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Kramer-Rolls Star Trek: Der Prüfstein ihrer Vergangenheit
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11515-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11515-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Klingonen sind zuerst auf Cragon V, doch sie haben nur die Absicht, die Bodenschätze des Planeten zu plündern und Haß und Zwietracht unter der Bevölkerung zu säen. Deshalb erhält die Enterprise den Auftrag, die dort siedelnden Bauern zu schützen. Bei der ersten Auseinandersetzung mit den Klingonen gibt es Tote, was den geheimnisvollen und mächtigen Herrscher des Planeten, Weyland, dazu bringt, einzugreifen: Er übernimmt die Kontrolle über alle Raumschiffe und versetzt Sulu, Scotty und Chekov in die Vergangenheit. Sie finden sich unversehens im Land ihrer Ahnen wieder, und jeder von ihnen wird in eine Auseinandersetzung auf Leben und Tod verwickelt.
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Kapitel 1
Sulu erwachte mitten in einer Schlacht. Er war zwar wach, aber er öffnete nicht die Augen. Sein Verstand sagte ihm, dass er unmöglich dort sein konnte, wo er zu sein glaubte. Es ist keine echte Schlacht. Ich bin gar nicht wach. Ich träume noch.
Wieder schepperte es. Stahl schlug auf Stahl. Er hörte Rufe, die Aufmerksamkeit verlangten. Selbst wenn es ein Traum war – er musste es sich ansehen. Er öffnete die Augen, lugte durch das Gras und spuckte einen Mundvoll Sand aus.
Tatsächlich, vor ihm tobte etwa ein Dutzend Männer herum; jedenfalls sah er eine Menge um sich schlagender, waffenschwingender Arme.
Na gut, dann träume ich eben, dachte Sulu. Er traute seinen Augen nicht. Was es auch für ein Traum war, er war nicht übel. »Ballett des Todes« war zwar eine abgedroschene Phrase, aber sie passte sehr gut zu den Samurai, die gerade im Begriff waren, sich gegenseitig niederzumachen.
Als Sulu aufsprang, sah er, dass er einen Lamellenpanzer trug. Um so besser. Mit der Zuversicht eines Träumers, der wusste, dass es da war, griff er nach seinem Katana. Und es war da. Sulu rannte – beziehungsweise watschelte – in dem unbeholfenen Tempo los, das rüstungtragenden Kriegern seit Unzeiten bekannt war. Er schlug und brüllte alles nieder, was ihm in die Quere kam. Aber er war noch zu weit vom Ort des Gefechts entfernt, und so traf er nur die Äste der ihm den Weg verstellenden Bäume. Er forderte die in seiner Nähe kämpfenden Krieger in perfektem klassischen Japanisch heraus. Ja, es war ein wirklich toller Traum. Nach dem Aufwachen, so nahm er sich vor, wollte er die Sprache seiner Ahnen erlernen.
Die Anstrengung führte dazu, dass ihm schwindelig wurde. Seine Gedanken bewegten sich so träge wie dicker Schlamm. Als er in den Kampf eingriff, schwitzte er und war außer Atem. Dabei hatte er die Parole »Kämpfe intelligent« doch schon so oft gehört, um sich nicht leichtsinnig zu verausgaben – auch nicht in einem Gefecht, das sich nur in seiner Phantasie abspielte. Aber mit der Zeit stellte er fest, dass seine Phantasie offenbar ziemlich detailgetreu war. Der komische Verdacht, dass er gar nicht träumte, spukte in seinem Kopf herum, aber er redete sich ein, dass es unmöglich war.
Einige Meter weiter blockierte eine Handvoll Samurai die Straße, in deren Mitte eine Sänfte stand, die vier kämpfende Frauen verteidigten. Sie schlugen mit Naginatas um sich. Dann trat eine Dame von Adel hinter dem Vorhang hervor. Sie hielt ein kleines Schwert in den Händen und trat zu ihren Leibzofen, um sich des letzten Ansturms zu erwehren. Die Soldaten wichen schnell vor den Angreifern zurück, die allem Anschein nach Räuber waren.
