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E-Book, Deutsch, Band 13, 378 Seiten
Reihe: Tibor
Knip Tibor (zweite Serie) 2: Im Tal der Nandi-Bären
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-86305-307-9
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 13, 378 Seiten
Reihe: Tibor
ISBN: 978-3-86305-307-9
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Diese werkgetreue Umsetzung als Roman umfasst den Inhalt des zweiten Abenteuers der zweiten Serie aus den Piccolo-Großband Comicheften 23-59 von Hansrudi Wäscher. - Tibor verfolgt die Spur eines Mörders, der zwei Dschungelpolizisten erschossen hat. Offenbar hat sich der Großwildjäger einer Expedition angeschlossen, die weit in das Gebiet jenseits der Mondberge vordringen will. Aufgrund der Umstände kann Tibor den Mann jedoch nicht zurückbringen, sondern sieht sich gezwungen, sich der Expedition anzuschließen. Deren Leiter, Professor Lambertin, ist auf der Suche nach den Nandi-Bären - sagenhaften Kreaturen, die in einem verborgenen Tal leben sollen. Nach gefahrvollen Abenteuern erreicht die Expedition das Gebiet, und Tibor muss erkennen, dass die Existenz der Nandi-Bären alles andere als eine Legende ist ...
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ZWEI
Zur gleichen Zeit hatten Tibor und seine Freunde den Fluss erreicht und folgten dessen Verlauf. Die Uferböschung war nur spärlich bewachsen, und so kamen sie schnell voran.
»Warum hast du nicht gefragt, wohin der Zweibeiner reisen will und was er vorhat?«, fragte Kerak unvermittelt.
Tibor drehte sich zu ihm um. »Ich wollte mich nicht länger als nötig mit den Polizisten unterhalten, weil sie mir sonst noch unangenehme Fragen über Miss Hilda gestellt hätten«, antwortete er. »Ich lüge nicht gern, und die Polizisten sollten die Wahrheit nicht erfahren, weil ich sie für bestraft genug halte.«
Er zuckte mit den Schultern. »Wir erfahren ja alles von diesem Professor Lambertin, wenn wir seine Expedition eingeholt haben.«
Sie setzten den Weg am Fluss fort. Die Sonne färbte den Horizont bereits in einen intensiven Orangeton, als sie die Silhouette eines befestigten Dorfes am Fluss ausmachen konnten.
Tibor verharrte im Schutz der letzten Ausläufer des Dschungels und beobachtete die Umgebung. Hinter dem Palisadenwall konnte er Stimmen hören, die sich angeregt unterhielten. Rauchfahnen von Lagerfeuern stiegen in den rasch dunkler werdenden Himmel. Mehrere Männer und Frauen beeilten sich, vor Anbruch der Nacht das Dorf zu erreichen und hielten mit schnellen Schritten über die Lichtung auf das offen stehende Tor zu.
Er gab seinen Begleitern in Handzeichen. »Wartet hier«, bat er die Affen. »Ich frage im Dorf nach der Expedition.« Kerak grunzte unwillig. Tibor lächelte ihm zu. »Beunruhigt euch nicht, wenn ich nicht gleich zurückkomme. Es ist möglich, dass die Dorfbewohner mich einladen, die Nacht bei ihnen zu verbringen.«
Kerak schob den Unterkiefer vor. »In Ordnung«, meinte er schließlich. »Wenn du uns brauchst, wir suchen uns hier zwischen den Ästen einen Schlafplatz.«
Tibor nickte ihm zu und ging auf das Dorf zu. Am Ufer waren noch mehrere Fischer damit beschäftigt, die langen Pirogen an Land zu ziehen und ihre Netze aufzuhängen. Einer der Männer entdeckte den Ankömmling, der sich aus dem Dunkel der Bäume schälte, und machte seine Stammesbrüder auf ihn aufmerksam.
»Ich komme in Frieden!«, rief Tibor ihnen zu und breitete die Arme mit offenen Handflächen aus, um zu zeigen, dass er nichts zu verbergen hatte. Jetzt erst erkannten ihn die Fischer.
»Tibor?«, fragte einer überrascht.
Die Männer ließen von ihrer Arbeit ab und begrüßten ihn herzlich.
