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E-Book, Deutsch, 706 Seiten
König / Verlag Die Schlacht der Fünf Lande
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7549-4173-7
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Schwert der Vergeltung
E-Book, Deutsch, 706 Seiten
ISBN: 978-3-7549-4173-7
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Hinter dem Namen KF König verbergen sich zwei Autoren, die im Bezirk Melk in Niederösterreich leben und 1995 und 1992 geboren sind. Neben der Planung und dem Schreiben ihrer Buchreihe, gelten insbesondere Videospiele, Fußball, der Filmdreh und Lesen zu ihren Freizeitbeschäftigungen. Über den Tribus Buch & Kunstverlag veröffentlichten sie im Jahr 2022 den ersten Band 'Das Schwert der Vergeltung' der Buchreihe 'Die Schlacht der Fünf Lande'. Ein Fantasy-Werk, welches in einem eigens geschaffenen Gebiet, wofür diverse Landkarten erstellt wurden, spielt und die LeserInnen in eine Welt voller Magie, Stärke, Intrigen und grenzenloser Freundschaft eintauchen lässt.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Gefrierende Kälte schlich sich von draußen durch das geöffnete Fenster in die Burg, die jedoch die ohnehin bereits vorherrschende kühle Stimmung der Königsfamilie nicht weiter beeinflussen konnte. Robin starrte beharrlich aus dem Fenster seiner Kemenate, die sich in der obersten Etage befand, in Richtung des Toten-Gebirges. Eine knochige Hand platzierte sich auf seiner Schulter und Robin senkte seinen Kopf. Er sah wie tausende von Menschen dem heftigen Schneefall trotzten und unbeirrt auf dem von Schnee und Eis befreiten Weg entlang in das Toten-Gebirge wanderten.
Die beruhigende Stille war durch seine Mutter beendet worden. »Komm, mein Sohn, mach dich bitte fertig, wir müssen gehen!«
Für Robin war es an der Zeit Abschied zu nehmen. Abschied von seinem geliebten Vater, dem rechtmäßigen König vom Eislande, Sigurd der Neunzehnte, im Volk zusätzlich als »der Gutmütige« bekannt. Robin musste seine gesamte Kraft sammeln, zu innig hing er an seinem Vater. Verzweifelt griff er sich an sein langes blondes Haar, das er geflochten und mit Bändern zusammengebunden hatte. Robin war von durchschnittlicher Statur und Größe, doch verbargen sich unter seinem Wintermantel ansehnliche Muskeln.
Sein schmales Gesicht wurde besonders durch seinen Vollbart betont, doch auch seine strahlend blauen Augen waren auffälliger als bei den anderen Menschen im Eislande, die ebenfalls mit derselben Augenfarbe beglückt waren.
Robin hob seinen gesenkten Kopf an und wagte einen letzten Blick auf die voranschreitenden Menschen. Schließlich schloss er das veraltete Fenster und ging auf seine Mutter zu. Königin Runa war mit einem äußerst dicken Mantel umhüllt, durch den sie trotzdem kaum robuster wirkte, war sie doch mittlerweile dünn und schlaff geworden. Dies verschuldete ihr hohes Alter. Ihre nicht allzu langen grauen Haare verdeckten zum Teil ihre strahlenden Augen, dennoch konnte immer noch eine elegante Dame betrachtet werden, die ihrer Betagtheit trotzte.
Nicht nur Robin, auch Königin Runa hatte schwer mit dem Verlust des Königs zu kämpfen. Sie hatten einander ihr gesamtes Leben lang geliebt. Mit etwa 72 Jahren war sie mehrere Jahre jünger als ihr eben verstorbener Mann. Runa konnte sich kaum noch an die Zeiten erinnern, in der die beiden noch kein Paar gewesen waren. Dies lag bereits einige Jahrzehnte in der Vergangenheit.
