E-Book, Deutsch, Band 98, 64 Seiten
Reihe: Mythor
Kneifel Mythor 98: Mit Schwert und Magie
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9850-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 98, 64 Seiten
Reihe: Mythor
ISBN: 978-3-8453-9850-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mythor, der Sohn des Kometen, hat in der relativ kurzen Zeit, da er für das Bestehen der Lichtwelt kämpfte, bereits Großes vollbracht. Erst war Gorgan, die nördliche Hälfte der Welt, die Szene seines Wirkens, nun ist es schon seit Monden Vanga, die von den Frauen beherrschte Südhälfte der Lichtwelt, wo unser Held von der ersten Stunde seines Hierseins an in gefährliche Abenteuer verstrickt wurde. Diese Geschehnisse nahmen ihren Anfang im Reich der Feuergöttin, wo Mythor für Honga, einen aus dem Totenreich zurückgekehrten Helden gehalten wurde. Es kam zur Begegnung mit Vina, der Hexe, und Gerrek, dem Mann, der in einen Beuteldrachen verwandelt worden war. Es folgten Kämpfe mit Luftgeistern und Amazonen, es kam wiederholt zu Mythors Gefangenschaft, zur Flucht und zu erneuten Kämpfen mit denen, die sich an Mythors Fersen geheftet hatten. Während Mythor nach dem 'Duell am Hexenstern' nun ungeduldig auf den Moment wartet, da er Fronja, der Tochter des Kometen, gegenübertreten darf, verlassen wir die Szene in Vanga und blenden um nach Gorgan, der Welt der Männer. Für Hadamur, den falschen Shallad, und für Luxon, den hilflosen Gefangenen, naht in Hadam die Stunde der endgültigen Entscheidung. Sie wird herbeigeführt MIT SCHWERT UND MAGIE ...
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2.
Vergangenheit
Im Innern des Landes Jahand, einen halben Tagesritt vom Rand der Straße des Bösen entfernt, band Hrobon die Zügel seines Orhakos an einen Baum. Voller Misstrauen bestaunte er das Schild, das über dem Eingang der einsamen Schenke baumelte. Es war ein Becher, über dem reife, pralle Trauben hingen, darunter gekreuzte Messer und Löffel, alles von einem hölzernen Reifen umrahmt, auf dem in verwitterten Buchstaben Weg nach Hadam zu lesen war.
»Riskieren wir es, Sänger?«, fragte er, während er sich ächzend aus dem Sattel schwang und Kusswind den Futterbeutel umhängte.
»Dieses Gasthaus ist für viele Tagesreisen der letzte Ort, an dem wir in Ruhe essen und trinken können. Die Umstände diktieren uns, was wir tun müssen.«
»Richtig!«, sagte der Heymal.
Der Barde, Lamir von der Lerchenkehle, war an der Seite Hrobons entlang dem Yarl-Pfad nach Westen geritten. Luxon, in einem Salzblock eingeschlossen, war ebenso spurlos verschwunden wie der Salztransport, der den Block irgendwohin transportierte. Da es sinnlos war, Luxon zu suchen, hatten sie sich entschlossen, nach Hadam zu reiten.
Lamir rückte das kurze Schwert in seinem Gürtel nach hinten und ging entschlossen auf die rissige Holztür zu. Der Weg nach Hadam machte einen ebenso verlassenen Eindruck wie die Umgebung. Verwahrloste Äcker, ein stillstehendes Mühlenrad, kein Rauch aus dem Kamin, nur der Geruch nach verschüttetem Wein – das war der wenig einladende Weg nach Hadam.
Hrobons Hand fuhr an den Griff des Dolches, als er die Tür aufstieß und sich bückte. Durch kleine Fenster fiel Sonnenlicht in schrägen Balken auf den unratübersäten Boden. Der Heymal rief:
»He, Wirt! Wir haben Hunger und zahlen gut! Schüre dein Feuer, Wirtin!«
Das Ende des Langbogens stieß gegen einen wuchtigen Balken. Unter den Schritten der Männer erhoben sich Staubwolken. Totenstille erfüllte die Gaststube. Die Schemel, die wenigen dreibeinigen Stühle und einige Bänke waren umgedreht auf die Tischplatten gestellt worden. Prüfend verschob Lamir einen Schemel, und er sah die Umrisse in der dicken Staubschicht.
