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Kraft | Um die indische Kaiserkrone: Ein Abenteuerroman (Kommentiert) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 2850 Seiten

Kraft Um die indische Kaiserkrone: Ein Abenteuerroman (Kommentiert)

Erweiterte Ausgabe. Das Mädchen aus der Fremde
1. Auflage 2014
ISBN: 978-80-268-1599-0
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erweiterte Ausgabe. Das Mädchen aus der Fremde

E-Book, Deutsch, 2850 Seiten

ISBN: 978-80-268-1599-0
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Um die indische Kaiserkrone: Ein Abenteuerroman' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Emil Robert Kraft (1869-1916) war ein deutscher Schriftsteller. Krafts Kriminalromane, Abenteuerromane und phantastischen Romane spielen in verschiedenen Teilen der Erde. Im Gegensatz zu Karl May, mit dem er oft verglichen wird, kannte er die meisten dieser Schauplätze aus persönlicher Anschauung. Von seinem Verlag wurde er als 'deutscher Jules Verne' vermarktet. Aus dem Buch: 'Auch der Detektiv konnte jedoch nichts anderes finden, als daß eine Glasscheibe im Oberlicht des Kinderzimmers zerbrochen war. Das Loch war kaum so groß, um einen Menschenkopf durchzulassen. War der Räuber hier eingedrungen, so mußte er auf irgend eine Weise zuvor aufs Dach gelangt sein. Aber der Gaukler hatte doch noch in der letzten Minute das Kind gehabt, das jetzt in Eugenies Bett schlummerte! Der Detektiv schüttelte immer bedenklicher den Kopf. Hier versagte auch sein Scharfsinn. Dann ließ Wilkens die Dienerschaft zusammenrufen. Es ergab sich, daß alle auf dem Dache gewesen waren; keiner hatte gefehlt. Des Detektivs Blick ruhte mit durchbohrender Schärfe auf jedem einzelnen....'

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8. Ein harter Kopf


Inhaltsverzeichnis

Wieder wurde an die Tür des Sprachgelehrten geklopft, und der kleine Sohn desselben öffnete, diesmal aber einem gut gekleideten Herrn.

»Ist Herr Reihenfels zu sprechen, mein Junge?«

»Ich bin kein Junge und deiner nun gleich gar nicht,« klang es trotzig von den roten Lippen zurück.

»Entschuldige, wenn ich dich in deiner Ehre gekränkt habe!« lächelte der Herr. »Also, kleiner Mann, ist Herr Reihenfels zu Hause?«

»Ja, aber er muß jetzt arbeiten.«

»Hat er lange zu tun?«

»Mit dem Kartoffelschälen ist er gleich fertig, dann muß er aber die Suppe ansetzen.«

»Gib ihm diese Karte und sage ihm, ich möchte ihn sprechen.«

Der Knabe nahm die dargereichte Visitenkarte nicht.

»Ich lasse mir von niemandem befehlen, nur von meinen Eltern, von einem Fremden gar nicht.«

»Bist du der Sohn des Herrn Reihenfels?«

»Ja, ich bin Oskar Reihenfels.«

»Bitte, übergib deinem Vater diese Karte.«

Jetzt nahm das Kind sie und sprang die Treppe hinauf.

»Wenn der Sohn den Charakter vom Vater geerbt hat, so werde ich eine schwere Mission zu erfüllen haben,« murmelte der Herr und schüttelte nachdenklich den Kopf.

Schon kam Oskar wieder die Treppe herab und führte den Fremden in das Zimmer. Der Gelehrte war eben dabei, das Mittagessen zu bereiten; denn seine Frau lag hilflos im Bett.

Der Fremde überflog das Zimmer, er sah hier zwar Armut, aber auch Sauberkeit und Fleiß. Über sein steinernes Gesicht zuckte ein verräterischer Zug, als er die bleiche Frau im Bett liegen sah.

Der Gelehrte stand wie erstaunt da, die Augen bald auf die Karte in seiner Hand, bald auf den Eingetretenen heftend.

»Ich weiß nicht, wie ich mir Ihren Besuch erklären soll, Mister Wilkens,« sagte er, »Sie sind Detektiv und ich …«

»Seien Sie ohne Sorge,« unterbrach der Detektiv ihn lächelnd, »mich führt nicht der Dienst zu Ihnen, Herr von Reihenfels.

