Köhler-Oswald | Mörder lauf Galopp | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: Mörderischer Osten

Köhler-Oswald Mörder lauf Galopp

Ein Thüringen-Krimi
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95958-721-1
Verlag: Bild und Heimat Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Thüringen-Krimi

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: Mörderischer Osten

ISBN: 978-3-95958-721-1
Verlag: Bild und Heimat Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Leonie Ritter ist entsetzt: Jemand hat mit einer Armbrust auf ihre friedlich grasenden Pferde geschossen. Sie bittet ihre Freundin Paula Mälzer, die ihren Posten als Kriminaloberkommissarin bei der Kripo Jena gegen eine Stelle als Dorfpolizistin in Dornburg-Camburg eingetauscht hat, um Hilfe. Doch Paula schickt ihren jungen Kollegen Jan Weinreich. Der kann nicht verhindern, dass Leonie eine Bürgerwehr organisiert, die die Tiere in Kleinroda schützen soll. Die Schüsse auf ihre Pferde waren nicht die ersten Tierquälereien im Jenaer Umland. Schon in der ersten Nacht ereignet sich Dramatisches: Landwirt Horst Pfeifer wird tot aufgefunden, zwei Armbrustpfeile im Rücken. Nun muss Paula selbst aktiv werden. Andreas Pfeifer, der Sohn des Toten, und Holzdieb Steffan Ulrich geraten ins Visier der Kommissarin. Hat der Tod von Horst Pfeifer etwas mit den Holzdiebstählen zu tun? Schließlich finden die Ermittler den flüchtigen Andreas Pfeifer. Aufgehängt an einem Hochsitz ... Bissige Hunde, schrullige Dorfbewohner und jede Menge Fettnäppchen behindern Paula Mälzer und ihr Ermittlerteam auf der Suche nach dem Armbrustmörder. Vor dem realen Hintergrund brutaler Angriffe auf Weidetiere und professionellen Holzdiebstahls inszeniert Heike Köhler-Oswald in Mörder lauf Galopp einen aufwühlenden Krimi in den nur scheinbar idyllischen Wäldern Thüringens.

Heike Köhler-Oswald, geboren 1966, wuchs in Erfurt auf. Nach vielen Berufsjahren als Technische Zeichnerin war sie sie fünf Jahre lang als Verwaltungsangestellte am Lehrstuhl für Architektur der Bauhaus-Universität Weimar tätig. Heike Köhler-Oswald lebt mit ihrer Familie, zwei Pferden und noch viel mehr Getier auf einem alten Vierseithof. Mörder lauf Galopp ist ihr erster Kriminalroman.
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2. Kapitel

Das schlechte Gewissen nagte an Paula, als sie in der großen Küche nach dem Frühstück Ausschau hielt. An Schlaf war jetzt eh nicht mehr zu denken, und so konnte sie ihr Schlafdefizit vielleicht mit jeder Menge Rührei und Schinken ausgleichen? Ihre Nase hatte sie nicht getrogen. Auf dem Herd stand eine große Pfanne gefüllt mit der begehrten Speise. Paula schaufelte sich einen ordentlichen Berg auf einen Teller. Wenn ihr nicht dieser neue Fall dazwischengekommen wäre, dann hätte natürlich sie sich um den Tierquäler gekümmert.

Vor ein paar Monaten war Paula aus Jena zu Leonie nach Kleinroda auf den Bauernhof gezogen. Die kleine Pferdepension hatte Leonie mit ihrem verstorbenen Mann Felix aufgebaut. Vor drei Jahren war Felix dann tödlich mit dem Auto verunglückt. Leonie war bei ihrer Schwiegermutter Marlis und Oma Eri auf dem Hof geblieben. Paula war nach der Trennung von ihrem Mann Gernot zu Leonie nach Kleinroda geflüchtet. Sie hatte ihre Stelle als Kriminaloberkommissarin bei der Kripo Jena hingeschmissen und die freie Stelle beim Polizeiposten der Verwaltungsgemeinschaft Dornburg-Camburg angenommen. Seit über einem halben Jahr kümmerte sie sich nun als Dorfpolizistin um kleinere Delikte wie Diebstahl, Lärmbelästigung oder eben auch Tierquälerei. Umso ärgerlicher, dass sie ausgerechnet jetzt abkommandiert worden war. Wochenlang war hier nichts, aber auch gar nichts passiert. Hätte sie vor einiger Zeit nicht Polizeimeister Jan Weinreich zugeteilt bekommen, wäre sie bestimmt schon vor Langeweile gestorben. So hatte sie sich wenigstens um den neuen Kollegen kümmern können, hatte mit ihm die umliegenden Polizeiposten besucht und Erfahrungsaustausch betrieben. Jan war ein netter junger Mann, der gerade seinen Polizeimeister in der Tasche hatte und nun von ihr in die Realität des Polizeidienstes eingeführt werden sollte.