»Spare deinen Atem, Hrobon«, sagte er und unterdrückte sein Unbehagen. »Wir sind in einem verlassenen Gasthof.«
»Scheint mir auch so!«
Sie durchstreiften alle Räume. Die Zimmer, in denen irgendwann Mägde geschlafen haben mochten, waren ebenso leer wie die Küche, die Vorratsräume und die Nebengelasse. Ratlos sahen sich Hrobon und Lamir an. Nicht einmal leere Gefäße standen in den staubigen Regalen. Die Reste des Feuers unter den Kesseln und dem Bratrost waren kalt und staubbedeckt wie alles.
»Jemand hat die Vorräte zusammengepackt und ist ausgezogen«, sagte Lamir. »Ich habe mich zu früh gefreut. Ein Abend am Feuer, mit den Stiefeln auf dem Tisch, ein Lied zur Laute und ein guter Becher Wein – nichts ist daraus geworden.«
Sie waren durch viele Gebiete gekommen und hatten erleben müssen, dass sich verdeckter und offener Widerstand gegen Shallad Hadamur selbst für die Augen unachtsamer Reisender deutlich sichtbar erhob. Es gärte überall im Land, und der Aufruhr würde eines Tages aufflammen wie trockenes Gras. Dieses Feuer würde sich ebenso schnell wie ein Steppenbrand fortpflanzen und war durchaus in der Lage, Hadam einzuäschern.
»Auf zum nächsten Gasthaus!«, sagte Hrobon und fügte einen schauerlichen Fluch hinzu. »Es waren vielleicht Dämonen, die diese Hütte auf dem Gewissen haben.«
»Oder die Gäste haben gastlichere Orte vorgezogen.«
Kusswind stieß warnende Schreie aus. Lamirs Pferd wieherte grell. Beide Männer warfen sich herum und rannten auf die Tür zu.
»Ein Hinterhalt!«
Lamir schob den Dolch in den Gürtel und zog das kurze Schwert. Mit wenigen Griffen hatte Hrobon den Bogen vom Rücken gerissen und einen Pfeil auf die Sehne gelegt. Mit lautlosen Gesten verständigten sie sich, dann riss Lamir die knarrende Tür auf. Hrobon sprang mit einem mächtigen Satz ins Freie, und Lamir folgte ihm.
Von allen Seiten näherten sich Reiter auf kleinen, stämmigen Pferden. Die Männer sahen wie berufsmäßige Wegelagerer aus, aber dennoch ... sie gehorchten einem Anführer und dessen Befehlen. Es gab untrügliche Zeichen dafür. Kusswind gebärdete sich wie rasend und teilte mit den Klauenfüßen wütende Hiebe nach den Pferden und den Reitern aus.
Ein Mann mit gezogenem Krummschwert sprengte in den Kreis, riss am Zügel und ließ sein Pferd vorn hochsteigen. Hrobon zielte mit dem Bogen schweigend auf ihn, während Lamir schrie:
»Überfallt uns erst, nachdem wir gegessen und getrunken haben!«
Der Anführer winkte mit dem blanken Schwert seine Männer zurück und rief:
»Wer seid ihr? Was sucht ihr hier?«
Lamir erkannte, dass dies mit Sicherheit keine Soldaten des Shallad waren. Seine Antwort rief ungläubiges Staunen hervor. Mehrere Männer lachten rau.
»Ich bin Lamir von der Lerchenkehle, der Sänger der Königslegende, der Freund Luxons. Er hingegen ist der Sohn des Shallad Rhiad, und wir sind auf dem Weg nach Hadam, um zu sehen, wie die Rebellen von Hadamur besiegt werden – oder wie es umgekehrt der Fall sein mag. Darüber hinaus ist dieser Mann mit dem unfehlbaren Bogen ein guter Freund von Hodjaf gewesen.«
Der Anführer senkte das Schwert, schüttelte ratlos den Kopf und deutete auf Lamir.
»Und wo ist die schwarzhäutige Seherin, die mit dir zusammengewesen sein soll?«
»Das«, sagte Hrobon, »ist eine Geschichte, die sehr lange dauert. Sie erfordert ein Lagerfeuer, gute Gastfreundschaft und den einen oder anderen Becher Wein. Dies können wir von euch, den Rebellen, sicher erwarten.«
Der Anführer beugte sich aus dem Sattel und blickte in Lamirs dunkle Augen. Dann glitt sein Blick zur Laute, die auf Lamirs Rücken hing.
