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E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Koch Zacho


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-903271-57-9
Verlag: novum premium Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-903271-57-9
Verlag: novum premium Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Santiago del Monte, Kolumbien: Konrad Zeller und seine Frau Maria leben mit Sohn Zacho in dem kleinen Dorf, alles ist perfekt. Als Konrad eines Tages von einer Dienstreise zurückkehrt, kann er es nicht glauben: Das gesamte Dorf wurde durch ein Massaker ausgelöscht. Doch Zacho konnte sich als Einziger unbemerkt retten. Von nun an gilt es, Zacho vor den Tätern zu schützen, die Hintergründe des Massakers aufzuklären und den Tod seiner Frau zu rächen. Der Kampf gegen eine gefährliche Bande, die das Attentat den Guerilleros zuschiebt, entfacht. Getrieben vom Glauben an die Gerechtigkeit decken Vater und Sohn gemeinsam mit den kolumbianischen Behörden Unglaubliches auf - Drogen, Morde, Prostitution, Gier - an Brutalität kaum zu überbieten. Was steckt hinter dem Massaker und können sie dem organisierten Verbrechen in Kolumbien das Handwerk legen?

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1


Konrad Zeller war es gewohnt für Aufträge seiner deutschen Firma von seinem Büro in Kolumbien aus in entlegene Landesteile auf dem südamerikanischen Kontinent zu reisen. Aber die jetzige Fahrt nervte ihn mit zunehmender Fahrdauer. Schuld war die eintönige Landschaft gepaart mit dem regnerischen Wetter. Je weiter er ins Unbekannte vorstieß, umso mehr Schlaglöcher wies der brüchige Straßenbelag auf.


Hier zu fahren war ermüdend und erforderte die ständige Beobachtung der Fahrbahn. Mehr als fünfzig Stundenkilometer im Durchschnitt waren bei diesen Verhältnissen nicht drin. „Meine Wirbelsäule wird heute Abend wieder streiken und das für einen so unbedeutenden Auftrag.“


Leise fluchte er vor sich hin: „So ein Mistwetter, warum kann heute nicht die Sonne scheinen, wenn schon die Landschaft nicht viel hergibt?“ Auch seine Lieblingsmusik, die er nun schon zum zweiten Mal von seiner CD wegen der unterschätzten endlos langen Fahrt abspielte, konnte seine Stimmung nicht aufhellen.


Immer wieder sah er Kaffeeplantagen links und rechts der Straße, aber nirgendwo einen Weinberg. „Und hier soll ich eine Anlage zur Weinherstellung betriebsbereit errichten“, ging ihm durch den Kopf. „Hoffentlich gibt es keine zwei Orte mit dem gleichen Namen und ich bin zum falschen unterwegs.“


Er ließ Orte mit nie gehörten Namen hinter sich, bis er nach langer Überlandfahrt schließlich müde und verschwitzt mit knurrendem Magen bei nur noch bleigrauem Tageslicht am Zielort Santiago del Monte eintraf. Der Regen hatte schon länger aufgehört, und so hatte sich seine Laune inzwischen etwas gebessert.


Der zentrale Platz des Ortes, auf den er fuhr, war zur Abendstunde gut besucht. Viele Campesinos saßen vor der dortigen Bar, und reges Stimmengewirr erfüllte den Platz.


Mit steifen Beinen kletterte Konrad Zeller aus seinem Gefährt, froh sich die Beine vertreten zu können. Am liebsten hätte er jetzt einige Lockerungsübungen gemacht. Aber dazu kam er nicht, denn schnell war er von einer Männertraube umringt, noch bevor er nach dem Weg zum Weinbauern Cortes fragen konnte.


Ein Fremder, dazu noch mit einem neuen Auto, welches man nur vom Prospekt her kannte, das musste man gesehen haben.


