E-Book, Deutsch, Band 1, 560 Seiten
Reihe: The Darlington
Kneidl The Darlington - Henry & Kate
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7363-2323-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Von der Autorin der Bestseller-Reihe BERÜHRE MICH. NICHT.
E-Book, Deutsch, Band 1, 560 Seiten
Reihe: The Darlington
ISBN: 978-3-7363-2323-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
WILLKOMMEN IM THE DARLINGTON
Kate hat alles verloren: ihre Familie, ihren Job, ihr Zuhause. Seit Monaten schlägt sie sich allein auf der Straße durch. Als sie eines Tages den attraktiven Henry bestiehlt, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben für immer verändern wird. Seiner Familie gehört das luxuriöseste Hotel ganz Londons - The Darlington. Das Hotel ist durch einen Skandal jedoch in Verruf geraten, und als ältester Sohn ist es Henrys Aufgabe, das gute Image wiederherzustellen. Und obwohl Henry und Kate nicht unterschiedlicher sein könnten, lädt er sie zu sich ins The Darlington ein. Dort angekommen lernt Kate nicht nur eine völlig neue Welt, sondern auch Henry besser kennen, der ungeahnte Gefühle in ihr weckt.
Glamour, Liebe und ein großer Skandal. Der emotionale Auftakt der The Darlington-Reihe über ein Londoner Luxushotel
Laura Kneidl wurde 1990 in Erlangen geboren und studierte Bibliotheks- und Informationsmanagement. Inspiriert von ihren Lieblingsbüchern begann sie 2009 an ihrem ersten eigenen Roman zu arbeiten. Seitdem hat sie mit dem Schreiben nicht mehr aufgehört. Heute lebt die Autorin mit ihren drei Katzen in Leipzig, wo ihre Wohnung einer Bibliothek ähnelt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
004
Richard Darlington weist Vorwürfe zurück:
»Eine Schmutzkampagne gegen mich und das The Darlington!«
Headline von The Guardian
Henry
Journalisten lungerten vor dem Darlington herum in der Hoffnung, die nächste skandalöse Schlagzeile abzugreifen. Sie unterhielten sich mit gelangweilten Mienen, bis sie mich kommen sahen. Hektisch sprangen sie auf, und keine Minute später hatte ich vier Mikros und eine Kamera im Gesicht und wurde aufgefordert, ein Statement zu der Demonstration Anfang der Woche abzugeben. Ich ignorierte die Fragen und lief mit erhobenem Haupt an den Journalisten vorbei und durch die Flügeltür mit den goldenen Griffen, die mir von Stanley, dem Concierge in zweiter Generation, geöffnet wurde, der verhinderte, dass ungebetene Gäste ins Hotel gelangten.
Seit vor acht Monaten die ersten Anschuldigungen gegen meinen Dad laut geworden waren, kampierte die Presse vor dem Darlington, um Stellungnahmen von der Familie oder dem Personal zu ergattern. Wir hatten alle Angestellten eine Schweigepflichtserklärung unterschreiben lassen. Niemand durfte ohne Absprache mit der Presse reden, nicht einmal ich, obwohl das Hotel unter meiner Leitung stand.
Wir waren der Empfehlung der Anwälte und der Krisenmanagerin meines Dads gefolgt und hatten beschlossen, dass es das Beste wäre, wenn er sich aus dem aktiven Geschäft zurückzog, um dem Image des Hotels nicht weiter zu schaden. Wäre das Darlington irgendein Hotel gewesen, wäre das öffentliche Interesse vermutlich schnell wieder abgeflacht, aber es war nun mal nicht irgendein Hotel. Es war das Hotel und gehörte zu den Wahrzeichen der Stadt. Und es war ein genauso fester Bestandteil der Skyline wie Big Ben, Westminster Abbey oder der Buckingham Palace. Vermutlich existierte weltweit kein Reiseführer über London, in dem das Darlington keine Erwähnung fand.
