E-Book, Deutsch, Band 79, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Kneifel Mythor 79: Das Tal der Schmetterlinge
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9831-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 79, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9831-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mythor, der Sohn des Kometen, hat in der relativ kurzen Zeit, da er für die Sache der Lichtwelt kämpfte, bereits Großes vollbracht. Nun aber hat der junge Held Gorgan, die nördliche Hälfte der Welt, verlassen und Vanga, die von den Frauen regierte Südhälfte der Lichtwelt, erreicht, wo er von der ersten Stunde seines Hierseins an in gefährliche Geschehnisse verstrickt wurde. Diese Geschehnisse nahmen ihren Anfang im Reich der Feuergöttin, wo Mythor für Honga, einen aus dem Totenreich zurückgekehrten Helden, gehalten wurde. Es kam zur Begegnung mit Vina, der Hexe, und Gerrek, dem Mann, der in einen Beuteldrachen verwandelt worden war. Es folgten Kämpfe mit Luftgeistern und mit Amazonen, es kam zu Mythors Gefangenschaft, zur Flucht und zu erneuten Kämpfen mit denen, die sich an Mythors Fersen geheftet hatten. Während Mythor-Honga mit seinen neuen Gefährten den Hexenstern zu erreichen sucht, wo er seine geliebte Fronja, die Tochter des Kometen, in großer Gefahr weiß, kommt es in Gorgan gleichermaßen zu Geschehnissen, die für die Zukunft der Lichtwelt von weitreichender Bedeutung sein können. Neben Nottr, dem Barbaren, wirkt dort auch Luxon-Arruf, der Sohn des ermordeten Shallad Rhiad und somit rechtmäßiger Shallad, im Sinn des Lichtes. Sein Weg führt in DAS TAL DER SCHMETTERLINGE ...
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1.
Stimmengemurmel und das flackernde Licht der Fackeln weckten den Shallad Hadamur aus einem unruhigen Schlaf auf.
Er war allein in dem prunkvollen Gemach hinter den Säulen der Terrasse.
»Wo ist Algajar?«, keuchte er und hob den Arm, um sich den Schweiß von seinem runden Gesicht abzuwischen. Kraftlos ließen seine dicken Finger das feuchte Tuch fallen. An jedem Finger funkelten die Steine schwerer Ringe, an manchen Fingern trug Hadamur zwei Ringe.
Es war die Stunde zwischen Tag und Nacht.
Für eine kurze Zeit herrschte Ruhe über der Stadt. Von der Terrasse herein kamen die Geräusche der Brandungswellen, die sich an den Felsen der Küste brachen und über den sandigen Stränden ausliefen. Der Lärm aus den Gassen und Plätzen Hadams war zu einem bedeutungslosen Murmeln herabgesunken. Einzelne, harte Geräusche waren laut wie Donner. Diese seltsame Kulisse schien zur Stimmung des Shallad zu passen – er war misslaunig, unzufrieden und wütend.
»Sorgen! Nichts als Sorgen!«, ächzte Hadamur und bewegte die Fleischmassen seines Körpers in den Polstern des Ruhelagers. Sein Arm tastete sich an der Tischkante entlang, und die Finger krochen wie weiße, dicke Raupen auf den Stiel des funkelnden Pokals zu.
Hadamur warf den halbvollen Pokal um. Der rote Wein lief wie Blut über die weißen Tücher des Tisches.
»Sklaven!«, brüllte der Shallad. »Frischer Wein! Tücher! Die Luftwedler sollen kommen! Schnell!«
Mit der Faust schlug er kraftlos gegen den Gong. Ein schmetterndes Geräusch echote durch die Korridore und verlor sich zwischen den goldreifverzierten Säulen. Ein schwacher Windstoß blähte die dünnen Vorhänge, bauschte sie auf und ließ sie wieder zusammenfallen.
Sklavinnen und Sklaven stürzten aus allen Richtungen herbei.
Lautlos bewegten sich die riesigen Fächer aus Orhakofedern. Wein wurde gebracht, der lange in den kühlen Tiefen des Palasts geruht hatte. Mit kalten, parfümierten Tüchern wischten zitternde Sklavinnen den unablässig perlenden Schweiß aus den Achselhöhlen des Shallad. Wachsam starrten die Aufseher, die gebogenen Peitschen in den Fäusten, die schweigend arbeitenden Sklaven an.
