E-Book, Deutsch, 448 Seiten
Koloniar / McEwen Sniper Elite: Vernichtet Amerika
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86552-489-8
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-86552-489-8
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Als es tschetschenischen Terroristen gelingt, eine russische Kofferatombombe nach Amerika zu schmuggeln, bricht Panik aus: Die nukleare Zerstörung einer großen Stadt steht bevor. Aber niemand weiß, welche das Ziel sein soll.
Schließlich ruft der Präsident Gil Shannon und sein todbringendes Scharfschützen-Team zu Hilfe. Den Männern bleibt jedoch kaum noch Zeit …
Die Thriller von Scott McEwen könnten sehr schnell zu Realität werden – das ist die brutale Wahrheit.
Wieder hat Scott McEwen (der Co-Autor des Bestsellers ) einen actiongeladener Militär-Thriller geschrieben, der einen tiefen Einblick in die riskante Arbeitsweise der US Special Forces gewährt.
Autoren/Hrsg.
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1
Mexiko, Chihuahua,
Anfang September
Egal wie oft Alik Zakayev sie an seiner Jeans abwischte, seine Hände wollten einfach nicht aufhören zu schwitzen. Wieder unter der Erde zu sein machte ihm schwer zu schaffen. Es brachte ihm die Erinnerung an die Taldinsky-Kohlemine in Sibirien zurück, wo er vor zehn Jahren nur knapp den Einsturz eines Schachtes überlebt hatte. Vier Tage lang waren er und sechs andere Kumpel lebendig begraben, bevor der Rettungstrupp sie – benommen und vor Erschöpfung und Durst halb wahnsinnig – schließlich fand und ausgrub. Bis heute verfolgten ihn Albträume davon.
Der Schmugglertunnel, in dem er sich nun befand, lag 30 Meter unter der mexikanischen Grenze zu den USA, zwischen New Mexico und dem mexikanischen Bundesstaat Chihuahua. Er war fast einen Kilometer lang, kaum zwei Meter hoch und maß gerade mal anderthalb Meter in der Breite – voll ausgestattet mit solidem Zementboden, elektrischer Beleuchtung, Lüftungskanälen und einem Entwässerungssystem für sich ansammelndes Grundwasser. Von den 55 Wanderarbeitern, die das todbringende Castañeda-Kartell zu wochenlanger Arbeit unter Tage gezwungen hatte, waren elf während der fünfmonatigen Bauzeit ums Leben gekommen. Die Übrigen hatte man nach der Fertigstellung umgebracht, um eine vollkommene Geheimhaltung sicherzustellen. Der Tunnel war nun seit knapp 15 Monaten in Gebrauch, und seitdem waren durch ihn fast 500 Tonnen Marihuana in die Vereinigten Staaten geschmuggelt worden.
Sein Eingang lag im Inneren einer mexikanischen Lagerhalle, aber das wirklich Geniale an ihm war sein Ausgang auf der amerikanischen Seite: Er befand sich in einem offenen Viehpferch, wo regelmäßig Rinder auf Sattelschlepper geladen wurden, um sie zu einem Schlachtereibetrieb 60 Meilen weiter nördlich zu schaffen. An Verladetagen parkten spezielle Laster mit einer Falltür im Boden genau über der Tunnelöffnung. Während man von hinten die Rinder hineintrieb, konnten von unten eigens angefertigte Hohlräume im vorderen Teil des Lasters mit 25-Kilo-Ballen Marihuana befüllt werden. Etwa 90 Minuten später, wenn die Tiere bei der Anlage abgeladen waren, wurde das Marihuana auf die wartenden Wagen der Schlachterei-Angestellten verteilt.
