- Neu
E-Book, Deutsch, 100 Seiten
Koehler Mein Kriegstagebuch
3. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9241-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit der Nachrichtentruppe nach Russland
E-Book, Deutsch, 100 Seiten
ISBN: 978-3-6957-9241-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hans Peter Koehler wurde am 9. Mai 1921 in Bad Freienwalde geboren. Mit seinen Eltern zog er nach Magdeburg, wo er von 1927 bis 1938 die Volksschule besuchte. 1939 begann er eine Lehre als Fernmeldemonteur, die er 1941 mit dem Einzug zur Wehrmacht unterbrechen musste. Während des Russlandfeldzugs von 1941 bis 1945 führte er ein Tagebuch, das er nach dem Krieg mit Bildern und Erinnerungen ergänzte. Ab 1945 arbeitete er wieder als Fernmeldemonteur bei seiner alten Firma. Er heiratete Katharina und bekam mit ihr zwei Kinder. In den 1950er-Jahren wurde er Revisor bei der VVB R-F-T Anlagenbau und später zum Oberinspektor bei der Deutschen Post im Bereich Fernmeldewesen befördert. Anschließend absolvierte er ein Studium der Ingenieurpädagogik. Als Fachautor wirkte er im Kollektiv an mehreren technischen Fachbüchern mit: - Wissensspeicher Fernmeldewesen - Formeln, Übersichten, Tabellen (1970) - Wissensspeicher Nachrichtentechnik - Grundlagenbildung (1974) - Wissensspeicher Nachrichtentechnik (1978) - Nachrichtentechnik Wissensspeicher (1985) Erschienen im VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin. Seinen Ruhestand verbrachte er ab 1986 in Brandenburg an der Havel. Hans Peter Koehler starb am 5. Dezember 2008 im Alter von 87 Jahren.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 3
In Krasnoje
Es war eine längere Zeit vergangen, und es hatte sich fast alles total geändert.
Am 20.11.41 früh um 6 Uhr sind wir und 3 andere Trupps zugleich mit einem kleinen LKW abtransportiert worden. Es war das reinste Massengrab, so lagen wir übereinander, bis unser Trupp so gegen 18 Uhr in Krasnoje, ein Dorf zwischen Orscha und Smolensk, ankam. Hier sollten wir nun stationiert sein und uns einrichten. Es war schon sehr dunkel und alles sah beschissen aus. Nur flaches Land und das einzige was ich sah, war eine kleine Baracke. Wir hatten kein Licht, kein Strom, kein Wasser und keine Heizung. Es war höllisch kalt und uns blieb nichts anderes übrig als unsere sieben Sachen abzuladen. Alles wurde in der Baracke verstaut. Dann machten wir uns auf den Weg und erkundeten die Gegend. Zu unserer größten Freude entdeckten wir ganz in der Nähe ein Lager der Operation Todt.
Nach langem Suchen und Umherirren fanden wir in der Unterkunft der Wache, für das Gefangenenlager, eine Bleibe. Dort konnten wir auch für 0.60 M pro Tag essen.
Am nächsten Tag gab es viel zu tun. Wir arbeiteten in- und an der Baracke, so daß es im Laufe der Zeit immer wohnlicher wurde. Tische und Wandbretter wurden gebaut, ein Ofen gesetzt, das Holz zerkleinert und ein Klosett gebaut.
Hier sollten wir eine Verstärkerstelle aufbauen. Die Aufgabe dieser Verstärkerpunkte war, die Funk und Nachrichten Leitungen von der Front nach Deutschland aufrecht zu erhalten.
Wir waren Verstärkerstelle 29 (V29).
Wir hatten es uns den Möglichkeiten entsprechend schon ganz gemütlich gemacht. Es zog zwar noch gewaltig durch die Dielen und Fenster, so daß es nur um den Ofen herum etwas warm war, aber trotzdem waren wir ganz froh, schon so viel geschafft zu haben. Heinrich war unser Koch, und bis jetzt kochte er ganz gut. Ich habe eine Gartentür nach vorne raus gebaut. Der Deutsche muß doch immer rumwirken und alles verbessern.
