E-Book, Deutsch, Band 129, 64 Seiten
Reihe: Silvia-Gold
Korff Silvia-Gold 129
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1353-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erwacht aus süßen Träumen
E-Book, Deutsch, Band 129, 64 Seiten
Reihe: Silvia-Gold
ISBN: 978-3-7517-1353-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hilfe, hat dieser Mann Charme! Und das Aussehen eines Filmstars. Lisa fühlt sich unter seinen bewundernden Blicken seltsam schwach.
»Ich bin Markus von Grenzheim«, stellt er sich jetzt vor. »Und wer sind Sie?«
Kein Zweifel, er beginnt einen heftigen Flirt. Lisa nimmt sich zusammen und erwidert scheinbar gelassen: »Lisa Gerber. Ich bin mit Ihrem Bruder verabredet. Es geht um die Restaurierungsarbeiten an einem der alten Häuser in Ihrem Museumsdorf.«
Markus interessiert sich ganz offenbar für etwas anderes. Sein Blick spricht deutlich von
bestimmt keine Zeit für Sie. Er muss sich um unsere Ehrengäste kümmern. Aber vertrauen Sie sich doch mir an ...« Schon greift er nach ihrer Hand und zieht sie mit sich ...
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Erwacht aus süßen Träumen
Sie hielt für Liebe, was geschah
Von Katrin Korff
Hilfe, hat dieser Mann Charme! Und das Aussehen eines Filmstars. Lisa fühlt sich unter seinen bewundernden Blicken seltsam schwach.
»Ich bin Markus von Grenzheim«, stellt er sich jetzt vor. »Und wer sind Sie?«
Kein Zweifel, er beginnt einen heftigen Flirt. Lisa nimmt sich zusammen und erwidert scheinbar gelassen: »Lisa Gerber. Ich bin mit Ihrem Bruder verabredet. Es geht um anstehende Restaurierungsarbeiten.«
Baron Markus rührt sich nicht von der Stelle. Vielmehr mustert er sie mit deutlichem Begehren, und dann hört Lisa ihn sagen: »Mein Bruder hat jetzt keine Zeit für Sie. Er muss sich um unsere Ehrengäste kümmern. Aber vertrauen Sie sich ruhig mir an ...« Schon greift er nach ihrer Hand und zieht sie mit sich ...
»Verdammt noch mal!«
Auch mit einem kräftigen Fluch schaffte es Lisa Gerber nicht, ihr Auto in die beängstigend kleine Parklücke im Zentrum der Würzburger Innenstadt zu bugsieren.
An diesem regenverhangenen Septembernachmittag hatte sie mal wieder mitten im dicksten Berufsverkehr gesteckt. Lisa war so froh gewesen, endlich diesen freien Platz erspäht zu haben, aber sie hatte sowohl dessen Ausmaße als auch ihre eigene Geschicklichkeit gewaltig überschätzt.
Dass die Fahrer der Wagen hinter ihr jetzt mit Sicherheit die sattsam bekannten Bemerkungen über Frauen am Steuer auf den Lippen oder doch wenigstens im Sinn hatten, verstärkte ihre Nervosität nur noch. Und jetzt fing der hinter ihr auch noch an zu hupen! Woraus sich auf der Stelle ein allgemeines lautstarkes Hupkonzert entwickelte.
»Männer!« Lisa fluchte erneut, biss die Zähne zusammen und versuchte es noch einmal.
Nein, sie schaffte es nicht! Sie musste diesen elenden Parkversuch endgültig abbrechen. Aber auch das erwies sich als schwierig, plötzlich stand ihr Auto restlos unglücklich halb in der Parklücke und halb auf der Fahrbahn. Sie konnte leider nicht so rasch verschwinden, wie sie das liebend gern unter dem nervtötenden Gehupe des Fahrers hinter ihr getan hätte.
»Verdammter Kerl!«
Vorwärtsgang, Rückwärtsgang!
Und dann riss ihr endgültig der Geduldsfaden.
