Kneifel | Atlan 6: Wolken des Todes (Blauband) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 6, 432 Seiten

Reihe: Atlan-Blauband

Kneifel Atlan 6: Wolken des Todes (Blauband)

Die Zeitabenteuer
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-3305-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die Zeitabenteuer

E-Book, Deutsch, Band 6, 432 Seiten

Reihe: Atlan-Blauband

ISBN: 978-3-8453-3305-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der unsterbliche Arkonide Atlan, später der beste Freund Perry Rhodans, ist Jahrtausende unfreiwillig auf die Erde verbannt und lenkt in dieser Zeit die Entwicklung der Menschheit. Als die Erde in der Antike von geheimnisvollen Sporen aus dem All bedroht wird, hilft Atlan den Kulturen aus dem Mittelmeerraum gegen die außerirdische Gefahr. Später wird der Arkonide in die Kriege zwischen Persern und Griechen verwickelt und lernt Alexander den Großen kennen; er wird Zeuge der Jahre, in denen der Makedonier nach der Weltherrschaft greift ...

Hans Kneifel (1936 bis 2012) war einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, die sich mit großer Sicherheit in und zwischen den unterschiedlichsten Welten bewegten: Er verfasste historische Romane, Science Fiction, Horror und Fantasy. Dank seiner ausgefeilten Charakteren und seiner Vorliebe für klarsichtige Beschreibungen hatte Kneifel geradezu einen eigenen Fan-Kreis. Geboren wurde Hans Kneifel am 11. Juli 1936 in Gleiwitz/Oberschlesien; er wuchs in München auf, wo er zuerst den Beruf eines Konditors erlernte. Darauf folgte ein Studium der Pädagogik, das er mit dem Staatsexamen abschloss. Schon als Jugendlicher verfasste er erste Romane; unter dem Titel 'Uns riefen die Sterne' publizierte der damalige Konditorgehilfe bereits 1956 sein erstes Science-Fiction-Werk. Als Berufsschullehrer verschlug es ihn nach Kitzingen; dort beschloss er, den Beruf des Lehrers an den Nagel zu hängen und stattdessen freier Schriftsteller zu werden - ein Entschluss, den der Autor in all den Jahren nie bedauerte. In der Folge schrieb er Hunderte von Heftromanen und Taschenbüchern; seit 1965 verfasste er Romane für die PERRY RHODAN-Serie. Zeitweise betrieb er sogar das Stadtmagazin 'Wir Münchner', über das er später in einem Interview sagt: '... wenigstens hatte man fast überall freien Eintritt, lernte nette (aber auch miese) Leute kennen, und ich weiß seitdem, wie man eine Zeitschrift macht.' Vorrangig schrieb er in den 60er und 70er Jahren für PERRY RHODAN und ATLAN. Farbenprächtige Charaktere wie Sandal Tolk, der Rächer, oder 'der Einsame von Terra' prägten seine Werke. Besonders berühmt machten ihn die Dutzende von 'Zeitabenteuern', in denen Kneifel die bekannte Geschichtsschreibung der Erde durch den Arkoniden Atlan und seine zahlreichen Eingriffe ergänzte. Viele Science-Fiction-Leser erinnern sich darüber hinaus gern an seine Romane, die er zur Fernsehserie 'Raumpatrouille' verfasste und die danach mit weiteren Abenteuern der ORION-Besatzung fortgesetzt wurden. In den 70er Jahren gehörte er mit DRAGON, in den frühen 80er Jahren mit MYTHOR zu den ersten Schriftstellern, die im deutschsprachigen Raum die Fantasy populär machten. In den 90er Jahren wurde Hans Kneifel durch seine historischen Romane einem breiten Leserkreis bekannt. In 'Babylon - Das Siegel des Hammurabi' oder 'Hatschepsut' transportierte er historische Epochen in die heutige Zeit; mit 'Telegonos' erzählte er einen Odysseus-Roman, hinzu kamen biografische Romane über den Perserkönig Darius der Große oder den Seefahrer Francis Drake. Und immer wieder schrieb Hans Kneifel einen PERRY RHODAN-Roman. In seiner Rolle als Gastautor fühlte sich der Altmeister der Serie sichtlich wohl, und viele Fans begrüßten seine regelmäßigen Beiträge zur größten Science-Fiction-Serie der Welt. Sein Auftritt beim PERRY RHODAN-WeltCon 2011 in Mannheim wurde umjubelt, er gab stundenlang Autogramme. Hans Kneifel starb, für alle völlig unerwartet, am 7. März 2012 in München. Er wurde 75 Jahre alt.
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2.