Sulu schüttelte den Kopf. Es konnte unmöglich real sein. Es musste ein Traum sein. Doch andererseits wurde ihm klar, war hier eine Dame in Bedrängnis. Er zückte sein bestes Kei, stürmte wie ein Teufel gegen die Angreifer los und schlug die Klinge quer über die Brust eines Mannes. Der Räuber schrie auf und ging zu Boden. Erst die Wärme seines verspritzenden Blutes ließ Sulu innehalten.
Und ein Warnschrei wurde in seinem Kopf laut: Es ist kein Traum! Du hast gerade einen Menschen niedergestreckt, als wäre nichts dabei!
Als Realität und Phantasie sich in seinem Kopf vermischten, stolperte Sulu einen Schritt zurück. Es konnte unmöglich Wirklichkeit sein. Wo war er zuletzt gewesen? Hier jedenfalls nicht. Er dachte flüchtig an die Enterprise. Da war irgendein Blitz aufgezuckt …
Sein Gedächtnis hatte eine Lücke. Er konnte sie beinahe spüren. Es war wie eine physische Sperre.
Die wütenden Schreie der Angreifer rissen ihn aus seinen Gedanken. Sein Opfer krümmte sich noch immer auf dem Boden. Sulu ging in Verteidigungsstellung. Nun begriff er, dass er in Schwierigkeiten steckte. Er konnte nicht töten. Er wollte auch nicht töten … Doch die anderen wirkten nicht eben wie Pazifisten.
Sulu bewegte sich, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan und überwand den inneren Drang, die Männer zu töten. All seine Schläge zielten sorgfältig auf ihre Gliedmaßen. Er wollte sie lieber kampfunfähig machen.
Sulu hieb nach rechts und brachte einen Angreifer zu Fall. Gleichzeitig wehrte er von links einen Angriff mit dem Sia ab und drehte die scharfe Klinge mit einer fließenden Bewegung auf die stumpfe Seite, um einen Frontalangriff abzufangen. Als er gerade damit beschäftigt war, einen Räuber abzuwehren, pirschte sich ein anderer Angreifer von hinten an ihn heran. Blut spritzte in einem roten Strahl aus der Wunde. Zu tief! Er hatte zu tief gestochen! Mein Gott, mein Gott …
Sulu wehrte den Tiefschlag eines Räubers ab, der den Versuch machte, ihn mit einer Naginata zu treffen. Er ließ die Klinge an dem hölzernen Schaft abrutschen, um die Beine seines Gegners zu erwischen. Als er die Hiebe parierte, ging alles wie in Zeitlupe vor sich. Ein irrer, tödlicher Tanz. Bald darauf stand er, von stöhnenden Männern umgeben, allein auf der Straße.
Dann fand er seine Stimme wieder und rief: »Was ist hier los? Was mache ich hier? Wer seid ihr? Nun sagt es schon! Aber sofort!«
Und dann, wie auf ein Stichwort hin, fingen seine Gegner an zu zittern und starben. Einfach so.
Sulu verstand nun gar nichts mehr. Als er in die aschfahlen und verzerrten Gesichter der Toten sah, wurde es ihm klar: Gift. Sie hatten es wahrscheinlich unter der Zunge oder irgendwo am Körper versteckt. Sie starben lieber, als sich gefangen nehmen zu lassen.
Sein Verstand weigerte sich, all dies zu verarbeiten.
Er drehte sich zitternd zur Sänfte um und neigte voller Schmerz und Entsetzen den Kopf. Dann zwang er sich, den Blick zu heben. Vor der Dame stand schützend ein Mann. Er war von mehreren toten Gegnern umringt. Zwei Zofen und etwa ein halbes Dutzend Soldaten hatten den Kampf überlebt.
Sulu verbeugte sich vor dem Mann, aber es war eher sein Körper, der dies tat. Sein Verstand schien ausgeschaltet zu sein.
»Wer seid Ihr?«, schnauzte der Mann.
»Suru«, sagte Sulu stirnrunzelnd und fragte sich, warum er seinen Namen nicht richtig aussprach. Aber im Japanischen gab es den Buchstaben »L« nicht, und in dieser Sprache redete er nun. »Heihachiro, Herr«, sagte er lächelnd und verlieh sich den Namen Heihachiro Noguras, des obersten Starfleet-Admirals.