Mit seiner Vermutung, dass er in seiner Heimat auf der Abschussliste stand, hatte Zakayev absolut richtiggelegen. Nach seiner Entlassung aus Guantanamo Bay war er auf direktem Weg in die tschetschenische Hauptstadt Grosny geflogen, wo er, kaum dass er gelandet war, von den tschetschenischen Behörden in Gewahrsam genommen wurde – für eine kurze, routinemäßige Befragung. Wieder auf freiem Fuß, begab er sich zum Haus seines Bruders, wo er erfuhr, dass ein schwarzer Van die ganze Nacht lang mit laufendem Motor auf der gegenu¨berliegenden Straßenseite gestanden hatte. Das bestätigte seine schlimmsten Befu¨rchtungen. Er kontaktierte sofort die Rijadus-Salichin, die ihn noch am gleichen Abend unter ihren Schutz stellten. Innerhalb einer Woche war er aus Tschetschenien nach Deutschland geschleust worden, wo er einen waghalsigen Auftrag annahm. Und drei Wochen später kam er in Mexiko an, als Tourist mit deutschem Pass, den er in Bad Tölz von einem Meisterfälscher bekommen hatte, der in Bayern in einer Druckerei arbeitete.
Sein amerikanischer Anwalt hatte völlig zu Recht behauptet, dass Zakayev nichts mit den Bomben in Boston zu tun hatte. Ehe die Gesichter der Zarnajew-Brüder überall im Fernsehen auftauchten, hatte er noch nicht einmal von ihnen gehört. Nun bedeutete dies allerdings nicht, dass er kein Teil des Dschihads war, und niemand wusste dies besser als der SWR, Russlands gefürchteter Auslandsgeheimdienst. Sechs Monate nach den Bostoner Anschlägen im April 2013 griff die russische Polizei Zakayev in Moskau auf, während er dort gerade das U-Bahn-System der Stadt für einen Anschlag auskundschaftete.
Obwohl der SWR keine tatsächlichen Beweise gegen ihn fand, war den Agenten klar, dass er ein Mitglied von Rijadus-Salichin war und mit seinem Aufenthalt in der russischen Hauptstadt kaum gute Absichten verfolgen konnte. Innerhalb von 48 Stunden hatten sie sein Visum widerrufen, eine zweifelhafte Geschichte über eine angebliche Verbindung zu den Zarnajew-Brüdern erfunden und ihn schleunigst an die CIA weitergereicht – als Geste der Kooperation zwischen den beiden Organisationen. Die darauffolgenden fünf Monate in Guantanamo Bay hatten ihn nicht nur davon überzeugt, den Dschihad noch entschlossener fortzusetzen, sondern auch dazu geführt, dass im Brennpunkt seiner Verachtung nicht länger die Russische Föderation stand, sondern die Vereinigten Staaten.
Jetzt war er tief unter der Grenze zwischen Mexiko und den USA, nur ein paar Wochen davon entfernt, den größten Schlag gegen die westliche Demokratie auszuführen, den die Welt je gesehen hatte. Inschallah! So Gott will! Es war eine gute Zeit, Muslim zu sein. Eine stolze Zeit. Eine stolze Zeit, Teil des Dschihad zu sein. Osama bin Laden mochte dem Onkel-Sam-Schwein einen Baseballschläger gegen die Schienbeine geschmettert haben. Zakayev und seine Rijadus-Salichin-Brüder dagegen würden es direkt in die Knie zwingen, und die westliche Welt würde nie mehr dieselbe sein.
Das Rijadus-Salichin-Kommando war 1999 vom tschetschenischen Terroristen Schamil Bassajew gegründet worden, und obwohl es mit seinem Tod 2006 zunächst in der Versenkung verschwunden war, tauchte es vier Jahre später mit einer Reihe von Selbstmordanschlägen im Kaukasus plötzlich wieder auf. Bis 2013 hatten Rijadus-Salichin ihren Fokus von Russland auf den Westen verschoben, womit sie sich die finanzielle Unterstützung ihrer Verbündeten bei Al-Qaida sicherten.
Zakayev war heute Nacht der einzige Salafist im Tunnel, der einzige Tschetschene. Fünf mexikanische Mitglieder des Castañeda-Kartells waren bei ihm und halfen, eine 35-Kilo-Bombe auf einem vierrädrigen Karren durch den Tunnel zu schaffen. Glücklicherweise hatten die Castañedas keine Ahnung, was sie da in Wahrheit vor sich herschoben. Sie hielten es für einen gewöhnlichen Sprengsatz, wie er auch in Boston eingesetzt worden war. Dass es sich dabei aber um eine gestohlene russische Kompaktbombe vom Typ RA-115 handelte – eine sogenannte Kofferatombombe – mit einer Sprengkraft von zwei Kilotonnen, davon ahnten sie nichts. Andernfalls hätten sie den Tschetschenen umgehend getötet und das Gerät für sich behalten, egal wie viel Zakayevs Leute ihnen bereits für ihre Hilfe gezahlt hatten.
