E-Book, Deutsch, Band 4, 416 Seiten
Reihe: Atlan-Blauband
Kneifel Atlan 4: Hüter der Planeten (Blauband)
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-3303-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Zeitabenteuer
E-Book, Deutsch, Band 4, 416 Seiten
Reihe: Atlan-Blauband
ISBN: 978-3-8453-3303-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Hans Kneifel (1936 bis 2012) war einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, die sich mit großer Sicherheit in und zwischen den unterschiedlichsten Welten bewegten: Er verfasste historische Romane, Science Fiction, Horror und Fantasy. Dank seiner ausgefeilten Charakteren und seiner Vorliebe für klarsichtige Beschreibungen hatte Kneifel geradezu einen eigenen Fan-Kreis. Geboren wurde Hans Kneifel am 11. Juli 1936 in Gleiwitz/Oberschlesien; er wuchs in München auf, wo er zuerst den Beruf eines Konditors erlernte. Darauf folgte ein Studium der Pädagogik, das er mit dem Staatsexamen abschloss. Schon als Jugendlicher verfasste er erste Romane; unter dem Titel 'Uns riefen die Sterne' publizierte der damalige Konditorgehilfe bereits 1956 sein erstes Science-Fiction-Werk. Als Berufsschullehrer verschlug es ihn nach Kitzingen; dort beschloss er, den Beruf des Lehrers an den Nagel zu hängen und stattdessen freier Schriftsteller zu werden - ein Entschluss, den der Autor in all den Jahren nie bedauerte. In der Folge schrieb er Hunderte von Heftromanen und Taschenbüchern; seit 1965 verfasste er Romane für die PERRY RHODAN-Serie. Zeitweise betrieb er sogar das Stadtmagazin 'Wir Münchner', über das er später in einem Interview sagt: '... wenigstens hatte man fast überall freien Eintritt, lernte nette (aber auch miese) Leute kennen, und ich weiß seitdem, wie man eine Zeitschrift macht.' Vorrangig schrieb er in den 60er und 70er Jahren für PERRY RHODAN und ATLAN. Farbenprächtige Charaktere wie Sandal Tolk, der Rächer, oder 'der Einsame von Terra' prägten seine Werke. Besonders berühmt machten ihn die Dutzende von 'Zeitabenteuern', in denen Kneifel die bekannte Geschichtsschreibung der Erde durch den Arkoniden Atlan und seine zahlreichen Eingriffe ergänzte. Viele Science-Fiction-Leser erinnern sich darüber hinaus gern an seine Romane, die er zur Fernsehserie 'Raumpatrouille' verfasste und die danach mit weiteren Abenteuern der ORION-Besatzung fortgesetzt wurden. In den 70er Jahren gehörte er mit DRAGON, in den frühen 80er Jahren mit MYTHOR zu den ersten Schriftstellern, die im deutschsprachigen Raum die Fantasy populär machten. In den 90er Jahren wurde Hans Kneifel durch seine historischen Romane einem breiten Leserkreis bekannt. In 'Babylon - Das Siegel des Hammurabi' oder 'Hatschepsut' transportierte er historische Epochen in die heutige Zeit; mit 'Telegonos' erzählte er einen Odysseus-Roman, hinzu kamen biografische Romane über den Perserkönig Darius der Große oder den Seefahrer Francis Drake. Und immer wieder schrieb Hans Kneifel einen PERRY RHODAN-Roman. In seiner Rolle als Gastautor fühlte sich der Altmeister der Serie sichtlich wohl, und viele Fans begrüßten seine regelmäßigen Beiträge zur größten Science-Fiction-Serie der Welt. Sein Auftritt beim PERRY RHODAN-WeltCon 2011 in Mannheim wurde umjubelt, er gab stundenlang Autogramme. Hans Kneifel starb, für alle völlig unerwartet, am 7. März 2012 in München. Er wurde 75 Jahre alt.
