Kneifel | Atlan 3: Karawane der Wunder (Blauband) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 416 Seiten

Reihe: Atlan-Blauband

Kneifel Atlan 3: Karawane der Wunder (Blauband)

Die Zeitabenteuer
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-3302-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die Zeitabenteuer

E-Book, Deutsch, Band 3, 416 Seiten

Reihe: Atlan-Blauband

ISBN: 978-3-8453-3302-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Als Hüter der Menschheit und Wächter über die Erde verbrachte der unsterbliche Arkonide Atlan, später der beste Freund Perry Rhodans, rund 10.000 Jahre auf der Erde. In seinem Bemühen, die Entwicklung der Menschheit in die richtige Richtung zu lenken, setzt Atlan im zweiten vorchristlichen Jahrtausend auf einen Ausbau zwischen den entstandenen Hochkulturen: Mit der gigantischen Karawane der Wunder macht er sich auf den langen Weg aus dem Mittelmeerraum quer durch die Steppen Innerasiens bis hin zum künftigen Großreich der Chinesen, das sich gerade am Gelben Fluss entwickelt. Und als er Jahre später von seinem Mentor, der Superintelligenz ES, von der Existenz eines geheimnisvollen Außerirdischen auf der Erde erfährt, setzt sich der Arkonide ein neues Ziel ...

Hans Kneifel (1936 bis 2012) war einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, die sich mit großer Sicherheit in und zwischen den unterschiedlichsten Welten bewegten: Er verfasste historische Romane, Science Fiction, Horror und Fantasy. Dank seiner ausgefeilten Charakteren und seiner Vorliebe für klarsichtige Beschreibungen hatte Kneifel geradezu einen eigenen Fan-Kreis. Geboren wurde Hans Kneifel am 11. Juli 1936 in Gleiwitz/Oberschlesien; er wuchs in München auf, wo er zuerst den Beruf eines Konditors erlernte. Darauf folgte ein Studium der Pädagogik, das er mit dem Staatsexamen abschloss. Schon als Jugendlicher verfasste er erste Romane; unter dem Titel 'Uns riefen die Sterne' publizierte der damalige Konditorgehilfe bereits 1956 sein erstes Science-Fiction-Werk. Als Berufsschullehrer verschlug es ihn nach Kitzingen; dort beschloss er, den Beruf des Lehrers an den Nagel zu hängen und stattdessen freier Schriftsteller zu werden - ein Entschluss, den der Autor in all den Jahren nie bedauerte. In der Folge schrieb er Hunderte von Heftromanen und Taschenbüchern; seit 1965 verfasste er Romane für die PERRY RHODAN-Serie. Zeitweise betrieb er sogar das Stadtmagazin 'Wir Münchner', über das er später in einem Interview sagt: '... wenigstens hatte man fast überall freien Eintritt, lernte nette (aber auch miese) Leute kennen, und ich weiß seitdem, wie man eine Zeitschrift macht.' Vorrangig schrieb er in den 60er und 70er Jahren für PERRY RHODAN und ATLAN. Farbenprächtige Charaktere wie Sandal Tolk, der Rächer, oder 'der Einsame von Terra' prägten seine Werke. Besonders berühmt machten ihn die Dutzende von 'Zeitabenteuern', in denen Kneifel die bekannte Geschichtsschreibung der Erde durch den Arkoniden Atlan und seine zahlreichen Eingriffe ergänzte. Viele Science-Fiction-Leser erinnern sich darüber hinaus gern an seine Romane, die er zur Fernsehserie 'Raumpatrouille' verfasste und die danach mit weiteren Abenteuern der ORION-Besatzung fortgesetzt wurden. In den 70er Jahren gehörte er mit DRAGON, in den frühen 80er Jahren mit MYTHOR zu den ersten Schriftstellern, die im deutschsprachigen Raum die Fantasy populär machten. In den 90er Jahren wurde Hans Kneifel durch seine historischen Romane einem breiten Leserkreis bekannt. In 'Babylon - Das Siegel des Hammurabi' oder 'Hatschepsut' transportierte er historische Epochen in die heutige Zeit; mit 'Telegonos' erzählte er einen Odysseus-Roman, hinzu kamen biografische Romane über den Perserkönig Darius der Große oder den Seefahrer Francis Drake. Und immer wieder schrieb Hans Kneifel einen PERRY RHODAN-Roman. In seiner Rolle als Gastautor fühlte sich der Altmeister der Serie sichtlich wohl, und viele Fans begrüßten seine regelmäßigen Beiträge zur größten Science-Fiction-Serie der Welt. Sein Auftritt beim PERRY RHODAN-WeltCon 2011 in Mannheim wurde umjubelt, er gab stundenlang Autogramme. Hans Kneifel starb, für alle völlig unerwartet, am 7. März 2012 in München. Er wurde 75 Jahre alt.
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Prolog