Weit in die Vergangenheit reichte ebenso die Anstellung des Königsberaters Ragnarr, der nunmehr 25 Jahre der Königsfamilie diente und dem König in dieser Zeit auf Schritt und Tritt folgte. Ragnarr war ein durchtriebener Mann mit langen braunen Haaren und mächtigem Vollbart. Bekannt war er dafür, Geheimnisse aus den Menschen herauszulocken, um diese für sich nützlich zu machen. Für sein hohes Alter von knapp über einem halben Jahrhundert hatte er noch immer einen ansehnlichen Körper, und dennoch war ihm anzusehen, dass dieser Mann jede Menge erlebt und gesehen hatte.
Ragnarr war als Herumtreiber bekannt, der dem Alkohol nicht gerade abgeneigt war und große Freude an Feiern und Feste hatte. Auf diese Trauerfeier hätte er allerdings gerne verzichtet, entsprechend schätzte er König Sigurd, der ihm damals mit der Aufgabe des Beraters die Möglichkeit bot, aus dem Burghof in die Burg aufzusteigen. Ragnarr musste dafür nicht überredet werden, er war bekannt für seine Gerissenheit und wollte diese Gabe für die Königsfamilie nutzen. Der Tod von König Sigurd nahm großen Einfluss auf die Arbeit von Ragnarr, denn König Sigurd war bisher seine Bezugsperson in der Burg gewesen. Nun allerdings wurde er Königin Runa zur Seite gestellt. Dies war keineswegs Neuland für ihn, nicht selten traten sie einst als Trio auf, wodurch sich ebenso Königin Runa und Ragnarr bestens kannten.
Um rechtzeitig zur Trauerfeier zu gelangen, machten sich Robin, Königin Runa und Ragnarr, dick in ihre Mäntel eingehüllt, auf den Weg. Aufrecht ging Runa voran. Doch sie selbst wusste, dass dies nicht der Realität entsprach. Der Tod ihres Mannes traf sie derart heftig, dass sie am liebsten ihre restliche Lebenszeit eingesperrt in ihrer Kemenate absitzen würde. Der desolate, fragile Zustand ihres Sohnes zwang sie dazu, Stärke und Mut auszustrahlen, um ihm die nötige Hoffnung zu vermitteln.
Gleichwohl war es für sie schwer vorstellbar, wie Robin nur ohne seinen Vater klarkommen sollte. Die beiden waren unzertrennlich. Und doch musste das Leben weitergehen. Es lag an Königin Runa, ihrem Sohn neuen Mut einzuhauchen und dazu zu bewegen, die Nachfolge seines Vaters anzustreben.
Eine große Menschenmenge, traurige und weinende Gesichter so weit das Auge reichte, stand dicht aneinander gedrängt in unmittelbarer Entfernung eines riesigen Steinkreises. Dieser war umgeben von irrsinnig hohem Unkraut sowie bedeckt von Moos und Flechten. Der Steinkreis befand sich im sogenannten Toten-Gebirge, ein kleines Stück nördlich der Hauptstadt Königsburg.
Rundherum erhoben sich hohe mit Schnee und Eis bedeckte Gebirge. Blühende Pflanzen waren vergeblich gesucht worden, derart lange herrschte schon Eiseskälte im Lande. Die wenigen Eschenbäume, die der Kälte beharrlich trotzten, verloren mit den Jahren den Großteil ihrer Blätter und erwachten nicht mehr aus deren tiefem Schlaf. Obwohl das gesamte Lande eisigen Temperaturen ausgesetzt war, stiegen sie im Süden doch deutlich an. Je weiter die Menschen in den Norden vordrangen, desto kälter und gefährlicher wurde es. Da die Einheimischen vom Eislande von überall her für König Sigurds Trauerfeier angereist waren, hatten nicht wenige mit den kälteren Temperaturen in Königsburg zu kämpfen. Sie reisten infolgedessen mit Unterkühlungen wieder heim.
Der Ansturm war enorm, zahlreiche Menschen kletterten auf die kargen Eschen, um einen Blick in den Steinkreis zu erhaschen. Dies war allerdings vollkommen unmöglich, denn das Innere des Steinkreises war von übermächtigen, in die Höhe ragenden, Steinen umgeben und somit vor neugierigen Blicken geschützt. Dieser Schutz sollte ursprünglich nicht das Einsehen abwenden, sondern insbesondere als Mauer dienen, um Unbefugten den Zutritt zu verwehren. Im Eislande war es seit 1598 Gesetz, die Leichen verstorbener Könige in dem dafür errichteten Steinkreis unterzubringen. Verflucht würden alle sein, die sich unbefugt in den Steinkreis begaben und somit die Ruhe der Verstorbenen störten.