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Prolog
Am 11. Oktober 3561, vormittags 10.40 Uhr, drangen die ersten Worte durch die Stille. Der Raum in der Intensivstation, in dem das transparente Becken voller Nährflüssigkeit stand, war menschenleer; der Arkonide Atlan schwebte ausgestreckt und regungslos über dem Gitter aus Antigravstrahlen. Die modifizierte SERT-Haube senkte sich, goldfarben schimmernd, über seinen Kopf und die Schultern. Als Atlan zu sprechen begann, schalteten sich sämtliche Aufnahmegeräte an Cyr Aescunnars Arbeitsplatz gleichzeitig ein. Jedes Wort Atlans, so schien es, war von Furcht, Trauer und Unheil durchdrungen. Es war, als spräche er aus tiefer Verzweiflung heraus, durch treibenden grauen Nebel, und er redete von ferner Vergangenheit, in der Schreckliches geschehen war: so als habe eine plötzliche Sonnenfinsternis das sommerliche Land am Hapi, das langgestreckte Städtchen Nubet und das weiße Haus in schwarze Verstörtheit getaucht. Atlan sprach wohlüberlegt, bedachtsam und leise; jedes Wort atmete Traurigkeit aus:
»Ich fürchte den Tag, mein Freund, an dem alle Sonnenuhren stehenbleiben«, hatte einst meine zärtliche Geliebte geflüstert, vor unzählbar vielen Jahren. Nicht weit von hier entfernt, nur durch Jahrhunderte getrennt. Nefer-meryt, die Schwester des Herrschers Meni-Narmer, jene unvergleichliche Frau, die noch heute an meiner Seite wäre, wenn ich mich damals klüger und bewusster verhalten hätte. Heute, vierundzwanzig Stunden lang während eines jeden Tages, fürchtete ich den Stillstand der Sonnenuhren, obwohl ich keinen Grund zu haben glaubte.
Nefer-meryt war ferne Vergangenheit: Asyrta-Maraye-Nebkaura, ebenso liebenswert, klug und schön, war die bezaubernde Gegenwart. Aber auch drei Dutzend Bogenschützen meines Freundes Ptah-Sokar, die, einander ablösend, entlang der Grenzen des Gutshofes patrouillierten, dazu etliche arkonidische Schutzfelder, zwei ständig eingeschaltete Psychostrahler und verborgene Deflektorfelder waren Gegenwart, ebenso eine Sonde Rico-Riancor-Rechmes, die unentwegt über den Feldern, dem weitläufigen Garten und um das Haus kreiste. Jeder Romêt, jung oder alt, Mann oder Frau, achtete darauf, dass kein Fremder unbeobachtet diesen Besitz betrat.
Tatsächlich hatte bisher niemand versucht, mich zu vergiften oder mit irgendeiner Waffe zu töten. Ich beruhigte mich nur langsam, aber nach drei Zehntagen konnten wir sicher sein, dass die tödliche Erblast des schwarzen Kolosses, jenes Wanderer-Flüchtlings, uns nicht mehr betraf.
Seit sechs Stunden saß ich in meinem abgedunkelten Arbeitszimmer, hatte den Deckel einer mittelgroßen Truhe aus nachgeahmtem Sykomoren- und Zedernholz, Golddraht und Glasflussornamenten hochgeklappt und bearbeitete die sogenannten Punt-Karten, indem ich die Beobachtungen einer rasend schnellen Spionsonde eintrug: Zakanza-Upuaut, Ptah-Sokar, die Steuermänner und die Kapitäne der Flotte sollten nicht ins Ungewisse segeln. Die Knochenringe des Vorhangs scharrten, die Perlen des zweiten Vorhangs klirrten; ein Lichtkeil fegte durch den Raum. An den Schritten und dem Wohlgeruch wertvoller Romêt-Salböle erkannte ich, ohne mich umdrehen zu müssen, dass Asyrta den Raum betreten hatte. Überdies hätte selbst Ptah nicht gewagt hereinzustürzen, ohne sich laut anzukündigen.
