Kneifel | Die Saat der Ewigkeit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 226 Seiten

Reihe: HOPF Autorenkollektion

Kneifel Die Saat der Ewigkeit


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-86305-376-5
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 6, 226 Seiten

Reihe: HOPF Autorenkollektion

ISBN: 978-3-86305-376-5
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei Romane in einem Band. Die Saat der Ewigkeit Frederick Carrad, Leiter von Terra Historischer Forschung, bekommt mittelalterliche Dokumente zugespielt, die schier Unglaubliches enthüllen: die Menschheit ist nicht auf der Erde entstanden, sondern wurde wie drei andere Völker auf anderen Planeten von einer fremden Spezies vor Jahrtausenden angesiedelt, um für ihre Erschaffer in einem galaxisweiten Krieg zu kämpfen. Carrad leitet ein Team, das im Auftrag der Menschheit nach diesen drei Völkern sucht. Zusammen wollen sie ihre Erschaffer zur Rede stellen und erfahren, wer ihr unbekannter Gegner ist. Dieser Roman erschien 1965 als Terra 392. - Der schwarze Planet Arley Venini ist erfolgreicher Werbefachmann - und Abenteurer mit einem Durst nach neuen Herausforderungen. Durch seine einnehmende Art gelingt es ihm, einem seiner Kunden eine schnelle Raumjacht abzukaufen, um mit ihr eine Reise zu den Sternen zu unternehmen. Begleitet wird er von Dorceen - einer Androidin. Die vollkommene Partnerin und Assistentin, stets an seiner Seite. Sein Ausflug zu den Sternen führt ihn direkt zum schwarzen Planeten, einem künstlichen Himmelskörper, der als Transmitterstation eines galaxisumspannenden Netzwerks dient - und konfrontiert ihn mit dem Überlebenskampf des einzigen Besatzungsmitglieds, das in einer unheilvollen Symbiose lebt ... Dieser Roman erschien 1966 als Terra 469.

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1.


Finger tasteten suchend über die Tischplatte. Obwohl es noch nicht Abend war, herrschte Dunkelheit in dem stillen Raum. Die Hand hatte das Kästchen erreicht, klappte den Deckel auf und nahm eine Zigarette heraus. Der Lichtkreis der Feuerzeugflamme beleuchtete einen Ausschnitt oberhalb des Schreibtisches: die Handflächen, die sich schützend um die Flamme gelegt hatten, den Stapel Computerausdrucke auf der Tischplatte und das bronzene Gesicht des Mannes. Ein tiefer Atemzug war zu hören.

Für den Bruchteil einer Sekunde schien draußen das Firmament zerreißen zu wollen. Lautlos spaltete ein Blitz die Dunkelheit der Gewitterwolken; kurz darauf krachte der Donner und erstarb grollend als Echo zwischen Strand und Bergen.

Frederick Carrad zog den Rauch tief in die Lungen und sah aus dem Fenster, das stützenlos um die Wände des Raumes lief. Wieder blitzte es, und ganz kurz schälten sich die vertrauten Bilder aus der Finsternis. Der geschwungene Strand von Saburi Beach, die Wellen des aufgewühlten Meeres und die sturmzerzausten Palmen. Frederick lächelte spöttisch. Noch hatte der Mensch nicht die Kontrolle über die Natur und deren Willkür übernommen, noch stürmte und gewitterte es.

Vor zwanzig Minuten war der Besucher gegangen. Pieter Don Vessac, Carrads ältester und bester Freund, Raketenpilot und Raumschiffer, Flugzeugkonstrukteur … Er hatte sich in rund einem Dutzend verschiedener Berufe versucht. Jetzt flog er die Kuriermaschine von Terra Historischer Forschung. Was hatte er gesagt?

»Das ist nun alles, was du in einundvierzig Jahren deines Lebens erreicht hast, Frederick Carrad. Leiter von Terra Historischer Forschung und Besitzer eines Sportgleiters mit Kunststoffkarosserie. Ist das wirklich alles?«

Und Carrad hatte antworten müssen: »Das ist alles, Pieter. Ich bin offensichtlich nicht dazu geboren worden, ein unruhiges Leben zu führen. Träume ? ja. Aber keine Taten. Ich fülle ruhig meinen Posten aus und versuche, zusammen mit SIGMACOM, die Geschichte Terras zu entschleiern und Ergebnisse zu ordnen.«

Don Vessac saß da, die Beine bequem übereinandergeschlagen, eine Zigarette in den Fingern, balancierte ein Whiskyglas auf dem Knie und grinste. Er sah verwegen aus in seiner weißen Kleidung aus synthetischem Leder, den Stiefeln und dem flachen Strahler am Gürtel. Er grinste ausgesprochen impertinent.