Einer der Castañedas sprach Englisch. Er hieß Javier und arbeitete bereits im Tunnel, seit dieser fertiggestellt war. »Wir sind jetzt genau unter der Grenze«, erklärte er, »mehr als den halben Weg haben wir hinter uns.«
»Gut«, gab Zakayev nachdenklich zurück, immer erpichter darauf, aus diesem schummrigen Grab herauszukommen.
Javiers vier Helfer fluchten indes weiter auf den Wagen ein, während sie sich abmühten, das sperrige Gefährt vorwärtszubugsieren. Es hatte keine Gummireifen, und die großen metallenen Laufrollen blockierten alle paar Meter durch winzige Kieselsteine, die beständig von den Tunnelwänden rieselten.
Javier trat gegen die Ecke des Wagens, um ihn wieder zum Rollen zu bringen, und grinste Zakayev an. »Kennst du den anderen Tschetschenen, den wir letzte Woche rübergeschafft haben?«
Zakayev löste den Blick von der Bombe und musterte Javier im Halbdunkel des Tunnels. »Welcher andere Tschetschene?«
Der Mexikaner deutete auf Zakayevs Gesicht. »Blaue Augen wie du. Schleppte auch so eine grüne Kiste mit. Letzte Woche hatten wir allerdings einen besseren Wagen mit besseren Rädern, aber irgendjemand da oben hat ihn fortgeschafft.« Er zuckte mit den Achseln. »Wer weiß, warum? In Mexiko verschwinden dauernd Sachen.«
»Hat der andere Mann einen Namen genannt?«, wollte Zakayev wissen.
Javier wischte sich einen Schweißtropfen von der Stirn. »Nein, hat generell nicht viel geredet. Er war die ganze Zeit über sehr ernst. Ein Typ so um die 50.«
Zakayev wusste sofort, wer dieser andere Mann sein musste. »Kashkin«, murmelte er und kratzte sich im Schritt, wo er seit Längerem von einer hartnäckigen Pilzinfektion geplagt wurde. Dass man ihm nicht gesagt hatte, dass Kashkin bereits mit der anderen RA-115 in die USA eingedrungen war – beide Bomben hatte ihnen ein ausgeschiedener KGB-Agent verkauft –, überraschte ihn nicht. Kashkin war ein totaler Einzelgänger und durch und durch Profi, und jetzt, da Zakayev wusste, dass er beteiligt war, dämmerte ihm, dass vermutlich die gesamte Mission auf das Konto seines Genies ging.
Plötzlich flackerte die Beleuchtung an den Wänden und erlosch. Drei quälende Sekunden lang wurde der gesamte Tunnel in völlige Dunkelheit getaucht, bevor das Licht wieder ansprang.
»Ist das normal?« Zakayev spürte, wie kalter Schweiß seinen Rücken hinablief.
Alle fünf Castañedas waren erstarrt und spähten wachsam den Tunnel auf und ab.
»Nein!«, antwortete Javier, ehe er seinen Männern Befehle zuflüsterte: »Armas arriba!« An die Waffen!
Alle vier Männer schwangen daraufhin ihre AK-47 von der Schulter, zwei zielten nach Norden, zwei in die Richtung, aus der sie gekommen waren.
»Was ist los?«, flüsterte Zakayev. »Warum sind die Lichter ausgegangen?«
»Ich weiß nicht.« Javier zog eine Pistole aus dem Holster an seinem Gürtel und kaute auf der Innenseite seiner Wange herum, die schwarzen Augen funkelten wie dunkles Glas, während er in den Tunnel vor ihnen starrte. »Vielleicht sind es gringos im Norden, oder federales im Süden … oder...