»Rotäugiger Kartenzeichner«, sagte sie. »Komm hinaus ins Licht. Erstens ist es fast Abend, und zweitens wartet ein Bote auf die fragwürdige Gnade, dein Angesicht sehen zu dürfen.«
Ich drehte mich um, lächelte und legte meinen Arm um ihre Hüften. Auf dem dreidimensionalen Bild löste eine Meile menschenleeren, sandigen oder felsigen Meeresufers die nächste ab. Ich arretierte die Sonde – irgendwo über dem fernen Ozean – in der hitzeflirrenden, spiegelnden Luft.
»Boten gibt’s wie Schilf am Ufer. Wer hat ihn geschickt, Geliebte?«, sagte ich halblaut.
»Der große Amenemhet selbst. Der schwarze Bote wagt nicht, die Botschaft auszusprechen. Er liest seine unendlich wichtigen Worte nur vor, wenn du zuhörst.«
»Gib ihm einen Krug Henket«, sagte ich, stand auf und lachte. Wir gingen hinaus. »Und mir einen Becher unseres Henket-Bieres.«
Zwischen zwei vorspringenden Gebäudeteilen war ein Leinensegel gespannt. Darunter, im abendlichen Halbschatten, standen Hocker, Tischchen und Tonkrüge, in denen Wasser verdunstete. Auf einer gemauerten Säule hockte ein Robotfalke, der zweite kreiste unterhalb Ricos Sonde. Der Bote sprang auf die Füße, warf sich zu Boden und richtete sich auf, während er die Binsenmarkrolle aus dem Gürtel zog. Ich lud ihn ein, sich geruhsam hinzusetzen, und sagte:
»Vergiss die Förmlichkeit, Bote, aber nicht die Worte deiner Botschaft. Was geruht unser göttlicher Herrscher mir mitteilen oder befehlen zu wollen?«
Der schlanke, dunkelhäutige Nehesi mit den dünnen Waden zog das aufgerollte Blatt in beide Richtungen auseinander, senkte den Kopf und las laut vor:
»Gottkönig Amenemhet, er lebe ewiglich, hat nunmehr seinen herrlichen Palast in Itch-Towi verlassen und wohnt in seinem schönen Per-Ao zu Junu-Resyt, wo er Bittsteller empfängt, Richtsprüche erteilt, tausend Besucher haben wird und das Gute vom Schlimmen scheidet. Auch du, Atlan-Horus, sollst vor sein göttliches Angesicht treten und, weil du die Feinde des Reiches unter deinen Sandalen zermalmt hast, reiche Belohnung empfangen. Ebenso wird die Herrin von Buhen im elenden Kusch mit Ehren überhäuft werden, nicht minder die Heerführer und Freunde des Atlan. So besteige denn deinen herrlichen Wagen, schirre die drei überlebenden Bergesel an und tritt vor das strahlende Angesicht dessen, der Maats Waage in den Händen hält. In zwei Siebentagen triff ein, und jedes Haus wird sich der Herrin von Buhen und Atlan-Horus weit öffnen.«
»Überaus trefflich«, sagte ich. »Selbstverständlich ist Amenemhets Wunsch für uns ein Befehl. Alles, Bote?«
»Alles, Herr.«
»Trink dein Henket aus, schlaf bei uns und sage dem Oberschreiber zu Junu-Resyt, dass wir am richtigen Tag dort sein werden. Woher weiß man, dass es nur noch drei jener Tiere gibt, die ich ›Pferde‹ nenne?«
»Herr!« Der Bote wischte den Schweiß von der Stirn. »An den Ufern des Jotru wissen viele, was alle tun.«
Ich entließ ihn; er reichte mir das Binsenmarkblatt und ging hinüber zum winzigen Gästehaus. Asyrta und ich blickten einander lange schweigend in die Augen. Ich sagte halblaut:
»Zwei Wagen sind auseinandergenommen und in Ricos Obhut. Die anderen Pferde sind tot. Die Wartezeit ist vorbei; bald fährst du mit mir nach Punt, meine Schönste.«
»Und danach, nach der Rückkehr«, flüsterte sie und legte ihre schlanken Hände auf meine braungebrannten Knie, »schlafen wir in Riancors dunklem Palast, bis wir gemeinsam geweckt werden und zusammen andere Abenteuer miterleben.«
»In einer anderen Zeit, an anderen Plätzen, mit anderen Freunden«, sagte ich. »Wir packen. Einen Teil für die lange Schifffahrt, den kleineren Teil für die kurze Zeit in Amenemhets Nähe.«
»Morgen früh fang’ ich damit an.«
Unser Gepäck würde nicht viel wiegen und wenig Platz brauchen. Wir sahen noch eine Weile den Ibissen zu, deren Flug unbeholfen wirkte, dann kletterten wir die schmale Treppe zum Dach hinauf. Dort aßen wir anschließend noch und saßen lange mit Zakanza und Ptah zusammen. Sie hatten ebenso genaue Befehle von Amenemhet erhalten.