Wieder sank die furchtbare Nacht herab. Trügerische Farben des aufflammenden Sonnenuntergangs schmolzen auf dem dorrenden Laubwerk. Ein heulender, kalter Sturmstoß rüttelte an den Baumriesen am Ufer. Schwefliggelbe Nebelschwaden bildeten sich wie Leichentücher um die fernen Berggipfel. In der Luft fauchte und knisterte es plötzlich; ein Schauer aus eigroßen Körnern milchig weiß gefrorenen Wassers drosch prasselnd über die Binsen und das ufernahe Wasser des Stromes hinweg und zerschmetterte die Nester der Wasservögel, scheuchte Schlangen und Frösche auf, vernichtete die Brut und die Schalen der letzten Eier. In Malemba herrschte die angstvolle Stille der nackten, ausweglosen Furcht.

N’seragi, der König und Häuptling, Herrscher über das Leben von zehnmal hundert Menschen in Malemba und mehr als dreimal soviel in den Bergwerken, den Lichtungen, auf den Inseln des Großen Stromes und in der Tiefe der Wälder, starrte regungslos in den Sonnenuntergang.

Sein Blick, der König hatte in zwei ganzen Monden ein Viertel seines Gewichts verloren, ging zwischen den letzten Hütten hindurch, über Uferfelsen und Sand, über das scheinbar kochende Wasser und bis hin zur furchtbaren Sonne des Abends. N’seragi, dessen Haar grau geworden war, schüttelte sich vor Angst. Aber er versuchte, diese tiefe Furcht nicht jedermann zu zeigen. Hinter sich hörte er schleppende Schritte. Er wandte sich nicht um.

»O N’seragi«, sagte mit rauer Stimme der alte, weißbärtige Zauberer, »nun ist auch O’geba gestorben.«

»Hatte er einen guten Tod?«, fragte N’seragi leise. Mit scheinbar unerschütterlicher Ruhe nahm er unbewegt zur Kenntnis, dass sein jüngster Sohn gestorben war. Es würden noch viel mehr Menschen sterben; solche, deren Tod er bedauerte, und andere, deren Sterben er ohne innere Anteilnahme mit ansehen konnte.

»Er starb im Schlaf. Sein Geist war verwirrt. Bevor der wahre Tod ihn packte, sagte er ein paar klare Worte.«

»Welche?«

Die Stimme des Königs klang, als käme sie als Echo aus einer finsteren, tiefen Höhle, in der sich die Erdschlange versteckte.

»Er hat gesagt, dass er der erste der letzten Sterbenden ist.«

Im rotglühenden Licht drehte sich der König um. Vor drei Monden war er ein riesiger, muskelstarrender Mann mit breitem Brustkasten und viel Fett unter der Haut gewesen, mit kraftstrotzenden Schenkeln. Jetzt hing die Haut in Falten von seinem Körper. Das Haar auf seinem kantigen Schädel war grau und weiß an den Schläfen wie im Nacken. Seine Schultern waren nach vorn gesackt. Seine Haltung drückte tiefste Verzweiflung aus. Er starrte in die alten, klugen Augen des Zauberers M’cobo; er kannte ihn seit der Zeit, in der sie an den Brüsten derselben Amme gesäugt worden waren.

