Kneifel | ATLAN X: Die Rätsel von Assur | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

Reihe: ATLAN X

Kneifel ATLAN X: Die Rätsel von Assur

Ein ATLAN-X-Abenteuer
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-8453-4751-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein ATLAN-X-Abenteuer

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

Reihe: ATLAN X

ISBN: 978-3-8453-4751-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Jahr 1840 vor Beginn der christlichen Zeitrechnung: Seit dem Untergang von Atlantis ist der Arkonide Atlan auf der Erde gestrandet, seit Jahrtausenden versucht er, die Menschheit zu fördern. Eine der Kulturen, in die er seine Hoffnung setzt, entsteht im Zweistromland - es ist das mächtige Assur. Doch das Reich, das sich zwischen Euphrat und Tigris zu einer Großmacht entwickelt, wird nicht nur von Feinden bedrängt, die ihre Gebiete in der Nachbarschaft aufbauen. Plündernde Weltraumnomaden landen auf der Erde - eine Gefahr, die Atlan und seine Gefährten erst einige Jahre zuvor besiegt hatten. Gleichzeitig weitet Shinkashid, ein neuer Herrscher, seinen Einfluss im Zweistromland aus. Atlan will herausfinden, auf wessen Seite der junge Fürst steht und was seine Pläne sind ...

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2.
Neue Befehle, Vorbereitungen und Aufbruch


Noch war ich nicht im Vollbesitz meiner Kräfte. Mein Verstand und mein Körper arbeiteten mit der Langsamkeit – und scheinbar auch den Geräuschen – eines großen Schöpfrades. Mit Rico diskutierte ich seinen Aufenthalt im Land am Hapi, wo er beim Bau des Totenmals von Chnum-Chufu mit technischen Ratschlägen und den Ergebnissen angewandter Mathematik geholfen und die große Rolle aus Shafadu-Papyrus mit dem Beweis seiner Taten mitgenommen, in Kunststoff versiegelt und in einer seiner Werkstätten aufgehängt hatte.

Der Logiksektor kommentierte kurz: Unfassbar! Rico lehrt die Rômet, wie einzigartige Großbaustellen einzurichten sind!

Ich grinste, zuckte mit den Schultern und widmete mich wieder dem intensiven Betrachten der Schiffe auf dem Buranun, die auf dem Weg nach Nippur und Babili waren. Neun Monde lang hatten wir uns hauptsächlich in diesem Teil der Welt aufgehalten; hier lebte auch – hoffte ich – der »Händler des Überflüssigen« Mikaylu, auch er acht Jahre älter und wahrscheinlich reicher als der König von Assur.

Als ich mich im winzigen Garten, im Schatten von Palmwedeln, in einem Sessel aus Schilfgeflecht niederließ und in die Projektion der Wüstendünen hinaussah, mit Blicken den scharfgeschwungenen Graten der Sandberge folgte, hörte ich Stimmen und leises Gelächter.

Ich wartete geduldig, mit einem Maximum an Passivität, die mich erheblich verärgerte. Was plante ES? Sollte ich wieder gegen seine Geschöpfe kämpfen? Waren fremde Raumfahrer auf dem Planeten gelandet? War endlich eine Arkonflotte im Anflug, um mich abzuholen? Wo hielt sich Ne-Tefnacht auf? Welches Schicksal hatte ES ihr zugewiesen?

Eine innere Stimme, die ebenso schwach war wie ich, flüsterte in meinen Gedanken: Warte es ab, Arkonide! Bisher hat sich ES stets überzeugend artikuliert. Noch bist du nicht kräftig genug …

Mein Verstand arbeitete offensichtlich immerhin ohne merkbare Aussetzer; der Extrasinn hatte mich gewarnt. Ich drehte den Kopf und sah Rico näherkommen, ein Tablett in den Händen. Er und seine beiden Begleiter trugen Sandalen mit Sohlen aus geflochtenem Stroh; unter ihren Schritten knirschte der Sand. Ricos Aussehen entsprach in diesen Tagen einem hochgewachsenen, kräftigen Rômet, der einen weißen Schurz und einen halbmondförmigen Brustschmuck trug und breite Goldreifen an den Oberarmen.