Am 1. Advent, den 30.11.41 bin ich schon früher aufgestanden, wir wohnten ja jetzt in der Baracke und hatten alles mit Tannengrün geschmückt. Dann haben wir uns gewaschen, denn wir sahen schon aus wie die Schweine, weil wir noch kein Wasser hatten. Wir bekamen auch von der OT elektrisches Licht, jetzt war alles gleich nochmal so gemütlich. Ich baute noch eine Stehlampe, denn nur so eine Birne an der Decke war doch nicht so schön. Vom Bürgermeister, er war für das Dorf zugleich Kommandant, hatten wir uns 6 Leute geholt, die uns um die Baracke einen Graben zogen und auch Holz hackten. Die Leute arbeiteten wie die Irrsinnigen. Wir hatten mit ihnen verhandelt, daß sie uns jeden Morgen Milch mitbringen sollten und dafür bekamen sie von uns Tabak und Brot. Einen Tag später hatten wir uns dann leckeren Milchreis gemacht.
Am 2. Advent waren Helmut und ich wieder organisieren und hatten dabei ausfindig gemacht, daß im Dorf Krasnoje nachmittags auch Tanz war. Mit der Verständigung war das so eine Sache, jedes Wort mußte man aus dem Wörterbuch mehrmals sagen und meistens noch die Hände zu Hilfe nehmen. Man konnte die Wörter aber nicht von den Einheimischen aus dem Wörterbuch lesen lassen, denn es stand nur die Aussprache dabei. Wir gingen so um 16 Uhr ins Dorf, daß etwa 1 km von unserer Baracke entfernt war. Das Schifferklavier hatten wir auch mit und es waren schon eine Menge Leute versammelt. Helmut und ich spielten immer abwechselnd, ein OT-Mann spielte Bandonium, es wurde feste getanzt, das ging etwa so bis 21 Uhr. Im Prinzip war es ja verboten, mit der Zivilbevölkerung Kontakt aufzunehmen, aber die höhere Leitung war mindestens 250 km weit weg in Minsk.
Wir hatten uns vom Bürgermeister jemanden sagen lassen, der unsere Wäsche wäscht und mit dem Wörterbuch hatte das dann auch recht gut geklappt. Ich habe auch einen brauchbaren Schlitten gebaut, wir sollten nämlich die Verpflegung von der OT erhalten, diese war ja ein ganzes Ende von uns entfernt. Nun konnten wir alle 8 Tage unsere Rohmaterialien bequem mit dem Schlitten holen. Ich fertigte auch ein paar Stullenbretter an, es fehlte aber auch an allem. Kommandeur Major Süßmann war hier und hatte unseren Bau besichtigt. Wir haben geredet und Tee getrunken. Es hat ihm anscheinend alles recht gut gefallen, denn er hat sich lobend ausgesprochen. Ferner sind wir das 2. Mal gegen Kolera geimpft worden. Da kam immer so ein angelernter Sani mit und jagte einem eine Spritze in die Brust, ab und zu brach dann auch mal die Nadel ab.
Die Verpflegung war zu dem Zeitpunkt sehr schlecht, wir kriegten überhaupt keine Butter und keine Wurst. Der Spieß sagte einfach: »Wir haben nichts.« In unserer Not hatten wir mehrere Tage lang den Karo-Kaffee einfach geröstet gegessen.
Am 13.12.41 früh um 6 Uhr hatte ich Dienst. Es war zur Zeit mächtiges Tauwetter und überall sank man bis zum Knöchel in den fetten Lehmboden ein. Wir bauten jetzt um die Baracke einen Laufsteg aus Brettern, so konnte man wenigstens trockenen Fußes um unsere Baracke laufen und Wache halten. 5 Gefangene, die wir uns vom Lager geholt hatten, machten die Dreckarbeit, denn unsere Zivilrussen sind ausgeblieben. Den Gefangenen gaben wir immer Zigarettenkippen und Käserinde, worüber die sich sehr freuten. Einen Maschinensatz A hatten wir auch schon zu stehen. Das war ein benzinbetriebener 2-Takt Generator zur Stromerzeugung, der mobil auf einem Anhänger aufgebracht war. Bald kam auch das erste MEK-Gerät. Das MEK 8 zum Beispiel war ein Mehrfach Einzelkanalgerät für Kabel und Freileitungen, das über eine Doppelleitung bis zu 8 Gespräche übertragen konnte.