Der Gelehrte richtete seine etwas gebeugte Gestalt plötzlich hoch auf.

»Ich bin auch völlig ohne Sorge, denn ich habe ein reines Gewissen!« entgegnete er stolz.

»Sie nannten mich eben Herr von Reihenfels, und jetzt weiß ich, was Sie zu mir führt. Bitte, setzen Sie sich, Mister Wilkens! Entledigen Sie sich Ihres Auftrages, ich bemerke aber gleich, daß Ihre Mission zwecklos ist.«

Oskar wischte einen Stuhl ab und bot ihn dem Detektiven an. Ein Blick der Frau rief den Gatten zu sich.

»Sei nicht so hart, Friedrich!« flüsterte sie ihm bittend zu.

»Ich bin nicht hart, ich tue und sage nur, was ich für recht erachte.«

Er nahm neben dem Bett der Frau Platz, Oskar setzte sich zur Seite auf einen Schemel nieder und blickte den Mann mit dem bartlosen Gesicht mißtrauisch an. Das war ein Detektiv, der Verbrecher aufspürt und verhaftet. Was wollte er von seinem Vater? »Herr von Reihenfels,« begann Wilkens.

»Mein Name ist Friedrich Reihenfels,« unterbrach ihn gleich der Gelehrte.

»Wie Sie wünschen. Bereits vor zwei Monaten hat Ihr Herr Vater die Londoner Polizei beauftragt, sie aufzusuchen und heimlich beobachten zu lassen …«

»Sehr freundlich von meinem Vater,« erklang es. bitter.

»… und das ist geschehen. Daraufhin ist er entsprechend benachrichtigt worden, und jetzt ist er hier, um sich mit Ihnen zu versöhnen.«

»Hier in London?«

Ja, er wohnt im Hotel.«

»Warum kommt er nicht zu mir?«

»Das weiß ich nicht. Er will, daß Sie zu ihm kommen.«

Keine Muskel zuckte im Antlitz des Gelehrten, in den Zügen der Frau dagegen war eine halb ängstliche, halb freudige Spannung zu lesen, und Oskar runzelte die Stirn.

»Wissen Sie, wodurch das zwischen uns herrschende Zerwürfnis entstanden ist?« fragte er leise nach langer Pause.

»Ihr Vater hat sich nur wenig darüber ausgesprochen.«

»Weil er Grund zum Schweigen hat.«

»Und Sie keinen?«

»Nicht den geringsten.«

»Wollen Sie Ihren Vater aufsuchen?«

»Nein.«

»Bedenken Sie, es ist Ihr Vater.«

»Und er soll bedenken, daß ich sein Sohn bin, den er in höchst ungerechter Weise von sich gestoßen, dem er schon als Kind sein Haus verboten, dem er die Vaterliebe aus dem Herzen gerissen hat!« rief Reihenfels fast heftig. »Ich bin nicht abgeneigt, mich mit ihm zu versöhnen, aber zu mir muß er kommen.«

»Er verlangt, daß Sie den ersten Schritt tun.«

»Ich komme nicht zu ihm!«

»Das war Ihr letztes Wort?«

»Mein letztes!«

Reihenfels nahm die Hand seiner zitternden Gattin und preßte sie in der seinen, der Detektiv rieb sich mit seinem Taschentuche nachdenkend die hohe Stirn.

»So ist also kein Ausgleich möglich?« begann er wieder.

»Auf diese Weise nicht.«

»Wollen Sie nicht erfahren, warum Ihr Vater eine Versöhnung anbahnen will?«

»Es ist mir gleichgültig.«

»Seine zweite Gemahlin ist vor einem Vierteljahre gestorben.«

»O, das ist also der Grund!« rief Reihenfels und sprang auf. »Also nun, da der Rausch verflogen ist, denkt er wieder an seinen Sohn jetzt fühlt er sich einsam, jetzt verlangt er nach anderer Liebe, als die, die ihm jenes Weib, das ich nie Mutter nannte, bieten konnte. Nein, jetzt verlange ich erst recht, daß er selbst mich in meine Heimat zurückführt, wie er mir einst mit dürren Worten erklärt hat, ich müsse aus dem Hause – weil seine zweite Frau es so wünsche.«

»Sie ist tot,« flüsterte seine Gattin ihm zu, »versöhne dich mit ihm! Bringe das Opfer, vielleicht ist es zum Glück unseres Kindes.«