Auf den ersten Blick erkannte ich meine Freunde und Gefährten Sokar und Zakanza, auch sie ehemals Bewohner des Hapitals. Noch immer wusste ich nicht, ob sie Androiden, Klone oder nur mutige, kämpferische Menschen waren.

»Einen großen Becher Bier vertragt ihr schon«, sagte Rico und blieb vor mir stehen. »Feinstes Henket, aus der letzten Produktion.«

»Feinste Antworten auf eine Menge Fragen wären mir lieber«, antwortete ich und breitete die Arme aus. Weder die Gefährten noch ich hatten die Kraft zu einer stürmischen Begrüßung. Wir grinsten erleichtert, musterten einander und versuchten die Umstände und die Zeitspanne seit unserem letzten Zusammensein gedanklich zu verarbeiten, hoben die Becher und nahmen tiefe Schlucke.

»Von Riancor-Rechme haben wir erfahren, dass auch du nicht weißt, was vor uns liegt«, sagte Zakanza. Seine dunkle Haut glänzte im Licht der Kunstsonne. Der hochgewachsene, muskulöse einstige Bote aus Wawat, dem Land Nub, Gefährte meines Tiefschlafs, begleitete meine Wege seit langer Zeit und war längst seiner Zivilisation entwachsen. Als ausdauernder, listiger Kämpfer war er unersetzlich, ebenso wie Ptah-Sokar. Der schakalköpfige Gott Upuaut lieh ihm seinen Beinamen.

Mit dunkler Stimme fuhr er fort: »Fühlst du dich wohl, Atlan?«

»In fünfzehn Tagen geht’s mir besser«, antwortete ich und spürte dem Geschmack des Bieres nach. Ptah-Sokar trank wie ein Verdurstender. »Eine Ahnung sagt mir, dass wir es in der nächsten Zeit nicht leicht haben werden.«

»Reiten wir deiner Geliebten hinterher? Wie nach dem Kampf gegen den Goldenen Mond?« Ptah setzte sich ins Gras und lehnte sich gegen den Palmenstamm. Ich zuckte mit den Schultern und brummte:

»Nichts ist auszuschließen. Ich vermisse Ne-Tefnacht.«

Ptah-Sokar, der nahezu unfehlbare Bogenschütze – ich schien ihn seit einer kleinen Ewigkeit zu kennen. Höchstwahrscheinlich hatte ES auch in diesem Fall meine Erinnerungen getrübt oder gelöscht. Der sehnige Rômet, der seine Erfahrungen in zahllosen Abenteuern nicht nur im Land am Hapi gesammelt hatte, beherrschte meisterhaft selbst die von Rico getarnten Energiewaffen; woher seine verblüffenden Sprachkenntnisse stammten, wusste nicht einmal mein treuer Robot. Beiden Männern vertraute ich uneingeschränkt, und ich war froh gewesen, als sie neben mir einschliefen.

Noch aber hatten wir aber unsere gewohnte Kraft und Entschlossenheit längst nicht wieder erreicht. Während der Stunden, die wir in Ultravibratoren verbrachten und in anderen Kraftmaschinen und Überlebensgeräten, hatten wir genug Zeit zum Nachdenken und Grübeln, für Gespräche über Vergangenes, über die Seltsamkeiten der Welt und über die frischen Erinnerungen an die Hetzjagd über albtraumhafte Landschaften und den verzweifelten Kampf gegen die Monde der Ter-Quaden.

Ich nahm einen zweiten Schluck und wandte mich an Rico.

»Du bereitest unsere Ausrüstung vor und stellst sie zusammen. Von mir hast du keine Befehle erhalten – also kamen die Spezifikationen von ES?«

»Es ist nichts anderes möglich«, antwortete der Robot. »Ich gehe zum Teil nach meinen eigenen Überlegungen und Erfahrungen vor. Wenn mir ES etwas befiehlt, gehorche ich, das mag sein, aber ich merke nichts davon.«

Ich blickte in die Gesichter Zakanzas und Sokars, das scharf gezeichnete, tiefbraune Antlitz des Nehesi und das rundliche des Rômet, die einen langen Blick tauschten. In manchen zurückliegenden Stunden hatte ich versucht, einzelne Erlebnisse aus meinen Erinnerungen hervorzukramen und mir zu vergegenwärtigen. Einige Teile mancher Abenteuer schien ich bereits völlig vergessen zu haben; ich glaubte, dass meine Erinnerungen manipuliert wurden. Von wem, denn ich litt nicht an Vergesslichkeit? Ich vergaß niemals etwas, dank meines unfehlbaren Gedächtnisses; manche Erlebnisse verdrängte ich lediglich. Es kam also nur ES in Frage. Mein Argwohn war schon vor Tagen geweckt worden, und er wurde nicht geringer. Noch war meine Furcht, mein Verstand habe gelitten, nur ein winziger Keim in meinen Gedanken.