Es hatte meinem Dad nicht gefallen, seinen Posten aufzugeben, aber er hatte sich der Empfehlung des Berater-Teams gebeugt und mir die Führung überlassen. Zu meinem Leidwesen hatte er jedoch genügend Anteile am Hotel einbehalten, um sein Mitspracherecht hinter den Kulissen nicht zu verlieren. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er überhaupt keinen Einfluss mehr gehabt. Denn selbst wenn die Anschuldigungen gegen ihn im Nichts verliefen, würden sich die Gerüchte über Jahre halten und wie eine Gewitterwolke über dem Familiennamen hängen. Ganz davon abgesehen, dass es mich regelrecht anwiderte, mit meinem Dad in einem Raum zu sein. Was diese Frauen ihm vorwarfen, war abscheulich. Dennoch zweifelte ich nicht daran, dass sie die Wahrheit sagten. Und hätte ich das Hotel nur etwas weniger geliebt, hätte ich das Handtuch geworfen und mir diesen Stress erspart.
Im Foyer spürte ich sofort, wie sich trotz all der Hektik eine gewisse Ruhe über mich legte. Das Hotel strahlte eine einladende Wärme aus. Beigefarbene Tapeten mit goldenen Elementen zierten die Wände, Teppiche in Salbei und Terracotta, bequeme Bergèren und Récamieren luden dazu ein, mit einer Tasse Tee in der Lobby zu verweilen. Vor dem Kamin stand ein Klavier, an dem tagsüber Theodore, der hoteleigene Pianist, den Raum mit sanften Klängen erfüllte. Goldene Kronleuchter hingen von der stuckverzierten Decke, die von Marmorsäulen gestützt wurde. Und eine Statue aus Gold, die zwei lächelnde Frauen zeigte, stand mitten im Foyer und hieß die Gäste willkommen.
Aber für mich war das Darlington so viel mehr als diese offensichtliche Schönheit. Das Hotel war mein Herz, meine Seele und vor allem mein Zuhause. Alles hier war mir vertraut. Selbst mit verbundenen Augen hätte ich problemlos meinen Weg durch die Flure gefunden, ohne mich auch nur ein einziges Mal irgendwo zu stoßen. Logan und ich hatten als Kinder jede freie Minute genutzt, um das Hotel zu erkunden. Wir hatten Karten gezeichnet, schiefe Grundrisse, die wir mit Kreuzen versehen hatten. Allerdings hatten unsere Kreuze keine Schätze markiert, sondern die besten Verstecke. Die ich noch immer im Kopf hatte, denn seitdem hatte sich das Darlington kaum verändert.
»Hallo Philippa«, grüßte ich die Rezeptionistin, die hinter dem Empfangstresen aus Marmor stand. Sie trug einen Hosenanzug mit dem aufgestickten Logo des Hotels. Ein »D«, eingefasst in goldene Ornamente, umrandet von einem mit Blättern verzierten Kreis und dazu die fünf Sterne des Hotels.
Philippa lächelte mich an. »Hallo Mr Darlington. Wie geht es Ihnen?«
»Gut. Und Ihnen?«
»Auch. Mein Freund und ich haben endlich eine gemeinsame Wohnung gefunden. Danke noch mal für den Tipp.«
»Das freut mich zu hören«, sagte ich mit einem Nicken und lief an der Rezeption vorbei zu der Tür mit der Aufschrift »Zutritt nur für Personal«. Obwohl Mr Boyd, einer der drei Anwälte meines Dads, zu einem dringenden Meeting einberufen hatte, machte ich einen Abstecher zu Rakesh, um mir den aktuellen Katastrophenbericht persönlich abzuholen. Vor der Tür mit der Plakette »Management« blieb ich stehen und klopfte an.
»Herein!«
Ich schob die Tür auf. Rakesh kauerte über seinem Schreibtisch. Er arbeitete seit Jahren für das Darlington und war inzwischen zum Hotelmanager aufgestiegen. Er kümmerte sich gemeinsam mit mir um den reibungslosen Ablauf des Hotelbetriebs. Und obwohl er gerade mal vierzig war, sah er heute aus wie Mitte fünfzig. Sein dunkles Haar war zerzaust, seine Augenringe machten meinen Konkurrenz, und trotz des blumigen Raumsprays nahm ich den beißenden Gestank von Zigarettenrauch wahr. Eigentlich war das Rauchen im ganzen Hotel verboten, aber Rakesh war schon immer ein Stressraucher gewesen.