»Der erste der letzten Sterbenden«, wiederholte der König. Er wusste seit einigen Mondrunden, dass er ein Herrscher ohne Macht, ein König ohne Land, ein Befehlender ohne Gefolgsleute war. Oder es in wenigen Tagen sein würde. »Weißt du eine Rettung?«

»Einen neuen Zauber«, sagte M’cobo. Der König spuckte aus.

»Viel halte ich von deinem Zauber, alter Freund«, fauchte er verdrossen. »Aber jeder Zauber versagt gegenüber der blutroten Wolke.«

Der Alte bohrte seinen Blick in die Augen des Königs. Sie erkannten, auf wortlose Art und Weise, dass sie am Ende waren. M’cobo hatte die schönsten Jungfrauen des Stammes, geschmückt und mit Messing behängt bis zur Unkenntlichkeit und bis zum körperlichen Zusammenbruch, geopfert und verbrannt. Die Wolke verharrte unbeweglich an ihrem Platz. Unter ihr verwandelte sich der Tag in Nacht, wurde aus Wärme eisige Kälte, verkehrte sich das Wetter in ein mörderisches Gegenteil.

»Ich glaube, du hast recht!«, brummte der Zauberer. »Nimm den Rest deines Volkes, lass sie einen Zug bilden. Befiehl ihnen, nach Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zu wandern. Bis sie ein anderes Land finden …«

»… oder alle gestorben sind.«

Wieder jagte kalter, kreiselnder Wind durch die Stadt. Er riss Staub mit und jagte die Körner gegen die Wedel der graubraunen Palmen. Mit einem knallenden Laut fiel eine Nuss zu Boden und zersprang mit hölzernem Klappern.

»Natgonflake rächt sich an uns. Wir haben ihn beleidigt. Was haben wir getan, dass er uns so grausam straft?«, fragte sich der König. Er zog das Leopardenfell um seine Schultern. Er sah, dass in der Stadt die Palmöl-Lampen angezündet wurden. Aber die Dunkelheit griff nach jedem Licht und machte es bedeutungslos. Aus den Wäldern kam das Rasseln der Lakoli, der Signaltrommeln. Schweigend hörten die Männer zu, die nach ihrer Erfahrung uralt waren, nicht aber nach Jahren.

»Was sagen sie, die Signaltrommeln?«

Die Ziegen geben keine Milch mehr. Unzählbar viele Krokodile wandern nach Süden. Sie töten alles, was sie auf ihrem Weg finden. Die Feuer der Gussöfen sind erloschen. Zehn Kanus sind gekentert. Die Flusspferde haben Männer gefressen und unter das Wasser gezogen. Helft uns. Wir hungern. Alles verdorrt. Fremde berichten, dass auch ihr Stamm im Sterben liegt.

»Gehen wir zu den Feuern zurück!«, brummte der König. Er sprach seine Gedanken nicht aus. Nur ein winziger Funke Hoffnung brannte in seinem Herzen. Er sagte sich, dass er eines Tages, an anderer Stelle, mit den Resten seines Volkes neu anfangen musste. Aber was sie zurückließen, war viel – zuviel. Es waren Bestandteile einer blühenden Stadt, die Handel mit anderen Stämmen trieb, die zu Fuß oder mit Kanus auf dem Großen Strom zu erreichen waren. Seit sein Geschlecht herrschte, waren die Hütten prächtiger und die Handwerker reicher geworden.

»Gehen wir. Ehe wir uns die Beine brechen in der Finsternis«, sagte der Zauberer. Die Männer packten einander an den Handgelenken und halfen sich über den Pfad, bis sie unter den mächtigsten Ästen des Baumes standen, der den Mittelpunkt des Platzes bildete. Überall brannten Öllampen und loderten Feuer. Aber die Menschen, die sich im Bereich der zuckenden Flammen bewegten, schlichen dahin, als wären sie Geister von Verstorbenen. N’seragi ließ sich auf einen Schemel fallen. Seine Blicke glitten hierhin, dorthin, hefteten sich auf die Fronten der Hütten und auf die träge hängenden Netze der Fischer. Niemand wagte es, sich dem Häuptling zu nähern. Hinter N’seragi stand der Zauberer in seinem Schmuck: Affenfelle, Messingringe, weißgekalkte Stiefel mit magischem Binsengeflecht, den Rasseln, Federn und dem Jaguarschädel, der seinen Kopf halb bedeckte. Der König und sein Freund wirkten wie geschnitzte, geschmückte Totemgestalten.