»Welcher Polizeidienst?«, murmelte Paula mit vollem Mund vor sich hin. Aber nein, da war ja auch noch Bauer Opel, der tagelang auf der Lauer gelegen hatte, um endlich diese Apfeldiebe an der Kreisstraße zu erwischen. Ihrer habhaft geworden, hielt er sie mit einer Mistgabel davon ab, einfach ins Auto zu steigen und wegzufahren. Vor lauter Panik hatten die Apfeldiebe selbst bei Paula angerufen. Nur schwer hatte Paula den aufgebrachten Bauern beruhigen können. Erst als sie mit einer Anzeige wegen Behinderung der Polizeiarbeit gedroht hatte, hatte Bauer Opel die Forke sinken lassen und die Apfeldiebe in Paulas Gewahrsam gegeben.

Und dann war da natürlich in schönster Regelmäßigkeit Oma Alma, die sich über einen Wäschedieb beschwerte. Nur konnte sich Paula beim besten Willen nicht vorstellen, wer Oma Almas Schlüpfer hätte stehen wollen, aber sie nahm die Anzeige jedes Mal auf und beruhigte Oma Alma, den Kerl schon noch zu erwischen. Sie hatte mit der Tochter der Fünfundachtzigjährigen gesprochen und von der Altersdemenz erfahren.

Als Tom dann gestern angerufen hatte, wäre sie ihm am liebsten um den Hals gefallen. Richtige Polizeiarbeit, genau das, was sie jetzt brauchte. Da sie im Polizeiposten nur einen Halbtagsjob machte, wurde sie ab und zu von ihren alten Kollegen der Polizeiinspektion Jena um Mithilfe gebeten. Da musste sich der Jan eben besonders engagiert mit dieser Tierquälerei befassen, beschloss Paula. Sonst würde Leonie tagelang bockig sein.

Kriminalkommissar Tom Gerlach, der wegen Holzdiebstahls im großen Stil ermittelte, und die Aussicht, mal wieder wie in alten Zeiten mit ihm durch die Kneipen zu ziehen, hatten sie gestern nach Jena gelockt. Wegen der Holzdiebstähle wäre sie natürlich nicht die halbe Nacht aufgeblieben, aber es war einfach schön, mit ihrem alten Kollegen um die Häuser zu ziehen. Nun hatte sie einen mordsmäßigen Kater, und jedem anderen hätte es wahrscheinlich das Frühstück verdorben, aber nicht so Paula. Essen konnte sie einfach immer und in jeder Lebenslage.

Als die drei anderen Frauen des Hofes in die Küche kamen, wischte Paula ihren Teller gerade mit einer Scheibe Toaste blitzsauber. Pappesatt schob sie ihren Teller von sich weg. Ihre Lebensgeister wachten allmählich auf. Sie gähnte herzhaft und streckte sich.

»Ich muss los«, murmelte sie und schob sich schnell aus der Tür, um Leonies vorwurfsvollem Blick zu entgehen.

In ihrem Zimmer schlüpfte sie schnell in ihre übliche Dienstkleidung, Jeans, T-Shirt und Lederjacke. Energisch bürstete sie ihr langes braunes Haar und band es in einen strengen Pferdeschwanz. Als sie in ihre ausgelatschten Turnschuhe stieg, schlich ein Grinsen über ihr Gesicht. Erst gestern Abend wieder hatte Tom sich über ihr Schuhwerk aufgeregt. Tom ging nie ohne seine geliebten Cowboystiefel aus dem Haus, und manchmal dachte Paula, dass er sicher auch nicht ohne seine Lieblinge ins Bett ging. Tom hatte ihr mit großer Geste vor einigen Wochen ein Paar echte Cowboystiefel als verspätetes Geburtstagsgeschenk überreicht, aber sie hatte noch nicht den Mut gefunden, diese auch anzuziehen.

Als sie aus der Tür des Bauernhauses trat, kam ihr Jan Weinreich entgegen. Schnell gab sie ihm alle wichtigen Instruktionen zum Tierquäler-Fall. Er sollte die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Sachbeschädigung in Verbindung mit dem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz leiten, und Paula legte ihm diesen Fall ganz besonders ans Herz. Wobei sie sich ziemlich sicher war, dass Jan sich voll ins Zeug legen würde. Die Blicke, die er ihrer Freundin Leonie zuwarf, ließen für sie keine Zweifel offen, nur Leonie selbst schien die Verliebtheit des jungen Polizeimeisters nicht zu bemerken.

In ihrem ehemaligen Büro in der KPI Jena angekommen, begrüßte sie müde ihren Kollegen Hase. Der machte seinem Namen alle Ehre. Klein und drahtig, mit großen abstehenden Ohren konnte Paula die Ähnlichkeit mit einem Feldhasen nicht leugnen. Auch sein vorsichtiges, verhaltenes Wesen erinnerte sie an Meister Lampe.

