Kowalsky | Käpten Sturm - Der Schatz der Nebelberge | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 176 Seiten

Reihe: Käpten Sturm

Kowalsky Käpten Sturm - Der Schatz der Nebelberge


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-417-27039-6
Verlag: R.Brockhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 176 Seiten

Reihe: Käpten Sturm

ISBN: 978-3-417-27039-6
Verlag: R.Brockhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Käpten Sturms drittes Abenteuer! Wie konnte das nur geschehen?! Anne ist verzweifelt. Was ihr da passiert ist, darf niemals jemand erfahren! Während Anne von ihrem Gewissen geplagt wird, entdeckt sie gemeinsam mit Lenny die nächsten Logbücher von Käpten Sturm. Als Käpten Sturm einen Teil der Karte findet, die zum sagenumwobenen Schatz der Nebelberge führt, sticht er mit seiner Mannschaft sofort in See. Hofft er doch, nicht nur Reichtümer zu finden, sondern auch Hinweise auf Safiras Eltern, deren Verschwinden auf geheimnisvolle Weise mit dem Schatz zusammenhängt. Aber noch bevor das Ziel in Sicht ist, müssen der Käpten und seine Freunde ein weiteres Abenteuer bestehen.

Daniel Kowalsky (Jg. 1966) arbeitet als Realschullehrer und engagiert sich im Kinder- und Jugendbereich seiner Gemeinde. Gleichzeitig ist er erfolgreicher Autor der Kinder- und Jugendbuch-Reihen »Käpten Sturm«, »Joe Hart und die Blauen Tiger« sowie der »Lion Daniels«-Trilogie. Mit seiner Frau lebt er im Südschwarzwald. http://danielkowalsky.de/
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VORGESCHICHTE


ZUR ZEIT DER SEEFAHRER UND PIRATEN


Igor atmete erleichtert auf. Er hatte es tatsächlich geschafft! Stolz schaute er auf den rubinroten Lederbeutel, den er soeben Graf Robos gestohlen hatte.

Gestohlen? Nein, er hatte dem Grafen, diesem Halunken, nicht wirklich etwas gestohlen. Es war eigentlich genau andersherum: Graf Robos hatte zusammen mit seinen Gefolgsleuten einen einzelnen Matrosen verprügelt und ihm diesen Beutel abgenommen. Und damit dieses Verbrechen nicht bekannt wurde, hatten sie den armen Kerl in eine Kutsche für Strafgefangene gesteckt. Diese Kutsche sollte ihn in den Kerker der Stadt Mellum bringen.

Der zwölfjährige Igor hatte alles genau beobachtet und kannte als Einziger die Wahrheit: Rudolf Schmidt, der Matrose, war unschuldig. Der wahre Übeltäter war Graf Robos von Mellum. Das konnte er bezeugen!

Die Worte des Grafen klangen ihm noch deutlich in den Ohren: „Endlich habe ich ihn, den rubinroten Lederbeutel! Ja, das Geheimnis der Familie Alminetti liegt jetzt in meinen Händen. Jetzt muss ich dem Räuberhauptmann Rakan nur noch die Holzkugel mit der darin versteckten Schatzkarte abkaufen. Und dann wird mich nichts mehr davon abhalten, den Schatz der Nebelberge zu finden!“

Der Graf hatte vor sich hin gekichert, bevor er weitergesprochen hatte: „Rakan hat glücklicherweise keine Ahnung, was für ein wertvolles Objekt er da geraubt hat. Vermutlich liegt diese Holzkugel schon seit Jahren irgendwo in seiner Schatzkammer herum – zwischen unzähligen anderen Sachen. Deshalb brauche ich Rakan nicht viel zu bezahlen und erhalte im Gegenzug einen riesigen Schatz. Ja, wenn ich nicht überall so gute Spione hätte, wäre ich niemals so reich geworden, wie ich es heute bin!“

Igor konnte zwar mit dem, was der Graf gesagt hatte, nichts anfangen. Aber eins war ihm klar: Er musste diesem Schurken den Beutel wieder abnehmen, um ihn dem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben.

Hochzufrieden hatte Graf Robos den Beutel in seine Manteltasche gesteckt und sich auf den Weg zu seinem Schloss gemacht. Igor war ihm gefolgt. Und als sich der Graf auf dem Fischmarkt durch eine dichte Menschenmenge drängte, hatte Igor sich an ihn herangepirscht und ihm den geheimnisvollen Beutel einfach aus der Tasche gezogen.

Das war vor drei Minuten gewesen, und jetzt wollte er so schnell wie möglich verschwinden. Hoffentlich hatte ihn niemand beobachtet!

