Kneifel | Mythor 169: Masken des flammenden Todes | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 169, 64 Seiten

Reihe: Mythor

Kneifel Mythor 169: Masken des flammenden Todes


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9921-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 169, 64 Seiten

Reihe: Mythor

ISBN: 978-3-8453-9921-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Als Mythor in der durch ALLUMEDDON veränderten Welt zu sich kommt, ist er sich seines Auftrags nicht bewusst, denn man hat ihn seiner Erinnerungen beraubt. Erst bei der Begegnung in der Drachengruft wird Mythor dieses klar, und schließlich sorgt das Duell mit Mythors anderem Ich dafür, dass unser Held in seiner Ganzheit wieder ersteht. Damit beginnt Mythor in bekannter Manier zu handeln. Inseln des Lichts zu gründen und die Welt vor einer erneuten Invasion durch die Horden Xatans zu schützen, ist sein erklärtes Ziel. Und sein kluges Vorgehen führt denn auch zu einem Zusammenschluss der Clans des Drachenlands und zu einem Sieg über die Invasionsstreitkräfte Xatans. Kurz darauf macht sich Mythor auf die Suche nach Coerl O'Marn, dem alten Freund und Mitkämpfer. Er folgt dabei der Spur der Albträume und wird schließlich ein Opfer des Traumparasiten. Amazonen von Vanga, die Gorgan erkunden, retten unseren Helden und geben ihm Gelegenheit, das Land Ameristan zu erreichen, wo auch Stätten des Lichts existieren. Mythor entdeckt Cao-Lulum als einen solchen Ort, eine kleine helle Insel, umgeben von einem Ozean der Finsternis. Diese Finsternis, sie manifestiert sich auch in den MASKEN DES FLAMMENDEN TODES ...

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1.


Die Herberge im Blutsee

Aus der Finsternis schälten sich die Umrisse eines Bauwerks hervor, das mehr einem Trümmerhaufen riesiger Felsen glich als einer Wohnstätte. Trübes Licht drang aus wenigen Öffnungen und wurde von dem wallenden Nebel geschluckt, der aus dem dunklen Wasser aufstieg. Teile der Anlage spiegelten sich im ringförmigen See. Aber war es wirklich ein See? Die Hänge und Abstürze der weit vorspringenden Halbinsel waren bedeckt von mannshohen Gewächsen, die ihre leuchtenden Äste in das blutrot schimmernde Wasser tauchten. Weiße Blüten und ebensolche Früchte schaukelten an den Zweigen. Die Blätter rauschten und raschelten, obwohl kein Luftzug zu spüren war.

Zwischen Mauern und Arkaden aus hellerem Gestein erhoben sich an einem halben Dutzend Stellen dünne, graue Rauchsäulen. Sie strebten dem düsteren Himmel des Landes Zoon entgegen. Unwegsames, verwüstetes Land umgab die große Senke und die Halbinsel, worauf sich diese seltsame Handvoll von Quadern erhob.

An dieser Stelle wurde es jedem, der die Schrecknisse der Zoon-Welt noch nicht zur Genüge kannte, offenbar: eine gewaltige Insel aus furchtbarer Dunkelheit, ähnlich der versunkenen Schattenzone, so bot sich das Zoon-Land den wenigen Besuchern und den unglücklichen Bewohnern dar.

Das Land ringsum und die Halbinsel waren durch eine Brücke miteinander verbunden. Sie war vor Urzeiten an der schmalsten Stelle der steinernen Knochen riesiger, urzeitlicher Tiere zusammengesetzt. Und an den Stellen, an denen die gewaltigen Beinstücke oder Rippenbögen ins Wasser eintauchten, zeichneten sich schwarzrote Streifen ab, die aussahen, als wären sie geronnenes Blut.

Die Brücke, drei Schritt breit und einen guten Bogenschuss lang, trug an ihrer Oberfläche glatte Steinplatten. Ihr eines Ende verschwand unter den kantigen Querverstrebungen eines Tores, das andere zwischen den kargen Bäumen hoch über dem Hang des Blutsees. Schüttere Weiden, fleckige Wälder und dürre Äcker mit krummen Furchen und gebeugten Gewächsen kennzeichneten das karge Land, durch das sich nur wenige Pfade und Wege wanden. Einzelne Häuser und Gehöfte standen in großen Abständen verteilt. Über das karge Land wehte jetzt, gegen Mittag, der erste Windstoß dahin und vertrieb einen Teil der Nebel. Es roch nach Salzwasser und faulendem Tang; der Wind kam aus dem Osten.