Nur selten verirrte sich ein Fremder in dieses weite Tal. Mit seinem Volkswagen erregte Zeller bei seiner Ankunft große Aufmerksamkeit. Alle kamen, um das Auto zu bestaunen. Zeller wunderte sich über das ungewöhnliche Interesse an seinem Wagen, bis jemand erklärte, dass es im ganzen Ort nur drei in die Jahre gekommene Autos unterschiedlicher Hersteller gab, deren gemeinsame Merkmale zahlreiche Beulen und Blessuren jedweder Art waren.


Geduldig beantwortete Konrad Zeller alle Fragen zu Leistung, Spritverbrauch und Höchstgeschwindigkeit und konnte schließlich selbst nach dem Weg zum Weinbauern Carlo Cortes fragen. Weil er geduldig alle Fragen aus der Menge beantwortet hatte, wollten ihm nun alle gleichzeitig den Weg erklären. Abwehrend hob er die Hände: „Danke, danke, es reicht, wenn mir einer den Weg beschreibt“, unterbrach er den Redeschwall.


Schnell fand er den gesuchten Betrieb, wo man ihn schon erwartete. „Ich hoffe, Sie haben unseren Ort ohne allzu große Schwierigkeiten gefunden“, begrüßte ihn Carlo Cortes auf dem Hof seines Anwesens. „Die von Ihrer Firma vorab gelieferten Gerätschaften haben wir in dem Schuppen dort links eingelagert.


Aber das hat Zeit bis morgen. Kommen Sie zuerst einmal ins Haus, ich möchte Ihnen meine Familie vorstellen. Meine Frau wird Ihnen Ihr Zimmer zeigen und dann werden wir gemeinsam zu Abend essen. Ich gehe davon aus, dass Sie nach so langer Fahrt hungrig sind.“


Konrad Zeller nickte zustimmend und bedankte sich für die herzliche Begrüßung. Insgeheim war er froh den richtigen Ort und den gesuchten Betrieb gefunden zu haben.


Zeller verkörperte das klischeehafte Bild eines Germanen mit seinen 1,83 Metern und seinen blonden Haaren. Trotz der ermüdenden Fahrt fielen seine Körperhaltung und sein bestimmtes Auftreten auf. Alles an ihm strahlte eine gewisse Ruhe und Gelassenheit aus. Wissende Augen verströmten Sicherheit und Kompetenz. Eine nicht zu übersehende Aura an Selbstbewusstsein umgab ihn. Sein Erscheinungsbild beeindruckte Cortes sehr, und mit sich zufrieden dachte er, dass er wohl die richtige Firma mit einem guten Fachmann beauftragt hatte.


„Nach dem Frühstück werde ich Sie morgen zuerst mit den Örtlichkeiten vertraut machen“, meinte Cortes beim Abendbrot wohlwollend. „Danach können Sie mit Ihrer Arbeit beginnen.“


Konrad Zeller war an diesem Abend recht einsilbig. Ein richtiges Gespräch wollte nicht aufkommen. Dazu war er zu abgespannt. Er bedankte sich für den herzlichen Empfang und das schmackhafte Essen und bat – müde von der langen Fahrt – um Verständnis dafür, dass er sein Zimmer aufsuchen wollte.


Es herrschte klarer Sonnenschein als Konrad zum Frühstück erschien. Der Regen war wie weggeblasen. „Das richtige Wetter um Ihnen die Weinberge und unseren Ort zu zeigen“, begrüßte ihn ein gutgelaunter Carlo Cortes.


Auf dem Weg durch die Weinberge erzählte Cortes, dass er seit einigen Jahren Versuche machte, sich durch die Erzeugung von Wein neben dem Kaffee ein zweites Standbein zu schaffen. „In jahrelanger mühevoller Arbeit haben wir die bislang ungenutzten Flächen an den Hängen in Südlage in Weinberge umgewandelt.“


Konrad Zeller fragte ihn etwas überrascht: „Wie kommt man als Kaffeebauer auf die Idee Wein herzustellen? Zumal Wein in Kolumbien selten getrunken wird.“


„Meine Frau ist vom Stamm der Mapuche aus dem Süden Chiles“; erzählte er. „Von ihr stammt die Idee mit dem Weinbau, den kennt sie aus ihrer Heimat Chile.“