Der schwarzhaarige Moderator von Gäa-TV hob langsam den Kopf und sagte sichtlich betroffen:

»Noch lebt Lordadmiral Atlan. Das Ärzteteam der Überlebensstation ist, den Umständen nach, gemäßigt optimistisch; zwar schwebe der prominenteste Patient des Krankenhauses nach wie vor auf dem messerscharfen Grat zwischen Tod und Leben, aber es werde alles Menschenmögliche getan.« Für wenige Sekunden wurde das Bild des Arkoniden eingeblendet, dessen Körper als dunkle Silhouette in der Nähr- und Heilflüssigkeit ruhte. Die goldfarbene SERT-Haube war nach oben geglitten; einige Ärzte in sterilem Hellgrün umstanden den Tank und verhinderten, dass die Fernsehzuschauer mehr als einen flüchtigen Blick auf Atlan werfen konnten. Der Sprecher schloss:

»Wie wir erfahren konnten, berichtet der Statthalter des Neuen Einsteinschen Imperiums während seines postoperativen Überlebenskampfes faszinierende geschichtliche Erlebnisse aus seinem langen Leben. In der Umgebung der Intensivstation sind weder Ton- noch Bildaufnahmen gestattet. Einer der verantwortlichen Mediziner, Dr. Ghoum-Ardebil, drückte vorsichtigen Optimismus aus, was die Heilungschancen Atlans betrifft.«

Cyr Aescunnar schaltete kopfschüttelnd den Empfänger aus. Er wusste es besser. Die KHAMSIN hatte Atlan am 25. August 3561 in letzter Sekunde nach Gäa, ins Versteck in der Dunkelwolke Provcon-Faust, gebracht; er und seine kleine Mannschaft hatten das vulkanische Inferno des berstenden Planeten Karthago II überlebt. Seit diesem Tag lag der Arkonide im abgeschotteten Bereich des Medo-Centers und kämpfte um sein Leben. Nicht nur der Geschichtswissenschaftler war überzeugt, dass Atlans Überlebenschancen von Tag zu Tag gestiegen waren. Die höchstentwickelte medizinische Technik und die besten Ärzte, über die das NEI auf Gäa verfügte, überwachten jede Sekunde des qualvollen Wiederherstellungsprozesses. Ein Umstand aber irritierte Aescunnar und dämpfte seinen Optimismus: Seit neun Tagen schwieg der Arkonide.

Cyr war allein in seinem Arbeitsraum. Die lange Unterbrechung in Atlans Berichten aus der fernen Vergangenheit der Erde hatte der Historiker dazu verwendet, sein Büro, die externe Forschungsstelle der Chmorl-Universität, gründlich aufräumen zu lassen. Alle Unterlagen waren geordnet und präzise katalogisiert. Er warf durch dunkle Brillengläser einen Blick auf den Chronometer. Kurz nach Mittag. Sonnenschein durchflutete die Räume; die Klimaanlage war ausgeschaltet, eine kühle Gäabrise wehte durch die weit offenen Balkontüren und ließ einzelne Staubteilchen tanzend funkeln. Aus der Pantry roch es nach starkem Kaffee.

