E-Book, Deutsch, 365 Seiten
Knoblauch Distant Love: Immer wenn wir uns sehen
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-492-98705-9
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman. Eine herzzerreißende Romance in Down Under
E-Book, Deutsch, 365 Seiten
ISBN: 978-3-492-98705-9
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nicole Knoblauch ist fasziniert von romantischen Geschichten und starken Frauenfiguren. Unter dem Pseudonym Nicci Cole veröffentlicht sie auch im Bereich Romantische Spannung. Sie ist Mitglied bei DELIA, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autor:innen, denn ihr Herz schlägt für die Liebe. Wenn sie nicht schreibt, näht die studierte Germanistin und Historikerin historische Kostüme. Zusammen mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie ihr persönliches Happy End im Rhein-Main Gebiet.
Autoren/Hrsg.
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9 Miri
So langsam lebe ich mich in Mainz ein. Inzwischen sind wir seit über sechs Wochen hier. Ich arbeite donnerstags und samstags im Irish Pub. Das ist zwar stressig, aber das Trinkgeld sichert mir das Überleben. Zusammen mit dem, was Janina als Kassiererin verdient, und unserem Kindergeld kommen wir gut über die Runden.
Mein Leben ist fast geordnet. Keine One-Night-Stands, nicht mal wilde Knutschereien. Irgendwie war kein Typ dabei, der mich gereizt hätte. Also arbeite ich, lehne alle zweideutigen Angebote ab und bereite mich auf den Masterstudiengang vor.
Zwei- oder dreimal war ich mit einer Kollegin shoppen, und wir haben uns ein wenig angefreundet. Wenn das Semester in acht Wochen anfängt, werden sicher noch neue Bekannte dazukommen.
Sören habe ich seit jenem ersten Tag kaum zu Gesicht bekommen. Er arbeitet als Dolmetscher für verschiedene Firmen in Frankfurt und ist häufig unterwegs.
Win ist immer noch im Urlaub. Seit sechs Wochen. Muss man als Dozent nicht Seminararbeiten korrigieren oder so? Und verdient man so viel, dass man sechs Wochen in Australien Urlaub machen kann? Fragen, die sich immer wieder in meine Gedanken schleichen. Genau wie sein Gesicht, seine Hände, sein Blick …
Ich denke auch an ihn, als ich heute von der Arbeit nach Hause komme. Es ist halb drei, Sonntagfrüh. Schon von draußen sehe ich, dass in der Küche Licht brennt und sich jemand darin bewegt.
Sören hat sich übers Wochenende verabschiedet, und Janina ist um diese Zeit eigentlich noch nicht wieder zurück. Also muss es Win sein. Warum bei der Vorstellung mein Herzschlag aus dem Takt zu geraten scheint, ist mir schleierhaft.
Klar, unsere Unterhaltung, bevor er geflogen ist, war schön. Es hat mich eine Menge Kraft gekostet, seiner Einladung nicht zu folgen. Aber mehr war da nicht. Vielleicht sollte ich einfach noch mal mit ihm schlafen, um ihn aus meinem Kopf zu bekommen?
Kurz erwäge ich, die Geräusche und Bewegungen in der Küche einfach zu ignorieren, aber meine Neugier siegt. Also schaue ich durch die Tür und sehe tatsächlich Win. Und wieder haut mich sein Anblick um. Ich kann einfach nichts dagegen tun.
Er steht mit dem Rücken zu mir und macht sich am Herd zu schaffen. »Hi!« Ich war auch schon mal einfallsreicher. Aber ich will auf gar keinen Fall, dass er denkt, ich freue mich, ihn zu sehen. Moment, wie bescheuert ist das denn? Es sollte mir völlig egal sein, was er denkt.
Offensichtlich hat er mich nicht kommen hören, denn er zuckt zusammen und dreht sich um. »Miri?« In der einen Hand hält er eine Gabel, die andere wischt er an der Jeans ab.
Weil ich weiß, dass er mich an meinem Lächeln erkennt, lächle ich. Er zwinkert mir zu.
»Ich koche Spaghetti. Möchtest du auch?« Leicht verlegen deutet er auf die beiden Töpfe hinter sich.