Dennoch bewegten sich Gestalten durch das einsame Land.

Vor Stunden hatte fern am dunklen Horizont eine Feuerader grell aufgelodert. Die Flammen hatten sich in rasender Geschwindigkeit nach Westen gefressen, Helligkeit und eine schwarze Rauchwolke erzeugt und schattenhaft einige Gestalten erkennen lassen.

Ovalappa, der Herbergsvater, lehnte mit seinen dicken Unterarmen auf dem glattgescheuerten Sims. Seine kleinen, stechenden Augen unter den buschigen Brauen suchten die Umgebung ab.

»Nichts und niemand«, knurrte er und fügte einen Fluch hinzu. »Aber wer hat die Feuerader angezündet? Zoon-Krieger etwa? Und warum?«

Seine Herberge war weder groß noch bedeutend. Aber sie stellte ein Bollwerk der Ruhe dar. Außerhalb mochten versprengte Krieger ihr Unwesen treiben, aber auf der Brücke und hinter den Mauern und Palisaden sorgte er mit seinen Knechten und Mägden dafür, dass sich die Gäste in Sicherheit fühlen konnten.

Nur einen einzigen Gast hatte er jetzt, einen armen Händler, der in der Gaststube neben der Glut schlief.

Ovalappa fröstelte und zog den Fellmantel dichter um seine breiten Schultern. Er blickte nach unten und sah, dass der Wind die Oberfläche des Wassers furchte. Menschen, die dieses Wasser tranken, starben elend unter Krämpfen. Trotzdem wuchsen Pflanzen am Rand der ringförmigen Seefläche, und es gab sogar bestimmte Tiere darinnen, die in den Nächten ächzten, gurgelten und schnatterten.

Der Herbergsvater zuckte die Schultern und wartete weiter.

Über seinem Zimmer befand sich ein Ausguck. Er war durch eine halbhohe Mauer geschützt. Von diesem Punkt aus hatte man einen ausgezeichneten Blick bis fast hinüber zur Bucht der Messerklippen und weit in die Hügel hinein. Immer wieder glitten die Augen des Mannes über die Straßen und suchten nach einer Staubwolke, nach dem Aufblitzen von Metall oder den Gestalten von möglichen Gästen, die auf ihrem beschwerlichen Weg hier einkehren wollten. Seinen Gasthof zeichnete überdies eine Seltsamkeit aus, die weithin bekannt war: es war immer warm. Dies hatte seinen guten Grund.

»Aber es bringt mir keinen einzigen Gast!«, nörgelte er. Gerade, als er wieder in die Wärme seines Zimmers herunterklettern wollte, sah er die Karawane zwischen den Hügeln auftauchen.

»Also doch! Ein glücklicher Tag!«, rief er. »Mehr als ein Dutzend!«

Er starrte auf das vielversprechende Bild, bis der salzige Wind seine Augen tränen ließ. Er wischte sich das Wasser aus den bärtigen Wangen und fing noch einmal zu zählen an. Es waren mindestens zwei Dutzend Lamor-Reiter!

Plötzlich fröstelte er nicht mehr.

Er wartete, bis er sicher sein konnte, dass sie die richtige Straße benutzten. Dort befand sich, in Stein gehauen, die Beschreibung seines Herbergshofes. Immer deutlicher wurde das Bild. Sie kamen! Sie näherten sich, vorbei an den drei Bauerngehöften, der Weggabelung.

Geduldig wartete der Wirt. Jetzt erreichte die Karawane den Stein. Einige der Reiter verhielten kurz, schienen den anderen zu winken und ihnen zuzurufen. Dann ging es in langsamem Galopp weiter. Das Ziel der Reiter stand jetzt fest: Es war unzweifelhaft die Herberge im Blutsee.

»Endlich einmal wieder alle Betten voll! Die Mägde werden sich freuen!«, rief Ovalappa. Er riss die Bohlentür auf, tauchte in die Wärme seines Zimmers hinein und verriegelte die schwere Tür sorgfältig hinter sich. Dann erscholl seine kräftige Stimme durch die Räume der befestigten Herberge:

»Knechte! Mägde! Es kommen Gäste! Macht alles bereit! Holt die Vorräte aus den Kellern – aber nicht zu viele!