Cyr setzte sich auf die Lehne seines schweren Arbeitssessels und blickte das Regal an der Büro-Längswand an. Auf zwölfeinhalb Metern Länge, deckenhoch, stapelten sich Tausende alter Bücher, Folienbände, Buchchips, Lesespulen und Musicubys. In die Datenträger mit ihren grellfarbigen Rücken hatten er und die Roboter Ordnung gebracht. Eine innere Stimme sagte Aescunnar, dass Atlans seltsames, durch eine Änderung seines Zustandes nicht zu erklärendes Schweigen bald vorbeisein würde; oder schwieg der Arkonide, weil es mit zunehmender Heilung die Notwendigkeit nicht mehr gab, sich vom angestauten Druck der Erinnerungen befreien zu müssen? Die Wahrscheinlichkeit, im nachoperativen Schock zu sterben, blieb groß, obwohl Atlans Zellschwingungsaktivator die Heilung entscheidend unterstützte.

»Dann, Professor Aescunnar«, sagte er halblaut und nahm die Brille ab, »wird auch dein ›Opus magnum‹ unvollendet bleiben, wie so vieles im Leben.«

Er begann gedankenlos die Brille zu putzen, holte sich einen Becher voll Kaffee und schaltete nacheinander die Monitoren ein, die Holografie-Projektoren und Tonleitungen sowie die Gegensprechanlage und aktivierte die Stand-by-Chips der verschiedenen Aufzeichnungsgeräte. Sein Arbeitsplatz, durch störungsresistente Lichtleiterkabel und Bildfunkbrücken mit dem Überwachungsraum von Medo-Center verbunden, war binnen einer Minute in voller Funktionsbereitschaft. Aescunnar setzte die Brille auf und berührte ein leuchtendes Kontaktfeld. Leise Musik strömte in den Raum.

Als er den Becher absetzte, summte der Interkom. Cyr tastete das Gerät ein. Überlebensgroß baute sich das Abbild Ronald Tekeners auf. Er nickte grüßend; sein Gesichtsausdruck bewies, dass er über Atlans Zustand informiert war.

»Bevor ich’s vergesse.« Tekener kratzte sich hinter dem Ohr. »Ich habe eine Sendung unseres Historischen Korps an Sie organisiert. Irgendwann in den nächsten Tagen lassen wir die Daten zu Ihnen überspielen, Professor Aescunnar. Die Ärzte sind so verdammt zurückhaltend – wie geht es ihm wirklich?«

Aescunnar hob die Schultern und brummte:

»Ich meine, dass er sich zu erholen beginnt. Ein Teil der Verbände ist überflüssig geworden, einige Wunden vernarben, und seine Stimme klang unverändert kräftig. Sein Verstand scheint absolut klar zu sein. Ghoum-Ardebil äußert vorsichtig Zufriedenheit mit Atlans Zustand.«

Der USO-Spezialist musterte die Einrichtung des Büros.

»Wie weit sind Sie mit Ihren ANNALEN DER MENSCHHEIT, Cyr?«

»Nun, es geht, verständlicherweise, zögerlich voran. Im Rico-Atlan-Kalender bin ich inzwischen bei 3484 angelangt. Für diesen Block sind sämtliche Informationen verwendet und wissenschaftlich einigermaßen befriedigend eingegliedert worden; Bilder, Karten und die Dokumentationen der entsprechenden terranischen Funde.«

»Die in unzugänglichen irdischen Museen lagern«, brummte Tekener. In der Beleuchtung seines Terminals traten die Narben der Lashat-Pocken auf seinen Wangen scharf hervor. »Unerreichbar für uns. Was hat unser Patient sonst noch erzählt?«

»Bevor er sich entschloss, hoffentlich nur vorübergehend zu schweigen, berichtete er vom Bau des sogenannten Labyrinths auf Kreta. Diese Erzählungen bearbeiten meine Studenten und ich gerade.«

Ronald Tekener nickte nachdenklich und sagte:

»Ich bin jederzeit über die Point-Allegro-Administration von Solarmarschall Tifflor zu erreichen. Zumindest für Sie, Professor. Wenn Sie etwas aus den USO-Archiven brauchen, für Ihre ANNALEN …«

