Kowalsky | Joe Hart: Im Netz von Tarantola | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 256 Seiten

Reihe: Joe Hart und die Blauen Tiger

Kowalsky Joe Hart: Im Netz von Tarantola


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-03848-736-4
Verlag: Fontis
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 5, 256 Seiten

Reihe: Joe Hart und die Blauen Tiger

ISBN: 978-3-03848-736-4
Verlag: Fontis
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Endlich Sommerferien! Das Sommerlager der 'Blauen Tiger' steht an. Aber in Südfrankreich geschehen mysteriöse Vorfälle. Ayana bekommt einen geheimnisvollen Auftrag von ihrem Cousin. Sie soll um Mitternacht ein Päckchen aus einer Bootshütte abholen. Doch schon bald wird sie gejagt. Sam trifft auf die bildhübsche Gina, die soeben Augenzeugin einer Entführung geworden ist. Doch einen Tag später kann sich Gina weder an die Entführung noch an Sam erinnern. Joe Hart und die Blauen Tiger sind ratlos und beschließen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Keiner weiß, dass eine Geheimorganisation dahintersteckt. Und dass sich das Netz von Tarantola immer mehr zuzieht …

Ein actiongeladener Jugendthriller, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Altersempfehlung: Ab der 5. Klasse.

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Kapitel 1
Das geheimnisvolle Päckchen


Portiragnes Plage – Südküste Frankreichs


Es war stockdunkel am Strand von Portiragnes Plage1, einer kleinen Ortschaft direkt an der Mittelmeerküste Südfrankreichs. Der Mond war vollständig von dichten Wolken verdeckt, die vom Meer her landeinwärts rasten, jedoch hier im Küstenbereich keinerlei Regen von sich gaben. Ein starker Südwestwind sorgte für riesige Wellen, die sich tosend überschlugen, um anschließend am gemächlich ansteigenden Sandstrand mit einem sanften Rauschen auszulaufen.

Ayana hatte einen Auftrag zu erledigen: eine einsam gelegene Bootshütte direkt am Meer aufsuchen und von dort ein geheimnisvolles Päckchen abholen. Endlich sah sie etwa fünfzig Meter voraus die schemenhaften Umrisse eines kleinen Gebäudes. Das musste die Hütte sein. Ayana blieb abrupt stehen und schaute auf die Uhr: 0.15 Uhr – kurz nach Mitternacht. Warum nur hatte sie, ein vierzehnjähriges Mädchen, sich auf das Wagnis eingelassen, mitten in der Nacht zu dieser unheimlichen Hütte zu gehen?

Dann dachte sie an das Telefongespräch mit ihrem zehn Jahre älteren Cousin Shume2 zurück, der sie ein paar Stunden zuvor angerufen und eine seltsame Bitte geäußert hatte:

«… und denk dran, die Sache muss unbedingt noch heute Nacht laufen. Das Päckchen findest du im Tresor, der übrigens die gleiche Kombination hat wie die Tür.»

«Du bist ja wahnsinnig, mich um so etwas zu bitten.»

«Ich weiß, ich verlange sehr viel von dir, aber die Sache ist enorm wichtig. Bitte! Lass mich jetzt nicht hängen!»

Shume hatte mal wieder einen Ton in seine Stimme gelegt, dem Ayana einfach nicht widerstehen konnte, wie schon so oft. Sie mochte ihren Cousin und konnte ihm keine Bitte abschlagen. Aber wenigstens wollte sie es ihm nicht zu einfach machen. Vor allem hatte alles seinen Preis, und der sollte dieses Mal gepfeffert sein:

«Und? Warum muss das Ganze noch heute Nacht laufen?»

«Ich erkläre es dir ein anderes Mal, nicht jetzt am Telefon.»

«Dann ist die Sache gefährlich?»

«Nicht wirklich … ich will einfach nicht, dass dich jemand sieht. Die Sache ist aber sehr eilig. Du musst das Päckchen gleich am Morgen per Express mit der Post abschicken.»

«Und warum holst du es nicht selber ab?»

«Nun ja, ähm, wie soll ich es dir erklären? Ich sitze gerade fest und kann nicht aus dem Haus …»

«Erzähl keinen Müll! Was ist los?»

