Kneifel | Atlan 7: Söldner für Rom (Blauband) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 416 Seiten

Reihe: Atlan-Blauband

Kneifel Atlan 7: Söldner für Rom (Blauband)

Die Zeitabenteuer
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-3306-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die Zeitabenteuer

E-Book, Deutsch, Band 7, 416 Seiten

Reihe: Atlan-Blauband

ISBN: 978-3-8453-3306-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Man nennt ihn den Einsamen der Zeit: Atlan, der unsterbliche Arkonide, der später zum besten Freund Perry Rhodans wird, lenkt über Jahrtausende hinweg die Entwicklung der Menschheit. So auch in den Jahrhunderten um die Zeitenwende: Im Dschungel Mittelamerikas forscht Atlan nach einem gelandeten Raumschiff, er besucht das alte China, und in Rom arbeitet er unfreiwillig für den grausamen Kaiser Nero ...

Hans Kneifel (1936 bis 2012) war einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, die sich mit großer Sicherheit in und zwischen den unterschiedlichsten Welten bewegten: Er verfasste historische Romane, Science Fiction, Horror und Fantasy. Dank seiner ausgefeilten Charakteren und seiner Vorliebe für klarsichtige Beschreibungen hatte Kneifel geradezu einen eigenen Fan-Kreis. Geboren wurde Hans Kneifel am 11. Juli 1936 in Gleiwitz/Oberschlesien; er wuchs in München auf, wo er zuerst den Beruf eines Konditors erlernte. Darauf folgte ein Studium der Pädagogik, das er mit dem Staatsexamen abschloss. Schon als Jugendlicher verfasste er erste Romane; unter dem Titel 'Uns riefen die Sterne' publizierte der damalige Konditorgehilfe bereits 1956 sein erstes Science-Fiction-Werk. Als Berufsschullehrer verschlug es ihn nach Kitzingen; dort beschloss er, den Beruf des Lehrers an den Nagel zu hängen und stattdessen freier Schriftsteller zu werden - ein Entschluss, den der Autor in all den Jahren nie bedauerte. In der Folge schrieb er Hunderte von Heftromanen und Taschenbüchern; seit 1965 verfasste er Romane für die PERRY RHODAN-Serie. Zeitweise betrieb er sogar das Stadtmagazin 'Wir Münchner', über das er später in einem Interview sagt: '... wenigstens hatte man fast überall freien Eintritt, lernte nette (aber auch miese) Leute kennen, und ich weiß seitdem, wie man eine Zeitschrift macht.' Vorrangig schrieb er in den 60er und 70er Jahren für PERRY RHODAN und ATLAN. Farbenprächtige Charaktere wie Sandal Tolk, der Rächer, oder 'der Einsame von Terra' prägten seine Werke. Besonders berühmt machten ihn die Dutzende von 'Zeitabenteuern', in denen Kneifel die bekannte Geschichtsschreibung der Erde durch den Arkoniden Atlan und seine zahlreichen Eingriffe ergänzte. Viele Science-Fiction-Leser erinnern sich darüber hinaus gern an seine Romane, die er zur Fernsehserie 'Raumpatrouille' verfasste und die danach mit weiteren Abenteuern der ORION-Besatzung fortgesetzt wurden. In den 70er Jahren gehörte er mit DRAGON, in den frühen 80er Jahren mit MYTHOR zu den ersten Schriftstellern, die im deutschsprachigen Raum die Fantasy populär machten. In den 90er Jahren wurde Hans Kneifel durch seine historischen Romane einem breiten Leserkreis bekannt. In 'Babylon - Das Siegel des Hammurabi' oder 'Hatschepsut' transportierte er historische Epochen in die heutige Zeit; mit 'Telegonos' erzählte er einen Odysseus-Roman, hinzu kamen biografische Romane über den Perserkönig Darius der Große oder den Seefahrer Francis Drake. Und immer wieder schrieb Hans Kneifel einen PERRY RHODAN-Roman. In seiner Rolle als Gastautor fühlte sich der Altmeister der Serie sichtlich wohl, und viele Fans begrüßten seine regelmäßigen Beiträge zur größten Science-Fiction-Serie der Welt. Sein Auftritt beim PERRY RHODAN-WeltCon 2011 in Mannheim wurde umjubelt, er gab stundenlang Autogramme. Hans Kneifel starb, für alle völlig unerwartet, am 7. März 2012 in München. Er wurde 75 Jahre alt.
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Prolog