»Wenn du genug hast, warum nicht?« Tatsächlich habe ich ein wenig Hunger. »Warum kochst du mitten in der Nacht?«
»Weil ich die letzten Wochen in Australien war? Mein Flieger ist vor sechs Stunden gelandet, und ich bin hellwach. Es fühlt sich an wie Mittag.«
»Wie war es denn? Lohnt es sich? Warst du alleine dort?« Für die letzte Frage könnte ich mich ohrfeigen.
»Ja.« Seine gute Laune ist plötzlich wie weggeblasen. Scheinbar ruhig gießt er die Nudeln ab. »Holst du Teller und Besteck?«
Irgendetwas stimmt nicht. Meine Frage scheint einen wunden Punkt getroffen zu haben. Ich decke den Tisch und überlege, ob ich weiterfragen soll.
Er kommt mir zuvor. Seufzend stellt er die Nudeln und die Soße auf den Tisch. »Wenn ich dir erzählen soll, warum ich allein in Australien war, brauch ich was zu trinken. Ich habe noch eine Flasche Rotwein oben. Trinkst du ein Glas mit?«
»Klar. Ich bin eh noch zu aufgedreht, um zu schlafen.«
»Gut, dann bin ich gleich wieder da.« Er verschwindet, und ich schnuppere an der Tomatensoße. Er hat frisch gekocht, und es riecht verdammt lecker.
Ich mache mich auf die Suche nach Weingläsern und finde keine. Dann werden es wohl Wassergläser tun müssen. Als ich sie gerade neben unsere Teller stelle, höre ich ihn schon wieder die Treppe herunterkommen.
»Ein Geschenk meiner Eltern zur Verlobung«, sagt er und schwenkt die Flasche hin und her.
»Verlobung?« Ich kann nur hoffen, dass man mir nicht ansieht, wie fassungslos ich bin. »Du bist verlobt?« Gut, meine Stimme klingt ruhig.
»Ich war verlobt.« Kurz zeigt sich so etwas wie Schmerz auf seinem Gesicht. Er holt einen Flaschenöffner aus einer Schublade und schenkt uns ein. »Auf die Ehe!« Mit einem traurigen Blick nimmt er zwei tiefe Züge, schenkt sich nach und setzt sich dann.
Ich verteile Nudeln und Soße auf unseren Tellern, und schweigend beginnen wir zu essen. Es schmeckt himmlisch.
»Wo hast du so gut kochen gelernt?« Vielleicht bringt ihn das auf andere Gedanken.
»Ich koche schon immer gerne.« Schulterzuckend nimmt er noch einen Schluck Wein. »Sie hat mich verlassen.«
»Weil ihr dein Essen nicht schmeckt? Selbst dran schuld. Ich liebe es.«
Mein Versuch, die Stimmung zu lockern, wird mit einem Lächeln belohnt. »Danke. Aber nein. Sie hat einen ehrgeizigeren Mann geheiratet. Einen mit kurzen Haaren, Anzug und einem Ego für drei. Alles Dinge, die ich ihr nicht bieten kann oder will.«
»Warum habt ihr euch verlobt, wenn sie so einen Mann wollte?«
Er lehnt sich zurück und schwenkt den Wein in seinem Glas hin und her. »Sie hat wohl gedacht, ich würde mich ändern, zur Vernunft kommen und doch noch bei meinem Vater in der Kanzlei einsteigen.«
»Aber du hast doch Geschichte studiert. Wie kommt sie da …«
Kopfschüttelnd winkt er ab. »Ich habe keine Ahnung, wie sie auf diese Idee kam. An dem Tag, an dem ich dich kennengelernt habe, hätte unsere Hochzeit sein sollen.«
Ich verharre mit der Gabel in der Luft. Aua. Ich bin also der Trostpreis. Ein Lückenfüller. Warum tut das so weh? So ist es mir doch eigentlich am liebsten.