Eine wie ein Silberglöckchen klingende Stimme sagte: »Ich bin Fürstin Oneko. Ihr habt mir tapfer gedient.« Sie wirkte so zerbrechlich wie ein dünner Zweig, aber auch stark wie eine Schwertklinge. Sie ignorierte geringschätzig das an ihrem seidenen Übergewand klebende Blut. Als Sulu sie in ihrer ganzen Schönheit erblickte, hielt er den Atem an. Sie sah aus wie ein zum Leben erwachtes Gemälde aus dem Altertum; ihr weiß gepudertes Gesicht und ihre roten Lippen waren mehr als nur exotisch.
Ihm fiel auf, dass sie eigentlich noch ein Mädchen war, eine wahrscheinlich nicht mal zwanzigjährige Heranwachsende. Ihr wie in Elfenbein gemeißeltes Gesicht und ihre Mandelaugen wurden eingerahmt von dem schwarzen Haar, das fein säuberlich auf ihren Schultern lag und von einem Band gehalten wurde. Sie trug einen seidenen Überkimono mit pfirsichfarbenen und roten Streifen. Die Lagen ihrer übrigen Kleidungsstücke ragten wie ein Wildblumenstrauß aus ihrem Kragen hervor. Sie schob das nun in einer Scheide steckende Kurzschwert in einen seidenen Beutel. Als sie fertig war, verbarg sie es wieder unter ihren Kleidern in einem Gürtel.
Sie sah ihm flüchtig in die Augen. Sulu fühlte sich wie von einem Phaserstrahl in den Magen getroffen. Das Gefühl war zwar weder rational noch logisch erklärbar, aber vorhanden. Sie stieg wieder in die Sänfte.
Ein hochgewachsener Grauhaariger, der in jeder Kultur stattlich ausgesehen hätte, trat an Sulus Seite. »Ich bin Watanenabe Sadayo. ›Suru‹ heißt Ihr? Bedeutet das nicht ›Der Mann, der sein Bestes gibt‹? Aber soweit ich weiß, bedeutet es auch ›Taschendieb‹. – Hmm …« Er musterte Sulu eingehend. »Ihr kommt mit zum Schloss. Der Fürst wird Euch sicherlich belohnen wollen. Nehmt Euch ein Pferd der Räuber und folgt mir.«
Sulu stand nur da und bemühte sich, zu verdauen, was hier vor sich ging. Sollte er hierbleiben? Und wenn er es tat, was dann? Sollte er darauf warten, dass noch mehr Straßenräuber auftauchten? Vielleicht hatte er beim nächsten Mal weniger Glück.
»Was steht Ihr da herum?«, fragte der Grauhaarige schroff. »Ist Euch die angebotene Gastfreundschaft und die Belohnung meines Herrn nicht genug?«
Eins wurde Sulu sehr schnell klar: Wenn er das Angebot ablehnte, stand das nächste Gefecht an. Und diesmal würde einer der Kämpfer sterben müssen.
Was – vorausgesetzt, dies war ein Traum – keine Rolle spielte.
Aber es war kein Traum, er wurde sich dessen langsam immer sicherer.
Sulu verbeugte sich schnell. »Natürlich nicht. Eure Gastfreundschaft ist sehr großzügig.«
»Dann lasst uns schnell zum Schloss gehen, bevor wir noch einmal überfallen werden«, sagte Sadayo.
»Zu welchem Schloss?«, fragte Sulu. »Zu welchem Fürsten?« Er bemühte sich, das Gesicht des schönen Mädchens aus seinen Gedanken zu verdrängen.
»Schloss Fushimi«, sagte Sadayo und schwang sich in den Sattel. »Fürst Torii Mototada-domo.«
Mann, dachte Sulu, Torii Mototada! Er hatte unter den Samurai der alten Zeit einige Favoriten. Seine Mutter hatte den rastlosen Geist seiner Kindheit mit den Geschichten über Benkei, Yoshitsune und das Glück des Hauses Minamoto beruhigt. Als junger Bursche hatte er die straffe Militärpolitik...