Doch diese Hoffnung erfüllte sich leider nicht. Im selben Augenblick hörte Igor nämlich eine Marktfrau laut aufschreien. Sie starrte ihn an und zeigte mit dem Finger auf ihn: „Ein Dieb! Ein gemeiner Dieb!“

Sofort wandten alle Umstehenden ihre Köpfe und schauten den Jungen neugierig an.

„Das ist doch nicht zu glauben. Was für eine ungeheuerliche Frechheit! Stellt euch vor, dieser Junge da hat dem Grafen einfach etwas aus der Tasche stibitzt!“

Igor erschrak so sehr, dass er sich nicht mehr rühren konnte. Sein Herz raste. Was würde jetzt passieren?

Nun wurde auch der Graf auf ihn aufmerksam. Er drehte sich um, zog sein Schwert und machte ein grimmiges Gesicht.

Die Leute traten automatisch zurück und bildeten eine Gasse für den Grafen. Denn alle hatten Angst vor ihm; niemand wagte es, sich gegen ihn zu wehren.

Langsam ging Graf Robos auf Igor zu, begleitet von fünf seiner Spießgesellen. Igor hielt den Atem an …

Käpten Sturm war gerade auf dem Fischmarkt der russischen Stadt Mellum, um Handelswaren einzukaufen. Durch das Geschrei der empörten Frau bekam er mit, was sich ganz in seiner Nähe abspielte. Er blickte auf den Jungen, der von böse dreinschauenden Männern umzingelt war. Einer von ihnen war besonders vornehm gekleidet und hatte sein Schwert gezogen.

Soll ich mich da einmischen?, überlegte Käpten Sturm rasch.

Aber nein, die Sache war ja eindeutig: Diese Frau hatte den etwa zwölf Jahre alten Jungen beim Stehlen erwischt. Er würde vor Gericht angeklagt werden und eine angemessene Strafe bekommen. Daraus würde er hoffentlich etwas lernen und in Zukunft kein Dieb mehr sein.

Käpten Sturm bezahlte den Fisch, den er ausgesucht hatte. Zwei kräftige Matrosen, die ihn begleiteten, hoben je drei übereinandergestapelte große Kisten hoch. Das taten sie so lässig, als würde es sich nur um ein paar Federkissen handeln. Dabei waren diese Kisten unheimlich schwer! Aber die beiden Matrosen waren auch bärenstark.

Im Hafen wartete bereits ein Ruderboot auf die drei Männer, es würde sie zurück zu ihrem Schiff Esmeralda bringen. In einer halben Stunde würden sie dann schon wieder auf dem Weg nach Hause sein, wo sie den hier erworbenen Fisch bestimmt mit gutem Gewinn verkaufen konnten.

Graf Robos schaute den Jungen zornig an und sprach mit fieser Stimme: „Du hast mich bestohlen – mich, den Grafen Robos von Mellum!“

Einer seiner Begleiter versetzte Igor einen heftigen Stoß. Danach packte er ihn am Arm und nahm ihm den Lederbeutel ab, den er sogleich dem Grafen übergab.

Igor konnte sich nicht wehren – gegen sechs erwachsene Männer hatte er keine Chance. Und er wusste, dass ihm kein einziger Bewohner von Mellum helfen würde. Denn alle fürchteten sich vor dem mächtigen Grafen.

Nun wurde Graf Robos’ Stimme lauter – er schrie sogar so laut, dass man es auf dem ganzen Markt hören konnte: „Du hast mich bestohlen! Du bist ein Verbrecher! Und dafür wirst du hart bestraft werden! Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede!“

Trotzig schaute Igor dem wütenden Mann direkt ins Gesicht.

Dessen Stimme überschlug sich jetzt beinahe. „Und damit jeder hier in Mellum ein für alle Mal weiß, welche Strafe auf Diebstahl steht, werde ich jetzt sofort das Urteil verkünden! Oder hast du vorher noch etwas zu deiner Verteidigung zu sagen?“ Der Graf hielt inne und stieß ein höhnisches Lachen aus.

Da löste sich Igor aus seiner Erstarrung, er konnte plötzlich wieder reden. „Ja, natürlich will ich etwas sagen. Ich bin kein Dieb!“, rief er laut. „Der wahre Dieb sind Sie!“

Der Graf starrte Igor mit feurigen Augen an. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre Igor wahrscheinlich auf der Stelle tot umgefallen. Aber zum Glück ist ein böser Blick keine tödliche Waffe, so gefährlich er auch wirken mag.

Graf Robos stutzte, er überlegte blitzschnell. Dann steckte er sein Schwert wieder in die dazugehörige Lederhülse und fing schallend an zu lachen. Amüsiert hielt er den Beutel hoch, der sich kurz zuvor noch in Igors Hand befunden hatte. „Na klar! Ich bin der Dieb! Und diesen Beutel habe ich mir gerade selber aus der Tasche gezogen! Völlig klar!“

Alle um ihn herum brachen in lautes Gelächter aus.