»Jetzt reicht's!« Wütend drehte sie den Zündschlüssel und würgte den Motor ab, stieg aus und ging die wenigen Schritte zu der dunklen Limousine direkt hinter ihr.
Es war natürlich ein eleganter chromglitzernder Schlitten der obersten Preisklasse, dessen Fahrer sie mit seinem Gehupe so kribbelig machte.
Na warte! Sie klopfte kurz gegen die Scheibe, sodass der Mann unwillig das Fenster öffnete.
»Ja?« Unter ärgerlich zusammengezogenen Brauen blickten überraschend blaue Augen misstrauisch zu ihr hoch.
Der Fremde war weder jung noch alt, irgendwo dazwischen mit seinem dichten dunklen, schon reichlich grau melierten Haar. Sein konservativer blauer Anzug, das makellose weiße Oberhemd und die diskret getüpfelte Krawatte wiesen ihn als Managertyp oder Bankdirektor aus. Lisa hatte genau diesen Typ erwartet!
»Ich mache Ihnen einen Vorschlag!«, stieß sie unverkennbar wütend hervor. »Sie setzen sich in mein Auto und fahren es für mich in diese verdammte Parklücke! Und ich setze mich so lange in Ihren Wagen und hupe für Sie!«
Der Mann benötigte nur Bruchteile von Sekunden, um zu reagieren. Aber als er es tat, war sie diejenige, die verdutzt war.
»Einverstanden!« Er stand plötzlich neben ihr, und da er größer war als Lisa, musste sie notgedrungen zu ihm aufsehen. »Dann geben Sie mir bitte Ihren Schlüssel!«
»Der steckt!«
Sein freundliches Lächeln ließ ihren Zorn in sich zusammenfallen. Mit so einer Reaktion hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Außerdem musste sie fairerweise anerkennen, dass der Fremde sehr viel geschickter mit ihrem kleinen Wagen umging, als sie es konnte.
»So!« Er hatte sichtlich Mühe, seine langen Beine aus dem kleinen Wagen wieder herauszubekommen. »Ich denke, ich habe meinen Teil erfüllt. Aber Ihr Hupen habe ich vermisst.« Er drückte ihr den Autoschlüssel in die Hand und blickte sie mit einem entwaffnenden Lächeln an. »Es tut mir leid, dass ich vorhin so ungeduldig war. Die Parklücke ist wirklich klein.«
»Ja ...« Für einen Moment war Lisa restlos verwirrt. Am besten war wohl, wenn sie sich auf der Stelle auf und davon machte. »Danke«, fügte sie noch leise hinzu, blickte den Fremden, den sie jetzt gar nicht mehr verabscheuungswürdig fand, noch einmal nachdenklich an und erwiderte unwillkürlich sein Lächeln.
Dann wandte sie sich zum Gehen, als sie plötzlich von Kopf bis Fuß von einem aufspritzenden Wasserschwall getroffen wurde, den ein gefährlich dicht vorbeifahrender Wagen aus einer Pfütze hochgeschleudert hatte. Lisa taumelte, schnappte nach Luft und fühlte sich gleichzeitig von zwei kräftigen Händen gepackt, die sie energisch aus der Gefahrenzone zogen.
»So ein verrückter Hund!« Der fremde Mann hielt sie auch dann noch fest, als er das schmutzige Spritzwasser mit seinem großen weißen Taschentuch behutsam von ihrem Gesicht abtupfte. »Sie sind ja restlos nass geworden!«
»Ach was! Es gibt Schlimmeres.« Sie nahm ihm das Taschentuch aus der Hand und wischte viel energischer über ihr Gesicht, als er das eben getan hatte. »Sie haben ja auch eine ganze Menge abgekriegt, und außerdem bin ich nicht aus Zucker«, ergänzte sie noch burschikos. »Garantiert ist drüben ein Café, in dem es einen Waschraum gibt.«
Unschlüssig blickte sie auf das Tuch, das sie in ihrer Hand hielt, knüllte es zusammen und versenkte es auch schon in ihrer Jacke. »Wenn Sie mir Ihren Namen und Ihre Adresse geben, dann kriegen Sie das Taschentuch zurück – gewaschen und gebügelt.« Mit einem Lächeln blickte sie den Fremden erwartungsvoll an.