«Na gut. Ich bin gerade in Italien und brauche dieses Päckchen, ganz dringend! Ayana, ich war doch schon immer dein Lieblingscousin, nicht wahr?»

«Ich soll also – als vierzehnjähriges Mädchen! … mitten in der Nacht! – zu dieser einsamen Hütte gehen und dort für dich etwas abholen! Und du behauptest, die Sache sei nicht gefährlich! Zum Glück passieren in Südfrankreich ja keine Verbrechen! Junge, du hast Nerven! …»

Shume zögerte, ließ sich aber nicht beirren: «Nimm das Pfefferspray mit, das ich dir beim letzten Mal gegeben habe – außerdem bist du ja nicht ganz wehrlos nach dem zweijährigen Selbstverteidigungskurs, an dem du teilgenommen hast. Mit mir als Trainer!»

«Weißt du eigentlich, wie ich mich gerade fühle? Meine Eltern sind vor etwa einer Woche nach Äthiopien geflogen, alleine, ohne mich, hörst du?» Ayana seufzte und fügte leise hinzu: «… weil meine Ferien noch nicht begonnen haben und …»

«… und weil du es vorzogst, mit dieser Jugendgruppe aus Deutschland zum Sommerferienlager zu fahren, anstatt deine Eltern zu begleiten – ich weiß. Und deshalb fühlst du dich jetzt schlecht?»

«Nein, es ist wegen Tante Abeba. Sie wohnt bei mir zu Hause und soll sozusagen den Aufpasser spielen. Es ist alles einfach nur schrecklich. Sie hat nur schlechte Laune und macht mir das Leben zur Hölle.»

«Ich glaube, da bist du nicht ganz unschuldig, wenn ich an den verlorenen Geldbeutel denke. Du hast ja für sie eingekauft und ihn irgendwo verloren. Die ist immer noch sauer auf dich, das sag ich dir!»

«Hör endlich auf, mich auf die Schippe zu nehmen! Ich für sie eingekauft und auch verloren!»

«Doch, Ayana, glaube mir, du hast … nur, du kannst dich an nichts mehr erinnern, was an diesem Nachmittag passiert ist! Ich erkläre dir ein anderes Mal, woran das liegt.»

«Nervtöter!»

«Ach, lassen wir das einfach.»

«Auf jeden Fall würde ich am liebsten gleich meine fertig gepackte Reisetasche nehmen, die restlichen zwei Schultage schwänzen und zu Isabel und Julia nach Düsseldorf fahren.»

«Und was hindert dich daran?»

Ayana stutzte, denn mit so einer Frage hatte sie nicht gerechnet.

«Ich bin blank! Meine Eltern haben meiner Tante das Geld für die Ferien gegeben, und sie hält mich auf dem Trockenen, wohl wissend, dass ich bereit wäre, von heute auf morgen abzuhauen.»

«Und was sagen deine Eltern dazu?»

«Die sind nicht erreichbar, seitdem sie nach Äthiopien geflogen sind.»

Shume lachte laut hörbar: «Einmal in Äthiopien angekommen – und schon vergessen sie ihre eigene Tochter und haben nur noch Augen für die Verwandtschaft. So sind sie halt, daran kann ich nichts änd…»

Ayana unterbrach ihn: «Schluss jetzt! Die Sache läuft so: Ich helfe dir, du hilfst mir! Das ist der Deal! Ansonsten kannst du dir das Päckchen an den Hut stecken.»

«Meinetwegen, kommen wir zur Sache: Was verlangst du?»

«Hundertfünfzig Euro. Bar auf die Hand.»

«Du bist ja verrückt!»

«Ich weiß. Aber ich habe meinen Preis.»

«Das ist viel zu viel!»

«Dann such dir jemand anderen, der für dich den Boten spielt.»

«Fünfzig Euro!»

«Achtzig, und außerdem leihst du mir fünfhundert Euro, so dass ich alle Unkosten für die Ferien gedeckt habe. Du bekommst die Knete zurück, sobald ich wieder flüssig bin.»

«Du hast ja einen Knall – so viel Geld! Und vor allem, wer garantiert mir, dass ich das Geld jemals zurückbekomme?»