»Du warst lange nicht bei uns«, bemerkte einer. »Wie geht es dir?«
»Danke, gut, Freunde«, antwortete der Sohn des Dschungels und sah in die freundlichen Gesichter der Dorfbewohner. »Ich möchte euch um eine Auskunft bitten, aber zuerst möchte ich euren verehrten Häuptling und den weisen Zauberer begrüßen!«
»Komm!«, antwortete einer der Fischer und machte eine einladende Bewegung. »Sie sitzen in der Hütte des Häuptlings zusammen.«
Tibor folgte ihm und wurde von Häuptling Kitutu ebenso freundlich empfangen. Der in prachtvolle Gewänder gekleidete Mann bat ihn in seine Hütte und wies seine Töchter an, Speisen und Getränke herbeizubringen, um seinen Gast den Bräuchen entsprechend zu bewirten.
In der großen Hütte begrüßte ihn auch der Zauberer Jengo, der ihn interessiert musterte. Tibor konnte ihm ansehen, dass er sich fragte, warum er zu ihnen gekommen sei. Doch als er den Grund seines Besuchs erklären wollte, winkte der Häuptling ab und merkte an, dass sie zuerst essen wollten. Dabei klopfte er sich auf seinen stattlichen Bauch.
Nur wenige Minuten später saßen sie um ausgelegte Farnwedel herum am Boden, während Kitutus Töchter Schalen voller gekochtem Gemüse und Fleisch abstellten. Der Häuptling bat seinen Gast, zuzugreifen und langte selbst nach einem dampfenden Hühnerschlegel. Tibor schaufelte mit einem abgetrennten Stück Fladenbrot etwas Gemüse und aß es mit sichtlichem Appetit.
Kitutu nickte zufrieden und griff nach einem Stück Hühnerbrust.
»Wenn du gestattest, großer Häuptling, dann möchte ich einige Fragen an dich richten«, setzte Tibor an, nachdem er seinen Hunger gestillt hatte.
Kitutu leckte sich die Finger. »Sprich, großer Tibor«, forderte er ihn auf.
»Ich folge einer Gruppe von weißen Männern, die mit Booten flussaufwärts reisten«, erklärte Tibor. »Kannst du mir sagen, wann sie an deinem Dorf vorübergefahren sind?«
Der Häuptling musste nicht lange überlegen. »Vor fünf Tagen war das.« Er warf Jengo einen schnellen Blick zu, und der Zauberer bestätigte. »Aber die Männer sind nicht nur vorübergefahren, sie haben im Dorf Rast gemacht und kauften reichlich Proviant ein. Das war ein guter Tag für uns!«
»Bitte erzähle mir von ihnen«, hakte Tibor nach. »Wie viele waren es? Und haben sie dir auch von ihren Absichten berichtet?«
Der Häuptling wiegte den Kopf. Bevor er antwortete, griff er sich einen weiteren Hühnerschlegel. »Sie taten sehr geheimnisvoll«, meinte er zwischen zwei Bissen. »Und wenn du mich fragst, war ihr Anführer nicht ganz richtig im Kopf.« Er lachte bei diesen Worten unterdrückt auf.
»Wie soll ich das verstehen?« Tibor runzelte die Stirn.
Kitutu machte eine ausholende Geste. »Nun, wir wollten den Weißen zu Ehren einen Hammel schlachten, da sie Gäste in unserem Dorf waren und wir gute Geschäfte mit ihnen gemacht hatten … aber da hättest du ihren Anführer sehen sollen!« Er fuchtelte mit dem halb abgenagten Hühnerbein durch die Luft. »Er ist dem Schlachter in den Arm gefallen!«
Kitutu seufzte. »Dann ließ er uns durch seinen Dolmetscher sagen, dass es Sünde sei, Fleisch zu essen, und wir sollten in Zukunft wie er nur Salat und Gemüse essen. Gemüse, und das mir! Sag, das ist doch verrückt, nicht wahr?«
Tibor schmunzelte und konnte sie die Szene gut vorstellen, nachdem er sich Sergeant Wilks‘ Schilderungen ins Gedächtnis rief. »Nun, das ist Ansichtssache, großer Häuptling«, setzte er an und achtete darauf, seine Worte mit Bedacht zu wählen, um den Eingeborenen nicht zu verstimmen. »Ich esse auch kein Fleisch, aber ich bin der Meinung, dass jeder selbst über seine Lebensweise bestimmen soll. Niemand hat das Recht, anderen seine Überzeugung aufzuzwingen.«
Kitutu nickte beifällig. »Das ist ein weises Wort, großer Tibor!« Er legte den abgenagten Knochen in eine Holzschale. »Übrigens … die anderen beiden Weißen scheinen ihren Anführer auch nicht ganz ernst genommen zu haben. Während er seinen Vortrag über die … Schändlichkeit des Fleischgenusses hielt, blinzelten sie sich verständnisvoll zu.«
Tibor hörte nachdenklich zu.