»Dein hässliches Grinsen geht mir auf die Nerven, Pieter«, sagte Carrad. »Wenn du schon deinen Whisky nicht ohne Kommentar trinken kannst, versuche wenigstens konstruktive Kritik.«

Pieter Vessac lachte. »Das, mein Freund, wird sich als nicht nötig herausgestellt haben, sobald du dies hier durchgearbeitet hast. Ich bin deswegen vor fünf Minuten auf eurem Miniaturraumhafen gelandet. Ich komme aus Europa, der Wiege der Kultur und manch anderer Dinge.«

Fredericks Gesicht blieb unbewegt wie immer.

»Deine bodenlose Überheblichkeit wird nur noch von der Gabe übertroffen, in Rätseln zu sprechen. Worum geht es hier?«

»Lies selbst«, sagte Vessac. »Ich habe den leisen Verdacht, dass du die längste Zeit einen ruhigen Posten in Saburi Beach innegehabt hast.« Er trank sein Glas leer und schnippte elegant die Zigarettenasche in den Becher.

»Entweder du redest jetzt vernünftig oder zu fliegst raus«, sagte Frederick.

Pieter wurde ernst und beugte sich vor. »Das, was ich dir in groben Umrissen erzähle«, sagte Pieter Don Vessac akzentuiert, »ist geheim. Es ist so geheim, dass meine Kurierrakete von zwei Robot-Jägern begleitet wurde, vom Start bis zur Landung. Sie hatten den Befehl, jede Maschine, die sich bis auf einen halben Kilometer nähert, anzugreifen. Ist das genug?«

Frederick blickte interessiert auf. »Du findest augenblicklich keinen aufmerksameren Zuhörer«, sagte er. »Bitte weiter.«

»Wenn das auf deinem Schreibtisch den Vermutungen entspricht, die man allerorts hegt, dann leitet es nichts weniger als eine neue Phase der menschlichen Entwicklung ein.«

»Der menschlichen Entwicklung?«, fragte Frederick. Er verlor etwas von seiner Selbstbeherrschung.

»Ja.«

Beide Männer schwiegen etwa eine Minute, dann sprach Vessac weiter.

»Die Menschheit wird erfahren, dass sie weder durch einen göttlichen Schöpfungsakt noch durch gewisse Gesetzmäßigkeiten der Natur entstanden ist.«

»Sondern?«, fragte Frederick gedehnt.

»Durch Aussaat!«, sagte Pieter Don Vessac hart.

Die Möglichkeit, dass diese These richtig sein könnte, warf ein sechstausend Jahre altes Weltbild um, das durch zahllose Fakten bewiesen zu sein schien.

»Die Vorgeschichte!«, verlangte Frederick zu wissen.

Bedächtig drückte Vessac seine Zigarette aus und blickte aus dem Fenster. Der Himmel wurde immer dunkler.

»Als ich heute Nachmittag startete, um hierherzufliegen, hatte dies ziemlich symbolische Bedeutung. Einer unserer Agenten war anwesend, als man in Europa ein verschollen geglaubtes Klosterarchiv öffnete.«

»Du sagtest: Klosterarchiv?«, fragte Frederick.

»Richtig gehört. Eine Riesensammlung alter Folianten in lateinischer Sprache. Teilweise werden die Blätter, wenn du erst einmal die Originale hier hast, durch Spezialverfahren leserlich gemacht werden müssen. Teilweise wirst du sie noch entziffern können. Ich habe alles kopiert und hierhergeflogen. Alles liegt vor dir auf dem Schreibtisch.«

Pieters Zeigefinger wies auf den Haufen von Kopien, die vor Frederick lagen; ein Stoß von rund fünfzehn Zentimetern Höhe.

