E-Book, Deutsch, 528 Seiten
Reihe: LYX.digital
Kneidl The Darlington - Ethan & Grace
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7363-2489-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Von der Autorin der Bestseller-Reihe BERÜHRE MICH. NICHT.
E-Book, Deutsch, 528 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-2489-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Fortsetzung der New-Adult-Reihe um das Luxushotel THE DARLINGTON
Nach einem schweren Schicksalsschlag ist Grace am Boden zerstört. Das Einzige, was sie noch aufrecht hält, ist der Wunsch nach Gerechtigkeit. Sie hegt den Verdacht, dass die Familie Darlington mehr über den Vorfall weiß, der ihr Leben für immer verändert hat, und ist wild entschlossen, der Sache nachzugehen. Doch ausgerechnet Ethan Darlington wird für Grace zur Ablenkung. Schon immer haben sich das Zimmermädchen und der arrogante Hotelerbe hitzige Wortgefechte geliefert, aber plötzlich ist da mehr zwischen ihnen: eine körperliche Anziehung, der Grace nicht widerstehen kann - und will. Aber so ganz kann sich Grace nicht auf Ethan einlassen, weil sie das Gefühl hat, dass er ihr etwas verschweigt.
Band 2 der THE DARLINGTON-Trilogie
Laura Kneidlschreibt Romane über alltägliche Herausforderungen, phantastische Welten und die Liebe. Sie wurde 1990 in Erlangen geboren und studierte Bibliotheks- und Informationsmanagement in Stuttgart. Inspiriert von ihren Lieblingsbüchern begann sie 2009 an ihrem ersten eigenen Roman zu arbeiten. Nach einem längeren Aufenthalt in Schottland lebt die Autorin heute in Leipzig, wo ihre Wohnung einer Bibliothek ähnelt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
001
Hey, vermutlich geht es mich nichts an, aber ist bei Ethan alles in Ordnung? James macht sich Sorgen um ihn. Er übertreibt es wohl etwas mit den Partys.
Nachricht von Olivia an Henry
Ethan
Eine Woche nach dem Unfall
Ich kotz gleich.
Der Gedanke wurde von einem sauren Gefühl in meiner Kehle begleitet, allerdings war ich mir nicht sicher, was den Brechreiz heraufbeschworen hatte. Der Alkohol von gestern Abend oder der Proteinshake von eben. Oder es war eine Kombination aus beidem: der Shake, der in meinem Magen auf eine Mischung aus Tequila, Bier, Gin Tonic und Whisky traf. Es war eine wilde Nacht gewesen.
Ich verzog die Lippen und stellte den Shaker, in dem sich noch ein Rest des Proteingesöffs befand, in die Spüle. Ich hasste das Zeug wie die Pest. Obwohl ich schon viele unterschiedliche Marken ausprobiert hatte, schmeckten für mich alle gleich. Als hätte man einen alten Schuh, Dreck und etwas Schimmliges in einen Mixer gegeben. Aber es ließ sich nicht abstreiten, dass diese Shakes Wunder an meinem Körper wirkten, also zwang ich mich, den Ekel zu überwinden.
Ich füllte ein Glas mit Wasser und trank es aus, um den Geschmack nach altem Schuh loszuwerden und in der Hoffnung, die Übelkeit runterzuspülen. Ich verabscheute es, mich zu übergeben. In den letzten Monaten hatte ich glücklicherweise Methoden gefunden, das größtenteils zu vermeiden, aber ich befürchtete, dass mich dieses Schicksal früher oder später erneut ereilen würde, wenn ich nicht bald einen Gang runterschaltete. Seit Weihnachten war ich praktisch nicht mehr nüchtern gewesen, dafür waren die Partys zu dieser Zeit des Jahres einfach zu geil. Erst die Pearl Gala, dann Nates Geburtstag zwei Tage später, gefolgt von Silvester und schließlich Olivia Asterdams legendäre Neujahrsfete gestern Abend.
