Konnerth | Von der Seele schreiben | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 190 mm

Konnerth Von der Seele schreiben

Auf Entdeckungsreise zu mir selbst
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-451-80377-2
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Auf Entdeckungsreise zu mir selbst

E-Book, Deutsch, 144 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 190 mm

ISBN: 978-3-451-80377-2
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses Buch möchte ein Wegweiser auf Ihrer Entdeckungsreise zu sich selbst sein. Es lädt dazu ein, in doppeltem Sinn „von der Seele“ zu schreiben: Es macht Mut, Erlebtes zum Ausdruck zu bringen. Und es hilft, sich selbst zu begegnen und die Seele sprechen zu lassen. Dazu bietet es neben Geschichten, die Ihre Fantasie anregen, ganz konkrete Übungen, die helfen, ins Schreiben zu kommen und den Schatz zu finden, der in jedem von uns verborgen liegt.

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Warum eigentlich über sich selbst schreiben?

Der Schriftsteller Josef Conrad sagte einmal: „Das Ziel des Schreibens ist es, andere sehen zu machen.“ Für dieses Buch möchte ich das Zitat wie folgt abwandeln: Das Ziel des Schreibens für sich selbst ist es, sich nicht nur sehen, sondern auch sichtbar zu machen. Schreibend können wir lernen, uns selbst immer deutlicher zu sehen. Gleichzeitig werden wir mutiger, uns zu zeigen, wie wir sind – erst einmal uns selbst und in einem zweiten Schritt auch anderen gegenüber.

Wenn Sie sich dieses Buch nicht selbst gekauft, sondern es geschenkt bekommen haben, fragen Sie sich vielleicht, was das bringen soll, über sich selbst zu schreiben. Und selbst wenn Sie aus eigenem Antrieb zu diesem Buch gegriffen haben, kann diese Frage immer mal wieder aufkommen (besonders dann, wenn man eigentlich viel zu viel zu tun hat und man sich kaum die Zeit für Schreibübungen nehmen mag). Das Schreiben über sich selbst, also das autobiografische Schreiben, wie man es auch nennt, hält ganz verschiedene Geschenke für uns bereit, wie z.B. diese:

Das Schreiben über sich selbst und das eigene Leben ist sehr hilfreich, um sich selbst näherzukommen und sich Stück für Stück besser kennenzulernen, denn oft wissen wir über uns selbst viel weniger, als wir ahnen. Das Schreiben ist für mich immer ein Ort der Selbstbegegnung gewesen und, wenn ich mich mal wieder von mir entfernt habe, kann ich schreibend leichter zu mir zurückfinden.

Schreiben ist eine Form des Selbstausdrucks und hilft uns dabei, unsere eigene Stimme zu finden. Ich probiere schreibend oft auch neue Töne aus und finde es spannend, wie sich meine Ausdrucksmöglichkeiten in immer größerer Vielfalt zeigen.

Das Schreiben ist ein kreativer Prozess. Wir können uns damit ausleben, unser Leben bereichern und wachsen. Die kreativen Impulse aus dem Schreiben fördern und nähren immer wieder auch andere Bereiche meines Lebens, wie z.B. meine Fotografie oder das Malen.

Schreibend können wir unsere Gedanken sortieren und auch Belastendes loswerden. Indem wir aufschreiben, was uns gerade in diesem Moment durch den Kopf geht oder was uns immer wieder beschäftigt (und sei es auch nur in Stichworten), durchbrechen wir endlose Grübelschleifen. Ich wüsste nicht, was ich tun würde, wenn ich meine Gedanken nicht zu Papier bringen könnte!

Das Schreiben über das eigene Leben dient auch dazu, Erlebtes und Erinnerungen festzuhalten – für sich selbst, aber auch für andere. Durch Fotos können wir viele Eindrücke für später sammeln, aber schreibend können wir die Erinnerungen noch lebendiger bewahren. Ich liebe es, in alten Texten von mir zu lesen, denn sie bringen mich mir selbst nahe, wie ich damals war.

Wir können schreibend unsere Vergangenheit aufarbeiten und alte Verletzungen heilen lassen. Die wichtigsten Erkenntnisse über mich habe ich schreibend gewonnen.

In Krisen und anderen schwierigen Zeiten können wir durch das Schreiben Halt finden und oft auch mehr Klarheit. Wir bekommen einen Raum, in dem wir all unseren Schmerz, unsere Angst und auch die Verzweiflung lassen können. Für mich war das Schreiben auch in den schwierigsten Phasen meines Lebens immer ein treuer und tröstlicher Begleiter.