Beim Gang durch die Weinberge informierte ihn Cortes: „Wir haben im Vorfeld Versuche mit unterschiedlichen Rebsorten hinsichtlich Boden und Ertrag durchgeführt, bevor wir uns für einen größeren Anbau entschlossen haben. Nun steht die erste größere Ernte bevor. Wir sind sehr aufgeregt“, gestand Cortes. „Die Ernte scheint gut auszufallen, aber Masse ist nicht Klasse. Das ganze Dorf verfolgt unseren Versuch in gespannter Erwartung.“


Konrad Zeller drängte sich die Frage auf, wer denn in der Familie über Kenntnisse der Weinherstellung verfügte. Cortes ahnte dessen Gedanken und erklärte lachend: „Über die erforderlichen Fachkenntnisse zur Weinherstellung verfügt meine Tochter Maria. Sie hat in Bogotá Biologie studiert und dabei die Weinherstellung als besonderen Schwerpunkt ausgewählt. Ich werde sie Ihnen heute Nachmittag, wenn sie kommt, vorstellen. Dann können Sie, wenn Sie wollen, mit ihr fachsimpeln.“


Schweigend stiegen beide hintereinander die Stufen zu den höher gelegenen Rebstöcken empor. Cortes blieb immer wieder stehen, begutachtete die Trauben und schnitt mit seiner Schere, die er immer bei sich trug, einzelne junge Triebe zurück. „Mit der Weinlese können wir bald beginnen“, lautete sein Urteil, sich zu Zeller umdrehend.


Etwas außer Atem fragte er oben angekommen: „Darf ich Sie nach dem längeren Marsch durch die Weinberge zu einem Kaffee in die Bar am zentralen Platz einladen? Ich kann jetzt einen Kaffee vertragen. Wie ist das mit Ihnen?“


Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort: „So lernen Sie unsere Dorfbar kennen. Sie würden mir eine Freude bereiten, wenn Sie mitgehen.“ „Gern“, sagte Konrad, „den Platz habe ich bereits bei meiner Ankunft gestern im Halbdunkel gesehen, aber vom Platz selber nicht viel erkennen können, da mein Auto viel Aufsehen erregte.“


„Zentrum des Platzes bildet der Dorfbrunnen mit seinen ihn umgebenden Bänken“, erklärte Cortes als sie den Platz aus einem Seitenweg kommend betraten. Mit dem Arm auf den Brunnen zeigend sagte er: „Die Figur auf dem Sockel in der Mitte stellt den Freiheitskämpfer Emilio Domingo Sanchez von der Insel Margarita dar.“


An einem freien Tisch Platz nehmend bestellte Cortes zwei Kaffee und Zeller ergänzte „Para mi con leche, por favor“.


„Der duftet ja betörend“, entfuhr es Zeller anerkennend als der Kaffee gebracht wurde.


„Der ist ja aus unserer eigenen Produktion und wird vom Wirten persönlich geröstet, etwas Besseres können Sie nicht trinken.“


Während Cortes seinem Besucher die Örtlichkeit erklärte, trank Zeller genüsslich seinen Kaffee. „Der Zufahrtsstraße gegenüber, hier links, sehen Sie unsere kleine, in die Jahre gekommene Kapelle, die zu klein geworden nicht mehr alle Einwohner bei einem Gottesdienst aufnehmen kann. In einer Traube stehen dann die Gläubigen vor der geöffneten Tür.“


Das konnte sich Zeller gut vorstellen, wenn er an den gestrigen Abend und seine Ankunft dachte.


„Das größte Gebäude des Ortes, uns gegenüber, ist die Kooperative. Nach deren Gründung, an der ich großen Anteil habe, suchten wir damals einen geeigneten zentralen Platz für die Errichtung eines Lagergebäudes für die Kaffeeernte. Schließlich haben wir das zu klein gewordene und dem Verfall preisgegebene Gemeindehaus durch diesen Neubau ersetzt“, berichtete er nicht...




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