Koen | Das Geheimnis der Braut | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 888 Seiten

Reihe: Die Tamworth-Saga

Koen Das Geheimnis der Braut

Historischer Roman: Die Tamworth-Saga 2 | Das Schicksal einer englischen Lady im 19. Jahrhundert
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-411-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman: Die Tamworth-Saga 2 | Das Schicksal einer englischen Lady im 19. Jahrhundert

E-Book, Deutsch, Band 2, 888 Seiten

Reihe: Die Tamworth-Saga

ISBN: 978-3-98690-411-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Intrigen, Skandale und Verrat: Der opulente historische Roman »Das Geheimnis der Braut« von Karleen Koen jetzt als eBook bei dotbooks. Die ungestüme Liebe einer jungen Frau - und ein Geheimnis, das alles zunichtemachen könnte ... Seit ihrer Kindheit liebt die junge Barbara Alderly den wohlhabenden und äußerst attraktiven Earl of Devane, Roger Montgeoffry. Als er um ihre Hand anhält, scheint ein Traum wahrgeworden zu sein. Doch das Leben bei Hofe an Rogers Seite erweist sich schnell nicht nur als Enttäuschung, sondern als gefährliches Spiel mit dem Feuer - denn der Earl hütet seit langem ein dunkles Geheimnis, das Barbaras Familie in den Abgrund stürzen könnte. Wird es ihr gelingen, sich sicher zwischen den fein gewebten Netzen aus Lügen und Intrigen der Aristokratie zu bewegen und ihr Erbe von Rogers Verrat reinzuwaschen? »Macht, Gier, Familienkonflikte, brennender Ehrgeiz und Leidenschaft: Die LeserInnen werden gefesselt sein!« Publishers Weekly Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der vielschichtige historische Roman »Das Geheimnis der Braut« von Karleen Koen ist der zweite Band der Tamworth-Saga und kann unabhängig von Band 1 gelesen werden. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Karleen Koen interessierte sich schon von früh auf für Geschichte, insbesondere die Rolle der Frau darin. Sie arbeitete für verschiedene Magazine, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Eine besondere Inspiration war dabei ihr Großvater mit seiner großen Sammlung historischer Romane. Heute lebt Karleen Koen in Houston. Die Website der Autorin: karleenkoen.net Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin die Tamworth-Saga mit den Bänden »Das Spiel der Hofdame« und »Das Geheimnis der Braut«.
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Kapitel 1


Durch das halb geöffnete Fenster der Bibliothek waren zwei zornige Stimmen zu hören. Als Barbara sie erkannte, blieb sie stehen und sah sich nach einem Platz um, wo sie zuhören konnte, ohne gesehen zu werden. Sekunden später schlüpfte sie hinter den alten Efeu, der die hellrote Ziegelmauer des Hauses überzog. Mit seinen Ranken, die an manchen Stellen so dick wie ihre Handgelenke waren, gab der wuchernde Efeu das Haus nur zögernd frei. Jedes Frühjahr ringelte er vorwitzige, dünne Finger um die Fensterrahmen und in die Zimmer, und jedes Frühjahr schnitt Barbaras Großmutter die Triebe ab und wies die Gärtner an, den ganzen Efeu zurückzuschneiden. Jetzt, im November, klammerte er sich eigensinnig ans Haus. Viele seiner dunkelgrünen Blätter waren von der Kälte schon gelbbraun geworden.

»Dummkopf! Unverschämter kleiner Dummkopf!« Die Stimme ihrer Mutter war deutlich aus der Bibliothek zu hören. »Hast du dir eingebildet, ich wäre damit einverstanden? Wolltest du vielleicht wie ein geprügelter Hund angekrochen kommen, um dir meinen Segen zu holen? Meinen Segen! Ich könnte dich umbringen. Ist dir eigentlich klar, was du da fast angestellt hast? Denkst du überhaupt noch – oder fühlst du nur noch mit diesem harten Schwanz zwischen deinen Beinen?«

Normalerweise klang die Stimme ihrer Mutter tief und heiser, doch wenn sich Ärger oder Zorn hineinmischten, war das Ergebnis ohrenbetäubend.