Mein Magen hasste mich für diesen Partymarathon, doch ich brauchte das Vergessen. Die Leere. Die Gleichgültigkeit, wenn nur der Moment existierte und alles andere egal war. Wenn ich einen Shot nach dem anderen kippte, spielte es keine Rolle, dass mein Dad ein beschissener Vergewaltiger war, der unser aller Leben ruinierte. Wenn ich einen Joint rauchte, ließ mich das verdrängen, wie verloren ich mich fühlte. Und wenn ich mich auf der Tanzfläche oder im Bett mit einer schönen Frau verausgabte, ließ es sich leichter ignorieren, wie einsam ich in Wirklichkeit war. Den meisten Leuten war ich scheißegal, aber diese Partys erschufen zumindest die Illusion von Gemeinschaft.
Ich lachte über mich selbst. Was war ich nur für ein erbärmlicher Wichser. Und obwohl ich mir dessen bewusst war, bestand kein Zweifel daran, dass mich meine Füße heute Abend zur nächsten Party tragen würden. Zum nächsten Vergessen. Zum nächsten Ignorieren aller Probleme. Und für ein paar Stunden würde ich mich besser fühlen – bis ich ausnüchterte. Es war ein Teufelskreis, aus dem es kein Entkommen gab, wenn ich nicht den Verstand verlieren wollte.
Wirklich nicht?, fragte eine kritische Stimme in meinem Kopf.
Meine Stimme.
Eine Stimme, die ich schon vor langer Zeit hatte verstummen lassen, weil sie mir in der Vergangenheit nichts als Schmerz, Leid und Kummer beschert hatte.
Glücklicherweise rettete mich das Vibrieren meines Handys vor meinem eigenen Ich. Es war eine Nachricht von James, dem wahrscheinlich einzigen Menschen, dem ich tatsächlich nicht egal war.
JAMES:
Hey, alles gut bei dir? Du warst gestern ziemlich schräg drauf.
Schräg? Was sollte das bedeuten? Ich hatte nur meinen Spaß gehabt.
ICH:
Ja, alles gut. Nur leicht verkatert.
Leicht. Die Untertreibung des Jahrhunderts. Der Liter Wasser, den ich vor dem Schlafengehen getrunken hatte, und die Tabletten, die das Pochen in meinem Schädel linderten, waren der einzige Grund, aus dem ich nicht total hinüber war.
JAMES:
Stimmt es, dass du gestern Britney abgeschleppt hast?
ICH:
Ja.
JAMES:
War sie nicht Charles’ Begleitung?
ICH:
Ja. Das macht es nur noch besser.
JAMES:
Warum musst du ihn immer provozieren?
ICH:
Provozieren? Was kann ich dafür, wenn Britney nicht auf ihn steht?
JAMES:
Nichts, doch du hättest dir auch eine andere aussuchen können.
ICH:
Wollte ich aber nicht.
JAMES:
Vergiss es. Du bist unverbesserlich. Lust auf Brunch, bevor ich zurück nach Cambridge fahre?
ICH:
Ich wollte gerade zum Sport.
JAMES:
Alter. Warum hasst du dich selbst?
Das war eine ausgezeichnete Frage, die ich lieber nicht beantworten wollte.
ICH:
No pain, no gain.
JAMES:
Viel Spaß bei der Folter. Ich geh brunchen. Wir hören uns!
Ich wünschte ihm eine gute und sichere Fahrt nach Cambridge, ehe ich meinen inneren Schweinehund, der zurück ins Bett wollte, fesselte und knebelte und mich auf den Weg in das hoteleigene Gym machte. Zwar hatte ich auch einen Fitnessraum in meinem Penthouse, allerdings wäre es in meiner derzeitigen Verfassung unvernünftig gewesen, allein zu trainieren. Ich war vielleicht masochistisch, aber nicht lebensmüde.
Mit einer Flasche Wasser in der Hand und einem Handtuch über den Schultern folgte ich dem Flur bis zu den Aufzügen. In der obersten Etage des The Darlington war es vollkommen still. Das Stockwerk war privat, und anders als im Rest des Hotels gab es hier glücklicherweise keine Gästezimmer, sondern nur vier Penthouse-Wohnungen. In einer davon lebten meine Eltern, in einer mein ältester Bruder Henry, in einer ich, die vierte war unbewohnt. Zudem gab es noch ein paar Zimmer für Besucherinnen und Besucher. Da jedoch sowohl meine Mum als auch mein Dad Einzelkinder und meine Großeltern bereits verstorben waren, wurden sie nur selten genutzt.