»Es sind eine Menge Abrechnungen über die wirtschaftliche Leitung des Klosters, einige liturgische Werke, abgeschriebene und kommentierte Klassiker und die Klosterchronik. Die Chronik selbst ist am besten erhalten. Du wirst es gleich selbst sehen«, fuhr Don Vessac fort. »Wir kopierten jedes Blatt. Es wird für euch Historiker und für SIGMACOM eine helle Freude sein, in den Aufzeichnungen zu lesen. Die damaligen Schreiber arbeiteten mit geradezu wissenschaftlicher Akribie.«

Ruhig beobachtete Frederick Carrad die Veränderung, die mit Pieter vor sich ging. Die Freunde kannten sich seit fünfzehn Jahren. Jedes Mal staunte Frederick wieder, wie sehr sich Pieter für eine Sache einsetzen konnte. Aus dem eleganten, lässigen Piloten wurde ein Fanatiker der Sache, der mit knappen Gesten seine Ausführungen unterstrich und jede Ironie fallen gelassen hatte.

»In der Chronik stand zu lesen, dass ein ketzerischer Mitbruder von einem plötzlichen Kugelblitz erschlagen worden ist. Einer der Mönche, der mit wissenschaftlicher Arbeit beschäftigt war, wurde mitten im Refektorium getötet.«

»Das ist alles noch ziemlich dunkel«, sagte Frederick, und kein Muskel rührte sich in seinem Gesicht. »Vermutlich wird meine Geschichtsabteilung Arbeit bekommen.«

»Kaum«, sagte Pieter knapp, »das wirst du ganz allein bearbeiten, zusammen mit SIGMACOM ? und einem Kode, den außer dir niemand kennt. Wir sind einer Sache auf der Spur, die wie eine Bombe einschlagen würde. Nichts darf aus diesen Mauern herausgetragen werden.«

»Gut«, sagte Frederick. »Ich werde sehen.«

»Zunächst werdet ihr die Übersetzung aus dem Kirchenlatein machen müssen«, sagte Pieter weiter. Er sprach jetzt schneller, eindringlicher. »Dieser Klosterschreiber war seiner Zeit um viertausend Jahre voraus. Er und seine Ideen hätten heute leben können. Er stellte eine Theorie auf, die alles in den Schatten stellt, was du oder ich je über Schöpfungsgeschichte gehört haben.«

Frederick schob das Kästchen mit den Zigaretten über den Tisch und Pieter bediente sich.

»Dieser Mönch wäre mit Schimpf aus der Bruderschaft verstoßen worden, wenn das, was er schrieb, vor seinem gewaltsamen Tod bekannt geworden wäre. Der Abt hätte ihn exkommuniziert und verdammt. Der Chronist aber hat gewissenhaft berichtet, welche Gedanken schriftlich niedergelegt wurden. Hier folgt ein Auszug aus der ketzerischen Schrift. Darin erklärte der bewusste Bruder Folgendes: Er habe erfahren, dass die Rasse der Menschen nicht göttlichen Ursprungs sei. Ein anderes Volk sei in großen Booten auf der Erde gelandet und habe die Menschheit ausgesät. Der einzige Zweck war aber, Sklaven zu züchten.«

»Bis jetzt sind die Gedanken nicht neu«, warf Frederick ein.

»Nein«, erwiderte Pieter Don Vessac, »aber nun kommt das Wesentliche. Die andere Rasse sei viel älter als alles, was man sich vorstellen könne, schrieb der getötete Mönch. Sie sei nicht nur auf der Erde gelandet, sondern auch auf drei anderen Welten. Der Mönch wusste sogar, welche Sternbilder dafür infrage kämen. Er zeichnete einige Konstellationen auf, und der Chronist zeichnete sie exakt ab, wie er ausdrücklich selbst dazu bemerkte.«

»Das klingt allerdings unglaublich«, meinte Frederick nachdenklich. »Und das alles stammt aus dem europäischen Mittelalter?«

»Die letzte Jahreszahl ist mit Anno Domini elfhunderteinundfünfzig angegeben.«

»Also das Jahr«, warf Frederick ein, »in dem Hildegard von Bingen Liber Scivias schrieb!«

»Was ist das?«

»Eine Mischung aus apokalyptischen Visionen, Bußpredigten und prophetischen Geschichten«, führte Frederick aus. »Seltsam!«

Schweigend nickte Pieter. »Der Chronist fährt fort«, sagte er. »Nachdem sein Bruder die Plätze genannt hatte, nannte er auch drei Namen ? diejenigen der anderen Welten: Kelaher, Dodoyna, Norcai. Die vier Planetenvölker sollten aufwachsen, sich gegen Umwelt und Naturgewalten durchsetzen und sich eines Tages treffen. Das sei die Zeit der Reife und der Ernte. Dann werden sie entdecken, dass ein Gebiet der ›himmlischen Sphären‹ von Fremden besetzt ist. Diese Fremden sollen vertrieben werden, wie es der...



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