Der Mann lachte und griff schon nach ihrem Arm. Diesmal reagierte er so, wie sie es sich insgeheim erhofft hatte.
»Lorenz von Grenzheim. Meine Adresse gebe ich Ihnen gleich, wenn wir im Café sitzen. Ein Cappuccino täte sicherlich uns beiden gut. Einverstanden?« Er wartete ihre Zustimmung gar nicht erst ab, sondern bugsierte sie schon mit umsichtiger Geschicklichkeit zwischen den zügig fahrenden Autos über die Straße.
Lisa durchzuckte die ihr völlig ungewohnte Empfindung, dass es ihr richtig guttat, sich von diesem Mann führen zu lassen. Allein seine Nähe und wohl auch seine ganze Art vermittelten ihr ein nie gekanntes Gefühl der Geborgenheit, das sie einfach schön fand.
???
Er gefiel ihr von Minute zu Minute besser, dieser Fremde, und als sie in dem Toilettenvorraum des Cafés ihre nassen Haarsträhnen entwirrte und durchkämmte, bis sie sich als braune Lockenmähne um ihr blasses Gesicht mit den blaugrünen Augen legten, dachte sie darüber nach, ob diese seltsame Begegnung vielleicht unter anderen Umständen eine Liebe auf den ersten Blick hätte werden können.
Zum Beispiel, wenn sie beide sich das erste Mal unter freundlicheren und sonnigeren Wetterverhältnissen begegnet wären. Aber warum sollte es nicht auch eine Liebe auf den zweiten Blick geben? Oder sogar auf den dritten?
Wie auch immer, Lisa war plötzlich sehr froh darüber, dass sie nicht einfach sang- und klanglos auseinandergegangen waren!
In aufgeräumter Stimmung und in dem Bewusstsein, doch noch ganz passabel auszusehen, verließ sie den Waschraum. Beschwingt eilte sie zu dem kleinen Ecktisch am Fenster, an dem gerade eben zwei Cappuccino-Tassen abgestellt wurden.
»Da bin ich wieder«, bemerkte sie etwas verlegen und ein wenig atemlos, als sie sich auf den Stuhl setzte, den der Mann ihr zurechtschob.
Lisa genoss diese ritterliche Fürsorge. Die Männer, die sie bisher gekannt hatte, waren nicht so aufmerksam gewesen.
»Danke.« Sie umschloss die heiße Tasse mit beiden Händen. »Ich bin mir nicht sicher, ob ich vorhin Ihren Namen richtig verstanden habe. Sagten Sie Grenzheim?« Sie berührte mit den Lippen die aufgeschäumte Milchhaube, die mit etwas Kakaopuder überstäubt war.
»Richtig. Und hier haben Sie auch meine Adresse.«
Sie setzte ihre Tasse ab und griff nach der ungewohnt großformatigen Visitenkarte.
»Barone Markus und Lorenz von Grenzheim, Museumsdorf Dettingen«, las sie aufmerksam und hob dann wie elektrisiert den Kopf. »Das Museumsdorf zwischen Dettelbach und Kitzingen? Natürlich! Sie haben etwas mit dem Museumsdorf zu tun! Grenzheim ... Maximilian von Grenzheim hieß, glaube ich, der Gründer.« Ihre Augen strahlten.
»Ja, das war mein Vater. Er hat das Museumsdorf aufgebaut.«
»Und seine beiden Söhne führen es nun weiter.« Lisa nickte eifrig. »Jetzt weiß ich auch, weshalb mir Ihr Name gleich so bekannt vorgekommen ist.«
»Das heißt dann ja wohl, dass Sie unsere Anlage schon einmal besucht haben, Frau ...?«
»Ich heiße Lisa Gerber....