Harry murmelte irgendetwas, und Barbara versuchte, näher ans Fenster zu kommen, damit sie besser lauschen konnte, aber der Efeu war zu dicht. Er war so alt wie das Haus, das vor über hundert Jahren, zur Zeit von Elisabeth I., gebaut worden war. Es erstreckte sich über mehrere Stockwerke, doch was einst an ihm als modern gegolten hatte, erschien jetzt überholt und altmodisch: die gewundenen Ziegelschornsteine, von denen keiner wie der andere war, die vielen spitzen Giebel, die Fenster mit ihren kleinen Butzenscheiben, die dunklen, kalten Räume mit ihren unebenen Fußböden. Im Park gab es Ulmenwege, einen Bowling-Rasen, Fischteiche und einen Irrgarten. Barbara liebte das Anwesen, denn sie war hier geboren und aufgewachsen. Sie kannte jeden Weg und Steg und jede knarrende Treppenstufe. Sie fühlte sich sicher und geborgen hier, außer wenn ihre Mutter zu Besuch kam, was zum Glück nicht oft vorkam. Wie war sie nur dahintergekommen? Barbara sah das hübsche Gesicht ihrer Mutter vor sich und ahnte, was ihrem Bruder noch bevorstand.

»Du bist solch ein Dummkopf«, sagte ihre Mutter, die vor Zorn kaum weitersprechen konnte. »Diese Verbindung ist völlig unpassend. Jetzt mehr denn je. John Ashford war entsetzt, als ich ihm erzählte ...« Harry musste eine Bewegung gemacht haben – er saß sicher auf einem Stuhl, sein Gesicht genauso hart wie das ihrer Mutter, die Fäuste geballt, um nicht die Beherrschung zu verlieren –, denn Mutters Stimme hatte einen anderen Ton angenommen. »Ja, ich habe es ihm erzählt! Und seine Tochter stand neben ihm. Wenn sie nicht schon gewimmert hätte wie ein kleines Kind, das sie ja auch ist, hätte ihr Vater sie geschlagen. Ich hätte es auf jeden Fall getan. Gott, wie gern hätte ich sie geschlagen! Und was dich angeht, dein Verhalten ist unverzeihlich. Jede Verbindung, die wir jetzt eingehen, ist von großer Wichtigkeit – das solltest du eigentlich am Besten wissen!«

Jedes Wort hatte den klaren scharfen Klang von Endgültigkeit. Barbara ahnte, dass Harry, der sich nie einen Deut um die Zukunft scherte, von dem raschen, entschlossenen Auftritt ihrer Mutter überrumpelt worden war.

»Ich pfeif auf die Familie«, sagte Harry. »Und auf dich erst recht. Ich liebe sie. Was spielt das für eine Rolle, wen ich heirate? Und der Skandal könnte bestimmt nicht größer sein als der, den du und Vater ...«

Barbara hörte das Klatschen einer Ohrfeige. Sie zuckte zusammen, als ob sie und nicht Harry geschlagen worden wäre.

»Erwähne deinen Vater nie wieder in meiner Gegenwart.« Wie viel Hass in diesen Worten lag. »Er ist aus meinem Leben verschwunden. Wie Jane aus deinem. In ein paar Monaten wird sie ihren Cousin heiraten; die Ashfords sind schon dabei, sie zu einer Verwandten zu verfrachten. Und du wirst auch wegfahren, Harry. Ein paar Monate in Italien, eine Reise nach Frankreich werden vielleicht für jenen Schliff und jene Gelassenheit sorgen, die ein junger Mann von deiner ... was? Impulsivität? Ja, Impulsivität braucht. Ich ziehe es vor, dich für impulsiv statt für dumm zu halten. Harry, du solltest dein Gesicht sehen. Die Erwähnung von Italien besänftigt wohl den heißblütigen Liebhaber in dir, wie?« Sie lachte. »Das habe ich mir gedacht.«

Es war immer gefährlich, Mutter gegenüber Gefühle zu zeigen; sie bemerkte sie sofort und verwendete sie gegen einen. Ihre Stimme klang jetzt schwächer. Vermutlich war sie in eine andere Ecke des Zimmers gegangen. Barbara musste sich auf die Zehenspitzen stellen, um überhaupt noch etwas hören zu können.

»Du wirst mir gehorchen. Meres wird bis zu deiner Abreise bei dir sein, damit es zwischen dir und deinem kleinen Schatz zum Abschied nicht noch irgendwelche romantischen Rendezvous gibt. Mit unliebsamen Überraschungen neun Monate später. Die Sache ist aus, ein für alle Mal. Es war eine Jugendliebe, ein Strohfeuer, das erste von vielen, da bin ich sicher. Ich überlasse dich deinen Gedanken, mein lieber Harry. Falls du überhaupt welche zusammenbekommst.«

Jetzt war es still. Barbara wäre gern zu ihrem Bruder gegangen, aber sie besann sich eines Besseren. Er war grausam gedemütigt worden, und nun wollte er sicher allein sein. Sie setzte ihren Fuß auf eine dicke Efeuranke; vielleicht konnte sie ganz vorsichtig hochklettern, um wenigstens einen Blick durch das Fenster zu werfen.