Fast gleichzeitig fuhren das schwer beladene Schiff und die Barke mit unserem Gespann los. Die HORUS DES HORIZONTS mit dem schwereren Teil der Ausrüstung würde bis Geb-Teju weitersegeln. Von dort aus schleppten Ptah-Sokars Soldaten das Gepäck entlang der Straße des Henenu durch das Tal Rohani zu den Schiffen; Asyrta und ich gingen nahe Junu-Resyt an Land. Nach der Verteilung von Ehrungen durch den Herrscher würden wir, in mäßiger Eile, mit dem Gespann zu den Schiffen fahren.
Wieder fuhren wir lange hapiabwärts, an Feldern und Äckern vorbei, an Palmenhainen und Tamariskenwäldern, in denen unzählige Arbeiter schufteten: an den Kanälen, bei den Herden, beim beschwerlichen Bau von Kornspeichern, Straßen und Dämmen. Sie grüßten mit heiterer Ehrfurcht die Barke des Gottherrschers und uns, die Menschen, die an Deck standen. Kurz vor No-Amûn legten wir an, schliefen an Bord und warteten, bis das Gespann angeschirrt war. Man berichtete uns, dass Amenemhet und sein Gefolge vor zwei Tagen in die Stadt gekommen seien und uns alle »am Ende des Kanals« erwarteten. Ipuki, der Steuermann, lächelte und sagte:
»Dies alles magst du noch nicht kennen, Herr. Aber unentwegt wird in No-Amûn gebaut. Nun zeige ich dir den Kanal, der bis an die Stufen des Palastes führt.«
Mein Gespann wartete in einem kühlen Stall; die drei Stuten würden gut ausgeruht sein, wenn wir abfuhren. Ich befahl den Dienern, was zu tun sei und wie die unersetzlichen Tiere zu behandeln waren. Wir gingen wieder an Bord: Ipuki erklärte uns, wie heute die Stadt angelegt war. Ich entsann mich der alten Viertel und musste missmutig erkennen, dass aus den Steinen und Quadern uralter Bauwerke neue Tempel und Paläste errichtet worden waren. Der Hapistrom zog rechts an der Stadt der »Weißen Mauer« vorbei, aber ein Kanal, ein künstlicher Hapiarm, war fast rechtwinklig nach Backbord ausgehoben und befestigt worden, bildete am Ende einen großen Flachwasserhafen, zog sich durch sandige Wüste weiter nach Norden und wurde wieder in den Strom zurückgeführt. Zwischen den beiden Wasserläufen war eine große, trapezförmige Insel entstanden, in deren Mittelpunkt der Kanal endete.
Um das rechteckige Bassin, von weißen Quadern eingefasst und hinter langgezogenen schwimmenden Inseln aus Seerosen, waren die Bauwerke der Herrscher entstanden; Tempel,...