«Meine Tante hat das Feriengeld von meinen Eltern bekommen. Sie rückt es nur noch nicht raus. Achtzig auf die Hand und fünfhundert geliehen, mein letztes Angebot!»

«Halsabschneiderin!»

«Schön, dann sind wir also im Geschäft.»

«Du kannst von Glück sagen, dass ich bei dem Päckchen auch noch Geld deponiert habe …»

Ayana erreichte die Bootshütte, die etwa fünfundzwanzig Meter vom Wasser entfernt direkt neben den Dünen stand. Sie schaute sich um und lief erst einmal herum, um sicherzustellen, dass sie nicht beobachtet wurde.

Nein, um diese Uhrzeit schien kein Mensch mehr unterwegs zu sein. Warum nur wollte ihr Cousin, dass sie nicht gesehen wurde? Und was war an dem Päckchen so wichtig, dass er sich auf ihre Forderungen eingelassen hatte? Sie konnte sich keinen Reim darauf machen.

Shume, der diese Hütte selber gebaut hatte, verstand sein Handwerk. Bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, dass sie ganz hervorragend gegen Einbrüche gesichert war, ungewöhnlich für eine simple Bootshütte, in der sich neben ein paar Kajaks und Surfbrettern nur noch ein kleines Motorboot befand. Die Tür war mit einem speziellen Sicherheitsschloss ausgestattet, und die wenigen Fenster waren für einen Einbruch einfach zu schmal. Das Bootstor daneben war robust und offenbar nur von innen zu öffnen.

Ayana schaltete ein kleines LED-Licht an, schob eine unscheinbare Abdeckung am Türrahmen zur Seite; eine beleuchtete Mini-Tastatur kam zum Vorschein. Zum Glück kannte Ayana die zehnstellige Zahlenkombination auswendig, deren Eingabe zum Öffnen der Tür notwendig war. Beim Eintippen zitterten ihre Finger vor Aufregung, so dass sie sich prompt vertippte. Sie drückte sogleich die Abbruch-Taste und gab die Kombination erneut ein. Dann hörte sie, wie sich ein Mechanismus in der Tür selbständig entriegelte.

«Yeah!»

Schnell öffnete sie die Tür und schlüpfte hinein. Sie wagte es nicht, das Licht anzuschalten. Stattdessen begnügte sie sich mit dem dünnen LED-Licht ihrer Taschenlampe und suchte nach einem Tresor, der sich schräg gegenüber der Eingangstür befinden sollte.

Bingo! Da war er.

Hoffentlich ließ sich der Tresor problemloser öffnen als die Tür.

Ihre Finger waren immer noch zittrig. Trotzdem schaffte sie es diesmal, die Kombination einzugeben, ohne sich zu vertippen.

Sie drehte am Metallrad des Tresors und öffnete mit einiger Kraftanstrengung die schwere Metalltür.

Sofort sah sie den Umschlag, in dem sich ein Bündel Banknoten befand. Außerdem erblickte sie das bereits adressierte Päckchen, das sie mitnehmen sollte. Ayana öffnete den Umschlag, nahm den mit Shume vereinbarten Geldbetrag heraus und legte den Rest wieder zurück in den Tresor. Dann nahm sie das Päckchen und steckte es zusammen mit dem Geld in ihren Jeans-Rucksack, den sie erst vor kurzem in Cap d'Agde auf einem Wochenmarkt für nur zehn Euro erstanden hatte. Sie verriegelte den Tresor und wandte sich wieder der Tür zu, um die Hütte zu verlassen.

Doch sie stutzte: Bildete sie es sich nur ein, oder hatte sie gerade von draußen her ein Geräusch gehört? Sie lauschte …

Da! Ein zweites Mal. Was war das? Oder sollte sie lieber fragen: Wer war das?

Ayana hielt die Luft an, legte ihr rechtes Ohr an die verschlossene Tür und lauschte. Nichts. Nur der Wind wehte. Vielleicht hatte eine etwas stärkere Windböe das Geräusch verursacht. Aber was, wenn nicht?

Ayana packte das kalte Grauen bei dem Gedanken, dass da...



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