»War der Anführer mit den beiden gleichermaßen vertraut?«, fragte er nach. »Du verstehst, wie ich das meine?«
Kitutu bestätigte. »Den einen redete er mit seinem Vornamen an, während der andere Mister soundso genannt wurde. An die Namen kann ich mich nicht mehr erinnern.«
»Danke, deine Beobachtung ist sehr wertvoll für mich!«, antwortete Tibor. »Nun zu dem Ziel der Expedition …«
Der Häuptling schüttelte umgehend den Kopf und winkte ab. »Darüber wissen wir nichts. Die weißen Männer taten wie gesagt sehr geheimnisvoll. Alles, was wir von ihnen erfahren konnten, war, dass sie in das unerforschte Gebiet jenseits der Mondberge vordringen wollen.«
Tibor sah ihn bei dieser Auskunft erstaunt an.
Kitutu zuckte mit den Schultern. »Ich glaube nicht, dass sie es erreichen werden. Keiner ihrer schwarzen Träger wird ihnen dorthin folgen.«
Tibor überlegte. »Ich kenne das Gebiet auch nicht. Was mögen sie dort wollen?«
Der Häuptling lachte und hielt sich seinen Bauch. »Wer kennt sich schon in den Gehirnen von Verrückten aus?« Er schmunzelte und wischte sich über einen Mundwinkel. »Vielleicht will der Salatesser die Menschenfresser, die dort hausen, bekehren.« Erneut lachte er herzhaft, und der Zauberer stimmte ein.
»Menschenfresser?«, echote Tibor. »Das sind doch nur Altweibergerüchte, großer Häuptling. Diese Zeiten sind hier doch längst vorbei!«
Kitutu wurde wieder ernst. »Das magst du glauben. Ich hingegen könnte dir Dinge erzählen …«
Tibor winkte mit einem schiefen Lächeln ab. »Lass es gut sein, großer Häuptling!«
»Warum interessierst du dich eigentlich so für diese verrückten Weißen«, wollte Kitutu wissen und sah ihn forschend an.
»Einer von ihnen ist ein Mörder«, entgegnete Tibor. Sein Blick ging vom Häuptling zum Zauberer. »Er hat zwei Polizisten erschossen.«
Die beiden Eingeborenen sahen ihn bestürzt an. Ihnen war anzusehen, dass sie bisher nichts von diesem Vorfall gewusst hatten.
»Aber er wird der gerechten Strafe nicht entkommen«, fuhr Tibor mit einem energischen Ausdruck in der Stimme fort. »Du weißt, wenn ich erst einmal eine Spur aufgenommen habe …«
Kitutu rieb sich das Doppelkinn. »Ja, ich möchte nicht dein Feind sein, Tibor!«
*
Sie konnten nicht ahnen, dass ihr Gespräch von einem Eingeborenen belauscht wurde, der sich inmitten des geschäftigen Treibens zwischen den Hütten die ganze Zeit nahe an der offen stehenden Tür aufgehalten hatte. Er hatte sich bemüht, die Aufmerksamkeit der mit einem Speer bewaffneten Wache nicht zu erregen, die vor dem Eingang stand.
Der Eingeborene schürzte die Lippen und kratzte sich am Kinn.
Deshalb also hatte ihm einer der Weißen so viel Geld gegeben … er sollte aufpassen, dass niemand der Expedition folgte. Und dafür würde er bei dessen Rückkehr noch einmal so viel Geld bekommen!
Es war mehr gewesen, als er innerhalb eines Jahres verdienen konnte. Damit konnte er endlich seine Stellung im Dorf verbessern. Wie hätte er sich solch eine...