Und über all diese guten Gründe hinaus gibt es noch einen ganz simplen: Das Schreiben über sich selbst bereitet ganz vielen Menschen Freude! Entdecken Sie den Zauber, den Sprache entwickeln kann, wenn wir die richtigen Wörter finden, um zu erkennen und auch ausdrücken zu können, was in uns ist.

Hier schreibe ich!


Auf einen Punkt der eben aufgeführten Liste möchte ich noch etwas ausführlicher eingehen: Schreiben heißt, Worte zu finden, heißt, sich auszudrücken und mitzuteilen und heißt auch, die eigene Stimme zu entdecken. Für viele Menschen ist es allerdings ungewohnt und seltsam, Gedanken und Empfindungen schriftlich auszudrücken. Mit dem Schreiben ist oft eine gewisse Ernsthaftigkeit verbunden, die wohl zum Teil aus unseren Erfahrungen aus der Schulzeit herrührt. Da wurde unser Geschriebenes auf Fehler durchsucht, auf krumme Formulierungen und fehlende Sinnzusammenhänge. Dadurch verloren viele die Leichtigkeit, einfach so zu schreiben, wie es auf das Papier fließt.

Genau diese Leichtigkeit gilt es zurückzugewinnen. Denn heute ist keiner mehr da, der Ihre Texte Korrektur liest! Es gibt keine Noten, keine Bewertungen. Der größte Kritiker sind meist wir selbst, und da müssen wir ansetzen: unser Schreiben nicht mehr kritisch zu analysieren, sondern den Prozess selbst zu genießen. Beim Schreiben für uns selbst geht es nicht um korrekte Grammatik oder fehlerfreie Texte und auch nicht um einen gestochenen Stil. Es geht vielmehr um das Erlebnis des Schreibens, um die Erkenntnisse, die wir daraus gewinnen können, und um eine Begegnung mit uns selbst.

Um unsere eigene Stimme zu finden, müssen wir uns sein lassen, wie wir sind, und nicht bekritteln oder korrigieren. Wenn wir albern schreiben, dann sind wir eben gerade albern, wenn wir schwafeln, dann schwafeln wir eben, und wenn uns keine ganzen Sätze gelingen wollen, dann schreiben wir eben in Fragmenten. Alles ist erlaubt, alles ist erwünscht, alles wird willkommen geheißen. Denn nur so können wir die Vielfalt entdecken – die Vielfalt in unserer eigenen Schreibe und auch die Vielfalt von Schreibenden ganz allgemein.

Ein großer Lust- und Motivationskiller beim Schreiben ist, sich mit anderen zu vergleichen. Natürlich gibt es immer Leute, die „besser“ schreiben als wir, die sich gewählter ausdrücken können, die schönere Metaphern finden oder die lebendiger formulieren. Geschenkt! Es geht nicht darum, so zu schreiben, wie jemand anderes, sondern es geht ganz allein um uns.

Jeder von uns schreibt anders, findet andere Worte, nutzt andere Formulierungen. Selbst wenn wir dasselbe erleben, wir würden darüber immer sehr unterschiedlich schreiben. Und das ist gut so, denn genau das macht es ja so spannend. Wie Sie schreiben, sagt viel über Sie aus. Gleichzeitig können Sie durch gezieltes Schreiben einiges über sich erfahren. Schreibmethoden können Ihnen Aspekte Ihres Selbst zeigen, die Sie bisher so noch nicht gesehen haben. Schreibaufgaben können Sie ins Erzählen bringen – und Sie werden vielleicht erstaunt sein, wie viel Sie zu sagen haben!

Lassen Sie sich also genau so schreiben, wie es gerade aus Ihnen fließt, und hören Sie sich einfach nur zu. Zensieren und kritisieren Sie sich nicht, sondern nehmen Sie an, was auch immer kommt. Es muss Ihnen nicht gefallen, was Sie schreiben, es geht nur darum, dass es ehrlich und authentisch ist. Manchmal kann man erst später Zugang zu einem eigenen Text bekommen, den man zunächst ablehnte. Vielleicht ist man sich zu nah gekommen damit, vielleicht hat man einen Schreck über die eigene Ausdrucksweise bekommen oder vielleicht war es auch einfach nur sehr ungewohnt, sich selbst das schreiben zu sehen. Erlauben Sie Ihren Texten zu sein, das ist ein ganz wichtiger Schritt in die Richtung, sich selbst sein zu lassen.