Horm! Wakil! Bewaffnet euch! Wir gehen hinaus!«

Er wirbelte durchs Haus, schrie, verteilte Knüffe unter seinen vierzehn Helfern, setzte den Helm auf, riss den Schild von der Wand und befestigte sein Schwert um seine Lenden. Schließlich stemmten er und die zwei Knechte das metallbeschlagene Bohlentor auf.

»Fürchtest du einen Überfall, Wirt?«, fragte Horm. Er war ein bleicher, hoch aufgeschossener Mann mit dünnem schwarzem Bart und kräftigen Armen. »Es ist schon lange her, seit sie sich an uns herangewagt haben.«

»Man sagt, dass Zoon-Krieger weit nach Norden streifen. Und wer hat die Feuerader angebrannt?«, gab Ovalappa zurück. »Es ist sicherer so.«

Jeder trug eine lange Hellebarde, Schwert und Dolche. Langsam gingen sie nebeneinander über die schmale Brücke.

»Woher mögen sie kommen, die vielen Gäste?«, fragte Wakil ein wenig spöttisch. Aber auch er wusste, dass sie Abwechslung mit sich bringen würden.

»Vielleicht sind es Krieger aus Ruethans Heer?«, rätselte Ovalappa.

»Dann wären es so viele, dass sie auf der Brücke schlafen müssten«, lachte Horm.

In langen Jahren hatten Ovalappa und seine wechselnde Schar von Helfern und Gästen unzählige Schrecken erlebt und erfahren, wie selbst die schauerlichsten Legenden zur atemberaubenden Wahrheit werden konnten. Von dem Dämon Zoon, der angeblich über das Land zu herrschen begann und seine Herrschaft von Mond zu Mond festigte, hatten sie indessen noch nichts gemerkt. Oder aber es war ihnen entgangen, dass er die Ereignisse manipulierte und die Welt so bewegte, wie es ihm gefiel. Ein einfacher Mann hatte es schwer, zu überleben, und der Versuch, die Welt bis in ihre innersten Bezirke hinein zu verstehen, musste im Wahnsinn enden.

Der kleine, breitschultrige Wirt und seine Knechte erreichten das zweite Tor, das die Brücke am Festland abschloss. Die Pfeiler des Bauwerks erhoben sich, auf einzelne Felsen und Steine gegründet, aus dem roten Wasser des Sees, der seinen stechenden Geruch gerade an dieser Stelle besonders heftig ausstrahlte. Um die Füße der Pfeiler herum wuchsen Dinge aus dem Wasser, die sich gebärdeten wie wütende Tiere. Knarrend öffnete sich das Tor nach außen.

»Sie müssen bald da sein«, machte der Wirt seinen Helfern Hoffnung. »Es wird ein schöner, gewinnreicher Abend.«

Dennoch, trotz aller Vorfreude, denn die Ankömmlinge waren seit langer Zeit die ersten Gäste, dachten sie immer wieder an die Gerüchte, die ihnen zugetragen worden waren: Groß wie ein Berg, vielarmig und vielbeinig, mit der furchtbaren Stimme, die Felsen zu Staub zermalmte, walzte Zoon, der Dämon, alles nieder, das sich ihm in den Weg stellte. Dann würde auch die Herberge im Blutsee niemandem mehr Schutz bieten können.

Und wie sah der Herold des Todes aus, von dem der Wanderer berichtet hatte, den sie vor etlichen Monden hier am Rand des trostlosen Ackers begraben hatten?

»Gehen wir ihnen ein Stück entgegen«, schlug Horm vor. »Begrüßen wir sie mit warmen Worten und fröhlichem Lächeln.«

»Ein Humpen Bier wird ihnen wohl lieber sein«, scherzte der Wirt, aber er nickte. Sie erwarteten die Reiter, deren Hufgetrappel schon hinter den Bäumen und jenseits der Krümmung des staubigen Pfades zu hören war.

Aber es verging noch einige Zeit, bis der erste Reiter in Sicht kam. Er trug an seiner auffallend langen Lanze ein Zeichen und einen ausgefransten Wimpel.

Der Wirt wandte sich an Horm und sagte verwundert:

»Kann das das Zeichen des Regenten sein? Dann kommen sie von Mallat.«

»Ich denke, ich erkenne es.«

Etwa zwanzig bewaffnete, gut ausgerüstete Reiter kamen auf die drei von der Herberge zu. Um einen Irrtum zu vermeiden, der für ihn tödlich sein...



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