Koryta | Die Gewalt der Dunkelheit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 544 Seiten

Reihe: Novak-Serie

Koryta Die Gewalt der Dunkelheit

Thriller
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-19563-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 1, 544 Seiten

Reihe: Novak-Serie

ISBN: 978-3-641-19563-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mark Novak ist ein effektiver Ermittler. Hart, schnell, unbeugsam. Er arbeitet für die Organisation Innocence Incorporated, die unschuldig zum Tode Verurteilte vertritt. Doch seit seine Frau erschossen wurde, sucht Novak nach ihrem Mörder. Als er zur Gefahr wird, schickt man ihn in die gnadenlose Kälte von Garrison, Indiana. Vor zehn Jahren ist dort eine junge Frau in einem gigantischen Höhlensystem verschwunden. Ein Retter konnte ihren Leichnam bergen – und gilt seitdem als Hauptverdächtiger. Doch es gibt keine Beweise. Der Jagdinstinkt erwacht in Novak: Um Erlösung zu erlangen, muss er die Wahrheit finden – die Wahrheit, die in der kalten Dunkelheit der Höhlen liegt.



Michael Koryta begann bereits in jungen Jahren seine ungewöhnliche Karriere. Schon auf der Highschool arbeitete er nebenher für eine Privatermittler-Agentur. Später verdingte er sich als Reporter und unterrichtete an der Indiana University. Wenn er nicht gerade schreibt, begibt sich der Abenteurer und Outdoor-Fan bevorzugt in die Beartooth Mountains. Er gilt in den USA derzeit als einer der aufregendsten Thriller-Autoren.

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St. Petersburg, Florida
13. September 2012

Die letzten Worte, die er zu ihr sagte: »Blamier mich nicht mit diesem Scheiß.«

Später wird er jedem, der fragt, und manchen, die nicht fragen, erzählen, dass seine letzten Worte ihr gegenüber »Ich liebe dich« waren. Manchmal, in schlaflosen Nächten, kann er sich beinahe selbst einreden, es sei so gewesen.

Doch als sie an jenem Septembernachmittag ihr Haus verließen und in die grelle Sonne Floridas hinaustraten, schaute Mark Novak seiner Frau nicht einmal in die Augen. Sie gingen schnell, obwohl keiner von ihnen es eilig hatte. Sie gingen wie Menschen, die es kaum erwarten konnten, den anderen loszuwerden.

»Irgendwo ist ein internes Foto durchgesickert«, sagte er, als sie den Bürgersteig erreichten. »Sie weiß zwei Dinge, und beide könnte sie auf einem durchgesickerten Foto gesehen haben.«

»Vielleicht. Und wäre es dann nicht gut zu wissen, wie sie an die Aufnahme rangekommen ist?«

»Das wird sie niemals zugeben. Sie wird alles mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten erklären.«

»Du solltest nicht so voreingenommen sein«, sagte Lauren. »Vielleicht musst du lernen zu akzeptieren, dass wir in einer komplexen Welt leben.«

»Und du musst fähig sein, so viel gesunden Menschenverstand aufzubringen, dass du eine Schwindlerin erkennst, wenn du sie vor dir hast.«

»Vielleicht ist sie eine. Das weiß ich erst, wenn ich mir die Sache näher angesehen habe.«

»Niemand hält dich davon ab, deine Zeit zu vergeuden.«

Sie blickte zu ihm auf, das letzte Mal, dass sie einander anschauten, aber ihre Sonnenbrille machte einen echten Augenkontakt unmöglich.

»Mark«, seufzte sie, immer noch geduldig. »Deine persönlichen Ansichten über die Welt sind nicht die einzig richtigen.« Ihre letzten an ihn gerichteten Worte. Sie war stehen geblieben, weil sie Laurens Auto erreicht hatten, ein Infiniti-Coupé, das einen Straßenblock näher am Haus geparkt war als sein Jeep. Hier bot sich die Gelegenheit für den üblichen Abschiedskuss oder wenigstens eine Berührung ihrer Schulter, eine schnelle Umarmung, einen Blick. Hier war die Gelegenheit zu sagen: Ich liebe dich.

»Blamier mich nicht mit diesem Scheiß«, sagte Mark. Er hatte eine Hand gehoben und rieb sich damit übers Gesicht. Seine Stimme klang müde und resigniert, und er sprach leise. Und obwohl er sich inzwischen nach einigen Gläsern Bier gern einredet, sie habe ihn gar nicht gehört, weiß er doch, dass er sich etwas vormacht.