»ES löscht unsere Erinnerungen«, sagte ich mürrisch. »Nur nicht die an die Kämpfe gegen die Monde der Ter-Quaden.«

Rico hob die Hände und machte eine typische rômetische Geste. »ES tilgt auch Speicherdaten der Zentralen Positronik. Ich habe gewartet, bis ich mit dir darüber rede. Du bist dafür noch nicht kräftig genug, Gebie… Atlan.«

»Einverstanden.«

Zakanza gähnte, seine Zähne strahlten förmlich.

Die Zweifel und das Unbehagen tief in meinem Inneren waren mit jedem Tag gewachsen. Bisher hatten mich während der Reanimationsphase stets Spannung und Vorfreude erfüllt, mehr oder weniger. In diesen Tagen schienen sich die Seltsamkeiten zu häufen. Aber wahrscheinlich fehlten mir und meinen Gefährten noch eine Handvoll Tage und eine Menge kräftigender Maßnahmen, bis wir erkennen konnten, was uns erwartete.

Was ES von euch erwartet!, schränkte der Extrasinn ein.

Ich leerte den Becher und ließ mich von Zakanzas Gähnen anstecken.

»Vielleicht erfahren wir im Schlaf, wozu uns der Fürst der Sterne braucht«, sagte ich und stemmte mich in die Höhe. »Ihr seid ebenso müde wie ich, Freunde. Ich wünsche wohlige Träume.«

Ich winkte ihnen matt zu und tappte zurück in die Kühle des Hauses. Wäre ES eine Person, ein galaktisches Wesen gewesen, dachte ich, würde er wohl ratlos an seiner Macht – und an Langeweile? – leiden. Aber so leicht war sein Handeln nicht zu erklären. Kurz darauf streckte ich mich aus und schlief ohne die Hilfe irgendwelcher Gerätschaften ein.

Mich riss etwas mit äußerster Gewalt aus dem Schlaf. Ich erkannte das dröhnende Gelächter, das meinen Körper erschütterte: ES! Das unbegreifliche Wesen redete mit mir, und jedes Wort, das in meinem Schädel hallte, war von einer bisher unbekannten Bedeutung. Ich erstarrte, und selbst der Logiksektor schwieg.

ES polterte mit einer Stimme, die kosmische Echos erzeugen konnte:

Ich bin mit dir unzufrieden, Arkonide Atlan. Ich bin mit deiner Leistung unzufrieden. Wenn vor acht Jahren nicht der fremde Kämpfer, jener Tervor Aretosa, eingegriffen und den Goldenen Mond vertrieben hätte, wäre der dritte Planet von Larsafs Stern ernsthaft gefährdet gewesen. Du trägst mein Geschenk des potenziell ewigen Lebens, du bist der selbstgewählte Paladin der Menschheit.

Ich richtete mich langsam auf und holte tief Luft. Nun begann ich zu ahnen, warum wir geweckt worden waren, aber nicht, warum und wohin Ne-Tefnacht verschwunden war. Wieder verstörte mich das Gelächter dieser unfassbaren Wesenheit.

Ich habe mich auf dich verlassen, und ich muss mich weiterhin völlig auf dich verlassen können. Deshalb werde ich dich auf eine einzigartige Mission schicken. Sie wird eine Prüfung sein für deinen Kampfwert, deine Loyalität und deine moralische Festigkeit. Nur aus diesen Gründen bist du geweckt worden.

»Das kann nicht dein Ernst sein, ES«, sagte ich laut und versuchte, meiner Stimme Festigkeit zu verleihen.

ES ließ sich nicht beeindrucken.

Deine Mission beginnt mit einem Rätsel. Ein Haus, nicht von deinen Barbaren erbaut. Ein furchtbarer Gegner kehrt...



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