König | Chefarzt Dr. Holl 1996 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1996, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

König Chefarzt Dr. Holl 1996

Mit einem Zittern fing es an
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-7041-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mit einem Zittern fing es an

E-Book, Deutsch, Band 1996, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

ISBN: 978-3-7517-7041-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dr. Friedrich Mertens ist ein angesehener Gynäkologe. Das Wartezimmer seiner Münchener Praxis ist stets gut gefüllt, und er operiert als Belegarzt in der Berling-Klinik. Auch Nele Schneider begibt sich bei ihm in Behandlung. Bei ihr ist eine Krebs-Vorstufe diagnostiziert worden, deshalb muss Gewebe vom Gebärmutterhals entnommen werden.
Am Tag der Operation fühlt sich Dr. Mertens, wie schon so oft in letzter Zeit, zitterig. Dem schenkt er aber keine Beachtung, routiniert trifft es die OP-Vorbereitungen. Der Eingriff kann beginnen. Zunächst läuft alles nach Plan, doch dann passiert ein fürchterlicher Fehler ...

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Mit einem Zittern fing es an

Dr. Mertens' Krankheit bringt Patienten in Gefahr

Von Helene König

Dr. Friedrich Mertens ist ein angesehener Gynäkologe. Das Wartezimmer seiner Münchener Praxis ist stets gut gefüllt, und er operiert als Belegarzt in der Berling-Klinik. Auch Nele Schneider begibt sich bei ihm in Behandlung. Bei ihr ist eine Krebs-Vorstufe diagnostiziert worden, deshalb muss Gewebe vom Gebärmutterhals entnommen werden.

Am Tag der Operation fühlt sich Dr. Mertens, wie schon so oft in letzter Zeit, zittrig. Dem schenkt er aber keine Beachtung, routiniert trifft er die OP-Vorbereitungen. Der Eingriff kann beginnen. Zunächst läuft alles nach Plan, doch dann passiert ein fürchterlicher Fehler ...

»Ach, Nele. Wenn du mir nur die Chance gegeben hättest ... mein Herz wäre auf ewig dein gewesen.«

Nele blinzelte und starrte Benni mit großen Augen an. Wie ein Reh, das vom Scheinwerferlicht eines Autos überrascht wurde, beobachtete sie den attraktiven Mann mit dem rabenschwarzen Haar, der sich nun spitzbübisch über den Tisch beugte und sich ihr mit übertrieben gespitzten Lippen näherte. Ihr Herz schlug bis zum Hals. Als die Lücke zwischen ihr und seinem Kussmund bedrohlich klein wurde, schob sich Tomas so zwischen die beiden, dass Bennis Schmatzer seine Wange traf. Leni, die direkt neben Nele saß, lachte laut auf. Zufrieden grinsend lehnte sich Tomas wieder zurück und legte einen Arm um Neles Schulter.

»Hat sie aber nicht. Sie hat sich für mich entschieden.«

»Hört, hört!«, rief die blonde Leni gut gelaunt.

Benni hob abwehrend die Hände und setzte sich wieder zurück an seinen Platz. »Ich weiß. Ich wollte es nur noch einmal erwähnt haben, wenn wir schon darüber sprechen.«

»Tun wir das?«, fragte Nele mit gehobenen Augenbrauen, während sie ihre Hand auf Tomas' Arm legte.

Benni zuckte mit den Schultern. »Hast du nicht gerade gesagt, dass es Zeit für mich wäre, die richtige Frau zu finden?«

»Ja. Damit deine ewigen Flirtereien aufhören. Ich rieche dein aufgestautes Testosteron bis hierhin.«

Leni kicherte. »Komm schon, Nele. Das ist nun einmal Bennis Art. Du weißt, dass er das nicht ernst meint. Das haben die Musiker nun einmal so an sich. Gehört zum Image und kommt bei seinen Fan-Girls gut an, wie wir schon damals auf seinen Konzerten feststellen durften.«

Benni schüttelte den Kopf. »Schwachsinn. Erstens sind die Band-Zeiten schon lange Geschichte. Ich bin jetzt ein ernstzunehmender Musikkritiker.«

»Und Gitarrenlehrer«, fügte Tomas hinzu.

Benni nickte und nahm einen ordentlichen Schluck aus seinem Bierglas. »Zweitens meinte ich das vorhin vollkommen ernst, und das wisst ihr auch! Mir hat Nele von Anfang an verdammt gut gefallen. Ich habe sogar Tomas von ihr vorgeschwärmt. Ich konnte ja nicht ahnen, dass die Frau meiner Träume mehr auf den klassischen Spießbürger steht. Nimm's mir nicht krumm, Tomas.«

Der gelernte Bürokaufmann lächelte schief. »Keine Sorge, Kumpel. Warum sollte ich? Wie du selbst gesagt hast: Am Ende ist sie mit mir nach Hause gegangen.«

»Können wir bitte über etwas anderes reden?«, bat Nele mürrisch. Sie fühlte sich immer unwohler.

Leni knuffte sie in die Seite. »Hab dich nicht so. Ich finde das Thema definitiv interessanter als die Frage, ob ihr euch ein neues Elektroauto anschaffen solltet.«

»Sag ich ja. Spießbürger«, kommentierte Benni dazu und leerte mit einem erneuten Schluck sein Glas.