Als er am Steuer seines Jeeps saß, wartete sie bereits am Ende der Straße, um nach links auf die Fifth Avenue zu biegen, die sie direkt zur Interstate bringen würde. Die Lücke im Verkehr war groß genug, dass er direkt hinter ihr einschwenken konnte. Zwei Blocks fuhren sie hintereinander her, dann fädelten sie sich auf die I-275 ein. Die Höhe des Jeeps erlaubte es ihm, in ihren kleineren Wagen hineinzuschauen und einen kurzen Blick auf die gebräunte Haut und das blonde Haar zu werfen. Sie sah aus wie jemand, der an den Strand gehörte. Was auch passte, denn sie war dort aufgewachsen. Ihre Augen waren hinter der Sonnenbrille verborgen, sodass er nicht wusste, ob sie seine Blicke im Rückspiegel erwiderte. Er möchte glauben, dass sie es tat. Und dass sein Gesichtsausdruck in diesem Moment freundlich war.

Er hielt sich noch einige hundert Meter unmittelbar hinter ihr, bis die Interstate sich teilte. Eine Fahrbahn schwenkte in einer Rechtskurve nach Norden Richtung Tampa, die andere links nach Sarasota im Süden. Der Infiniti fuhr nordwärts. Mark bog nach Süden ab.

Er war nicht wütend. Er war genervt. Als sie sich dafür entschieden hatten, zusammenzuarbeiten, war ihnen klar gewesen, dass es zu Konflikten kommen würde, doch bisher waren diese unbedeutend gewesen. Beide hatten sich gefreut, zum Dreamteam zu gehören – Innocence Incorporated bot die beste kostenlose Rechtsvertretung im ganzen Land. Sie stellten Todesurteile infrage und sorgten für die Freilassung unschuldig Verurteilter. Siebzehn erfolgreiche Entlastungen in drei Jahren. Mark und Lauren wussten, dass sie ihre Lebensaufgabe gefunden hatten. Lauren würde dabei auf einem etwas höheren Level spielen – sie würde die eigentliche Arbeit im Gerichtssaal übernehmen –, während Mark Teil des Ermittlerteams war. Doch dies hatte bisher nie zu Streitigkeiten zwischen ihnen geführt. Womöglich würde sie ihm mit der Befragung, zu der sie nun unterwegs war, ein wenig in die Quere kommen, denn diese Arbeit lag eigentlich unter ihrem Niveau. Das würde Jeff London, ihren gemeinsamen Chef, in Rage bringen. Lauren fuhr nach Cassadaga, um mit einer selbsternannten Hellseherin zu sprechen. Die Frau hatte eine Vision gehabt und behauptet, diese sei entscheidend für die Verteidigung eines Todeskandidaten. Dabei hatte sie über zwei Details berichtet, die sie nicht aus den Medien erfahren haben konnte: die Farbe der Socken, die die ermordete Frau in der Nacht des Verbrechens getragen hatte, und den Umstand, dass sie sich seit mehreren Tagen nicht die Beine rasiert hatte.

Mark hatte Lauren von der Reise abgeraten, und vielleicht war die Formulierung seiner Abschiedsworte – Blamier mich nicht mit diesem Scheiß – egoistisch gewesen. Das galt aber nicht für sein eigentliches Argument. Jeff London, der den Laden schmiss, hatte keinerlei Verständnis für irgendwelchen Schwachsinn. Und auf der Schwachsinnsskala der meisten Menschen rangierten Hellseher ziemlich weit oben. Für Jeff, so Marks Schlussfolgerung, lagen sie garantiert jenseits von Gut und Böse.

Doch konnte er da wirklich sicher sein? Für ihn selbst waren Hellseher ein Witz, aber vielleicht nicht für Jeff. Und hier bekam seine Argumentation etwas Unaufrichtiges, wenn nicht sogar Unehrliches. Hätte er die Diskussion auf der persönlichen Ebene geführt, so wäre seine eigene Position deutlich angreifbarer gewesen. Schließlich hatte er reichlich schlechte Erfahrungen gesammelt mit Schwindlern und Betrügern, die Menschen an ihrem wehrlosesten Punkt ausnutzten – ihrer Trauer. Lauren hätte diese Voreingenommenheit sicher ins Feld geführt, also hatte er lieber London vorgeschoben.