Er beachtet mich gar nicht, sondern spricht einfach weiter. »Sie hat an diesem Tag ihren reichen Kerl in New York geheiratet.«
»Oh«, entfährt es mir. Und weil ich vielleicht noch etwas anderes sagen sollte, füge ich hinzu: »Ganz schön dämlich von ihr.«
Er nickt dankend, zieht die Brille ab und legt sie neben seinen Teller. »Und bevor du dich fragst, was es mit der Australienreise auf sich hat: Das hätte unsere Hochzeitsreise sein sollen. Ein Geschenk meiner Familie. Nachdem sie gegangen war, dachte ich, ich kann genauso gut allein fahren. Schließlich war alles bezahlt. Und ich liebe Australien.«
»Warst du vorher schon mal da?«
»Schon ein paarmal. Mein Großvater hat in Sydney eine Wohnung. Als Teenager habe ich manchmal die Sommerferien dort verbracht.«
»Wow. So einen Großvater hätte ich auch gerne.«
»Meiner ist der beste. Er hat immer hinter mir gestanden und mich in allem, was ich gemacht habe, unterstützt.« Seufzend setzt er die Brille wieder auf. »Großvater hat das Ende meiner Beziehung mit Clarissa zwar sehr bedauert. Eine solche Frau hätte meine Familie gerne an meiner Seite gesehen. Aber als Trost hat er mir angeboten, das Penthouse trotzdem als Ausgangsbasis zu nutzen.«
»Jetzt beneide ich dich ein wenig. Ich kenne nur die Mutter meiner Mutter, aber die wohnt in Berlin, und ich habe sie nur selten gesehen. Es freut mich immer, wenn ich höre, dass es auch anders sein kann. Du hast also noch viel Kontakt zu ihm? Wie kommt es, dass er ein Penthouse in Australien hat?«
»Er besitzt eine große, internationale Immobilienfirma.«
Mehr scheint er zu dem Thema nicht sagen zu wollen. Ich möchte sowieso lieber über Australien reden. »Ich wollte auch schon immer mal nach Australien. Vielleicht nach dem Master. Die Weite dieses Landes muss fabelhaft sein.«
»Ist sie auch. Dort findet man wirklich Ruhe und einen ganz eigenen Menschenschlag. Ich denke, das bleibt nicht aus, wenn der nächste Nachbar über hundert Kilometer weit weg wohnt. Im Outback hilft man sich.«
»Eine Freundin von mir war nach dem Abi ein Jahr lang dort. Sie hatte so ein Work-and-Travel-Visum. Sie hat mir erzählt, dass man im Outback immer Arbeit findet und sich so den nächsten Reiseabschnitt finanzieren kann.« Ich muss aufpassen, sonst gerate ich ins Schwärmen.
»Das stimmt. In den Städten kannst du im Callcenter oder als Kellner anheuern und im Outback als Erntehelfer, Haushaltshilfe, Kindermädchen … Meist kannst du sofort anfangen. Der Lohn im Outback ist geringer, aber dafür bekommst du Kost und Logis.«
»Und wunderbare Freundschaften. Sagt zumindest meine Freundin.«
»Wie gesagt, ein ganz eigener Menschenschlag.«
»Hättest du gefragt, hätte ich dich begleitet.« Die Worte sind raus, bevor ich darüber nachdenken kann.
»Echt? Ich dachte, du würdest Nein sagen. Nächstes Mal nehme ich dich mit.«
Ich beschließe, meinen Fauxpas mit Lässigkeit zu überspielen. »Für einen kostenlosen Urlaub in Australien würde ich sogar deine Gesellschaft in Kauf nehmen.« Lächelnd trinke ich einen Schluck Wein.
»So weit ist es also schon, dass ich Frauen mit kostenlosem Urlaub locken muss.« Theatralisch legt er sich die Hand aufs Herz. »Ich werde es mir merken.«
Inzwischen haben wir zu Ende gegessen, und er schenkt Wein nach. »Glücklicherweise konnte ich den Flitterwochenurlaub in einen Sport- und Abenteuerurlaub umbuchen. Ich habe all die Dinge gemacht, die mit Clarissa nicht möglich gewesen wären: Mountainbiken, Klettern, Wildwasserraften, Tauchen, Fallschirmspringen, unter freiem Himmel im Outback übernachten …«
»Klingt nach jeder Menge Spaß.«
Seine Augen leuchten. »Den hatte ich auch. Ich fürchte fast, ich hatte mehr Spaß, als ich...