Lordadmiral Atlan, Statthalter des Neuen Einsteinschen Imperiums auf Gäa, war während der letzten Stunden der großen Computerstörungen aus dem gläsernen Überlebenssarg und der Nährflüssigkeit herausgehoben und medikamentös in einen achtundvierzigstündigen Tiefschlaf versenkt worden. Sein Körper lag, in sterile Schutzfolie gehüllt, auf dem Antigravgatter; Atlan schlief ohne SERT-Haube über seinem Kopf, ohne Schläuche für intravenöse und flüssige Nahrung, ohne Elektroden und Binden, in einem abgedunkelten Raum, in dem durch die Anzeigenfelder und die Bildschirme der Monitoren geisterhaftes Halbdunkel herrschte. Nur Atlans Atemzüge, gleichmäßig tief, waren zu hören, und das sanfte Fächeln der Klima- und Befeuchtungsanlagen. Mindestens zweiundsiebzig Stunden würde es dauern, bis der Raum der Intensiv-Überlebensstation gereinigt und neu ausgestattet war; niemand rechnete damit, dass Atlan vor Ablauf dieser Zeitspanne zu sprechen und zu berichten begann.

Rogier Chavasse beugte sich vor und drehte die weiße Asche seiner Zigarre im Aschenbecher ab, der aus einer pokalähnlichen vergossenen und versinterten Masse unbrauchbarer Mikrochips bestand.

»Abgesehen davon, Professor, dass jenes famose ES-Computerchaos nicht nur besiegt ist, dass sich ES abwartend zurückgezogen hat – wohin auch immer? –, dass Atlan offensichtlich keinen Schaden genommen hat: Wie geht es Ihrem Augenlicht?«

Cyr Aescunnar blinzelte überrascht. Er lehnte sich im monströsen Ledersessel zurück, ließ seine Blicke über die Einrichtung des großen Wohnraums gleiten und stellte fest, dass nicht der geringste Hinweis auf Chavasses Profession hindeutete: Hier schien es nicht einmal einen Bildschirm zu geben. Er hob das Glas und sagte zögernd:

»Noch hat mich Androklastes, wie die posthomerischen Griechen den ›Männerbrecher‹ nannten, nicht mit seiner Keule getroffen. Es ist keine Krankheit der Augen, sondern meiner unentzifferbaren Phobie.«

»Phobie? Angst – wovor?«

»Angst zu erblinden, Rogier.«

War es ein Zufall? Seit drittem März im Jahr 3460 war Atlan Prätendent und Statthalter des NEI, seit dem gleichen Tag des Jahres 3561 hatte Aescunnar Schwierigkeiten mit seinen Augen. Er hob die Schultern und sagte leise:

»Selbst für einen Geschichtswissenschaftler, der über Vorgänge auf dem verschwundenen Heimatplaneten zu arbeiten versucht, der für seine Universität die vorläufig gültigste Variante der ANNALEN DER MENSCHHEIT zu schreiben beziehungsweise zusammenzufügen versucht, ist die Selbstanalyse schwierig – irgendwie hat es etwas mit Kristallprinz Atlan zu tun.«

Aescunnar trug weder Brille noch Kontaktlinsen oder Feldlinienfokusse; er blickte den uralten Computerspezialisten ruhig an; erst vor Tagen hatte er erfahren, dass Chavasse nicht nur sämtliche Datennetze von Gäa, dem Fluchtplaneten in der Provcon-Faust, konzipiert, sondern auch gewaltige Sektionen des irdischen Mondgehirns NATHAN umstrukturiert und die Grundlagen einer technischen Selbst-Weiterentwicklung, eines biopositronischen Mega-Kloning, programmiert hatte. Aescunnars Bewunderung wuchs, als er sah, welche Kultur-Kostbarkeiten Chavasse in seiner Wohnung beherbergte.

