener Hand. Sein blondes Haar stand ihm wirr vom Kopf ab, als wäre er direkt aus dem Bett hinter den Tresen gefallen. Verständlich, denn wer war schon freiwillig um sieben Uhr auf dem Campus unterwegs? Abgesehen von mir und den Sportlern vielleicht, die ich jeden Morgen auf dem Platz ihre Runden drehen sah. »Das Übliche?«
Ich nickte. »Wie war dein Date am...