»Wir sind keine Soldaten des Hadamur«, fauchte er und spie aus. »Du hast wirklich Hodjaf gekannt, Bogenschütze?«
»Ich war dabei, wie ihn Hadamur an der Seite Luxons köpfen ließ!«, bestätigte Hrobon. »Wir haben überall Freunde im Land. Und keiner davon ist Freund des dicken Shallad.«
»Noch glaube ich dir nicht alles«, rief der Anführer. »Ich bin Jerim, der Jahander. Ich führe meine Leute an die Grenze. Willkommen bei uns.«
Die Männer steckten ihre Waffen ein und kamen näher. Viele von ihnen sprangen aus den Sätteln. Hrobon und Lamir erkannten unschwer, dass es nicht einfache Wegelagerer waren. Die Tiere waren gepflegt und standen gut im Futter. Waffen und Ausrüstungen waren gut gehalten, pralle Wasserschläuche und gefüllte Satteltaschen deuteten darauf hin, dass die Truppe gewohnt war, lange Strecken zu reiten. Zudem gehorchten die Männer jedem Wink Jerims. Hrobon wagte es, den Pfeil von der Sehne zu nehmen und in den Köcher zurückzustecken.
»Danke für das Willkommen«, sagte er und sah sich misstrauisch um. »Seid auch ihr auf dem Weg nach Hadam?«
»Wir wissen noch nicht genau, was wir tun. Aber wir treffen uns mit vielen anderen, die nicht gerade das Wohlergehen Hadamurs im Sinn haben, Heymal.«
»Recht geraten. Ich bin Heymal. Hrobon ist mein Name. Nehmt euch mit den Pferden in acht vor Kusswinds Schnabelhieben.«
Jerim zeigte auf den verwaisten Gasthof und erklärte:
»Shallad-Vogelreiter verschleppten den Wirt und alles andere. Sie werfen ihm vor, er habe aufrührerische Reden in der Gaststube geduldet. Wir kennen einen Platz, an dem ihr rasten könnt.«
»Mir scheint, wir können dir vertrauen«, sagte Hrobon zögernd. »Habt ihr auch Boten aus Logghard getroffen?«
»Sie trafen uns«, meinte Jerim und rief einige Befehle. Die Truppe aus etwa zwei Dutzend Reitern formierte sich. »Es war schwer, ihnen zu glauben. Aber sie berichteten überraschende Dinge.«
»Auch, dass die Dunkelmächte nach Hadam gegriffen haben?«
»Dieses, und sie schüren die Flammen der Rebellion in ganz Gorounor. Woher kommt ihr? Was könnt ihr uns berichten?«
Lamir meinte im Ton eines Verschwörers:
»König Corsis von Samboco hat sich auch aus der Fessel Hadamurs befreien können. Berife von Anola geht seltsame Wege, und sie sind nicht die Hadamurs. Von den Nomaden in Horien wissen wir, dass sie nur Shaer O'Ghallun gehorchen. Und dieser wiederum ist nicht gerade als Bundesgenosse des Shallad zu bezeichnen. Wo liegt euer Lager oder das nächste einladende Gasthaus?«
»Kommt mit uns. Wir führen euch.«
Drei Stunden lang ritten sie weiter nach Südwest. Zunächst auf der breiten Straße, dann entlang einem Bach, schließlich über eine fast versteckte Brücke und einen kaum sichtbaren Pfad, der unter überhängenden Felsen eines schluchtähnlichen Flusslaufes im Zickzack weiterführte. Das Wasser toste und gischtete; niemand würde sein eigenes Wort verstanden haben, hätte er gesprochen.
Ein Talkessel weitete sich. Seltsame Bauwerke standen hier. Sie bestanden aus Mauern, die vor Felshöhlen getürmt worden waren. Eine kleine Siedlung versteckte sich hier, in der die Rebellen gut bekannt zu sein schienen.
Eine halbe Stunde später saßen sie in einer geräumigen Gaststube. Der Rauch, der Dampf und die Ausdünstungen zogen durch einen Kamin ab, der als Felsschacht bis an die Oberfläche der Schlucht führte.
Die beiden Freunde Luxons erfuhren die Geschichte der keimenden Rebellion im Shalladad. Die meisten Erzählungen kannten sie schon, denn sie hatten sie am eigenen Leib erfahren.
Jerim und seine Rebellen hörten zu, wie Lamir zu den Klängen der Laute von ihren Abenteuern berichtete.
Er hielt sich an Hrobons Bitte und stimmte keinen Gesang an. Auch scheute er davor zurück, den rauen Männern seine...