»Mistress Barbara!«

Sie sprang hinunter. Das musste eines der Dienstmädchen sein, das sie über den Besuch ihrer Mutter unterrichten wollte. Na schön, mit etwas Glück konnte sie ihrer Mutter vielleicht ganz aus dem Weg gehen. Und schlimmstenfalls würde sie ihr morgen ein paar Minuten begegnen, ehe sie nach London zurückfuhr. Sie trat aus dem Efeu, immer noch unentschieden, ob sie nun fliehen oder zu Harry gehen sollte.

»Mistress Barbara!«

Die Stimme des Dienstmädchens kam näher. Barbara ergriff die Flucht, lief über die großen Fliesen der Bibliotheksterrasse, an Großmutters Rosengarten vorbei, dessen Büsche jetzt kahl und hässlich waren, und erreichte die geschnittene Eibenhecke, deren dichte, immergrüne Blätter sie verbergen konnten. An die Eiben schlossen sich die Wäldereien an; wenn sie erst einmal dort war, konnte sie leicht den Nachmittag bei einem von Großmutters Pachtbauern in der warmen Küche sitzen, Tee trinken und Walnüsse essen, während die Hausfrau über die Ernte, Kochrezepte und Kinder schwatzte.

»Mistress Barbara!«

Sie lief noch schneller, sodass sich ihr Mantel wie ein kleines dunkles Segel hinter ihr bauschte. Die Wälder ragten vor ihr empor, und sie rannte auf sie zu, als ob die Jagdhunde ihres Großvaters ihr auf den Fersen wären.

*

Im Salon der Herzogin von Tamworth sank Diana, die Vicomtesse Alderley, in einen Sessel und legte ihre Füße auf einen altmodischen, silberbeschlagenen Hocker mit schweren, gedrechselten Beinen. Sie war eine schöne Frau mit dunklen Haaren, veilchenblauen Augen, einem weißen Teint und vollen roten Lippen. Diese Vorzüge betonte sie noch durch den reichlichen Gebrauch von Puder und Schminke. Aber ihr Aussehen täuschte: Diana besaß die Konstitution (und die Sensibilität) eines Pferdes. Nach elf Geburten hatte nur ihre Taille gelitten, was aber durch ein Korsett kaschiert wurde, und zwischen Mund und Nase waren zwei Falten tiefer eingegraben. Ein junges Mädchen lief geschäftig um sie herum, um die Kissen in ihrem Rücken zurechtzuschieben und ihr Kleid gefällig zu arrangieren. Diana warf derweil einen Blick auf einen Teller Konfekt, der auf einem Tisch neben dem Sessel stand, wählte eine kleine, dick mit Zucker bezogene Pflaume und biss bedächtig hinein. Ein paar Tropfen des klebrigen Pflaumensaftes rannen über ihr Kinn und befleckten das Mieder ihres Kleides.

Ihre Mutter, die verwitwete Herzogin von Tamworth, saß auf einem gradlehnigen Stuhl und wartete ungeduldig. Ihre runzeligen Hände lagen still auf ihrem Krückstock, ihre Augen waren unverwandt auf Diana gerichtet, und immer wieder zuckte ein Muskel an ihrem Kinn. Im Gegensatz zu ihrer Tochter war die Herzogin nie schön gewesen. Früher hatte sie darunter gelitten, doch jetzt nicht mehr. Die Zeit hatte sich dieser Dinge angenommen und die klaren, strengen Linien ihres Gesichtes, die scharfe Intelligenz und die Willenskraft in ihren Augen immer deutlicher hervortreten lassen. Jetzt, in ihren Sechzigern, war die Herzogin eine so charakterstarke Erscheinung, wie Diana es trotz ihrer veilchenblauen Augen und ihres hübschen Gesichtes nie sein würde, wobei sie sich freilich aus Charakter ohnehin nichts machte. Die Herzogin sah zu, wie ihre Tochter eine weitere Pflaume nahm und sie langsam verzehrte.

»Genug, Diana«, sagte sie schließlich. Sie kannte ihre Tochter in- und auswendig, und sie ließ ihr viel durchgehen, schon um Richards willen, Gott hab ihn selig. Aber irgendwo gab es eine Grenze. »Schick das Mädchen hinaus!«, befahl sie schroff.

Die schweren Türen fielen quietschend hinter dem Mädchen ins Schloss.

»Harry.« Unvermittelt sprach die Herzogin den Namen aus. Diana leckte sich gemächlich die Finger ab. Die Herzogin wusste, dass sie sich dabei absichtlich Zeit ließ, und blieb geduldig auf ihrem Stuhl sitzen, obwohl es sie in der Hand juckte. Am liebsten hätte sie ihren Stock gehoben und ihrer Tochter damit einen Schlag versetzt. Fast ihr ganzes Leben lang waren Diana und sie immer...



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