Das Wetter hier war doll, in einer Woche waren es 31 Grad Kälte, dann kam wieder solch ein mächtiger Sturm, daß von mehreren Verstärker-Posten die Meldung kam, ihr Dach hat sich abgehoben oder die Teerpappe ist davongeflogen.
Bei uns, wir waren V29 (Verstärkerstelle 29) war noch alles in Ordnung. Auf V9 hatte es gebrannt, näheres war aber noch nicht bekannt. Mitte Dezember waren wir wieder mal organisieren: 1/2 Sack Mehl und viel russisches Brot. Wir kochten in unserer Baracke Kartoffeln mit Mehlstippe. Die Verpflegung bei der OT war aber bedeutend besser, vor allem gab es viel Zigaretten (leider rauchte ich keine) und Drops, ferner hatten wir auch mehr Lebensmittel, Marmelade und Schnaps bekommen. Mit Geld war dort tatsächlich nichts anzufangen.
Heinz Vieler in Düsseldorf
Ich hörte per Telefon, daß eine ganze Postsendung an unseren 4. Zug (Einheit) vollkommen durchweicht war und dadurch konnten die Anschriften kaum gelesen werden. Wir hatten mit allen in der Heimat ausgemacht, daß die Post laufend nummeriert wird, so merkte man gleich, wenn noch was fehlte. Heinz Vieler baute aus einer leeren Artilleriehülse eine Stehlampe, die ich eigentlich bauen wollte. Dafür fertigte ich einen Aschenbecher an.
Am 20.12.41 hatten wir unsere Verstärker für TF (Träger-Frequenz) bekommen und im Dienstraum auf eine Bank gestellt. Es waren recht große und schwere röhrenbestückte Geräte. Außerdem lagerten bei uns 22 Faß Benzin, das wir für unsere Maschinensätze brauchten.
Es wurde wieder kälter und die ganze Nacht hatte es geschneit. Es lagen große Schneeberge um unsere Baracke, die noch durch den starken Wind vergrößert wurden. Es war rings um uns eine öde, flache, weiße Landschaft.
Einen Sonntagabend, als wir wieder einmal vom Tanzen kamen, bin ich so unglücklich hingerutscht, daß ich mir die Schulter verrenkt hatte. Mit dem Arm konnte ich nun gar nichts mehr machen und ich trug ihn in der Binde, dadurch konnte ich nur Innendienst machen. Außerdem mußte ich die Gefangenen beaufsichtigen. Ich ließ die Motorbaracke aufräumen, damit wir den zweiten Maschinen A-Satz noch reinfahren und unseren ersten gleich mit aufstellen konnten. Die Fässer muß-ten vorläufig noch draußen bleiben, wir bauten da aber später noch einen Schuppen.
Ich verhandelte mit einem russischen Schuster, der sollte mir für 25 Zigaretten ein Paar Filzstiefel machen. Er wollte aber noch einen Autoschlauch als Material sehen. In der Nacht machte ich mich dann auf den Weg ins Dorf und schlich heimlich zwischen den Hütten herum. Endlich hatte ich einen passenden Schlauch gefunden und brachte diesen am nächsten Morgen dem russischen Schuster. Mit den Schuhen die wir hatten, hatte man laufend kalte Füße, daran hat die Wehrmachtführung wohl nicht gedacht.
Es sind schon viele Landser vorbeigekommen, deren Füße schwarzgefroren waren. Der Spieß war wieder mit Post da und es wurde Marketenderwaren verkauft. Ein Marketender war jemand, der militärische Truppen begleitete und die Soldaten mit Waren und Dienstleistungen des täglichen und privaten Bedarfs versorgte.
Weihnachten rückte immer Näher, und es fehlten mir noch eine Menge Päckchen aus der Heimat. Abends schnitzte ich jetzt immer Löffel aus Holzstücken. Man mußte sich seine Sachen hier eben selber herstellen. Wir hatten ja kein Wasser und so holte ich ein leeres Benzinfass. Es war zwar noch etwas Benzingeruch zu merken, aber zum Waschen ging es schon. Vorher mußte der Nachtdienst die ganze Nacht auf dem Ofen Schnee tauen. Der Chef hatte auch ein kleines Radio mitgebracht, das ist doch etwas ganz...