»Hallo Hase, schön dass wir mal wieder zusammenarbeiten. Tom hat mir gestern Abend schon von den Holzdiebstählen berichtet, und ich weiß ja, dass du das Büro nicht so gerne verlässt.«

»Schon gar nicht, wenn es in den Wald geht«, murmelte Hase. »Was machst du eigentlich schon so früh hier?«, fragte er skeptisch.

»Auf Leonies Pferde wurde mit einer Armbrust geschossen, und da hat sie mich natürlich aus dem Bett geholt. Ich soll nun sofort den Übeltäter dingfest machen.« Ein herzhaftes Gähnen folgte Paulas Worten. »Wenn du mir einen Kaffee machst, erzähl ich dir alles.«

Hase sprang auf und flitzte zum Kaffeeautomaten. Als er mit Paulas Cappuccino zurückkam, seufzte diese:

»Du bist mein Held, Hase.«

Ein zartes Rot überzog Hases Wangen, dann lauschte er gespannt Paulas Bericht.

»So eine Schweinerei! Hoffentlich kann dein junger Kollege da helfen und erwischt diesen Kerl.« Hase war sichtlich aufgebracht.

So leidenschaftlich kannte Paula ihn gar nicht.

»Ich hatte als Kind mal einen kleinen Hund. Irgendein Schwein aus der Nachbarschaft hatte Rattengift ausgelegt und Bulli hat das gefressen«, berichtete Hase traurig.

Paula fühlte sich ein wenig unwohl, hatte sie früher vor allem dienstlich mit Hase gesprochen. Und nun rollte ihm doch fast eine Träne die Wange hinunter. Das war zu viel Gefühl am frühen Morgen für Paula. Sie schnappte sich ihren Kaffee und die Zigaretten und verzog sich schleunigst auf die Feuertreppe.

Hier würde sie in Ruhe auf Tom warten. In einer Stunde hatten sie ein Treffen mit dem Förster, der zuständig war für das Waldgebiet um Jena herum, wo erst vor ein paar Tagen ein riesiger Stapel Holz entwendet worden war.

Als Tom endlich zur Tür hereinschlurfte, war Paula schlechtgelaunt. Ihr Magen knurrte schon wieder, und Tom hatte ihr nichts aus der Bäckerei mitgebracht. Ohne Essen war Paula nur ein halber Mensch. Mitleidig reichte Hase ihr seine Frühstücksstulle, und Paula stopfte diese ohne große Umstände in sich hinein. Tom zog einen Prospekt über amerikanische Cowboystiefel aus der Tasche und glitt ab ins Reich der Träume. Mühsam schluckte Paula das trockene Leberwurstbrot hinunter und riss Tom den Prospekt aus den Händen.

»Los. Der Förster wartet, außerdem hast du genug Stiefel.«

»Davon kann man gar nicht genug haben«, maulte Tom und folgte Paula widerwillig. Er mochte Paula sehr gern, und die Gelegenheit, wieder mit ihr zu arbeiten, freute ihn sehr. Aber dass sie immer über seine Leidenschaft für Stiefel lästern musste, störte ihn dann doch ein wenig. Er hatte als Kind unheimlich gern die alten Cowboyfilme mit John Wayne geschaut, und vielleicht war er deshalb auch zur Polizei gegangen. Heimlich verglich er sich mit seinem Kindheitsidol. Er war ein großer, kräftiger Kerl mit einem verwegenen Dreitagebart und trug am liebsten Jeans und lässige Hemden. Seine Stiefel unterstrichen seine Wildheit, fand er. Es steckte einfach ein Sheriff in ihm und der konnte ja schlecht in ausgelatschten Turnschuhen auf Verbrecherjagd gehen. Wenn Paula das nur einmal einsehen wollte.

Als der Dienstwagen im Wald schmatzend in einer großen schlammigen Pfütze hielt, schaute Tom besorgt auf seine teuren Stiefel. »Hoffentlich ruiniere ich mir die nicht völlig in diesem Dschungel«, murmelte er.

»Ich denke, das sind Cowboystiefel, die sind doch extra für die Wildnis gemacht«, feixte Paula.

»Aber nicht diese hier! Weißt du, was die gekostet haben?«, empörte sich Tom über Paulas unsensible Art. »Kann ja nicht jeder auf Gesundheitslatschen abfahren«, grummelte er und stieg vorsichtig aus dem Auto.

»Wo finden wir denn deinen Förster? Konnte der nicht in die Dienststelle kommen?« Während...


Heike Köhler-Oswald, geboren 1966, wuchs in Erfurt auf. Nach vielen Berufsjahren als Technische Zeichnerin war sie sie fünf Jahre lang als Verwaltungsangestellte am Lehrstuhl für Architektur der Bauhaus-Universität Weimar tätig. Heike Köhler-Oswald lebt mit ihrer Familie, zwei Pferden und noch viel mehr Getier auf einem alten Vierseithof. Mörder lauf Galopp ist ihr erster Kriminalroman.



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