»Ich verstehe manches; das verstehe ich nicht.« Chavasse goss Champagner nach und sah auf den Uhrchip, der in seinem Handrücken implantiert war. »Haben Sie Grund, zu erblinden, wenn der alte Arkonide zu intensiv erzählt? Erzeugt Ungläubigkeit oder Verwunderung einen Ophtalmoslide? Hypermetropie ist gleich Weitsichtigkeit angesichts von Jahrtausenden durch Atlan korrigierter Kulturgeschichte?«

»Wir können uns stundenlang gegenseitig mit Fachbegriffen bombardieren, Rogier, und dennoch kann ich es weder mir geschweige denn Ihnen erklären. Schlicht und einfach: Punktum; Ohne erkennbare Gründe fürchte ich bisweilen zu erblinden. Das kommt in Schüben, tritt unerwartet auf, meist dann, wenn ich dem Fortgang von Atlans Erzählungen entgegenfiebere. Und dann gibt’s Schwierigkeiten.«

Chavasses Gesicht verschwand für Augenblicke hinter Kringeln, Schleiern und Spiralen aus graublauem Zigarrenrauch. Cyr Aescunnar hatte zuvor die einzelnen leidvollen Stationen seiner optischen Probleme geschildert; jetzt deutete Chavasse mit dem glimmenden Ende der halb gerauchten Zigarre auf einen dünnen Stapel pseudostereoskopischer Blätter zwischen den Gläsern, Flaschen und Kleingeräten auf dem Tisch.

»Für Sie, Prof.«

»Für mich? Was ist das?« Aescunnar genoss das Prickeln, mit dem die Champagnerbläschen über seinen Lippen platzten. »Sieht aus wie die Kopie eines alten Buches.«

»Ist die Kopie einer alten Schwarte. Einer meiner Nachfolger hat’s irgendwo im Nachlass seiner Ureltern gefunden, kopiert und danach versteigern lassen: sensationeller Erlös. Hat mit Ihren ANNALEN zu tun. Inzwischen frage ich mich selbst: Wo, bei Kronos, dem Herrscher der Zeit nach dem Chaos, wo war Atlan nicht mitten im irdischen Geschehen?«

»Soll ich das jetzt lesen?«

»Klar. Oder leiden Sie schon wieder unter Presbyopie, der vorgezogenen klassischen Altersweitsichtigkeit?«

»Heute zufällig nicht.« Aescunnar grinste. »Sie kennen die Zeit, in der Atlan zu berichten aufgehört hat – passt es in den historischen Rahmen?«

»Es passt.« Chavasse stand auf und betrachtete traurig die fast leere Flasche. »Lesen Sie schnell – bald wird uns wieder Atlans Frust faszinieren: Doktor med. Ghoum-Ardebil, unser hochgeschätzter Kollege, wird Atlan in den Überlebenssarg senken, und dann müssen Sie wieder höllisch genau aufpassen.«

Aescunnar hob den Stapel auf. Die Kunststoffflächen waren am linken oberen Ende zusammengeheftet. Er las:

Aus: Cunnard Rezykladides: Zahlen, Zenturien, Ziele und Zeugnisse – aus der Arbeit des USO-Historischen Korps. (Sonderdruck; Powder-City, Mars/Sol, XXI. Kapitel).