Er fuhr südlich über die Sunshine Skyway Bridge, die ihrem Namen heute alle Ehre machte. Die Sonne fiel seitlich durch die Windschutzscheibe und reflektierte grell auf dem Wasser des Golfs von Mexiko. Er tastete nach seiner Sonnenbrille, konnte sie nicht finden und kam beinahe von der Spur ab. Als eine Hupe ertönte, brachte er den Wagen schnell wieder auf Kurs. Er machte dem anderen Fahrer wegen des ausgestreckten Mittelfingers keinen Vorwurf, denn schließlich hatte er den Unfall erst im letzten Moment vermeiden können. Und es wäre seine Schuld gewesen. Um ein Haar hätte er den romantischen Abend, den er geplant hatte, verdorben.

An der Mautstelle hatte er endlich Gelegenheit, seine Sonnenbrille aufzusetzen. Außerdem steckte er sein Handy ins Ladegerät und dachte kurz daran, Lauren anzurufen. Sie noch ein letztes Mal zu beschwören: Lass uns einfach das Wochenende genießen. Dann kannst du noch mal darüber nachdenken. Und wenn du dann immer noch hinfahren willst, fährst du eben am Montag.

Er rief nicht an. Sie würden es später besprechen. Sie hatten das ganze Wochenende vor sich und ein Strandhaus auf Siesta Key gemietet. Den Luxus dieser kleinen Flucht aus dem Alltag gönnten sie sich, obwohl sie ihn sich eigentlich nicht leisten konnten. Sie hatten einen Tauchausflug geplant, genau das, was sie damals überhaupt erst zusammengebracht hatte. Das erste Mal, dass er seine zukünftige Frau gesehen hatte, war tatsächlich unter Wasser gewesen.

»Scheiß drauf!«, sagte Mark und beschleunigte. Sollte sie doch zu diesem sinnlosen Treffen fahren; er musste lernen, seinen Mund zu halten. Mit dem eigenen Ehepartner zu arbeiten war nicht leicht. Immerhin war es ein Vorteil, dass sie die Leidenschaft für diese Arbeit teilten. Die guten Tage waren viel häufiger als die schlechten. Und meistens konnten sie ohnehin nach Feierabend die Arbeit hinter sich lassen. Er würde dafür sorgen, dass sie es auch an diesem Wochenende schafften.

Bis zum Nachmittag hatte er das Strandhaus für sie vorbereitet. Es war ein sagenhaftes Grundstück mit einer von mächtigen Palmen gesäumten Auffahrt. Von der hinteren Veranda schaute man über weißen Sand und das glitzernde Wasser des Golfs. Derart abgeschieden waren nur wenige Flecken an der Küste Floridas. Er betrachtete die Chaiselongue auf der Veranda und malte sich aus, wie sie dort Sex unter dem Sternenhimmel haben würden. Auf der Veranda würde es gegen Abend abkühlen, vor allem durch die vom Meer herüberwehende Brise. Die Palmen würden für die nötige Privatsphäre sorgen und das Geräusch der Wellen dazu den perfekten Soundtrack abgeben.

Ich hätte es nicht sagen sollen, dachte er in diesem Moment. Ich hätte nicht riskieren sollen, einen schönen Abend durch so eine idiotische Bemerkung zu ruinieren.

Er würde es wieder in Ordnung bringen. Er würde den Mund halten, wenn sie ihm von der Verrückten in Cassadaga erzählte, und er würde sich für seine Abschiedsbemerkung entschuldigen. An einem Ort wie diesem konnte man nicht lange ärgerlich sein, und das war ohnehin nicht Laurens Art.

Er las eine Weile auf der Veranda, schlief ein und erwachte um fünf, als ihm die Sonne geradewegs in die Augen schien. Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Er hatte in Sarasota gehalten, um Essen und ein paar Flaschen Wein zu kaufen. Lauren hatte versprochen, spätestens um sechs hier zu sein. Er machte Caprese – Laurens Lieblingssalat, der sicher dazu...


Koryta, Michael
Michael Koryta begann bereits in jungen Jahren seine ungewöhnliche Karriere. Schon auf der Highschool arbeitete er nebenher für eine Privatermittler-Agentur. Später verdingte er sich als Reporter und unterrichtete an der Indiana University. Wenn er nicht gerade schreibt, begibt sich der Abenteurer und Outdoor-Fan bevorzugt in die Beartooth Mountains. Er gilt in den USA derzeit als einer der aufregendsten Thriller-Autoren.



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