»Gibt es Nachrichten von Algajar? Hat ihn jemand gesehen? Sind Boten eingetroffen?«, erregte sich Hadamur.
Ein Bote näherte sich unterwürfig, berührte mit der Stirn und den Handflächen den schimmernden Marmor des Bodens und erschauerte.
»Nein, Herr. Niemand hat Algajar seit etwa einem Mond gesehen, niemand hat etwas von ihm gehört oder über ihn erfahren.«
»Sucht weiter, lauscht auf alle Gerüchte!« Der Shallad scheuchte ihn mit einer schroffen Handbewegung hinaus.
Zuerst hatte Hadamur geglaubt, dass Luxons Tod seine Lage gesichert und seine Macht gefestigt habe. Aber seit diesem Tag war ihm das Unglück nicht von der Seite gewichen. Nicht jeder Tag hatte eine neue, üble Nachricht gebracht, aber an vielen Tagen häuften sich Botschaften, die zornige Röte in sein bleiches Gesicht trieben.
Die Bewohner Logghards wollten ihn weder als die Fleischwerdung des Lichtboten anerkennen, noch dachte Gamhed der Silberne daran, sich ihm zu ergeben. Immer wieder musste es Boten gelungen sein, den Ring der Belagerer zu durchbrechen.
Gerüchte schwirrten durch das Shalladad und kamen schließlich auch Hadamur zu Ohren.
Die Leute von Logghard – noch immer waren sie nicht verhungert oder durch Seuchen dezimiert! – hofften allen Ernstes auf eine Rückkehr Luxons ... also hofften sie darauf, dass er aus dem Totenreich zurückkehren würde. Welch eine Vermessenheit!
Hadamur spürte, wie kühler Wein seine Kehle hinunterrann. Die Tropfen, die aus seinem Mundwinkel sickerten, wurden rasch von Tüchern weggetupft. Aromatische Gerüche drangen aus den Falten der blütenweißen Seidentücher.
Andere Gerüchte waren noch abenteuerlicher!
Die Magier und die Wächter am Grabmal des Lichtboten sollten einen widersinnigen Plan ins Auge gefasst haben. Sie wollten versuchen, durch Weiße Magie oder andere, dämonische Hilfsmittel die sterbliche Hülle des Vorgängers, des Shallad Rhiad, zu neuem Leben zu erwecken. Dann wollten sie ihn befragen, auf welche Weise er zu Tode gekommen sei.
Vorsichtig hatte sich Hadamur, als er dieses furchtbare Gerücht gehört hatte, bei seinen Magiern erkundigt.
Sie behaupteten alles Ernstes:
»Es mag möglich sein, Shallad, einen so mächtigen Geist sprechen zu lassen. Ganz ohne Zweifel kennt unsere Geschichte Beispiele dafür. Und die Magier von Logghard sind keine Stümper, Herr.«
Im Land breitete sich Unruhe aus. Einmal an diesem Platz, dann zwischen jenen Grenzen. Unablässig donnerten die Kommandos der Orhakoreiter hierhin und dorthin, um die Ruhe zu sichern.
Zwar hatte sich Ayland unterworfen ...
Zwar befand sich, auch dies meldeten die Boten, der große Hochzeitszug mit dem Gemahl für Prinzessin Soraise bereits auf halbem Weg nach Hadam und würde bald die Grenzen erreicht haben. Prinz Iugon befand sich im sicheren Schutz der Vogelreiter, wie auch seine Morgengabe.
In Jahand sammelten sich die wilden Rebellen der Völkergruppen, von denen die Bergverstecke bewohnt wurden. Sie versuchten, den Tod ihres Anführers Hodjaf zu rächen. Zwar würde ihre Zahl ebenso wie ihre Wut nicht ausreichen, die Wucht der Orhakoreiter mit dem Schwertmondwimpel zu brechen. Aber sie zogen wertvolle und wichtige Kräfte dauernd von anderen Orten ab.
Auch in Samboco gärte Aufruhr unter einer dünnen Decke der scheinbaren Ruhe.
Der Herrscher in diesem Land der zwei Völker nannte sich König Corsis. Ihm war nichts vorzuwerfen. Angeblich beteuerte er immer wieder öffentlich, dass er Shallad Hadamur als göttlichen König verehrte und ihm gehorchte, aber ihm war nicht zu trauen. Man munkelte – und wo es Rauch gab, war das Feuer nicht weit! –, dass er auch anderen, heidnischdämonischen Göttern und Götzen huldigte. Ganz sicher herrschten in seinem Land derartige Bräuche; darüber hatte Hadamur nicht den geringsten Zweifel.