Wieder hämmerten Krieger auf die ausgehöhlten Baumstämme. Scharf und hell wie das Geräusch brechender Äste klangen die Antworten der Lakoli durch den verlassenen Wald.

Wir können nicht helfen. Unsere Kanus brauchen wir selbst. Wir verlassen in langen Karawanen Malemba. Unsere Messingöfen sind kalt, unsere Kinder sterben. Wir gehen nach Süden. Natgonflake straft uns grausam …

Die Nächte waren ebenso furchtbar wie die Tage. Alles hatte sich umgekehrt. Weder Tag noch Nacht verdienten ihre Namen. Über dem Land lag die Wolke; sie wuchs von Tag zu Tag. Tagsüber senkte sie sich herunter, bis sie über den Wipfeln der Urwaldriesen zu schweben schien. In den Nächten zog sie sich in den Himmel zurück; rings um ihre Ränder wurden die Himmelslöcher sichtbar, blinkende, kleine Lichter.

Stunden später ging der König hinüber zum Versammlungshaus und ergriff den schweren Schlegel. Ein donnernder Gongschlag hallte durch die Stadt. Erschrocken liefen die Menschen zusammen. N’seragi kletterte auf die Plattform und sah, dass selbst die polierten Schmuckfiguren aus Kupfer und Messing ihren Glanz eingebüßt hatten. Und er rief:

»Wir verlassen den Ort! Wir gehen nach Süden. Packt alles zusammen. Jedes Kanu wird gebraucht.«

»Unsere Vorräte sind erschöpft!«, versetzte eine alte Frau. Mehr Menschen scharten sich um die Stufen zum Versammlungshaus. Der Wind riss ab; nur das Murmeln der Menschen blieb. Der Häuptling rief:

»Auch deshalb gehen wir. Unterwegs finden wir Essen: Beeren, Früchte, Tiere und Fische.«

»Und unser Besitz? Die Sklaven?«, schrie ein anderer. Malemba, noch vor drei Monden eine reiche, blühende Stadt, war verödet. Die Ernte verdorrte am Halm, die Früchte an den Bäumen schrumpften zu nussartigen Beeren zusammen, die niemand essen konnte, und wenn er sie trotzdem kaute, vom Hunger geplagt, kehrte sich ihm der Magen um.

»Wir nehmen alles mit, was wir tragen können, bei Natgonflake!«, dröhnte N’seragi. »Alles!«

»Wohin gehen wir?«

Hinter dem König hob der Zauberer beschwörend die Arme. Der Widerschein vieler Flammen zuckte auf seinem schwarzen Gesicht und dem Zierat seiner Kleidung.

»So weit, dass dort, wo wir anhalten, wieder Sonne und Schatten sind und wir den Mond sehen, wenn seine Rinde angefressen wird. Erinnert euch, wie es vorher war!«

In einer lang zurückliegenden Nacht hatten sie zwischen den Sternenlöchern einen langen weißen Feuerschein gesehen. Dann war diese Erscheinung abgerissen; hohles Fauchen hatte sich ausgebreitet, nur einige Augenblicke lang. Am nächsten Morgen schwebte über Malemba eine kleine Wolke, die nachts nur ein paar Sterne verdeckte. Der Mittelpunkt der Wolke, die bald einen wandernden Schatten warf, war dunkelrot und undurchdringlich für die Blicke der angstvollen Schwarzhäutigen. Die Ränder faserten aus wie ein schlechtgesäumtes Stück Stoff. Die Größe der roten Wolke nahm zu.

»Wann machen wir uns auf den Weg?« Einige junge Krieger schrien und schwenkten die Speere.

»Nicht alle zugleich. Die...



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