Leni, die jahrelang als Kellnerin gearbeitet hatte und solche Dinge sofort registrierte, stand sogleich auf. »Die nächste Runde geht auf mich. Alle noch einmal dasselbe?«

»Nicht für uns«, erklärte Tomas. »Es wird langsam spät. Wir machen uns bald auf den Weg.«

»Ach, kommt schon!«, rief Benni. »Der Abend hat doch gerade erst begonnen.«

»Nicht für Menschen, die jeden Tag pünktlich um acht Uhr im Büro sein müssen.«

Der Musiker sah betrübt zu Leni. »Aber du lässt mich nicht im Stich, oder?«

Die Blondine lächelte. »Keine Sorge. Ich habe morgen frei und definitiv nicht vor, meine leere Wohnung vor Mitternacht zu betreten. Von mir aus können wir noch bis morgen früh über alte Zeiten sinnieren.«

Nele sah, wie Bennis Blick weich wurde. Es prickelte auf ihrer Stirn. War das etwa Eifersucht? Was immer es war, es bestärkte sie darin, damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Doch die Frage beschäftigte sie noch, nachdem Tomas und sie sich schon längst von den beiden verabschiedet und das Lokal verlassen hatten. Draußen war es noch hell, das Sonnenlicht am Horizont tauchte den Münchener Himmel in ein herrliches Rosa und bescherte ihnen einen warmen Juni-Abend.

Nele zog ihre Sommerjacke wieder aus. Dann sah sie zu Tomas und musterte ihn neugierig. »Bist du denn nie eifersüchtig, wenn Benni solche Sprüche von sich gibt?«

Überrascht hob ihr Freund die Brauen. »Sollte ich?«

Nele errötete. »Nein, natürlich nicht.« Sie spürte, wie er einen Arm um sie legte und sie näher an sich heranzog.

»Eben. Es gibt keinen Grund dafür. Wir sind nun schon seit zwei Jahren ein Paar, seit Oktober wohnen wir sogar zusammen, und das sehr harmonisch. Es läuft alles genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin gerne mit dir zusammen.«

Nele lächelte.

»Ich auch mit dir. Du bist sehr beständig und zuverlässig. Das liebe ich an dir.« Bei Tomas konnte sie abschalten. Er schenkte ihr Sicherheit, etwas, nach dem sie sich schon als Jugendliche gesehnt hatte. Sie war in einem liebevollen, aber chaotischen Haushalt aufgewachsen. Bei Tomas gab es keine Überraschungen, keine emotionalen Achterbahnfahrten. Das ließ sie nachts gut schlafen.

»Außerdem bist du nicht der einzige Mensch, den Benni umgarnt. Hab ich dir jemals erzählt, was seine ersten Worte an mich waren, als wir uns im Fitnessstudio kennengelernt haben?«

Nele sah ihn fragend an.

Tomas räusperte sich, um Bennis sonore Stimme zu imitieren. »Alter. Ich wünschte, ich hätte so einen Oberkörper wie du.«

Nele lachte. »Das hat er zu dir gesagt?«

»Ja. Kein Hallo, kein Wie geht's. Er ist direkt zur Sache gekommen. So ist er nun einmal. Aber er hat das Herz am rechten Fleck. Sonst wären wir alle ja nicht mit ihm befreundet. Und ich habe durch ihn meine bezaubernde Freundin kennengelernt. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein.«

Nele lächelte und schmiegte sich an ihn. Im Gegensatz zu Benni war ihr Freund mit Komplimenten wie diesem etwas sparsamer.

»Findest du mich wirklich so bezaubernd?«

»Absolut«, sagte Tomas inbrünstig. Er blieb stehen und zwang sie, es ihm gleich zu tun. Fragend sah sie zu ihm auf. »So bezaubernd, dass ich der Meinung bin, dass wir bereit sind«, sagte er nun und umschloss ihr Gesicht mit seinen Händen.

Sie blinzelte. »Bereit wofür?«

»Für ein Kind, Nele.« Der Blick seiner stechend grauen Augen war klar und fordernd. »Es wird Zeit, endlich eine Familie zu gründen.«

***

»Er will also Kinder?« Leni kam aus dem Staunen kaum heraus. »Aber du doch nicht!«

In dem kleinen Restaurant an der Schellingstraße war es noch ruhig. Das Servicepersonal hatte erst vor wenigen Minuten die Glastüren geöffnet und die Tafel mit dem Tagesmenü hinausgestellt. Immer mal wieder blieben Passanten draußen stehen, doch abgesehen von Nele und einem Stammgast hatte noch niemand das Lokal betreten.

Leni, die die Bestandsliste vom Lager durchgesehen und deswegen Nele bisher nur mit einem halben Ohr zugehört hatte, war nun neugierig geworden.

Ihre Freundin zuckte mit den Schultern. »Das stimmt so auch nicht ganz«, erwiderte Nele. »Ich weiß einfach noch nicht, was ich will. Ich weiß nicht, ob ich jetzt schon bereit bin, Mutter zu sein. Oder ob ich es jemals sein werde.«

Leni betrachtete ihre Freundin mit dem rotbraunen Haar und den waldgrünen Augen. Als sie die schöne, zierliche Frau kennengelernt hatte, war diese noch um einiges quirliger gewesen. Mittlerweile aber waren die schönsten Eigenschaften an Nele ihre Nachsichtigkeit und lebensfrohe Energie. Attribute, mit denen man ihrer Meinung nach sehr gut Kinder erziehen konnte. Wenn man das denn wollte.

»Das spürt man doch«, sinnierte Leni nach einer Weile. »Ich weiß ganz genau, dass ich Kinder haben will, sobald mir der richtige Mann begegnet.«

»Jetzt gleich?«, fragte Nele skeptisch. »Wenn jetzt dein Traummann durch die Tür hineinkäme, würdest du dann alles stehen und liegen lassen, um schwanger zu werden?«

»Warum nicht?«, warf Leni die Frage zurück. »Er ist schließlich mein Traummann. Natürlich würde ich vorher mit meinem Chef sprechen und ihn vorwarnen. Ich habe mich ja nicht umsonst zu seiner Assistentin hochgearbeitet. Aber für solche Fälle gibt es ja...



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