Als die Historische Abteilung der USO, der United Stars Organisation, den Planeten Nicoja-Cuaualan entdeckte, wusste niemand, dass die Enthüllung eines der aufregendsten Geheimnisse der Welt Terra bevorstand. Seit mehr als einem Jahrtausend bestand unter Historikern und Wissenschaftlern große Unsicherheit darüber, wie die Legenden der frühen und späteren Kulturen Mexikos und Mittelamerikas mit den Fundstücken und der Evolution der Menschheit zu vereinbaren waren. Als die Luftaufnahmen und die Bilder der Spionsonden ausgewertet waren und sich aus dem schwarzgrünen Dunkel des Urwaldes die große Stufenpyramide hervorschob, wurde der Chef der USO verständigt. Auch er war zunächst nicht in der Lage, die gesamte Tragweite dieses Fundes zu erfassen.

Nicoja-Cuaualan ist ein etwa erdgroßer Sauerstoff-Stickstoffplanet, 1,102 AE von seiner Sonne Miraflores entfernt: V in km/sec beträgt 32,78. U/sid = 402,09 Tage. Miraflores ist fast identisch mit Sol des irdischen Systems, das M.-System ist auf der Horizontalachse (von der aus die Winkelgrade in der Galaxis gemessen werden) – also 180 Grad – genau 5000 Lichtjahre von Sol entfernt, fast am Rand der Milchstraße. Diese Feststellung sollte in der darauffolgenden Zeit eine bestimmte Bedeutung erlangen.

Ein nicht offizieller (private monakustische Aufzeichnung, genauer: deren Niederschrift) Bericht von Marrvlo d’Roum-Vinqle: der Sprecher ist Atlan:

Wir konnten es im Licht, das der jähen Abenddämmerung vorausging, scharf genug beobachten: Ein Tier schwamm geräuschlos durch die Bucht, eine Kreatur aus Fisch und Reptil, dessen Kopf dicht unter der Oberfläche des reglosen Wassers dahintrieb; nur die großen Augen befanden sich über den schäumenden Wirbeln. Hornige Lider senkten sich bisweilen über die Augen, deren Pupillen sich stechend scharf auf die weiße Antilope am Rand des Baches richteten, der in die Bucht mündete; das kleine Tier trat zögernd aus dem dunkelgrünen Waldrand ins Abendlicht, dicht neben den hellen Steinstufen.

Die Antilope stand einen Augenblick still und schaute zum weißen Boot, dann beugte sie sich in einer zarten Bewegung nieder, um zu trinken. Als sie den Kopf neigte, schoss ein dunkelbraunes Dreieck senkrecht aus dem Wasser. Krachend klappten die Kinnbacken und packten das trinkende Tier – alles geschah in weniger als einer Sekunde. Knochen brachen, und wild um sich schlagend verschwand die Gazelle im Wasser.

Die Ringe auf der Oberfläche der Bucht vergingen langsam. Plötzlich zeigten sich pfeilspitzenförmige Spuren, die von allen Seiten auf die Stelle zurasten, an der sich im kristallklaren Wasser das Blut ausbreitete. Das Wasser schäumte; die gewundenen Flächen der giftgelben Wasserhyazinthen schaukelten lange. Wichita sagte leise:

»Das scheint ein Zeichen dafür zu sein, was uns erwartet. Du denkst noch immer im Ernst an eine Verbindung zwischen den beiden Planeten?«

Ich schnippte mit dem Zeigefinger eine gelbe Spinne von der Heckreling des Bootes; sah mein Bild im Wasser: Der Mann mit dem weißen, schulterlangen Haar lächelte grimmig.

»Ja. Natürlich denke ich dies. Aber die Verbindung ist abgerissen. Schon lange.«

Vor einer Stunde waren wir angekommen. Undurchdringlich verfilzter und nasser Urwald erstreckte sich zwischen der Küste und dem Hochland. Das Raumschiff war fünfzig Kilometer weiter nördlich gelandet und hatte uns ausgeschleust. Während die Besatzung versuchte, eine Gleiterpiste durch den Dschungel zu roden, waren Wichita und ich mit einem Boot vorausgefahren. Wir hatten eine andere Welt betreten; eine menschenleere, archaische Welt voller Wald und Dunkelheit, voll von Tierlauten und Schreien, eine Zone, in der jegliches menschliche Leben...



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