Die Boconer waren neben den Kabunern das primitivste und wildeste Volk innerhalb der Grenzen des Shalladad; diese Volksstämme beherrschte König Corsis.
Zwar waren die Boconer hervorragende und grausame Krieger der Dschungelwälder, aber andere Kämpfer, die an ihrer Seite gefochten hatten, erzählten, dass sie kultische Handlungen miterlebt hatten, in denen man Menschen geopfert hatte. Auch hatten sie berichtet, dass die Boconer-Krieger sogar Menschenfleisch aßen, dass sie also Kannibalen waren. Aber dies wussten sie, genau genommen, nur vom Hörensagen.
Und noch andere, möglicherweise weitaus bedeutungsvollere Nachrichten kamen aus dem Königreich von Corsis.
Eine Botschaft von König Corsis:
Seine Frau, Prinzessin Melife war sie einst genannt worden, war verschwunden. Vor fünf Jahren hatte Hadamur Corsis mehr oder weniger gezwungen, eine seiner vielen Töchter zur Frau zu nehmen. Melife, der Shallad erinnerte sich nicht einmal mehr daran, wie sie ausgesehen hatte, Melife also verschwand eines Tages spurlos. Nun forderte der König eine neue Braut aus dem schier unerschöpflichen Vorrat von Hadamurs Töchtern.
»Die Kannibalen werden Melife gefressen haben!«, knurrte der Shallad.
Dann fiel ihm ein, wie er dieses Problem zu seiner Zufriedenheit und zur Sicherung der Ruhe im Land lösen konnte.
»Ein Schreiber soll kommen!«, rief er.
Sofort rannte ein Sklave in den Korridor hinaus, rief einen Schreiber, und ein älterer Mann kam herein, Pergamentrollen unter dem Arm und das Schreibgerät in der Hand. Er kauerte sich vor den Sandalen des Shallad zu Boden und drehte sein Schreibbrett in das Licht der Öllampen.
»Botschaft an die Herrin von Anola, Siegel des Shallad und sofort«, brachte Hadamur hastig hervor. Unablässig spann sein verschlagener Verstand neue, dichtere Fäden und Muster, die nur er verstand und sonst keiner.
»Ich schreibe, Herrscher!«, flüsterte der Schreibsklave und fuhr fort, mit Tusche und Pinsel seine Buchstaben in feingeschwungenen Linien und Kurven zu malen.
»Berife, meine Tochter, Tochter des Shallad Hadamur und Zwillingsschwester von Melife, ich fordere dich auf, dem Shalladad und dadurch deinem Vater einen Dienst zu erweisen. Deine Zwillingsschwester, Melife, ist verschwunden. Wilde Gerüchte ranken sich um ihr Leben. Untersuche mit allen deinen Kräften das Verschwinden oder den Tod deiner Zwillingsschwester, der Königin von Samboco, der Gemahlin des Corsis. Das gebietet dir dein Vater ...«
Er goss einen Schluck Wein in seinen keuchenden Schlund, besann sich und ließ zu, dass ihm eine Sklavin den Becher aus den Fingern nahm und wieder an seine Lippen führte.
»Fertigschreiben, siegeln lassen und mit Botenstaffette zu Berife nach Anola.«
»Wir gehorchen, Herrscher!«
Rückwärts kroch der Schreibsklave aus dem Raum.
Niemand aber ahnte die wirklichen großen Sorgen, die den Shallad nicht mehr schlafen ließen. Nur mit Algajar hätte er diese schweren Lasten besprechen können, aber der Heerführer blieb verschwunden.
Der Rachedämon Achar verlangte seinen Preis.
Nachts ertönte seine fordernde Stimme im Kopf des Shallad und erfüllte seine erschöpfte Ruhe mit wirren Träumen und schweißtreibenden Ansinnen.
Immer drängender forderte Achar sein Recht und die Gegenleistung für seinen Dienst. Er forderte, dass das riesige Mausoleum auf der Felseninsel ihm, Achar, in einem großen Festakt geweiht werden sollte. Auch in Hadam begann Achar seine Herrschaft trotz aller Verbote und Einschränkungen auszudehnen. Kleine Kultnester entstanden in allen Bezirken der Stadt. Der Rachedämon gewann mehr und mehr an...