»Hallo Henry«, begrüßte er mich überrascht, obwohl er meine Besuche inzwischen gewohnt sein sollte. Mein Dad hatte Rakesh nie selbst aufgesucht, sondern immer von seinem Assistenten zu sich zitieren lassen. Ich würde niemals Rakeshs entgeisterten Gesichtsausdruck vergessen, als ich das erste Mal in seinem Büro aufgetaucht war. »Warst du unterwegs?«
»Ja, ich war eine Runde im Park spazieren, um den Kopf frei zu bekommen«, antwortete ich. »Hast du kurz Zeit?«
»Für meinen liebsten Darlington-Bruder? Immer.«
Ich schnaubte, denn das war mit Logans Abwesenheit und Ethans Eskapaden, die Rakesh mehr Ärger bescherten als alles andere, kein schwer zu gewinnender Titel. Kommentarlos öffnete ich eines der Fenster im Raum, bevor ich mich auf den Stuhl gegenüber von ihm setzte. Sein Schreibtisch war begraben unter einem Berg Unterlagen, der Rest seines Büros makellos aufgeräumt.
»Schieß los«, sagte ich und wappnete mich für das Schlimmste.
»Willst du zuerst die guten oder die schlechten Nachrichten hören?«
Ich hob die Brauen. »Es gibt gute Nachrichten?«
»Nicht wirklich«, sagte Rakesh und knetete dabei nervös seine Finger. Vermutlich sehnte er sich nach einer Kippe. »Es gibt schlechte und sehr schlechte Nachrichten. Ich wollte es nur netter verpacken.«
»Das hab ich befürchtet. Dann zuerst die sehr schlechten.«
»Die BBC hat ihre Anfrage zurückgezogen.«
Ich nickte langsam, das überraschte mich nicht. Die Rundfunkanstalt hatte geplant, zum hundertjährigen Bestehen des Darlington eine Dokumentation über seine geschichtsträchtige Vergangenheit und seine mediale Bedeutung zu drehen. Denn das Hotel hatte in der Vergangenheit öfter als Dreh- und Schauplatz diverser Filme und Serien gedient. Darüber hinaus wurde es häufig als Location für Fotoshootings gebucht und war bis vor Kurzem fester Bestandteil der Londoner Fashion Week gewesen. Die letzte Show Anfang des Monats hatten wir allerdings aussetzen müssen, weil uns die Designer abgesprungen waren aus Angst, ihre Kollektionen könnten unter der negativen Berichterstattung leiden – sogar Natalia Asterdam hatte uns eine Abfuhr erteilt.
»Okay. Und die schlechten Nachrichten?«
Rakesh kräuselte die Nase. »Das waren noch nicht alle sehr schlechten Nachrichten.«
Ich unterdrückte ein Ächzen. »Ist es zu früh für Alkohol?«
»Unter diesen Umständen nicht, aber ich hab keinen da.«
»Schade«, murmelte ich, doch vermutlich war es besser so. Es reichte, dass meine Mum eine Vorliebe dafür entwickelt hatte, ihren Kummer in Wein zu ertränken. Außerdem würden meine Kopfschmerzen davon auch nicht besser werden. »Was gibt’s noch?«
»Diana D’Angelo hat ein Interview gegeben.«
Ich legte die Stirn in Falten. »Die Schauspielerin?«
»Ja. Sie hat mit dem INsider gesprochen und von ihren Erfahrungen mit deinem Dad erzählt. Sie sagt, er wäre bei den letzten Filmfestspielen sehr aufdringlich gewesen und hätte auffällig oft versehentlich ihre Brust gestreift«, berichtete Rakesh mit verkniffener Miene, bemüht, professionell zu bleiben, aber ihm war anzusehen, dass er ähnlich über meinen Vater dachte wie ich. Nur konnte ich ihm das nicht anvertrauen. Vivian, die Krisenmanagerin meines Dads, hatte mich angewiesen, in der Anwesenheit von Angestellten nichts Negatives über meinen Vater zu sagen; denn sollte sich einer von ihnen dazu entschließen, gegen die Schweigepflicht zu verstoßen, könnte uns daraus ein Strick gedreht werden. Was mir egal gewesen wäre, hätte es lediglich meinen Dad betroffen, aber er war unwiderruflich mit dem Hotel verknüpft, und dem wollte ich keinen Schaden zufügen. Was der einzige Grund war, weshalb ich meine Klappe hielt und auf Vivian, meinen Dad und dessen Anwälte hörte – zumindest vorerst.
»Waren das alle sehr schlechten Nachrichten?«, hakte...