»Und an dich denkst du gar nicht?« fragte Reihenfels mit schneidender Stimme. »Nein, Hannchen, ich weiß es, auch du würdest aus Liebe zu mir, aber mit Widerwillen das Haus betreten, in welchem man von dir mit Verachtung gesprochen hat, dessen Betreten dir unter Androhung von Strafe verboten worden ist. Mister Wilkens, hat mein Vater auch meiner Frau gedacht?«

»Nein,« entgegnete der Detektiv zögernd, »er schien überhaupt zu vermeiden, von ihr zu sprechen. Einmal sagte er sogar, ich solle Sie überreden …«

»Genug, genug!« unterbrach Reihenfels den Sprecher. »Du siehst, Hannchen, betreff deiner hat der Tod seiner Frau die Ansichten meines ahnenstolzen Vaters nicht geändert, und glaubst du, ich würde da eintreten, wo man dir den Zutritt verweigert oder man dich auch nur scheel ansieht?«

»So gedenke unseres Kindes!«

»Was der Vater an mir gesündigt hat, mag er an meinem Kinde gutmachen, wenn ich nicht mehr bin. So lange ich gesund bin, kann ich Oskar allein erziehen.«

»Ich werde mir mein Geld bald selbst verdienen,« ließ sich Oskars helle Stimme vernehmen, »ich bin ja bald so groß, daß ich an den Schrank hinauflangen kann, und dann bekomme ich viel, viel Geld.«

»Was willst du denn werden?« fragte Wilkens.

»Reich!« war die schlagfertige Antwort.

»Mit Geldverdienen ist uns nicht geholfen,« sagte Reihenfels lächelnd, »man muß mit dem Gelde auch umzugehen gelernt haben.«

»Das kann ich, ich habe mir ja schon bald ein halbes Pfund gespart.«

»So muß ich also Ihrem Herrn Vater die Nachricht bringen, daß Sie sich mit ihm nicht aussöhnen wollen?« begann der Detektiv wieder das Gespräch mit Reihenfels.

»Wohl will ich, aber ich verlange, daß er zu mir kommt und meine Frau und mein Kind anerkennt, denn ich bin der beleidigte Teil.«

»Dann war mein Kommen zwecklos. Mit schwerem Herzen gehe ich zu Ihrem Vater und teile ihm Ihren Entschluß mit. Herr Reihenfels, ich bin Menschenkenner und weiß, daß alle Vorstellungen an Ihrem Willen scheitern würden.«

»Das würden sie, und ehe Sie gehen, hören Sie noch, daß ich nicht ohne Unrecht hart bin.«

Der Detektiv blieb noch. Er hörte die alte Geschichte von der Stiefmutter, die es fertig gebracht hatte, den Erstgeborenen aus dem Vaterhause in Not und Elend zu stoßen, und begann sich immer mehr für diesen Mann zu interessieren.

Reihenfels hatte geendet.

Wortlos hatte Wilkens den Lebenskampf dieses stolzen und edlen Menschen vernommen, und unwillkürlich fragte er: »Sie leben auch jetzt noch in keinen glänzenden Verhältnissen?«

»Es reicht zum Sattwerden, und ich bin zufrieden. Was können Sie mehr vom Leben verlangen? Ich habe Arbeit, wenn Sie mir auch manchmal etwas bitter schmeckt, ich fühle mich kräftig, mein Kind ist gesund, und dem größten Glück sehe ich in kurzer Zeit entgegen.«

»Sie haben eine feste Anstellung in Aussicht?«

»Das würde mich wohl freuen, aber mein Glück nicht ausmachen. Nein, meine Frau ist von einem bösartigen Lungenleiden bald völlig wiederhergestellt.«

Der Detektiv sah den zärtlichen Blick, den die beiden wechselten, und er wußte, daß der Zeisig über dem Fenster hier mit Recht solche luftige Triller schlagen konnte – hier lebte ein sich innig liebendes Menschenpaar.

»Sie beschäftigen sich mit indischen Studien?« fragte er, die vielen Bücher bemerkend, welche über Indien handelten, darunter auch solche in indischer und chinesischer Sprache.

»Ja, es ist mein Lieblingsstudium geworden. Schon in meiner Jugendzeit schwärmte ich für dieses Wunderland, auf der Universität studierte ich Indisch,...



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