»Sie haben mir wahrscheinlich mit Ihrem Material mehr als genug geholfen.« Aescunnar deutete auf seine leere, spiegelnd saubere Arbeitsplatte, auf der nur der kreisförmige Rand des Kaffeebechers störte. »Danke, Tekener. In einigen Tagen wissen wir mehr über seinen Zustand. Ich glaube, er überrascht uns bald wieder mit einer neuen Erzählung.«

»Ist er ansprechbar?«

»Nein. Aber jede winzige Lebensäußerung wird überwacht. Atemfrequenz, Gehirnwellen, Zellmembranschwingungen … die Computer geben bei der geringsten Änderung lauten Alarm.«

»Sollte er in den nächsten Tagen aufwachen und verstehen, was Sie sagen: Richten Sie die besten Wünsche von Tifflor, mir und Anson Argyris aus.«

»Ich versprech’s«, sagte Aescunnar und hob die Hand. Tekener lächelte kaum wahrnehmbar und trennte die Verbindung. Cyr holte tief Luft und drehte den Sessel. Schweigend, am Kaffee nippend, musterte er die Einzelheiten der holografischen Großprojektion. Vor einem Tag war die kreislaufstützende und heilungsfördernde Flüssigkeit des gläsernen Beckens, auf ein hundertstel Grad auf Atlans Körpertemperatur abgestimmt, ausgetauscht worden. Unter den Antigravgittern, die den Körper in stabiler Lage hielten, brodelten dichte Vorhänge aus Sauerstoffbläschen. Atlan, die Arme ausgestreckt, lag ruhig da. Ab und zu bewegten sich seine Finger oder die Zehen, ein Handgelenk zuckte. Der entspannte Gesichtsausdruck schien zu beweisen, dass der Arkonide in tiefem Schlaf lag. Heilschlaf?, dachte der Historiker und betrachtete die Kurven, Farbsäulen und Impulsanzeigen der Monitorenwand. Sämtliche Überwachungsinstrumente zeigten beruhigende Werte; selbst die Strömungsgeschwindigkeit der intravenösen Ernährung blieb auf niedrigem Niveau konstant. Die modifizierte SERT-Haube mit ihren vielfarbigen Kabelbündeln schwebte einen halben Meter über Atlans Kopf; über dem fast regungslosen, zwölf Jahrtausende alten Organismus.

»Was geht hinter dieser Stirn vor?«, flüsterte Aescunnar. »Denkt er? Was denkt er, und woran? Ist er noch immer im Irrgarten der irdischen Geschichte? Oder in seiner Jugend, irgendwo im Großreich Arkons? Baut er Tempel, kämpft er gegen Invasoren? Langweilt er sich mit Roboter Rico in der Kälte der riesigen Überlebensanlage am Fuß von São Miguel?«

Der Geschichtswissenschaftler zuckte mit den Schultern und leerte den Kaffeebecher. Aus der Pantry hörte er den leisen Gongschlag, das Zeichen der internen Verbindung zwischen der Historischen Fakultät und deren Außenstelle. Mit langen Schritten erreichte Cyr Aescunnar den Sessel und schaltete den Projektor ein. Sekunden danach stand das Holobild. Noami Corhadelys, eine seiner Referentinnen, lächelte geschäftsmäßig und sagte:

»Sie fehlen uns mehr und mehr, Professor. Keine Schmeichelei; die unteren Semester gieren nach Ihren Vorträgen.«

»Sie werden sich noch gedulden müssen.« Aescunnar schüttelte den Kopf. »Wenn feststeht, dass Atlan überlebt, und wenn er aus dem Tank geholt und in ein gemütliches weißes Bett gelegt wird, bleibe ich hier. Schließlich leite ich eines der ehrgeizigsten Projekte unserer Fakultät.«

»Wissen wir, Professor. Deswegen melde ich mich. Wir arbeiten schließlich alle an den ANNALEN DER MENSCHHEIT mit. Wir haben sämtliche Archive der Fakultät durchstöbert. Hier steht ein Container voller Informationen, wild durcheinander: Buchchips ebenso wie alte Karten, Bücher und Promotionsarbeiten. Viertes und drittes Jahrtausend vor der Zeitenwende. Ich denke, Sie brauchen es dort, wo Sie gerade...



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