Doch Igor ließ sich nicht beirren. Im Gegenteil: Er nahm jetzt allen Mut zusammen und beharrte auf seiner Aussage: „Ich habe Ihnen etwas weggenommen, was Ihnen gar nicht gehört. Dieser Lederbeutel gehört nämlich einem Matrosen mit Namen Rudolf Schmidt! Ich habe genau beobachtet, was geschehen ist: Sie und ihre Männer haben diesem Matrosen aufgelauert, ihn zusammengeschlagen und ausgeraubt. Dann haben Sie den Befehl erteilt, ihn verschwinden zu lassen. Sie sind der Dieb, Graf Robos, nicht ich!“

Dem Grafen klappte vor lauter Erstaunen der Unterkiefer herunter. So etwas hatte er noch nie erlebt! Da stand doch tatsächlich irgend so ein dahergelaufener Junge vor ihm und klagte ihn vor den Bewohnern seiner Grafschaft eines Verbrechens an. Woher nahm dieses Bürschchen nur so viel Mut und Entschlossenheit?

Aber eine derartige Aufsässigkeit durfte er auf keinen Fall dulden, sonst würden sich andere Leute womöglich noch ein Beispiel daran nehmen. Die Miene des Grafen verfinsterte sich und er erklärte: „Junge – du redest dich um Kopf und Kragen! Für diese freche Lüge musst du sterben, und zwar hier und jetzt.“

Dann rief er laut: „Als höchster Richter der Stadt Mellum verurteile ich dich hiermit zum Tode. Das Urteil wird sofort vollstreckt!“

Igor schloss die Augen. War es jetzt um ihn geschehen?

Graf Robos zog erneut sein Schwert und reckte es hoch in die Luft, um zuzuschlagen.

Doch plötzlich ertönte hinter ihm eine energische Stimme: „Halt! Warten Sie!“

Verblüfft ließ der Graf die Waffe sinken und drehte sich um.

Ein gut aussehender Mann mit blonden Haaren und einem Kapitänshut auf dem Kopf trat ihm entgegen. „Ist es hier in Mellum so üblich, dass man einen Menschen einfach umbringt, ohne dass dieser die Möglichkeit hatte, sich richtig zu verteidigen?“, erkundigte er sich höflich.

Der Graf runzelte die Stirn. „Wer bist du, Fremder, und wie kannst du es wagen, dich in unsere Angelegenheiten einzumischen?“

„Mein Name ist Käpten Wilbert Boynen Sturm. Sie haben gehört, was der Junge gesagt hat. Jeder hier Anwesende hat es gehört.“

„Was dieser Lausebengel behauptet, ist eine freche Lüge. Dafür muss er sterben!“

Bevor der aufgebrachte Mann weitersprechen konnte, legte ihm Käpten Sturm freundlich die Hand auf die Schulter. „Ich verstehe Ihre Wut, Herr Graf. Aber Sie müssen doch zugeben: Wenn Sie den Jungen jetzt töten, könnten die Bewohner dieser wundervollen Stadt womöglich glauben, dass er die Wahrheit gesagt hat. Und es ist für Sie doch bestimmt eine Kleinigkeit, das Gegenteil zu beweisen.“

Graf Robos wurde unsicher. Er schaute sich um und konnte an den Gesichtern der Leute ablesen, dass sie diesem Fremden zustimmten: Er sprach aus, was jeder dachte, aber niemand zu äußern wagte. Jeder Einwohner von Mellum wusste, dass Graf Robos skrupellos war und dass man ihm nicht trauen konnte.

Außerdem waren...


Kowalsky, Daniel
Daniel Kowalsky (Jg. 1966) arbeitet als Realschullehrer und engagiert sich im Kinder- und Jugendbereich seiner Gemeinde. Gleichzeitig ist er erfolgreicher Autor der Kinder- und Jugendbuch-Reihen »Käpten Sturm«, »Joe Hart und die Blauen Tiger« sowie der »Lion Daniels«-Trilogie. Mit seiner Frau lebt er im Südschwarzwald.

http://danielkowalsky.de/

Daniel Kowalsky (Jg. 1966) arbeitet als Realschullehrer und engagiert sich im Kinder- und Jugendbereich seiner Gemeinde. Gleichzeitig ist er erfolgreicher Autor der Kinder- und Jugendbuch-Reihen »Käpten Sturm«, »Joe Hart und die Blauen Tiger« sowie der »Lion Daniels«-Trilogie. Mit seiner Frau lebt er im Südschwarzwald.

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