Der Beginn eines Dialogs der anderen Art


Über sich zu schreiben bedeutet, in einen Dialog mit sich zu treten – mit den eigenen Empfindungen und Gedanken im Jetzt, aber auch mit dem, was hinter uns liegt: Erlebnissen, Erfahrungen, Verlusten, Bereicherungen und Entwicklungen. Über die eigene Geschichte zu schreiben ermöglicht uns, unseren eigenen Lebensweg aus verschiedenen Blickrichtungen zu betrachten. Kühl berichtend zum Beispiel, also sich an die Fakten haltend, oder erzählend, also eher wie in einer Geschichte präsentiert, oder forschend, ganz auf der Suche nach sich selbst.

Was auch immer Ihr Antrieb oder Ihr Wunsch beim Schreiben ist, entscheidend ist überhaupt erst einmal ins Schreiben zu kommen, in den Fluss. Dazu müssen Sie zunächst nur eines: loslegen!

Anfangen ist alles


Wann haben Sie das letzte Mal geschrieben? Nicht beruflich, sondern nur für sich selbst? Und wann haben Sie das letzte Mal über sich selbst geschrieben? Über sich und Ihr Leben, darüber, was Sie erlebt haben und wer Sie sind? Vielleicht ist es schon länger her, vielleicht haben Sie das aber auch noch nie gemacht. Springen wir einfach einmal in die erste kleine Übung:

 Übung: Einfach nur ICH

Für diese Übung brauchen Sie nicht viel Zeit. Einige Minuten reichen vollkommen aus. Nehmen Sie sich einen kleinen Zettel, z.B. vom Abreißblock für die Einkaufszettel oder ein ähnliches Notizblatt. Es sollte nicht zu groß und möglichst auch nicht aus einem edlen Papier sein, sondern einfach nur ein kleines Zettelchen oder Schmierpapier.

Schreiben Sie nun das Wort „ICH“ in die Mitte und sammeln Sie mindestens zehn Wörter, die Ihnen spontan dazu einfallen (gerne auch mehr, aber zehn sollten es auf jeden Fall sein – keine Sorge, das ist zu schaffen!). Es ist vollkommen egal, welche Wörter das sind, notieren Sie, ohne viel nachzudenken, Ihre spontanen Einfälle, was auch immer Ihnen in den Sinn kommt.

 Beispiel

Meine spontane freie Assoziation auf einem Einkaufszettel sah so aus:

Und was schreiben Sie? Bitte führen Sie die Übung jetzt aus, Sie brauchen wirklich nur wenige Minuten dafür.

Mit dieser kleinen Übung ist der Anfang gemacht – Sie schreiben über sich! Im gleichen Atemzug fragen Sie sich aber vielleicht, was das soll. Die meisten von uns sind auf Ergebnisse ausgerichtet. Wir wollen wissen, was herauskommt, wenn wir etwas tun, was wir erwarten können und ob sich der Einsatz lohnen wird (sonst...


Konnerth, Tania
Tania Konnerth ist gebürtige Berlinerin und schreibt, seit sie mit sieben Jahren von ihrer Oma ein Tagebuch geschenkt bekam. Die Leidenschaft der Diplom-Bibliothekarin und -Kommunikationswirtin gilt neben dem Schreiben von Sachtexten, Gedichten, Geschichten und Erzählungen vor allem Pferden. Auf ihrer Webseite www.wege-zum-pferd.de verfasst sie zahlreiche Artikel zum Thema. Tania Konnerth hat bereits über zwanzig Bücher veröffentlicht, bei Herder u.a. den Bestseller „Aus der Schatzkiste des Lebens“.

Tania Konnerth ist gebürtige Berlinerin und schreibt, seit sie mit sieben Jahren von ihrer Oma ein Tagebuch geschenkt bekam. Die Leidenschaft der Diplom-Bibliothekarin und -Kommunikationswirtin gilt neben dem Schreiben von Sachtexten, Gedichten, Geschichten und Erzählungen vor allem Pferden. Auf ihrer Webseite www.wege-zum-pferd.de verfasst sie zahlreiche Artikel zum Thema. Tania Konnerth hat bereits über zwanzig Bücher veröffentlicht, bei Herder u.a. den Bestseller „Aus der Schatzkiste des Lebens“.



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