Mit einem melodischen Klang verkündete der Aufzug seine Ankunft. Die Türen schoben sich auf, und für den Bruchteil einer Sekunde war mein vernebeltes Gehirn davon überzeugt, in einen Spiegel zu gucken. Bis ich begriff, dass ich nicht mich selbst anschaute, sondern Henry, der in der Fahrstuhlkabine stand. Wir sahen einander zum Verwechseln ähnlich mit unseren schwarzen Haaren, den eisblauen Augen und den markanten Gesichtszügen, die wir von unserem Dad geerbt hatten.
»Hey«, grüßte er mich.
»Hey«, grüßte ich zurück.
Obwohl Henry und mich nur sechs Jahre Altersunterschied trennten, fehlte jedes Gefühl von Brüderlichkeit zwischen uns, da wir nie die Chance gehabt hatten, einander richtig kennenzulernen. Und mit den Jahren war die Kluft immer größer geworden. Ein Teil von mir wünschte sich, wir wären einander näher, aber das hätte ein Maß an Ehrlichkeit und Offenheit verlangt, das ich aktuell nicht zu geben bereit war.
Henry trat in den Eingang des Aufzugs und versperrte mir den Weg. Er musterte mich eingehend, was mir nicht gefiel, doch ich hielt seinem Blick stand und betrachtete ihn meinerseits. Obwohl es körperlich nur wenige Unterschiede zwischen uns gab – er war etwas größer, ich dafür ein wenig breiter –, sahen wir in diesem Moment doch völlig verschieden aus. Er wirkte adrett und ordentlich in seinem maßgeschneiderten Anzug. Ich hingegen fühlte mich nicht nur wie ein Stück Scheiße, sondern sah mit meiner blassen Haut und den tiefen Augenringen vermutlich auch wie eines aus.
»Hättest du einen Moment Zeit?«, fragte Henry.
Ich verschränkte die Arme. »Kommt drauf an, wofür.«
»Ich muss mit dir reden.«
»Steck ich in Schwierigkeiten?« Falls ja, wollte ich es nicht wissen.
»Nein.«
Ich zögerte trotzdem. Die Unterhaltungen, die Henry und ich im letzten Jahr miteinander geführt hatten, ließen sich an einer Hand abzählen. Dass er mich nun um ein Gespräch bat, weckte in mir sowohl Neugierde als auch Nervosität. Doch die Neugierde überwog. Ich nickte, und Henry bedeutete mir, ihm zu folgen.
Obwohl ich seit eineinhalb Jahren zurück in London war, hatte ich Henrys Apartment, zu dem er mir nun einladend die Tür aufhielt, noch nie betreten. Sein Penthouse war eine gespiegelte Version von meinem, dennoch sah es völlig anders aus. Seine Wohnung war ein Zuhause, meine nur eine Bleibe. Bei ihm gab es gerahmte Fotos von Freunden, Freundinnen und Familie zu entdecken, während meine Wände kahl waren. Pflanzen und Dekoelemente verpassten seinem Wohnzimmer eine Persönlichkeit, und in einem Regal neben dem Fernseher stellte er seine beeindruckende London-Has-Fallen-DVD-Sammlung zur Schau, von der ich bisher nur gehört hatte. Es handelte sich dabei wohl um einen Insider zwischen ihm und unserem Bruder Logan, den ich noch weniger kannte als Henry. Mein Penthouse wirkte im Vergleich leblos, zumindest wenn ich nicht gerade fünf Dutzend Leute einlud, um es gemeinsam mit mir zu verwüsten.
»Willst du etwas trinken?«, erkundigte sich Henry.
»Nein danke.«
Er bedeutete mir, mich auf die Couch zu setzen, und nahm mit etwas Abstand neben mir Platz. Ich wartete darauf, dass er etwas sagte, aber einige Sekunden blieb es still, während er mich erneut von Kopf bis Fuß musterte.
»Ist bei dir alles in Ordnung?«, fragte er schließlich.
»Klar, alles bestens«, log ich.
»Wirklich?«
»Ja.«
»Bist du dir auch ganz sicher?«
Ich runzelte die Stirn. »Was soll das Verhör?«
Henry...