Im leichten Schneefall warteten die Menschen auf den Beginn der Zeremonie und sprachen seit geraumer Zeit immer wieder die gleichen Phrasen, »Hoch lebe König Sigurd, der Neunzehnte«, »Für immer und ewig«, sowie »Aegir möge dich zu sich aufnehmen und beschützen«. Eine betagte Frau fing weinend an, für König Sigurd zu singen und mit der Zeit stimmten stetig mehr Menschen mit ein. Durch die Mischung des Gesangs und der erneut gesprochenen Phrasen ertönte ein melodischer Klang, der die Trauerfeiern im Eislande stets speziell machte. Dieses Ritual wurde bereits seit Jahrhunderten praktiziert, doch jedes Mal aufs Neue waren die Anwesenden davon derart begeistert, dass es sie zu Tränen rührte.
Inmitten der wartenden Menschen war ein freier Weg erkennbar, der zum Steinkreis führte und bewusst freigehalten worden war. In den Gesang versunken, erblickten die Trauernden von der Weite vier Gelehrte, die den toten König auf einem wunderschön verzierten Holzgestell herbeitrugen. Mit schleppenden Schritten näherten sich die bejahrten, mit langen grauen Bärten versehenen Gelehrten, dem Eingang des Steinkreises. Sie galten als Diener des Landes. Selbst, wenn der Körper des zuvor schwer erkrankten Königs kaum noch Gewicht hatte, waren den Gelehrten deren Schwierigkeiten unverkennbar anzusehen. Der sich bildende Schweiß floss ihre Gesichter hinab, sodass mehrere Eiszapfen in den langen Bärten zurückblieben.
Der Eingang zum Inneren des Steinkreises wirkte wie ein magisches, geheimnisvolles Tor, gebildet durch feingeschliffene und aneinander gesetzte Steine, in den nur die Gelehrten befugt eintreten durften. Bevor sie die Schwelle in den Steinkreis übertraten, bewegten sich die Köpfe aller Anwesenden nervös umher, um reichlich Details wie möglich aufzuschnappen und eines Tages den eigenen Kindern davon berichten zu können.
Der Tod eines Königs im Eislande, dem Norden der Fünf Lande, war im Laufe der Geschichte zu einer Seltenheit geworden.
Während König Sigurd das hohe Alter von 89 Jahren erreichte, starb sein Vater und Vorgänger König Thanos, der Achtzehnte, der bereits mit zwanzig Jahren den Königsthron bestieg, erst im unglaublichen Alter von 112 Jahren. Die frühe Krönung zum König bescherte König Thanos damals im Volk den Titel »das Kind«, ehe er im fortgeschrittenen Alter als »der Unsterbliche« gepriesen worden war. Der Umstand, dass die letzten zwei Könige eine derart hohe Altersstufe erreichten, obwohl dies im Eislande aufgrund der Kälte keineswegs üblich war, machten diese Trauerfeiern besonders und einzigartig.
Mit einem großen Abstand zu den Gelehrten, den einzig befugten Trägern des Leichnams des Königs, kamen Königin Runa und dessen einziger Sohn Robin hinterher. Als Familienangehörige vom Verstorbenen war es ihnen einmalig erlaubt, den Steinkreis zu betreten. Sowohl für Runa, als auch für Robin, war dies eine neue Erfahrung. Beide waren mit dem Eintreten völlig erstaunt und überfordert, welch Geschichte das Innere preisgab und in weiterer Folge kurz von der Trauer ablenken konnte. Mit offenen Mündern starrten sie auf die willkürlich verteilten gewaltigen Steine, die mit den unterschiedlichen Gravuren der verstorbenen Könige und Königinnen versehen waren.
Überwältigt aufgrund des Gesehenen, standen Königin Runa und der Königssohn Robin wie versteinert da und...




